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Kreuzberg für Fortschreitende

Silke Fischer, Initiatorin des Kreuzberger Myfest, im lesenswerten Interview mit der taz.

So wunderbar ambivalent wie der Bezirk, in dem sie lebt.

Kreuzberger wird man nicht durch Geburt, sondern durch Gesinnung.

5 Kommentare

  1. 01
    Radiowaves

    … und Berliner generell wird man offenbar auch nicht durch Hinzug wegen eines Arbeitsplatzes, sondern durch etwas, das ich noch nicht genauer erfassen konnte. „Gesinnung“ trifft es vielleicht ganz gut.

  2. 02

    Ich befürchte fast, durch seit der Kindheit andauerndes Wohnortwechseln geht vielleicht so etwas wie Gesinnung nicht verloren, wohl aber das Gefühl für den richtigen Platz in einer Stadt, die man dann nur als Stadt betrachtet.

  3. 03
    b.

    Silke Fischer erzaehlt in der TAZ:
    “Ich erzähle mal ein Beispiel: Ein Junge steht auf der Bühne, vielleicht 17, ich höre mir den an. Als er runterkommt, sage ich zu ihm: „Weißt du, dass du ziemlich gut bist? Bleib dran.“ Er antwortet: „Ich geh‘ auch nicht mehr Steine schmeißen.““

    Was fuer ein Gesuelze. Man stelle sich vor: Georg Weh Busch haelt eine Rede ueber Enthaltsamkeit in Sachen Sex vor der Ehe, und anschliessend werden Jugendliche interviewt. Super: Es findet sich sogar einer, der seinen festen Glauben bekundet und ab sofort „von der Strasse ins Kloster geht“, denn der Kampf gegen AIDS faengt mit „keinem Sex vor der Ehe“ an.
    Total bescheuerter Vergleich, zugegeben.
    Aber: WAs zur Hoelle will diese Frau?

    Sie soll mal aus ihrer Dachgeschosswohnung in ein Stockwerk ziehen wo sie die Probleme in ihrem tollen Kiez taeglich beobachten kann. In mir bebt der Gedanke, dass diese Frau und all ihre Mitstreiter einfach in Ruhe ihre Baelger aufziehen wollen, ohne den ganzen „Schmutz“ (asoziale, immigranten) der die taegliche Bedrohung darstellt (sei es physisch, oder indirekt via Umgebung mit Einfluss auf Kinder („ich karstadt!“)).

    Ich las einen Artikel auf IndyMedia (http://de.indymedia.org/2005/04/112595.shtml) wo unter anderem ueber eine Pressekonferenz der myfest Organisatoren zu lesen war:

    Nach diesem Auftritt [Anm: einer Rede von Organisatoren des 1.Mai Bündnisses], der von Silke Fischer als „Demonstration“ bezeichnet wurde, ließen die Myfest-Leute die Katze aus dem Sack. O-Ton Sigrid Klebbe: „Wir werden es ohne Polizei insgesamt nicht schaffen die Rahmenbedingungen für solch ein Fest zu schaffen Ali, der Chef von der angeheuerten türkischen Security gab zum besten, daß sie notfalls, wenn die Polizei nur zugucken würde, es auch mit handfesten Methoden schaffen wollten, die Mai-DemnonstrantInnen aus dem Kiez zu vertreiben.

    Indymedia ist vielleicht nicht immer die Quelle der Wahl, regt jedoch in diesem Zusammenhang unter Umstaenden dazu an, weiter nachzudenken. Operiert diese Silke Fische mit staatlichen Organen bzgl. Demonstrationsverboten? Hat sie nicht klar genug gesagt, dass ihr diese Demos gegen den Strich gehen? Haelt sie diese persoenliche Wahrnehmung von sich selbst und einigen ihrer Freunde fuer angemessen genug, tausenden Menschen das Demonstrations-Recht an einem bestimmten Ort abzusprechen?

    Ich selbst wohne seit _Jahren_ in diesem Kiez, dem Kiez der jaehrlich auseinander genommen wird, wo sinnlos(*) gewalt ausgeuebt wird. Aber ich denke, diese Initiative geht zu weit – unter dem Deckmantel „Ex-Hausbesetzer“. Hier wird ohne Zweifel der Eindruck erweckt, als wuerden alle Ex-Hausbesetzer gegen Demonstrationen im Kreuzberger Kiez sein.

    (*) sinnlose Gewalt:
    Ich war in den letzten Jahren als Fotojournalist unter anderem auf den 1.Mai Demos in Kreuzberg unterwegs. Ich beobachtete Jugendliche, die sinnlose Gewalt unter anderem gegen mich ausuebten. Ich bin Links, ich bin Punkrocker, „Ex-Hausbesetzer“, aber ich hatte eine dicke Kamera in der Hand. Ich habe mitbekommen, wie sich offensichtlich ueberwiegend unpolitische bis politisch rechts einzuordnende Kids (graue woelfe Vorfahren -> Wrangelkiez!) an Demo-Teilnehmern und Beobachtern mit Steinen und Kameradiebstahl vergingen. Krawalltouristen unterstuetzen alle Events (u.a. „Ja, geil, die haben dem die Kamera weggerissen“) was ich hoechst bedenktlich finde, ich hatte z.T. wirklich Angst. Ich find das nicht gut (um das klarzustellen), aber ich bin der festen Ueberzeugung, dass Menschen wie diese Silke Fischer einfach mal die Fresse halten sollen und ihre PERSOENLICHEN Geschichten hinten anstellen sollten, wenn sie als „Ex-HausbesetzerInnen“ auftreten. Ich ziehe auch einen Sohn auf, und ich habe mehr Angst und Bedenken vor Kuerzungen von Etats soziales Engagements. Hier im Kiez gibt es keine Jugendfoerderung, hier toben die Kids rum und penetrieren Menschen die ihnen nicht passen. Ich habe heute von Mittags bis spaet-Nachmittags beobachtet, wie 8 Kids ein „ehepaar“ (whatever – sie wohnen im Erdgeschoss hier gegenueber) welches sich (unberechtigterweise) ueber Laerm beschwerte, den _ganzen_ Tag mit Randale beschaeftigten – sie warfen Flaschen, Stangen, Steine gegen die runtergelassenen Rollos der Wohnung im EG, traten gegen die Haustueren , drohten: „Ja, ruf die Bullen und isch knall disch ab!“, etc.

    Die Bullen kamen, und sie waren alle ganz friedlich. Diese Kids sind es aber, die am Heinrichplatz warten bis die erste Tonne brennt. Dazu gibts genug Fotos, kann ich gerne Links raussuchen und eigene Fotos rauskramen. Silke Fischer sollte sich GEGEN DEN ABBAU SOZIALER EINRICHTUNGEN einsetzen, damit die Kids und ihre Karstadt-Kinder nicht sinnlose Gewalt gegen Andersdenkende und Andersaussehende(*) ausueben.

    Es gibt hier NIX fuer Jugendliche im Wrangelkiez.

    Vor ein paar Tagen traf ich in einer Kneipe einen Menschen den ich von Konzerten kannte (er organisiert Konzerte, ich mache Musik). Er ist ziemlich durchgeknallt :) aber OK – er organisiert u.a. musikalische Untermalung von Strassenfesten wie die auf der Oberbaumbruecke. 10 min nachdem er uns gesagt hat, dass wir auf jeden Fall auf dem naechsten Oberbaumbrueckenfest spielen sollen, wurde er von einer Gruppe tuerkischer Faschos verpruegelt nachdem er euphorisch wie er iss, „Jugendarbeit“ leistete und mit den Kids redete (er iss sicher 10 Jahre aelter als ich). Ich hab das gesehen und bin mit 2 Freunden raus um zu schlichten – wir wurden mit Guerteln angegriffen und mit Flaschen beworfen, bis wir zuflucht in der Bar fanden.

    Silke Fischer: sHUT tHE fUCK uP1

    Als langjaehriger Bewohner dieses Kiezes und Mitglied der Szene kann ich einen Umzug Silke Fischers Richtung Reinickendorf (da komm ich urspruenglich her) nur begruessen. Das Recht auf Demonstration ist das hoechste Gut dieser Republik, Silke Fischer scheint es einschraenken zu wollen, aus rein persoenlichen Gruenden.

    Johnny, ich schaetze dein blog sehr, und wir bewegen uns in den meissten faellen auf der gleichen Wellenlaenge. Ich bin etwas „schockiert“ ueber die gesinnung gegenueber (imo) schlechten menschen wie spd mitgliedern wie silke fischer.

    so. genug mieses, schlaft schoen, und geht am 30.4. nicht zum „boxie“ sondern ins Wild At Heart, da koennen wir uns sehen und die Meinungen nochmal ausboxen ;)

    cheers,

    b.

  4. 04

    Wow. Danke.

    Ich bin mir nicht sicher, ob deine Vorwürfe gegen das Myfest wirklich gerechtfertigt sind (den Plan, Leute u.U. mit Gewalt aus dem Kiez rauszuhalten, muss man natürlich mehr als zwiespältig finden, ich kannte ihn bisher nicht), denn schließlich soll das Myfest u.a. genau das bieten, was du willst: Plattformen für Jugendliche. Und das tut es ja auch.

    Aber ich stimme komplett mit einer deiner Kernaussagen überein. Dass es gegen den weiteren Abbau sozialer Einrichtungen gehen muss. Dazu steht auch noch ein längerer Artikel hier an, der die Graffiti-Diskussion wieder aufgreifen wird und sich mit öffentlichen Räumen beschäftigt. Und mit der Frage, wem sie gehören.

    So richtig klar ist mir nicht, wohin deine Argumente gehen sollen, aber das macht nichts, das ist mir bei mir selbst auch manchmal nicht ganz klar. Danke für den Input!

  5. 05

    wer videos von 1.mai-Bühnen hat poste Sie bitte hier!
    http://groups.myspace.com/berlinspacegroup

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