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Living in Kreuzberg Pt. II

Irgenwann hatte irgendein(e) Kreuzberger(in) einmal die an sich großartige Idee, das minimale Sand-Areal, in denen Bäume am Straßenrand stehen, mit kleinen Blumen zu bepflanzen. Sieht ja auch netter aus, wenn vor dem eigenen Laden oder der eigenen Wohnung nicht nur ein Baum steht, sondern dessen Basis auch noch hübsch bunt blüht.

Nun haben Kreuzberger leider die Angewohnheit, jede gute einzelne Idee innerhalb kürzester Zeit zu einem Trend zu machen, besonders, wenn diese Idee auch nur ansatzweise als ökologisch wertvoll einzustufen ist und deshalb prima in das „alternative“ Bild Kreuzbergs passt.

Und so konnte man in der näheren Nachbarschaft in den letzten Monaten Kleinstbiotope am Straßenrand entstehen sehen, deren Aufrüstung unaufhaltsam schien. Nach der Bepflanzung mit gemeinen Blumen folgten etwas seltenere und auch besonders schöne Exemplare. Diese nun galt es natürlich vor Kindern, Dieben und anderen Wesen, denen der Wert eines Kleingartens im Großen und Ganzen eher egal ist, zu schützen. Mit Zäunen. Aus Holz oder Draht, im Bauhaus gekauft oder selbstgemacht. Zur weiteren Abschreckung wurden Schilder erstellt, mal freundlich („Liebe Nachbarn…“), mal deutlich („Finger weg!“). Der öffentliche Raum wurde parzellisiert und privatisiert, es galt das Gesetz „Wer zuerst kommt, pflanzt zuerst“ und ich wartete auf die ersten Bürgerrechtsbewegungen, die sich für den Schutz der Straßenbaumgärten einsetzten.

Das alles ist natürlich neben einer gewissen Spießigkeit trotzdem nett. Die kleinen Gärten sind eine Bereicherung für das Straßenbild und natürlich ist es grundsätzlich untterstützenswert, wenn sich Menschen um ihren eigenen Lebensraum kümmern statt dauernd nach dem Staat zu schreien.

Doch dann passierte das Unfassbare. Ich geriet in einen Interessenskonflikt bezüglich der Kleinstgärten. Durch einen Hund. Es ist irgendwie mein Hund, obwohl ich das immer bestreite, denn ich mag Hunde nicht besonders. Er wurde eben in die Ehe mitgebracht, was soll ich machen, ist ja auch nur ein Mensch. Und ab und an muss ich eben auch mal mit dem Tier vor die Tür.

Kreuzberger sind nicht nur Blumenfreunde, sondern wollen ihre Umgebung natürlich auch sauber halten (nicht so leicht in Kreuzberg…). Daher weisen zu Recht weitere Schilder in Schaufenstern und an Hauswänden darauf hin, dass die „lieben Hundebesitzer“ doch bitte ihre Tiere ihr „Geschäft“ nicht auf dem Gehweg verrichten sollen. Ich bin da ganz unten mit den Schildern. Gibt ja schließlich Bäume für sowas. Und da nähert er sich schon, der Konflikt.

Denn plötzlich sah ich mich in der Situation, für das Recht eines Hundes eintreten zu müssen. Obwohl ich, wie gesagt, Hunde gar nicht so mag. Wenn mich aber ein selbsternannter Straßenbepflanzer anraunt, ich solle den Hund nicht an den Baum lassen, da dort Blumen gepflanzt seien, und wenn mir dieser Bepflanzer auf meine berechtigte Frage „Wo soll er denn sonst hinmachen?“ erwidert, dass ihm das „scheißegal“ wäre… dann kann ich mich schon mal auf die Seite eines Hundes schlagen. Obwohl ich Hunde gar nicht so mag.

Natürlich war dieser Konflikt nicht nur für mich einer, denn umzäunte Bäume bedeuteten Hundekot auf dem Gehweg und Hundekot auf dem Gehweg war nochmal mehr nicht so schön wie Bäume ohne Blümchen drumrum. Und so verschwanden nach und nach immer mehr kleine Gärten.

Diese verdammten Hunde.

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