0

Fah’n, fah’n, fah’n…

Beim langen, einsamen Zugfahren gehen mir so einige Dinge durch den Kopf, die vermutlich nicht wirklich wichtig sind. Man hat ja nichts anderes zu tun, wenn das ausliegende Langweilerblatt „Mensch & Büro“ endlich ausgelesen ist, also nach etwa 10 Minuten.

Die Zeitung liegt nur in der ersten Klasse aus, denn Menschen, die zweite Klasse fahren, dürfen nicht entscheiden, welche Stühle für das Büro gekauft werden. Das hat die Marketingabteilung des Magazins wahrscheinlich in langen Studien herausgefunden. Ich empfehle die Lektüre von „Mensch & Büro“ (der Titel!) auch wirklich nur dann, wenn man nicht ohnehin schon frustriert genug ist. Denn abgesehen von der Tatsache, dass in dieser Publikation nichts, aber auch gar nichts Interessantes, Spannendes oder Wissenswertes steht, selbst wenn man sich wie ich für Büroeinrichtungen durchaus interessiert, zieht einen der Anblick von silbergrauen „Designerschreibtischen“, denen man ihre gestalterische Halbwertzeit von sechs Monaten sofort ansieht ebenso in den visuellen Abgrund wie die Werbefotos für Bürostühle, auf denen IMMER eine Frau mit einem Businesskostüm sitzt, das mindestens eine Nummer zu klein ist und deren Gesichtsausdruck den Eindruck erweckt, als wüsste sie bei einem Bleistift nicht, mit welcher Seite man schreibt. Mir ist sehr klar, dass vermutlich 99% der büromöbelkaufentscheidenden Personen in Unternehmen männlich sind, dass diese widerum den Anblick von wohlgeformten weiblichen Beinen gern haben und dass ein dümmlicher Ausdruck im Gesicht die alte Volkslüge „Dumm fickt gut“ impliziert. Aber verdammt nochmal, muss ich dauernd für komplett bescheuert erklärt werden, nur weil ich ein Kerl bin? Firmen, die so werben, werden jedenfalls von mir boykotiert.

Notebookbesitzer, die längere Strecken mit der Bahn vor sich haben, dürfen die Wette „Steckdosen vorhanden oder nicht?“ mit sich selbst abschließen. Für Interregiozüge erübrigt sich das, na klar, aber selbst im ICE darf man sich der mobilen Stromversorgung nicht sicher sein. In manchen Zügen, die keine „offiziellen“ Steckdosen haben, findet man kleinere, etwas versteckte Anschlüsse für die Staubsauger der Putzkolonnen, aber die funktionieren während der Fahrt leider nicht, habe ich mehrfach überprüft und mir dabei ein unfreundliches „Nehmsiemalihrefingerdaweg!“ eingefangen. Für computerisierte Nomaden in Not empfehle ich das Einschließen auf dem Klo, dort gibt es selbst in alten Zügen Steckdosen, denn daran hat man gedacht: Dass der Bart des deutschen Mannes während der Zugfahrt unter Umständen gestutzt werden muss. Wenigstens wurden die festplattenkillenden magnetischen Klapptische abgeschafft, deren Einbau vor einigen Jahren eine Meisterleistung weitsichtiger Interieurplanung war. Die Hoffnung, in der Bahn in absehbarer Zeit WLAN Zugang zu finden, schwindet im Angesicht der Unfähigkeit, in einem fahrenden und damit Eigenstrom erzeugenden Vehikel für genau diesen zu sorgen. Und für die Schlauberger: Ja, ich habe ein PowerBook, das laut Apple bis zu 5 Stunden Batterieleistung hat, das nützt aber auf einer photoshopintensiven Fahrt nach München auch nix.

Ich stimme hier übrigens nicht in die allgemeine Bahnschelte ein, ich fahre gerne und durchaus auch aus ökonomischen Gründen Bahn. Ich finde die Idee der per Handy ausmietbaren Fahrräder grandios (und natürlich auch die des Carsharings). Aber: Bahnfahren ist zu teuer. Punkt.

Diesen Artikel kommentieren