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Archiv

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Männer die auf Ziegen starren

Der vermutlich beste Filmtitel des Jahres, Jeff Bridges, Kevin Spacey, als Story eine Armeeparodie mit übersinnlichem Einschlag, eines der besten Filmplakate seit Fritz Lang – der Film hat auf dem Papier alle Voraussetzungen, fantastisch zu sein. Und doch ist es am Ende nur ein besserer Louis de Funès für Stoiker. Read on my dear…

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Die hohe Kunst des schiefen Vergleichs


Hitler geht immer, Hitlervergleiche nie. Nazideutschland geht immer, Nazideutschlandvergleiche nie.

Das durfte (mal wieder) Michael Lerchenberg erfahren, der in seiner Nockherberg-Busspredigt als Bruder Barnabas sagte: „Alle Hartz-IV-Empfänger versammelt er in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drum rum ein großer Zaun.“ Und über dem Eingangstor stehe dann „Leistung muss sich wieder lohnen.“

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Jörg Sundermeier zu Gast bei Read on, my dear – der Lesebühne mit Spreeblick

Der letzte linke Student denkt nach. Denn: er soll gelesen werden. Und zwar: in Neukölln. Nach Neukölln aber kommt er nicht mehr, denn: hier herrscht Gentrifizierung. Gentrifizierung, das heißt: Vertreibung der Armen. Und zwar: durch Aufwertung des Kiezes. Aufwertung des Kiezes aber: geschieht durch kulturelle Aktivität. Und so macht sich der letzte linke Student gemein mit der Gentrifizierung, denn: er trägt bei zur Kultur im Kiez.

Jedoch: die Botschaft. Die: muss unter die Leute. Der letzte linke Student jedenfalls: weiß Bescheid. Und Pflicht ist es: sein Wissen zu teilen. Denn nur so: wird die Revolution kommen. Bis dahin: muss man Verbündete werben. Und das geht: durch Lesungen. Und deswegen beschließt der letzte linke Student, am nächsten Mittwoch seine Weisheit zu teilen! Und auch wir sollten nicht zu Hause versauern, sondern hinausgehen in die Yumabar, um Erkentnis über uns kommen zu lassen.

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Urlaub auf dem Lande

Was macht eigentlich – Oswald Metzger? Zugegeben: das ist eine Frage, deren Interesse sich erst erschließt, wenn man die Antwort kennt. Oswald Metzger, man erinnert sich, war mal das personifizierte Bindeglied zwischen den Grünen und der CDU, ein Grün-Schwarzer, mit starken Meinungen und Bla, ein Wirtschaftsliberaler in Birkenstock, ein Freund der Leute, die Geld haben. Irgendwann ist er aus seiner Partei geflogen oder vielmehr hat seinen Hut genommen, sein Landtagsmandat niedergelegt und ab dann nur noch Meinungen verbreitet.

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Les Elles

Mit einiger Verspätung, aber immerhin, erreicht mich die freudige Nachricht, dass es Les Elles wieder gibt. Les Elles sind eine der interessantesten französischen Band der 90er, eine zauberhafte Combo, mit brutalstmöglichen Texten und kindlich-naivem Gesang der alten Tradition des cabaret musique fröhnt. 2009 haben Pascaline Herveet und Sophie Henry ein neues Album aufgenommen, und mit dem Bühnenprogramm Joseph touren sie gerade durch Frankreich. Es ist schade, dass es kaum vernünftigen Videos von den Auftritten der Elles gibt, denn ihre Show ist legendär: hinreißend und verstörend wie ihre Texte, irgendwo zwischen Musiktheater und surrealem Happening. Das neue Programm kann man aber auf myspace immerhin hören, aber es sehen zu wollen ist nicht der schlechteste Grund, nach Frankreich zu fahren.
Und weils so schön ist, ein paar alte Sachen, nach dem Takt.

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Hartz-Mythen


So lange es die Westerwelles und Sarrazins dieser Welt gibt, so lange wird man über zu hohe Hartz IV-Bezüge reden müssen. Dass einem das Thema nicht mehr aufgezwungen wird, bleibt unwahrscheinlich. Der fortschreitende Abbau des Sozialstaates wird in der Debatte wieder und wieder ideologisch aufgewärmt. Die meisten Behauptungen aber, die den Abbau des Sozialstaates ideologisch stützen sollen, sind zumindest zweifelhaft.

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Spreeblick zu Gast bei Read on, my dear – der Lesebühne mit… äh. Spreeblick.

Es gibt zwei Sorten Anfänge: entweder in medias res, mitten im Geschehen, das ist bei allen Krimis der Fall z.B., da wird immer mit dem Mord begonnen, und dann hechelt sich die Geschichte ab, bis sie die Geschichte vor der Geschichte rekonstruiert hat. Das ist Möglichkeit eins. Möglichkeit zwei heißt ab ovo, das heißt „vom Ei“, was in Zeiten der Übersexualisierung der Gesellschaft einen faden Beigeschmack erhält, aber, Leute, nehmt die Hand vom Genital, es ist älter, reiner und langweiliger, als „vom Ei“ eigentlich sein sollte:
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Bayern München – Hamburger SV 1:0

110 Jahre FC Bayern München, Ribéry wieder fit, Robben dabei – glücklicherweise war van Nistelrooy verletzt, ansonsten hätte wegen des Herzinfarktsrisiko ein Kardiologe in der Kommentatoren-Kabine neben Thurn und Taxis Platz nehmen müssen, um im Ernstfall die Wiederbelebung einleiten zu können.

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“Massenmigration” in Schicksalen

Dank der prächtigen Kooperation zwischen Giovanni di Lorenzo und der Bildzeitung ist die Hartz4-Debatte inzwischen nicht nur bis zu den faulen Nichtsnutzen, sondern auch den massenhaft ins Land strömenden, ausländischen faulen Nichtsnutzen durchgesickert – und das, obwohl die letzten Jahre von massenhafter Einwanderung überhaupt keine Rede sein kann, im Gegenteil. Die Festung Europa ist unerschütterlich wie nie, und vor ihren Toren verrecken die Unerwünschten. In der Meerenge von Gibraltar und im Atlantik kentern Boote voller Flüchtlinge durch die Bugwellen der Tanker, die Öl, Holz, Diamanten und Erze aus ihren Heimatländern nach Europa schaffen. „Massengrab Mittelmeer“ statt „massenhafter Einwanderung“, das ist die aktuelle Politik.

Die Debatte gibt Anlass, auf zwei Bücher hinzuweisen, die das Schicksal von Einwanderern nachzeichnen: Klaus Brinkbäumers „Der Traum vom Leben“ und Quilombo Hoknays „Als Blinder Passagier“.

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Extremismus extrahieren

Es ist so eine Sache mit dem Extremismus. Das Wort will eigentlich nicht viel heißen, außer: fernab der Mitte. Die Mitte ist immer eine Frage der Perspektive, die Mitte ist eine Kunstfigur. Die Mitte ist beliebig.
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Alexandra Tobor, Florian Wessels und Thomas Franz zu Gast bei Read on, my dear – der Lesebühne mit Spreeblick

Alexandra Tobor, nicht nur wegen ähnlicher Lautung legitime Tochter von Greta Garbo und Georg Tabori, schreibt einen Migrationsepos, eine Geschichte des Exodus von Polen nach Deutschland, und darüber, wie es ist, Großmütter zu haben, die Feuer spucken können. Nachdem sie die ersten beiden Kapitel bereits im November bei Read on, my dear vortrug, präsentierte und las, werden diesen Mittwoch Kapitel drei und vier folgen oder sie schließen sich an oder werden eben ergänzt. Es geht um, Vorsicht: „kapriziöse Deutschkinder, DDR-Asis, Hüpfburgen, TuttiFrutti, gefälschte Barbies, Sperrmüll und Lambada!“ Hell yeah!
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Haiti: Die Zukunft der Vergangenheit

Nach und nach wird das Ausmaß der Schäden klar, die das Erdbeben in Haiti angerichtet hat: Die Interamerikanischen Entwicklungsbank bemisst sie auf über 10 Milliarden Euro. Infolge des Bebens sind 212.000 Menschen gestorben, 1,2 Millionen verloren ihr Obdach.

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Waltraud Posch: Projekt Körper. Wie der Kult um die Schönheit unser Leben prägt

Schönheit, persönliche Schönheit ist kein Wert an sich, sagt Posch. Schönheit ist kein festgefügter Begriff, mit „Schönheit“ lässt sich nichts konkretes verbinden. Schönheit ist der Antagonist zu Hässlichkeit, und beide Begriffe unterliegen dem sozialen Wandel. Rubens Modelle wären heute ein Fall für den Ernährungsberater, und während man heute Cindy Crawfords Schönheitsfleck rühmt, glaubte man in früherer Zeit, ein Leberfleck entstünde durch unerfüllte sexuelle Gelüste der Mutter während der Schwangerschaft.

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Lea Streisand und Andreas Monning zu Gast bei Read on, my dear – der Lesebühne mit Spreeblick


Ja doch, Lea Streisand heißt wirklich so. Nein, das ist kein Künstlername. Nein, das muss man nicht englisch aussprechen, tut sie selbst auch nicht, bloß weil irgendwer aus der Familie mal nach Amerika rüber ist, heißt das ja noch lange nicht, dass dann gleich die ganze Familie englisch ausgesprochen wird, so weit kommts noch, was würden denn da die ganzen Kissingers, Manns und Klums zu sagen.

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Linksammlung zu den Blockaden in Dresden

Das Plakat, das mit seinem Aufruf zu Blockaden in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen sorgte, liest sich am Tag danach wie eine Vorhersage: 13. Februar 2010 – Dresden – Kein Naziaufmarsch. Zwar blieb die sächsische Landeshauptstadt alles andere als „nazifrei“. Aber der von der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland angekündigten „Trauermarsch“, zu dem Rechtsradikale aus ganz Europa anreisen wollten, fand nicht statt.

Linksammlung und kurzer Überblick von Tom Strohschneider beim Freitag

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Bayern München – Borussia Dortmund 3:1

Es war ein märchenhaftes tête-à-tête.

Auf der einen Seite van Gall, der gefühlsarme Analytiker, das kalte Biest, der römische Diktator, geliebt für seine Siege und seine Arbeit, aber weiß Gott nicht für seine Ausstrahlung, die mehr wie Strahlung wirkt.

Auf der anderen Seite Klopp, der Medienliebling, der Fussball transpiriert bis zur Dehydrierung, dessen Zunge mehr Charme hat als die Heidelberger Innenstadt, der impulsive, jugendliche, sprühende Jürgen Klopp.

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Räumungsverkauf im Hause Westerwelle

Es muss kompliziert sein, als Gedanke in Westerwelles Kopf wiedergeboren zu werden mit der Aufgabe, einen Weg nach draußen zu finden. Irgendwo ist immer eine Sackgasse, eine Wand, wo jemand „Sozialismus“ draufgeschrieben hat, und dann muss man zurück und wieder über Los und Geld einziehen; aber raus kommt man nie.

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Bundesverfassungsgericht verschaukelt HartzIV-Sätze

Jetzt ist es raus: Die HartzIV-Regelsätze für Kinder sind verfassungswirdrig. Die Hoffnung des Spiegelfechters, Karlsruhe könnte die gesamten Regelsätze kippen und damit die Diskussion über einen Mindestlohn ankurbeln, hat sich indes nicht bewahrheitet.

Die Regierung hat sich Mühe gegeben, die zu erwartende Maulschelle schon vorab abzufangen. Einen klaren Auftrag des Gerichts hat Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger erhofft, nochmal nachzubessern. Völlig unklar bleibt, warum die Regierung das Ende der Verhandlung abgewartet hat, um tätig zu werden. Seit einem Jahr ist das Verfahren jetzt anhängig, aber statt in die Offensive zu gehen, Politik zu machen und beispielsweise die Regelsätze anzupassen, hat man sich darauf verständigt, die Füße still zu halten. Mit dem Ergebnis, dass jetzt ein riesiger Bearbeitungsstau auf die Behörden zukommt. Was auch immer die Regierungsparteien sich bei der NRW-Wahl auf die Wahlplakate drucken lassen, „Zukunft wird gemacht“ wäre keine gute Wahl.

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Helene Hegemann und Airen – Interview mit “Strobo”-Verleger Frank Maleu

Wie es im Titel steht: Es folgt ein Interview mit Frank Maleu vom SuKuLTuR-Verlag, in dem Airens „Strobo“ erschien. Über Hegemann, den Literaturbetrieb, und zwischendurch würde ich mich gerne aufregen, aber Frank Maleu will und will nicht mitmachen. Nach dem Klick.

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Pssst! Steuergelder?

Er hätte es auch niemandem Recht machen können. Das Dilemma lag auf der Hand. In jedem Fall würde er Straftäter begünstigen, so oder so. Entweder die Steuersünder, oder den Datenanbieter. Auf jeden Fall würde er Dieben die Hand reichen.

Es gab den Liechtensteiner Präzedenzfall, als Steinbrück unter ähnlichen Bedingungen eine Daten-CD kaufte. Es gibt die SPD, die ihr Herz für die verarmende Mittelschicht und den Bodensatz der Geselschaft wiederentdeckt hat. Es gibt den ständig präsenten Vorwurf an die Regierung, Klientelpolitik auf dem Rücken der Armen zu machen.

Und es gibt die Möglichkeit, diese Vorwürfe kurzfristig aus der Welt zu schaffen.

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