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Hallo Bundesregierung, ich habe ein paar Bitten

1) Diesen Kommentar von Georg Restle lesen oder anhören. Die dort genannten Waffengeschäfte und andere Unterstützungen einstellen.

2) Diesen Artikel des ehemaligen Asylrichters Peter Vonnahme lesen (und zwar ganz).

3) EU-weit geltende Flüchtlingspolitik und EU-Asylanträge und -verfahren einführen.

4) Die Möglichkeit für Asylanträge auch außerhalb der EU wieder einführen (z.B. in Botschaften, wir erinnern uns?).

5) Fluchtwege für Vertriebene in Richtung EU sichern, um nicht für noch mehr Tote mitverantwortlich zu sein.

Das Ganze bitte bis morgen. Es drängt sehr.
Danke.

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Derailing in Kommentaren

In den letzten Tagen fiel mir wieder auf, wie alt ich dieses Blog ist, wie viel wir hier schon erlebt haben mit Blog-Kommentaren und dass es eine jüngere Social-Media-Generation gibt, die das alles nicht mitbekommen haben kann … ich möchte daher noch ein paar Sätze zu dem Thema tippen.

Einige Tweets und FB-Posts zum gerade von uns installierten Plugin, mit dem ich bestimmte Kommentare „weiß machen“ kann, lauteten nämlich in etwa „Spreeblick färbt rassistische Kommentare weiß ein“ oder „Spreeblick weißt Nazi-Kommentare“ – und das trifft es nicht ganz. Wirklich rassistische Kommentare oder solche von klaren Nazis würde ich anzeigen und löschen. Die Kommentare, die ich weiß kennzeichne, sind viel subtiler. Sie versuchen sich – meiner Meinung und Erfahrung nach – am sogenannten Derailing.
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Weiße Kommentare

Da es unter diesem Artikel mal wieder zu den üblichen Versuchen kam, die Diskussion vom ursprünglichen Thema wegzulenken, habe ich mir eine schnelle Lösung einfallen lassen. Ich kenne das echt seit Jahren, es ist immer wieder die gleiche Strategie: Sobald es um Rechtsextremismus geht, versuchen zwei, drei Leute unter unterschiedlichen Namen die Debatte an sich zu reißen, auf „Gefahren von links“ zu verweisen und dann ihre anderen „Man wird ja wohl noch sagen dürfen“- und „Deutschland schafft sich ab!“-Themen unterzubringen.

Natürlich lösche ich Kommentare, die komplett unter die Gürtellinie gehen und zeige jene an, die Hass verbreiten oder zur Gewalt aufrufen. Diejenigen aber, die „nur“ zeigen, wie weit rechts das Gedankengut einiger Leute noch oder wieder sitzt, mag ich nicht einfach löschen, denn ich bin auch ein bisschen stolz darauf, dass es von unseren Leserinnen und Lesern ordentlich Gegenrede und vor allem Argumente gibt. Einfach nur alles zu löschen, was nervt, bedeutet auch, die Dokumentation zu verfremden, das gefällt mir nicht.

Ich habe daher das ältere, aber im Moment noch funktionierende Plugin „Highlight Comments“ etwas angepasst. Ich hebe damit nicht die guten Kommentare hervor, sondern blende die Blender aus, indem ich ihnen gebe, worauf sie oft so stolz sind: Weiße Farbe.

Kommentare, die mich nerven, haben ab jetzt weiße Schrift auf weißem Grund. Wer diese Kommentare dennoch lesen will (z.B., um zu verstehen, worauf sich der Widerspruch der Antworten bezieht) kann den Text markieren und dann wieder erkennen.

Das ist eine schnelle, vorübergehende Lösung, welche die Dokumentation erhält, aber die Atmosphäre etwas weniger vergiftet. Da ich nicht ständig am Rechner sitze, kann das Einweißen manchmal etwas dauern, aber ich gebe mir Mühe, so schnell wie möglich zu sein.

Nochmals ein fettes Dankeschön an alle, die sich einmischen und mit Argumenten widersprechen, das bedeutet mir sehr viel!

(Wenn Zeit ist, versuchen wir das Plugin mal zu erweitern, so dass man bestimmte Mailadressen oder IPs automatisch weiß machen kann … falls das klappt, stellen wir das Plugin anderen WP-Nutzerinnen und -Nutzern zur Verfügung.)

UPDATE Hier gibt es noch ein paar Sätze zu „Derailing in Kommentaren“.

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Entscheide dich endlich, Deutschland [Updates]

UPDATE Da es in den Kommentaren teilweise mal wieder ausartet, lasse ich zwar aus dokumentarischen Gründen vorerst alles stehen, schließe aber die Kommentare bis mir etwas besseres, vielleicht witzigeres einfällt. Vielen Dank an alle, die sich bis hierhin zu Recht eingemischt und dem Unsinn widersprochen haben!

UPDATE 2 Bezüglich des unten im Text erwähnten S-Bahn-Vorfalls ermittelt jetzt der Staatsschutz und bittet um Mithilfe durch Zeuginnen und Zeugen. 


UPDATE 3 Die Kommentare sind wieder geöffnet, einige werden eingeweißt, mehr dazu hier.

UPDATE 4 Hier kann man im Rahmen der Aktion „Blogger für Flüchtlingespenden.

In den späten sechziger und frühen siebziger Jahren – als Deutschland noch geteilt war und es eine BRD und eine DDR gab, als die SPD noch eine sozialdemokratische Partei war und als die Gründung des Grünen-Vorläufers AL (Alternative Liste) in Westberlin noch ein paar Jahre dauern sollte – beschäftigten sich Menschen mit der Tatsache, dass Deutschland seine junge Vergangenheit keineswegs aufgearbeitet hatte, sondern dass stattdessen frühere Nazis weiterhin für den deutschen Staat arbeiteten, in den Behörden saßen, in den Unternehmen und in der Politik. Die Gründung der RAF basierte u.a. auf dieser Tatsache, in den Taten der terroristischen Vereinigung äußerte sich die Wut darüber in gewaltsamen Anschlägen und Morden.
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Endlich: Ein klares Statement der Bundesregierung

ENDLICH! möchte man rufen.

Die Bundesregierung hat auf Facebook ein klares Statement zu den Fluchtbewegungen nach Europa und den teilweise menschenverachtenden Reaktionen darauf veröffentlicht.
(Okay, es war das „Facebook-Team aus dem Bundespresseamt“, ich gehe aber davon aus, dass Meldungen von dort gleichwertig mit Presseerklärungen betrachtet werden können.)

Wer vorhat, heute Nacht gut schlafen zu können, der oder die erspart sich lieber die Lektüre der Kommentare zum Post, auf die man streckenweise mal wieder nur mit schmerzerregendem Kopfschütteln reagieren kann. Doch der Text selbst ist äußerst lesenswert und wohlformuliert, ich wünschte, er würde genau so morgen als einseitige Anzeige in jeder Tageszeitung stehen.

Mein Respekt geht außerdem an das oben erwähnte Facebook-Team im Bundespresseamt. Die sachliche Ruhe und der hin und wieder durchblitzende Humor, die man in den Antworten zu einigen Kommentaren lesen kann, muss man erstmal durchhalten – ich könnte das nicht. Nicht bei dem, was man da stellenweise lesen muss.

Dass ich kein großer Fan der amtierenden Regierung bin, ist kein Geheimnis. An dieser Stelle aber soll Platz sein für Zustimmung, denn ein solches Statement war seit langem sehr nötig und ich bin froh darüber, dass es nun da ist. Und ich hoffe, dass diesen Sätzen jetzt Taten folgen in Form von menschenwürdigen Unterkünften für die Flüchtlinge, mehr Geld für überforderte Schulen und Behörden und klaren strafrechtlichen Einsätzen gegen jede Form von verbaler oder körperlicher Gewalt gegen Flüchtlinge oder für sie bereitgestellte Einrichtungen.

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Pommes am Strand und #Neulandesverrat

pommes

Ich bin temporär faul, daher hier nur ein kurzer Gruß aus dem Ausland und der Hinweis auf meinen Text zum #Landesverrat bei wired.de.

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Die Kanzlerin im Monolog – #NetzFragtMerkel

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Auf der Website zur Kampagne „Gut leben in Deutschland“, deren Adresse die Kanzlerin im aktuellen Video-Interview mit LeFloid fälschlicherweise mit „gutleben.de“ angibt, ist zu lesen: „LeFloid hat Angela Merkel am Freitag Fragen der Netzgemeinde gestellt. Er sprach mit der Kanzlerin darüber, was jungen Menschen in Deutschland wichtig ist.“ Und man möchte ergänzen: „Und die Kanzlerin hat gezeigt, wie egal ihr das ist.“

Ich habe zum Ergebnis der Regierungskampagne #NetzFragtMerkel in meiner WIRED-Kolumne geschrieben, möchte aber an dieser Stelle noch ein paar zusätzliche Gedanken loswerden.
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Wer hier Merkel fragen darf, entscheidet sie immer noch selbst #NetzFragtMerkel #YTfragtMerkel [Updates]

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Link zum Original-Tweet

UPDATE Ich habe mir für WIRED das Videoresultat der Aktion angesehen: Bitte klicken Sie hier. Und hier gibt es noch weitere Ergänzungen von mir.

Natürlich schaut man als deutschsprachiger Blogger und/oder Podcaster etwas neidisch über den Teich, wenn ein US-Podcaster den US-Präsidenten Obama zu Gast hat. Solche Formate finden hierzulande einfach nicht statt.

Umso mehr freute es mich, als ich von der Aktion #NetzFragtMerkel gehört habe. Am Freitag, den 10.7.2015 nämlich, wird YouTube-Star LeFloid die Kanzlerin interviewen und ihr eine Auswahl der Fragen präsentieren, die er bis dahin im Netz eingesammelt hat. Am folgenden Montag soll dann das Ergebnis bei YouTube zu sehen sein, wie LeFloid in diesem Clip (gegen Ende) erklärt:
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Krisenmanagement

Angenommen, ihr gründet nach langer und erfolgreicher Selbstständigkeit ein Unternehmen, eine GmbH. Die Aufträge werden nach und nach größer, also stellt ihr Leute ein, bezahlt ihr Gehalt, führt die entsprechenden Steuern und Arbeitnehmersozialabgaben sowie euren eigenen Anteil daran ab. Ihr habt nach einer Weile zehn, fünfzehn Festangestellte, dazu kommt euer eigenes Gehalt, die Büro- oder Werkstattmiete und deren Ausstattung, Strom, Internet, Telefon, Reisekosten für die Kundenakquise. Hier und da ein paar Euro für ein bisschen Marketing. Ihr braucht Versicherungen, zahlt an die IHK (ob ihr wollt oder nicht), eventuell noch an den ein oder anderen Berufsverband. Vielleicht braucht ihr Maschinen oder Computer, die ihr per Darlehen abbezahlt oder per Leasing mietet.

Ihr habt also ein kleines Unternehmen, nicht einmal Mittelstand. Und ihr landet mit einem solchen Szenario schnell bei etwa 100.000 Euro Kosten. Pro Monat.
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Kanye West vs. Freddie Mercury

freddie

Vielleicht ist es die Sonne, vielleicht auch nicht: Ich hab‘ lange nicht mehr so laut gelacht wie bei diesem Video. Geht schon mit dem ersten „Mama!“ los …

(Hier ist der Link zu einem besseren Original, das sich aber nicht einbetten lässt. Ich habe den Eindruck, dass die hier folgende Version etwas langsamer ist …)

(Danke, Andi!)

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Happy Birthday, Mick Jones [and (White Man) in Hammersmith Palais]

mick_jones

Mick Jones feiert heute seinen 60. Geburtstag und wir gratulieren herzlich! Und zwar zweifach: Denn in dieser Woche vor 37 Jahren, 1978 nämlich, wurde einer der besten Songs veröffentlicht, die jemals geschrieben wurden. Die Rede ist, na klar, von „(White Man) in Hammersmith Palais“.
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radioeins CSD-Special: Die homophobe #MeanTweets-Hymne

radioeins

Ich bin ja sehr froh über die Berliner Radiolandschaft. Und wenn radioeins-Producer Magnus von Keil dann noch solche Kracher bringt, bin ich richtig glücklich darüber. Mit Brian-May-Gitarre!
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Harry Rowohlt (1945 – 2015)

Der heutige Morgen war geprägt von der Freude über den 16. Geburtstag des älteren Sohns und der begleitenden Wehmut. Ein Kind stolpert in das Erwachsenenleben, von dem wir, seien wir doch ehrlich, gar nicht wissen, ob wir es ihm wünschen sollen, und damit auch immer weiter weg von uns. Wer will denn wirklich diesen „Ernst des Lebens“, er soll uns gestohlen bleiben, für immer, ich habe diese drei Worte schon als Drohung empfunden, als ich selbst noch ein Kind war.

Altwerden ist scheiße*. Aber Selbstständigkeit ist toll. Und schließlich ist es seine Aufgabe, zu gehen, und unsere, ihn gehen zu lassen. So schließen wir die Tür hinter ihm also mit einem Lächeln, als er sich auf den Weg zur Schule begibt. Es ist gut und richtig, so, wie es ist, natürlich.

Und dann können wir ihnen doch freien Lauf lassen, den dicken Tränen, die unsere Wangen hinabrinnen, als wir lesen müssen, dass Harry Rowohlt gestorben ist. Ein zufälliges Timing von so großer Tragweite für uns. Als würde er, dessen Stimmen unsere Familie seit anderthalb Jahrzehnten begleiten, besänftigen, zum Lachen und Weinen bringen, den Abschied von der Kindheit, der so feierlich wehtut, noch einmal unterstreichen. Und genau so, wie wir das Ende von „Pu der Bär“ nicht hören können, ohne zu heulen, können wir die Nachricht nicht tränenlos verkraften, dass Harry Rowohlt nicht mehr lebt.

Zum Abschied passt ein kurzer Satz des Bären von sehr geringem Verstand: „So ein Mist.“

Und heute Abend gibt’s Jameson.

*Im Sinne von: Nicht weiter jung bleiben zu können. Grundsätzlich ist es super, alt werden zu können.

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Here comes the summer

Seit Jahren leiten wir den Sommer bei Spreeblick mit den Undertones ein, und seit Jahren erinnert mich Ralph daran – diesmal mit einer ganzen Playlist!

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Video-Rückblick auf die re:publica 2015

Für alle, die nicht dabei sein konnten und für alle, die sich zurückerinnern wollen: So sah sie aus, die re:publica 2015. Und für alle, die sich den Termin schon mal freihalten wollen: Die re:publica 2016 – die ZEHNTE! – findet vom 2.-4. Mai 2016 statt!

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Gastbeitrag: Eindrücke vom Subversive Festival 2015

(Vorwort: Das Original-Bildmaterial des vor kurzer Zeit berühmt gewordenen Fingers von Yanis Varoufakis stammte von seinem Vortrag beim Subversive-Festival in Zagreb, das bis dahin wohl nur wenigen bekannt war. Als mich Felix Schilling per Mail fragte, ob ich Interesse an einem Artikel zur 2015er Ausgabe der Veranstaltung hätte, die Felix besuchen wollte, sagte ich gerne zu. Es folgen seine Eindrücke des Events, die Fotos stammen ebenfalls von Felix. – Johnny)
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Sleaford Mods

In der letzten Ausgabe meiner Radiosendung FluxFM Spreeblick war Jens Balzer zu Gast und schwärmte von den mir bis dato unbekannten Sleaford Mods. Und zwar zu Recht.

Freundinnen und Freunde der gepflegten britischen Beleidigung werden ihr Vergnügen an den Songs haben … naja, an den von Andrew Fearn musikalisch untermalten Vorträgen von Jason Williamson. Selbstverständlich geht es bei den Sleaford Mods aus Nottingham nicht allein um wüste Beschimpfungen, sondern um soziale Bestandsaufnahmen, die nicht nur auf die britische Situation zutreffen. All you Zombies, tweet, tweet, tweet.

Bei Live-Konzerten kläfft Williamson seine Texte ins Mikro, während Fearn eigentlich nur die Songs am Laptop startet, um danach eine weiteres Bier zu öffnen und ein bisschen mitzuwackeln. Großes Entertainment geht anders, und doch ist das alles so stimmig, rotzig und brilliant, dass man sich an Wire, The Fall, The Streets, Gang of Four, Carter USM oder sogar Splodgenessabounds erinnert fühlt, was ja nicht das Schlechteste ist. Aber bevor ich weiter tippe: Jens Balzer und auch John Harris haben das alles schon viel besser analysiert.

Die Sleaford Mods sind demnächst auch wieder live auch in Deutschland zu sehen.

Das Gespräch mit Jens Balzer kann man – wie alle anderen meiner FluxFM-Sendungen – nach der On-Air-Wiederholung bei Soundcloud nachhören. Und eine Podcast-Adresse gibt es auch.

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The Big Lebowskemoji

Lebowskemoji

Neue Lektüre gefällig?
Wie wäre es mit The Big Lebowksi, komplett mit Emojis erzählt?
Hier entlang bitte!

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Liebes Westfalen-Blatt, [Update]

UPDATE 20.5.2015 Das Westfalen-Blatt distanziert sich in einer neuen Stellungnahme komplett von dem Artikel, bittet um Entschuldigung und beendet die Zusammenarbeit mit der Autorin. Die folgenden Spreeblick-Zeilen wurden vor dieser Stellungnahme verfasst.

UPDATE 2 BildBlog verweist auf die nicht unwichtige Tatsache, dass es die Kolumne auch in einer ausführlicheren Version gibt, die etwas anders klingt.

Liebes Westfalen-Blatt,

am vergangenen Sonntag hatte die zu eurer Verlagsgruppe gehörende Sonntagszeitung „OWL am Sonntag“ unter dem Titel „Unsere Töchter schützen“ diese Ratgeber-Kolumne der Diplom-Psychologin Barbara Eggert veröffentlicht, die für ganz hübschen Wirbel in den sozialen Medien sorgte. Und zwar zurecht.

So weit, so ungut.

Nun hat aber euer Redaktionsleiter Ulrich Windolph heute eine Stellungnahme veröffentlicht, die an Schwurbeligkeit und Rumgewinde kaum zu übertreffen ist und welche die Sache meiner Meinung nach noch peinlicher macht, als sie ohnehin schon war.

Ganz abgesehen davon, dass ich die Echtheit solcher „Leserbriefe“ anzweifle (ich siedle solche Kolumnen bei den Horoskopen an, halte sie also für Content, den Publikationen sich ausdenken, um der Meinung und den Wünschen ihrer Zielgruppe zu entsprechen und Layout-Lücken zu füllen), glaube ich nämlich, dass die verantwortliche Redaktion und Frau Eggert, die es als Psychologin eigentlich besser wissen müsste, den gleichen eklatanten Fehler machen: 

In der Kolumne wird von dem „Thema Sexualität“ geschrieben, in der Stellungnahme davon, „dass den beiden Töchtern des Ratsuchenden bisher jegliche Aufklärung über Homosexualität fehlt“.

Vielleicht wäre dem verzweifelten Bernhard und allen anderen Leserinnen und Lesern viel mehr geholfen worden, wenn man in der Kolumne und der Stellungnahme klargestellt hätte: Es geht hier nur in den Redaktions-, Psychologinnen- und Leserbriefausdenker-Köpfen um (Homo)Sexualität. Nicht in denen der Kinder. 

Den beiden Töchtern von Bernhard würde man nämlich auf einer Hetero-Hochzeit nicht erklären müssen, welche Vorlieben das Ehepaar im Bett hat, und daher geht es auch bei einer schwulen Hochzeit nicht um die Sexualität des Paares. 

Sondern es geht um zwei Menschen, die sich lieben. Was zu verstehen jedem Kind in jedem Alter problemlos gelingt, und dabei braucht man Sexualität nicht ein einziges Mal zu erwähnen und auch keine großartige Aufklärung zu betreiben. Außer der, dass es ein Fest gibt, wenn zwei sich Liebende beschließen, für immer beieinander zu bleiben. Kinder mögen Hochzeiten. Egal, wer da wen heiratet und wer wen küsst. 

Und lieber Bernhard, es wird in den nächsten Jahren sicher sehr schwierig sein, deinen Töchtern zu erklären, warum sich Menschen gegenseitig abschlachten, warum sie Kriege führen oder warum sie für Geld Dinge tun, die sie nicht tun wollen. 

Ich kann daher nur dazu raten, mit den einfachen Dingen anzufangen und ihnen zu sagen, wie toll und wichtig es ist, wenn sich Menschen lieben.

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Cheat Sheets von Fußballkommentatoren

8by8

Das amerikanische (!) Fußball-Magazin EightByEight stellt in einer neuen Serie die „Cheat Sheets“ von Fußball-Kommentatoren vor, also den Notizen, die sich die Sprecher machen, um alle nötigen Infos parat zu haben. Arlo White von NBC Sports ist mit einem tollen System dabei, und die unendliche Schönheit des Notebooks von Nick Barnes (BBC Radio Newcastle) haut mich echt um. Ich möchte sofort besser zeichnen lernen und noch mehr Papiernotizbücher kaufen. Und ganz viele Stifte.

Wer ebenfalls in die Welt der handgemalten Notizen einsteigen will, kann hier gleich beginnen:
Read on my dear…