Neuseeland kauft sein Bahnsystem zurück. Für 336 Millionen Euro. Dabei ist es erst vor 15 Jahren verkauft worden. Für 202 Millionen Euro. An private Investoren. War im Endeffekt keine so gute Idee gewesen. Was lernen wir daraus? Lieber nichts.
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Tubuk
Diversifizierung, Sparte, Independent, undsoweiter undsoweiter - klingt nach Bullshit-Bingo für Leute mit Ringelpullovern. Fehlt noch Longtail, hiermit seis nachgetragen. Wie krieg ich jetzt den Bogen zu Tubuk? Genau: gar nicht. Jedenfalls ist Tubuk eine Plattform für Independent-Verlage, bedient hiermit eine Sparte und wirkt auf eine Diversifizierung des Buchmarktes hin. Die Verlage sind in der Mehrzahl tatsächlich toll, und weil Tubuk vom Geschäftsmodell her wie eine Buchhandlung funktioniert, kommt bei beiden mehr Geld an. Was gut ist. Ist ja bald Tag der Bücherverbrennung, also Gelegenheit genug, Bücher zu verschenken. Oder zum Muttertag.
Sahel: Want some desert?
Was das nördliche Afrika anbelangt, sind die noch Anfang der Neunziger vorherrschenden humanitären Diskurse abgelöst worden zugunsten sicherheitspolitischer Erwägungen: Während autokratische Regimes wie etwa Algerien fester eingebunden werden in die internationale „Allianz gegen den Terror“, könnte ein Stück weiter südlich eine Alternative zur bisher praktizierten repressiven Bekämpfung aufgezeigt werden: Nach dem Militärputsch gegen den pro-westlichen Autokraten Ould Taya öffnet sich Mauretanien politisch und findet (hoffentlich) den Weg in die Demokratie.
Netz gegen Nazis: Interview mit Moritz Müller-Wirth
Am Montag startete Netz gegen Nazis, eine Plattform der Zeit gegen, na, Nazis eben. Interview mit Moritz Müller-Wirth nach dem Dingens.
Fallada
Sie sah verkniffen aus wie ein zerdrückter Kronkorken. Wie sie da saß auf dem WG-Sofa, schwieg sie. Sie hielt nicht einfach nur den Mund: ihr ganzer Körper schwieg, und selbst ihr Blick hatte sich zusammengeklappt. Prock hatte den festen Eindruck, sie wünsche sich, in die Polster hinein zu sinken und schattenhafte Rückstände zu hinterlassen. Wie eine Leiche, die erst nach zwei oder drei Tagen entdeckt wird, und deren Wasser sich noch Jahre später in den Polstern abzeichnet.
An der Alten Försterei
„Dit is dit Wohnzimmer“, sagt Anneliese und grinst. „Weeste, dit is hier so zusammenjewachsen, aber dit stimmt ja nich. Eher so zusammenjefriemelt.“ Es fänden sich wohl noch ein paar mehr Adjektive für das Stadion an der Alten Försterei, Heimspielstätte des 1. FC Union Berlin. Ein bisschen provisorisch sieht es hier aus, auf der Stehtribüne am Zuckertor haben sich große Wasserpfützen gebildet. Unten, am Zaun, stehen Kinder bei ihren Eltern, weiter hinten auf der windschiefen Tribüne stehen die Ultras, mit ein paar Fahnen. Ostclub, denke ich, Ultras, denke ich, Gewalt, Hooliganismus und Rechtsradikale.
Sensation: Alles gut! (fast)
Seltsam fühlt sich das doch an, wenn ein Spiegel-Artikel in Argumentation und Beweisführung so sehr an einen etwas älteren Blogartikel erinnert. War wohl Bloggerparanoia, man ist ja vorsichtig inzwischen. Denn der SpOn-Artikel ergänzt den Artikel bei Medienlese nur, mit neu aufbereitetem Material und anderen Zitaten, stilistisch bedächtiger und, ja, ein klein bißchen langweiliger. Auf den zweiten Blick also ist das ein hervorragendes Beispiel, wie Blogs und Journalismus parallel zueinander funktionieren können. Könnten. Können.
Undiplomatisch
Man müsste viel häufiger auf den Monde diplomatique hinweisen, und nicht nur dann, wenn Hicham Ben Abdallah El Alaoui über die Machterhaltungs-Taktiken der autoritären arabischen Regimes schreibt:
In anderen Teilen der Welt ist die Demokratie zweifellos deshalb in die Krise geraten, weil sie nicht hielt, was sie versprach. Im Nahen Osten hat sie schon an Glaubwürdigkeit verloren, bevor sie eingeführt wurde. Schon der Begriff ist verrufen: In der Öffentlichkeit der arabischen Länder steht „Demokratie“ für die verlogenen Parolen autoritärer Regime, für das neokonservative Programm militärischer Präventivschläge und für die Interventionen des Auslands im Allgemeinen.
Lesen!
Generation Generation
Was ich nicht schon alles gewesen bin. Unpolitisch. Manipuliert. Praktikant. Pleite. Doof. Misstrauisch und faul und zufrieden am End. Und jetzt: Müde, klein, langweilig. Und verunsichert wahrscheinlich auch noch.
Kreuzberger Kiezoper
Gemeinsam mit Jugendlichen aus Kreuzberg wurde ein Musikclip entwickelt: Wie erleben die Jugendlichen Ihren Kiez? Welche täglichen Wege gehen sie? An welchen Orten halten sie sich gern auf und warum? Um welche Ecken im Kiez machen sie lieber einen Bogen? Wenn sie Fremdenführer wären: Wie möchten sie anderen, die Kreuzberg nicht kennen, ihren Kiez - wie sie ihn sehen - zeigen?
(Der Rechtschreibfehler ist wohl der strit credibiliti geschuldet.) Erste, einzige und hinterher befeierte Aufführung ist am Samstag um 15:30 im fsk-Kino am Oranienplatz.
Netzaktivismus - Interview Simon Columbus
Ich fremdel ein wenig mit dem Netzaktivismus; ich fürchte, ich bin da altmodisch. Der „Free Burma“-Kampagne stand ich abwartend bis ablehnend gegenüber: umso spannender war es für mich zu beobachten, wie Simon Columbus quasi im Fahrtwind der Aktion sich in mehr und mehr Projekte verstrickt hat. Zeit für einen kleinen Rückblick.
Updating Burma/ Birma/ Myanmar: Die Mühlen der Bürokratie
Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam, aber stetig: Bereits Ende März hat das Human Rights Coucil die Situation der Menschenrechte in Myanmar angeprangert und deren Verletzung aufs Schärfste verurteilt. Den ganzen Text als pdf, der eine kleine Auswahl der anzugehenden Probleme bietet, gibt es hier.
Read on, my dear…
Blick aus China
Rückverlinkungen sind bäh und das macht man nicht. Diesmal aber wohl, denn Katharina Brunner hat im china.blog über die Sicht der chinesischen Medien zu China, Olympia und Jacques Rogge geschrieben:
In China ist Olympia das alles beherrschende Thema. Im ganzen Land sind die Spiele präsent, ob auf Chipspackungen und Milchtüten, in Zeitungen und Fernsehen. Der chinesische Seelenfrieden hängt offensichtlich vom Gelingen der olympischen Spiele ab.
Für Hinweise auf ähnliche/widersprechende/andere Einträge dankt ergebens, etc.
Workshop: The right to the city
Linker Neoliberalismus reloaded: Am Wochenende findet vom 11. bis zum 13. April in den Mehringhöfen ein Workshop statt, der da heißt: „The Right to the City. Soziale Kämpfe in der neoliberalen Stadt“. Es wird also Gentrifizierung gesagt werden dürfen. Zwei der Organisatoren, Jenny Künkel und Armin Kuhn, haben der taz ein Interview gegeben, in dem auch kurz auf die Frage eingegangen wird, ob der Neoliberalismus die Forderungen der Linken miterfüllt.
Olympia 2008: Vielleicht in Peking.
Da haben die Protestler ja ganz schön was angerichtet: Hat das IOC doch tatsächlich überlegt, den Fackellauf abzusetzen. Inzwischen hat Jacques Rogge davon Abstand genommen, aber das Kind ist im Brunnen, und zwar schon länger. Das wird jetzt in erster Linie ein Spießrutenlauf werden. Zurecht.
Ein Sommer in Prenzlauer Berg (3. Teil)
(Erster Teil hier, zweiter Teil dort)
Wir saßen häufig auf dem Balkon und sahen der Sonne beim Wandern zu. Unten zogen kleinere Gruppen von Erasmusstudenten in den Mauerpark, Kinderwägen erklommen die Gehsteige, Drei-Tage-Bärte wurden gekratzt und verrutschte Trägertops neckisch zurechtgezurrt. Wir tranken Bier und hielten die gluggernden Bäuche gen Himmel. Alles war glatt, sauber, schön:
Joyeux anniv, super-flic!
Jean-Paul Belmondo, Gottes Gegenentwurf zur Denkerstirn, wird 75. Prost Neujahr! Die legendäre Kennenlernszene mit Delon aus Borsalino nach dem Knuff.
Read on, my dear…
Biotope
Meine Nachbarn sind großartig. Manchmal unüberhörbar großartig, manchmal unerhört. Heute Morgen zum Beispiel: steht ein Karton vor der Tür. Direkt vor der Tür, nicht zu übersehen. Schön, denke ich, Geschenke. Liegt ein Zettel drauf. Schön, denke ich, mit Brief. Steht folgendes drauf geschrieben:
Ein Sommer in Prenzlauer Berg (2. Teil)
Hier klicken für den ersten Teil. [Update: Hier klicken für den dritten Teil]
Und dann hat Lena Pierre rausgeschmissen. Das war abzusehen gewesen, denn Pierre war schwierig, ein melanchodramatischer Postrock-Bohemien mit Hang zur kryptischen Romantik. Und genau so sah er auch aus: Ausgewählt nachlässig gekleidet, mit dunklem, leicht ins ungesund-fahle spielendem Teint, langen, häufig zitternden Fingern und wuscheligen braunen Haaren, wozu Gottes Frau die passende Augenfarbe ausgesucht hatte.
Heute Abend: Fred liest
Bisken spät, die Ankündigung. Aber immerhin. Heute abend lese ich (zusammen mit Florian Wessels und Saskia Jaja), und zwar den ersten, zweiten und dritten Teil des Sommers in Prenzlauer Berg (erster Teil hier). Also, Florian Wessels und Saskia Jaja lesen natürlich nicht den Sommer, nur ich. Florian Wessels und Saskia Jaja lesen eigene Sachen. Wer also heute Abend und so: Adresse um die Ecke. Quatsch: Nach dem Klick. Read on, my dear…
One of these days
Bad day: Super-Symbolbild
Black Coffee aus Haiti
„hey, come over here so that i can cut your balls off,“ the guy wielding the knife shouted, cackling. not understanding his creole, i smiled, waved back and said „bonjour, monsieur!“ when my guide translated the greeting for me, it was my turn to laugh. it was the most absurd way i’ve been ever been greeted upon entering a market. welcome to cayes jacmel market.
Hätte ich ja nie gedacht, dass ich mal ein englischsprachiges Blog lesen würde.
Zeichen und Wunder. Und auch, wenn ich drei viertel nicht verstehe, fürs letzte Viertel lohnt sichs, regelmäßig bei black coffee in the hour of chaos reinzuschauen: Gerade ist Ratu S. Batu in Haiti und erzählt. Und das gut. Sofern ich das beurteilen kann.
Seitenwahl
War ja ein kurzer Sommer gewesen dieses Jahr. Jetzt ist dann schon bald wieder Weihnachten, man macht sichs gemütlich vor dem Kamin, trinkt heiße Schokolade oder Tee oder Grog und zählt Schneeflocken, bis man einschläft. Draußen toben die Polarbären, und der Wind faucht. So ist das. Jahreszeit für gute Bücher, auf jeden.
Ein Sommer in Prenzlauer Berg (1. Teil)
Kleinanzeigen sind total überschätzt. Gute Nebenjobs, gute Wohnungen und gute Intimkontakte kriegt man anders einfacher. Durch Glück zum Beispiel. Oder wie man das nennt. Read on, my dear…
Islamische Frühgeschichte
Der Islamwissenschaftler Karl-Heinz Ohlig hat ein schönes Interview (Teil 1, Teil 2) über die Frühgeschichte des Islam gegeben und dabei Sätze gesagt, die man sich rahmen sollte und übers Bett hängen. Zum Beispiel:
Religiös-politische Gründungsmythen sind keine Geschichtsschreibung, und wollen dies auch nicht sein. (…) Gründungsmythen haben die Funktion, durch Rückgriff auf eingängige narrative Traditionen Identität zu stiften. In vorkritischen Gesellschaften werden sie selbstverständlich für real gehalten.
[Update: Dr. Dean zerreißt den Ohlig übrigens.]
Tibet
Klar gibt es jetzt Nachrichtenbedarf. Aus Tibet. Man will ja wissen, was da so los ist. Zumindest die nächsten einzwei Wochen.
Interview mit Alban Nikolai Herbst
Alban Nikolai Herbst kann unter die Avantgarde der bloggenden Literaten gerechnet werden: Seit 2004 führt er sein Blog Die Dschungel. Anderswelt. Anders als beispielsweise Goetz in seinem Abfall für alle spielt er bewußt mit der Kommentarfunktion und schreibt, wie er sagt, daraus einen Roman, aber eben: in einer neuen Form. Parallel dazu reflektiert er die Entwicklung Der Dschungel in poetologischen Betrachtungen: Interview nach dem Klick. Read on, my dear…
Seelenakne
(am Telefon)
… und dann hat sie zu mir gesagt, ich solle meine Gefühle ausdrücken, faschdéste, ausdrücken hat sie gesagt und dann mal sehen, was dabei rauskommt, als wären das Pickel, als hätte ich Seelenakne und dumm gekuckt hat sie auch, als ich sie gefragt habe, ob sie sich früher mal gewünscht hat, Dermatologin zu werden, und was sie so mit „glänzenden Oberflächen“ assoziiere, aber da wollt sie dann nicht antworten und meinte, es gehe ja um mich und uns und nicht schon wieder um sie, weil…
Ich mag schiefe Bilder. Schiefe Sprachbilder sowieso. Schiefe Beziehungen dagegen nur so mittel.
Minderheitenpolitik in China: Die Uiguren
Die Ansicht, China werde sich durch eine festere Einbindung in das ökonomische Weltgefüge auch politisch öffnen, hält sich hartnäckig. Der Umgang Pekings mit Minderheiten innerhalb der Staatsgrenzen spricht da eine andere Sprache: Das gilt nicht nur (und nicht nur jetzt) für das annektierte Tibet. Sondern auch für medial weniger durchleuchtete Gebiete. Wie die Region Sinkiang. Read on, my dear…
Steve Martin und die Zeitmaschine
Schokolade gehört nicht in Ärsche, sonst würde man sie als Zäpfchen verkaufen.
Volker Strübing hat den Poetry-Slam der Leipziger Buchmesse gewonnen: Glückwunsch dazu! Außerdem hat er ein paar schöne Fotos mitgebracht. Das Video zum Slam vom 02. März gibt’s hier, noch mehr Slams hier.