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Neid

Ich beneide die Generation der jetzt Fünf- oder Sechsjährigen.

Denn während wir noch sagen mussten „Ich will nicht in die Schule!“, können sich die Kurzen heutzutage entspannt zurücklehnen und problemlos behaupten:

„Ich kann nicht in die Schule!“

Denn sie sind voll. Die Schulen.

(Leider kann ich nicht verlinken, woran das liegt, denn die Website des Berliner Senats für Bildung, Jugend und Sport besteht aus einer Sammlung von etwa 23.453 PDF-Dokumenten, so gut wie keiner verlinkbaren Information und einigen hübschen „Laufzeitfehlern in Microsoft VBScript“. Und die Eltern unter euch wissen vermutlich, dass in diesem Schuljahr erstmals nahezu zwei komplette Jahrgänge eingeschult werden. Natürlich ohne Aufstockung der Schulen.)

18 Kommentare

  1. 01

    Ja unseren kleinen wollen die auch dieses Jahr schon haben.. wo er normal nächstes Jahr erst dran gewesen wär..
    seh da nicht wirklich den Sinn drin.

    Er ist ja im Moment in der Vorschule, da gibts kein „ich will nicht“ der will immer.. von wem er das wohl hat – von mir jedenfalls nicht ;)

  2. 02

    tjo. Und zum Dank dürftest Du Dir als Lehrer dann anhören, dass keine Qualität in der Klasse geboten wird, die Ausstattung der Schulen zu schlecht ist und erzogen werden sollen die Kleinen ja bitte auch noch.

    Bei Klassenstärken von um die 40 und Jahressachmittelbudgets für die Schule in Höhe von Beträgen, für die ich als Monatsgehalt nicht meinen Fuß aus dem Bett schwingen würde – darüber meckern dürftest Du natürlich auch nicht. Denn entweder kommt dann total betroffenes, langsames Kopfnicken oder der Hinweis, da sei halt mehr Eigeninitiative gefragt. Wenn’s ganz dicke kommt, steht ein Merkbefreiter vor Dir, der entweder erklärt Du müßtest halt mehr private partnerships eingehen oder wahlweise meint, Unterrichtszeit sei gleich Arbeitszeit und man solle sich mal nicht so anstellen.

    Deutschland, das Land der Dichter und Denker. Werden in ein paar Jahren einige wenige in Geschichte auf ihrer Privatschule lernen.

  3. 03

    Na klar wollen die. ;) Sollen sie ja auch. Aber können eben nicht, so wie es aussieht.

  4. 04

    1805: „Papa, ich möchte General werden!“
    1905: „Papa, ich möchte Lokführer werden!“
    2005: „Stiefpapa, ich möchte nicht Arbeitslos werden, ey!“

  5. 05

    naja, dafür haben sie g8
    darum kann man sie nicht beneiden…

  6. 06

    Koka, das war ja auch böse Ironie. Ich beneide die um sehr wenig, was ihre Zukunftsaussichten angeht.

  7. 07
    rhia

    Ist es da ein Wunder, das ich meine Kinder nicht in Deutschland aufwachsen lassen möchte?

  8. 08

    nicht in Deutschland?
    1) wüsste ich nicht, wo sonst
    (globalisierung sei dank, das was mich stört/ängstigt/ärgert kommt – mit etwas verspätung vielleicht – auch in den letzten winkel dieser erde. und damit meine ich nicht nur das klima)
    2) möchte ich mein kind dazu erziehen, dinge zu erkennen, in frage zu stellen, zu eigenen schlüssen zu kommen. das wird kaum gehen, wenn ich flüchte.
    nur meine 5ct

  9. 09

    rhia, wo wohnst du denn? Und wo siehst du die bessere Alternative?

  10. 10
    ToBa

    Ich dachte immer, die Geburtenrate wäre in letzter Zeit stark zurückgegangen. Ist das bereits schon wieder ein Gegentrend oder nur die Folge von der Landflucht?

  11. 11
    Katharina

    Dieser Artikel sollte mit „peinlich, peinlich“ betitelt sein… Was ist ein fehlendes e gegen soviel Verplantheit…

    Ich könnte mich stundenlang aufregen. Die Vorverlegung des Einschulalters könnte man ja noch diskutieren. Aber so werden irgendwelche Beschlüsse vom Zaun gebrochen, die einfach nicht ohne die nötige Vorbereitung umgesetzt werden können! Man kann nicht einfach anderthalb Jahrgänge einschulen (Kinder zwischen just fünf und reichlich sieben!) und glauben, dass das so einfach geht – bei gleicher Personalzahl.

    Zeitgleich werden ja auch noch mal eben die Horte von den Kitas und Schülerläden an die Grundschulen verlagert, ohne dass es dafür Raum, Personal oder auch nur Konzepte gäbe. Die in den letzten Jahrzehnten gewachsene Schülerladen-Kultur wird einfach plattgemacht, die Kinder werden in Aufbewahrungsanstalten gesteckt….
    Aber über Bildungsmankos wundern!

  12. 12

    ich würde meine kinder schon in deutschland aufwachsen lassen. so schlecht gehts uns doch nicht…

  13. 13
    snuu

    Ich frage mich, warum in meiner Heimatstadt Leipzig eine Schule nach der anderen geschlossen wird.

  14. 14
    tanja

    @ ToBa:
    der 99er Jahrgang ist zwar in der Tat ein recht geburtenstarker, Schuld an der Misere ist aber die neue Berliner Schulgesetzgebung, die besagt, daß ab diesem Jahr alle Kinder ab 5 1/2 Jahren eingeschult werden müssen.

    Da man bisher die Freiheit hatte, sein Kind bis zum Alter von sieben zurückstellen zu lassen, ergibt sich nun ein Erstklässler Jahrgang von 5 1/2 bis 7jährigen Zwangseingewiesenen, die den Schultag mit der „Reise nach Jerusalem“ beginnen werden, da an einigen Schulen das Mobiliar knapp wird!

  15. 15
    ToBa

    @Tanja: Danke für die Info.

  16. 16

    Wo nehmen die Entscheidungsträger bitte die Zeit und Muße her, Verordnungen zu entlassen, die so offensichtlich sinnbefreit sind? Warum wird gerade an der Stelle nachgeregelt, wo es das System funktionierte? Wo ist der gesunde Menschenverstand, der schon beim ersten Gedanken an solch eine Verordnung zusammenzuckt und sieht, welche Folgen diese haben wird?
    Ich schau grad ein bischen fassungslos aus der Wäsche.

  17. 17

    Ich vertrete mit Nachdruck den Standpunkt, das der Ernst des Lebens früh genug anfängt und Kleinkinder somit frühestens mit 7 Jahren eingeschult werden sollten. Alles andere bringt uns ‚japanische‘ Verhältnisse, in deren Leistungsgesellschaft die Selbstmordrate besonders hoch ist. Die Verhältnisse hierzulande verhindern aber vielfach ein kindgerechtes Aufwachsen: Papi arbeitet und Mami arbeitet (wenn sie denn einen Job haben), damit sie den nötigen Lebensunterhalt für die Familie erwirtschaften können. Es soll mir keiner erzählen, dass Doppelverdiener mit Kindern finanziell auf Rosen gebettet sind. Ausnahmen mag es geben, aber die Regel ist es nicht.
    Ich kann mich nur wundern, dass sich unsere bundesdeutsche Bildungspolitik seit Jahren als ein Experimentierfeld zeigt, in dem diskutiert wird, ob es nun Gesamtschulen geben soll oder nicht, ob das Abi nach 12 oder 13 Jahren zu absolvieren ist, wie die Regelstudienzeit zu verkürzen ist usw. und sofort.
    @serotonic: die Entscheidungsträger brauchen keine Zeit und Muße: zur Durchführung von Verordnungen und Erlassen braucht es das richtige Parteibuch, untergeordnete Dienststellen, die mit Beamten besetzt sind, welche den Bezug zur Realität seit Jahren verloren haben. So einfach ist das. Nur als Beispiel: siehe die Diskussion um die Rechtschreibreform. Hochdotierte ‚Fachleute‘ zerren seit Jahren an der deutschen Sprache, bringen was auf den Weg, die Kultusminister/innen der Länder segnen den Mist ab und schwupps ist es durchgepaukt – bis – ja bis die Reform der Reform eingeläutet wurde. Das hat doch Sinn und Verstand und zeugt von kompetenter Handlungsweise.
    (Anmerkung: ich bin Vater von 2 Kindern, ein Kind hat das Abi und wartet auf einen Studienplatz, das ander bekommt einen Hauptschulabschluss und hat eine Lehrstelle. Letzteres Kind ist ‚Spätzünder‘ wie ich) :biggrin:

  18. 18

    Das scheint kein reines Berliner Problem zu sein. In Schleswig-Holstein gibt es das ebenfalls. Dort werden dann auf den Dörfern die Kindergärten geschlossen, weil die Anzahl der Plätze nicht ausgeschöpft wird.

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