Vermutlich wird sich in den nächsten Stunden entscheiden, ob es im Iran zu einem Blutbad kommt oder ob sich die Lage beruhigt. Es ist noch nicht völlig klar, was in diesen Momenten auf den Straßen Teherans passiert. Und es ist auch völlig unklar, wofür und wogegen Khameini, Mussawi oder die Revolutionsgarden stehen - selbst für die meisten Iraner.
Archiv
Anthologie “Schau gen Horizont und lausche”
23 junge Autoren schauen sich ein wenig in der Weltgeschichte um, vor allem in den Städten. Der Verlag verspricht, dass „das, was die Stadt im 21. Jahrhundert ausmacht, wird aus den unterschiedlichsten Perspektiven und in neuem Licht betrachtet“ wird. Bjoern und Fred haben mal reingelesen und sich anschließend über Städte, Prenzlberg-Prosa und pdf-Rezensionsexemplare unterhalten.
Björn: Also, das ist ja ein Buch über Urbanität. Aber dann sind da einige Texte, die nichts mit Urbanität zu tun haben, vor allem die am Anfang. Aber später gibt es Texte, die wirklich sehr gut mit dem Thema spielen. Zum Beispiel Stefan Petermann mit „Gefühlter Sicherheit“, der die Bombenanschläge in London im Juli 2005 zum Ausgang nimmt. Das ist ne Geschichte, da spielt Stadt eine Rolle, die nur Stadt spielen kann: dieses Bedrohungspotential, und im Gegensatz die Ruhe auf dem Land.
Mit wehenden Fahnen dem Untergang entgegen - Rundblick SPD
Was ist nur los mit der SPD? Wo sind die Zeiten geblieben, als es noch 40+ hieß, und was ist denn passiert bisher? Ist sie „stehengeblieben“ (was auch immer das heißen soll)? Hat sie keine Antworten mehr, und wenn ja, auf welche Fragen? Die letzten Tage haben sich viele Kommentatoren um eine Antwort bemüht. Zeit für einen Rundblick.
Louis Begley - Der Fall Dreyfus: Teufelsinsel, Guantánamo, Alptraum der Geschichte
Der Fall Dreyfus ist der berühmteste Justizskandal der französischen Geschichte. Er gilt als die Geburtstunde des modernen französischen Antisemitismus und des Zionismus. Die Affäre geht so: 1894 erhält das Nachrichtenbüro Kenntnis über einen Spion im Generalstab, der den Deutschen Militärgeheimnisse verkauft. Einziger Hinweis ist ein Schriftstück, das eine Agentin aus der deutschen Botschaft ans Nachrichtenbüro übermittelt. Hauptsächlich eine oberflächliche graphologische Untersuchung schließt auf Dreyfus als Verdächtigen, der einzige Jude im Generalstab. Trotz der schwachen Beweiskraft eröffnet die rechtsradikale und antisemitische Presse eine Hetzkampagne gegen Dreyfus. Am letzten Verhandlungstag des Prozesses lässt die Militärführung dem Gericht ein geheimes Dossier zukommen, von dem die Verteidigung keine Kenntnis hat. Dreyfus wird aufgrund dieses dossier secret wegen Hochverrats schuldig gesprochen, degradiert und auf die Teufelsinsel verbannt. Ende des ersten Aktes.
Thank you for smoking
Mit dem Rauchen aufgehört. Vor zwei Wochen schon. Bin jetzt so langsam wieder am Mensch werden. War ne schlimme Zeit gewesen. Jetzt kann ichs ja sagen, wies gewesen ist.
Stream zur Europawahl 2009
In Partnerschaft mit Arte live aus der Cantine in Paris: der Stream zur Europawahl 2009. Nach dem Klick.
Europawahlen 2009
Update: Die internationalen Ergebnisse sind da.
Ab 21:30 wird der Stream auf Spreeblick eingebettet sein: bis dahin werde ich hier und auf arte ein paar Reaktionen sammeln, kommentieren und - soweit das jetzt schon möglich ist - analysieren. Europa auf die Couch legen, juchee. Das Posting wird entsprechend aktualisiert.
“27 und ich” und ich - Europawahlabend auf arte und Spreeblick

Die größte Herausforderung zur Europawahl wird die Wahlbeteiligung sein. Deswegen hat arte das Projekt 27 und ich auf die Beine gestellt (Twitter); das ist eine Plattform, auf der 27 Korrespondenten aus allen Ecken der EU von den Stimmungen, den Einflüssen der europäischen Politik und den Wahlergebnissen berichten. Zum Wahlabend wird es in Partnerschaft mit Spreeblick live aus Paris ein Streaming geben, an dem ich teilnehmen werde und das auch hier eingebettet sein wird.
PS: Das Wetter in Paris ist beschissen, aber hallo.
Getürkte Debatten
Kaum steht die Europawahl vor der Tür, schon entbrennt zum hundertfünfzigsten Mal die Debatte über einen Beitritt der Türkei. Angesichts der Häufigkeit, mit der dieses Thema schon diskutiert wurde, hätte man davon ausgehen können, dass alle wesentlichen Punkte auf dem Tisch liegen. Stattdessen ergehen sich beide Seiten noch immer in der ewig gleichen Polemik.
Die Top 5 der Bundesligatore 08/09
Punk dead
Das ist Punk, dachten wir. So wie er, dachten wir. So gut man eben mit vierzehn Punk sein konnte in einer süddeutschen Kleinstadt, also nicht sehr. Ein Freund aus Cottbus hat mir mal erzählt, es gäbe bei ihnen nur drei Möglichkeiten, was man als Teenager sein könnte: Punk, Nazi oder Hiphoper. In einer idyllischen süddeutschen Kleinstadt mit spitzen Kirchtürmen und den Lateinleistungskursen, mit den ganzen Audis als Zweitwagen, den Wälder und Wiesen, den Kühen auf der Weide und den Ochsen im Rathaus, war das anders. Wir waren sosehr Provinz, wir hatten noch nicht einmal Subkultur. Der nächste soziale Brennpunkt war ein Asylbewerberheim in vierzig Kilometer Entfernung, München und Stuttgart hielten wir für Großstädte. Wir hatten keine Ahnung, von nichts. Wir hatten noch nicht einmal Hitler-Witze gemacht.
Bayer Leverkusen - Werder Bremen 0:1 (0:0)
Ein Spiel des Konjunktivs. Man hätte sich freuen dürfen. Man hätte sich freuen dürfen auf zwei Mannschaften, die mit Hoffenheim den besten Fussball des letzten Jahres hätten gespielt haben können. Man hätte sich freuen dürfen auf Kombinationsfussball, auf Geniestreichpässe, auf ungewöhnliche Laufwege. Jeder Laufweg war so gewöhnlich wie die Route, die der Klaus mit dem Wauz durch den Wald jeden Abend gehen will: geradeaus. Es war ein Spiel wie Boenisch. Solide, aber uninspiriert.
Beschimpfender Unfug
Es war im Oktober letzten Jahres, als der Armin Meiwes aka „Kannibale von Rotenburg“ mit seinem Ansinnen, den Fall vor dem Bundesverfassungsgericht zu verhandeln, scheiterte. Das BVerfG hat denn Fall gar nicht erst zur Verhandlung angenommen und das auch ausführlich erläutert. Obwohl ich damals nicht ein bisschen verstanden habe, warum das keine Tötung auf Verlangen war, hab ich mir den Schriftsatz nicht näher angesehen. Hätte ich mal besser gemacht: mir ist zwar noch immer nicht klar, warum das keine Tötung auf Verlangen war. Dafür bin ich auf diese Perle unter den juristischen Formulierungen gestossen:
Das - nach den Feststellungen des Landgerichts Frankfurt am Main auch von abfälligen Kommentaren begleitete - Ausweiden und Zerlegen eines menschlichen Leichnams in einzelne Fleischportionen zum Verzehr kann ohne Überdehnung des Wortlauts und in vertretbarer Weise als beschimpfender Unfug angesehen werden;
Beschimpfender Unfug ist übrigens ein stehender juristischer Begriff; ich bin mir trotzdem ziemlich sicher, dass die Herren und Damen Richter, die den Beschluss formuliert haben, vor lauter Kichern Schluckauf gekriegt haben an der Stelle.
FC Barcelona - Manchester United 2:0 (1:0)
La Finalissima. Die Schöne gegen das Biest. Zauberlehrling Messi (ob eher „Der grosse Schwuletti“ oder doch mehr Goethe, muss jeder für sich entscheiden) gegen einen Mann wie Bayern München vor der Ära Klinsmann, Ronaldo. Alle Fachleute der Tipprunde vor Ort (also ich) tippten auf Manchester. Tja.
Carla del Ponte: Im Namen der Anklage
Carla del Ponte war von 1999 bis 2008 Chefanklägerin des Internationalen Straftribunals für das ehemalige Jugoslawien und Ruanda. Damals galt sie als sehr aufsässige, eigenwillige und mutige Person. Dass ihre Memoiren ohne größeres Aufsehen veröffentlicht werden würden, davon war nicht auszugehen gewesen. Und tatsächlich haben Kroatien, Serbien und Albanien in seltener Einigkeit die Veröffentlichung von „Im Namen der Anklage“ verurteilt, und das Schweizer Außenministerium hat ihr untersagt, öffentlich als Autorin des Buches aufzutreten.
Peter Ramsauer (CSU)!
Da eine Ihrer Kolleginnen, Frau Julia Klöckner (CDU), die Wiederwahl Köhlers eine viertel Stunde vor der offiziellen Bekanntmachung via Twitter kund tat, sahen Sie sich gezwungen, mahnende Worte an die Öffentlichkeit zu richten. Sie hätten für „solche Dinge keinerlei Verständnis, weil es letztlich auch irgendwo die Würde des Parlaments untergräbt.“ Letztlich? Auch? Irgendwo? Ja wo denn? Und was denn sonst noch? Und was für Dinge? Internet? Frau Klöckner? Die Wiederwahl Köhlers? Seinerseits etwas verständnislos irgendwie, etc pp.
Sturmwarnung in Reimen
Im Radio haben sie gesagt, man soll sich heute Nachmittag, wenn der Sturm kommt, auf der Straße flach auf den Boden legen. Damit man besser vom Baum erschlagen wird vielleicht. Ich hab heute extra Fenster geputzt, um die ganzen auf dem Boden liegenden Leute besser sehen zu können. Die Stimme des Moderators nahm einen sehr brüchigen Ton an, als er das sagte. Das muss ein Moderator gewesen sein, schlechte Nachrichten werden ja immer nur von Männerstimmen überbracht. Nach 9/11 hatten alle Nachrichtensprecherinnen erstmal vier Wochen Urlaub oder mussten Außenaufnahmen machen. Hiobsbotschaften brauchen den Bass.
Opel - Die falsche Solidarität des F.-W. Steinmeier
Kurz zusammengefasst: Guttenberg schlägt eine geordnete Insolvenz für Opel vor, woraufhin Steinmeier vorschlägt, Guttenberg solle die Klappe halten. Es gehe darum, möglichst viele Arbeitsplätze bei Opel zu retten. Wenn es aber nur darum geht, möglichst viele Arbeitsplätze bei Opel zu retten, hat Guttenberg die besseren Argumente.
Berlusconi Pinup-Girl
Das widerlichste an der momentanen Causa Berlusconi ist, mit welcher Selbstverständlichkeit und mit welchem Voyeurismus selbst seriöse Medien die Halbnackt-Bilder eines Teenagers vorzeigen. Alles lechzt nach den Enthüllungen, wie der alternde Charmeur an das junge, naive Dessousmodell denn nun rangegangen ist. Erklären soll er sich, das fordert inzwischen halb Europa. Wenn Berlusconi über diese Affäre stolpert, solls recht sein. Allerdings aus anderen Gründe als ein minderjähriges Modell.
Bundesligaspieltag 34 - Wolfsburg ist Meister
Super Symbolbild: Erstmal Pause. Glückwünsche nach Wolfsburg, Rüffel nach Bielefeld und ein kleiner Reminder für den HSV. Nach dem Klick.
Google und der Heidelberger Appell - mit spitzen Fingern.
Google hat also Bücher gescannt. Bis in den November 2008 waren das sieben Millionen. Von diesen sieben Millionen waren eine Million gemeinfrei; eine weitere Million war copyrightgeschützt und auf dem Markt erhältlich. Die restliche fünf Millionen waren zwar copyrightgeschützt, aber vergriffen. Der Prozess, den Rechteinhaber angestrengt haben, um an den Büchern mitverdienen zu können, endete vorläufig mit dem Vergleich, dass Google 37 Prozent, die Rechteinhaber 63 Prozent bekommen. Google wird also den Zugang zu einer enormen Datenbank verkaufen, die in erster Linie aus vergriffenen, copyrightgeschützten Forschungstiteln besteht.
Totschweigen hilft nicht gegen Homophobie
Prof. Dr. habil. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz ist empört. Deswegen hat sie einen Aufruf „Für Freiheit und Selbstbestimmung“ unterzeichnet. Darin streitet sie sich für wissenschaftliche Information und Auseinandersetzung und wehrt sich gegen die „totalitären Bestrebungen der Lesben- und Schwulenverbände“. Mit ihr haben ungefähr 370 weitere Personen den Aufruf unterzeichnet.
Dr. Udo Brömme: Zukunft ist gut für alle!
Dr. Udo Brömme ist ein unsympathischer Politiker. Er ist ehemaliger Vorsitzender der Jungen Union, saß ab 1996 Abgeordneter für die CDU im Düsseldorfer Landtag, und jetzt sitzt er seit 2005 im deutschen Bundestag. Da streitet er unter anderem für Auslandseinsätze, rentnerfreie Gehsteige und sonst noch so manchen Schmu, wie man das eben so macht als Bundestagsabgeordneter. Außerdem hat er ein Buch geschrieben: Zukunft ist gut für alle!
Bundesligaspieltag 33 - in Steno
Super Symbolbild: HSV. Kindergeburtstag in Hoffenheim, Musik aus Berlin und die Karlsruher Historie nach dem Klick.
Bundesligaspieltag 32 - mit Film
Wofür dieses Bild steht, darf sich jeder selbst ausdenken. Ha! Kokoschka, zwei alte Herren und ein kleines Manifest des Unfugs nach dem Klick.
Alte Frau
Im Syndikat sitzt in der Ecke die alte Frau und murmelt vor sich hin. Sie brummt ein bisschen und spielt mit dem Feuerzeug. Ihr Gesicht ist ganz zerknittert, die Haare trägt sie in Fetzen. Wir sehen uns um, es gibt keinen freien Tisch mehr. Nur noch die Stühle bei der alten Frau.
„Tschuldigung, ist da noch frei?“
Burma VJ - Trailer
Jetzt ist Myanmar wieder vergessen, und trotz der weltweiten Aufmerksamkeit während der Mönchsaufstände hat sich nichts geändert in dem Land, das inzwischen nur noch wegen seiner goldenen Pagoden in die Reiseseiten der Medien kommt. Die Informationspolitik oder eher Informationsverhinderungspolitik der Militärjunta hat bewirkt, dass noch immer kaum bekannt ist, was damals in Rangoon und den anderen Städten vor sich gegangen ist: vielleicht will das auch niemand mehr wissen. Wer es doch noch wissen will, dem sei Burma VJ ans Herz gelegt, ein Film der freien Journalistenvereinigung Democratic Voice of Burma, die eine Innenansicht der Geschehnisse von 2007 liefern und den World Cinema
Documentary Editing Award auf dem Sundance Film Festival 2009 gewonnen haben. Trailer nach dem Klick.
Read on, my dear…
Kirsten Fuchs, Volker Strübing: Nicht der Süden
Fahren zwei Schriftsteller in die Arktis und ein Kamerateam schaut, was passiert. So stelle ich mir grob das Konzeptpapier zur Doku „Nicht der Süden“ (Mediatheklink mit allen vier Folgen) vor, die sehr charmant geworden ist und unterhaltsam.
Fahren zwei Schriftsteller in die Arktis und schreiben hinterher darüber, wie es ist, mit einem Fernsehteam auf engsten Raum wochenlang zusammenzuhausen und dabei gefilmt zu werden. Das dürfte der Arbeitstitel zu dem parallel erschienenen Buch sein.
What goes around comes around - Antikriegsplakate
Antikriegsplakate, man kennt sie von diversen Demonstrationen, haben häufig was blumenkind-artiges anhaften. Nicht so die Siegerentwürfe von Big Ant zum One Show Design Awards, die für ein Ende des Irakkrieges plädieren. ‘What goes around comes around’ heißt die Kampagne, zu über setzen mit „Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus“. Alle vier Plakate in ausgerollt und in aufgeklebt, mit Panzern, Granaten, Gewehren und Raketen gibt es hier zu bestaunen.
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Ein Papst in Israel
Der Papst ist in Israel, und man kann die Besorgnis verstehen, mit der Yad-Vashem-Direktor Avner Schalev seine Einschätzung dazu gibt. Benedikt XVI. hat viel Kredit verspielt, als er einen Holocaustleugner zurück in den Schoß der Kirche holen wollte und in einer Karfreitagsfürbitte dazu aufrief, für die Bekehrung der Juden zu beten. Und eigentlich gäbe es noch eine Menge mehr zu klären: einige historische, sagen wir, Details.
