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Bildjournalismus

Manchmal ärgert einen das ja schon: Da denkt man seit Montag über einen Artikel nach, der sich mit der Frage beschäftigen soll, warum Pressefotos von Angela Merkel mit einem Mal durch die Bank sehr viel besser aussehen, als sie es bisher taten, und dann kommt einem der Tagesspiegel zuvor.

Michael Geffken stellt in dem Artikel zu Recht fest, dass die plötzlich eindeutig positivere Darstellung Frau Merkels in der Presse nicht allein daran liegt, dass sich ihre StylistInnen genau wie Frau Merkel selbst mehr ins Zeug legen. Kameraperspektiven und -winkel und Hintergründe (blau!) spielen eine wichtige Rolle in der Inszenierung, und diese liegen weniger in der Macht der Möchtegern-Kanzlerin als in der von Fotografen, die sich an den Wünschen ihrer Auftraggeber orientieren.

Ebenfalls im Tagesspiegel erläutern dann auch der Deutsche Depeschendienst (Depesche. Tolles Wort.) ddp, die dpa und der „ARD aktuell“-Chefredakteur Kai Gniffke, dass Fotos nach „Tagesstimmung“ der Dargestellten ausgesucht und in Auftrag gegeben werden, dass diese Auswahl zum „normalen Handwerk“ gehöre, keineswegs „Manipulation“ sei und dass es darum ginge, „herauszufinden, ob sich der Dargestellte tatsächlich so gefühlt hat, wie es das Bild zeigt, oder ob er sich nur inszeniert hat“.

Das ist bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar und über die generelle Macht von Bildern sind wir wohl alle ganz gut informiert. Die Frage steht jedoch weiter im Raum, warum Frau Merkel in der Vergangenheit beinahe ausnahmslos furchtbar aussah, während neuere Bilder von ihr weitaus sympathischer wirken. Hat sie sich bis letzte Woche eben furchtbar gefühlt, war ihr Lächeln nur eine Inszenierung? Und fühlt sie sich in der Konsequenz jetzt einfach besser, ist ihr Lächeln jetzt keine Inszenierung mehr?

Blödsinn.

Sollte das Team um Angela Merkel jetzt erst bemerkt haben, wie wichtig die bildliche Darstellung einer Spitzenpolitikerin ist, sollte man es auf der Stelle entlassen. Das Team, nicht Frau Merkel. Und natürlich ist die Bildauswahl der Agenturen ebenso manipulativ wie manipuliert, vorteilhafte Bilder von Frau Merkel wären vor drei Wochen ebenso möglich gewesen wie jetzt. Und selbst, wenn die „Tagesstimmung“ von Frau Merkel eine eher ernste oder gar unglückliche ist, kann ein Bild sie verunstalten oder trotzdem würdevoll darstellen.

Die Auswahl des Bildmaterials unterliegt schlichten Marktgesetzen. Fotografen verkaufen an Agenturen, Agenturen verkaufen an Verlage und Publikationen, Verlage und Publikationen verkaufen an die LeserInnen. Und da sich zur Zeit die „Retterin“ Merkel besser verkauft als die „Versagerin“ braucht es nette und hübsche Bildchen. Oder glaubt jemand im Ernst, dass wir im Falle einer Wahlniederlage der CDU (wer glaubt, das sei schon längst entschieden, hat sich geschnitten) weiter die „hübsche“ Angela sehen werden?

Mit der zitierten Tagesstimmung ist, so glaube ich, nämlich nicht die Tagesstimmung der dargestellten Personen gemeint. Sondern die der Kundschaft.

28 Kommentare

  1. 01

    also bei einer story, die sich um die k-nominierung von angela merkel dreht, macht es natürlich schon sinn, „žhappy angie“ zu zeigen und nicht „žtrübsal-angie“. sonst hat man die berühmte bild-ton- oder in diesem fall eben bild-text-schere. und das sieht natürlich erst recht scheisse aus, wenn der text nicht zum bild passt. so ähnlich hat der geffken das glaub ich auch meint.

  2. 02

    Das ist schon klar. Was ich meine ist: Die war doch vorher nicht dauernd unglücklich. Oder?

  3. 03

    Der Bildjournalismus lebt doch auch von Gegensätzen. Früher wurde Schröder als der ständige Strahlemann gezeigt. Merkel war griesgrämiger Gegensatz. Jetzt vermitteln uns die Medien eine strahlende Merkel und zeigen uns einen unvorteilhaften Schröder. Von beiden Personen gab es zu allen Zeiten solche und solche Bilder. Die Medien bestimmen welche Bilder sie veröffentlichen und tragen so zur öffentlichen Meinungsbildung bei.

  4. 04

    @outsider: klar, aber die bilder müssen ja auch zur story passen.
    man müsste vielleicht mal schauen, wie die berichterstattung in den letzten monaten/jahren zu angela merkel war und das dann irgendwie vergleichen.
    aber es stimmt natürlich, dass jahrelang eine gewisses merkel-stereotyp gepflegt wurde, siehe z.b. die sixt werbung.

  5. 05
    tanja

    Neenee! Solche und solche Bilder gab´s von Frau Merkel eben nicht! Man hatte die Wahl zwischen unvorteilhhaft und katastrophal.
    Selbst „offizielle“ Fotos wichtiger Pressetermine präsentierten uns stets das graue Puttchen.
    Ich denke, sie hat das Stoibersche Stylistenteam endlich in den Wind schicken dürfen und jemanden gefunden, der es (rein optisch) wirklich gut mit ihr meint!

  6. 06
  7. 07
    Katharina

    Mir ist das auch aufgefallen. Ich hatte es mir erst so erklärt: Macht macht schön, selbst die Aussicht auf Macht. Leider auch bei Frauen.
    Da ich es politisch nicht so relevant finde, über das Aussehen von Politikern (und Politikerinnen!) zu reden, hab ich mich bislang aus dieser Diskussion herausgehalten, wo immer sie aufkam. Ist das wirklich nötig, eine Handpflege zu empfehlen? Autsch.
    Inzwischen glaube ich durchaus, dass die Sache eher in Richtung Manipulation geht. „Theorie der Schweigespirale“, oder verwechsel ich da was?

  8. 08

    Und Gabi war schon vor Monaten prophetisch. Eiersalat ist bei Angela das Zauberwort :-) Der macht schön.

    http://www.speexx.de/blog/2005/01/21/gestern_fragte_sich_gabi_was_passiert_wenn.html

  9. 09

    Hmm, find ja selbst die Selbstdarstellungsbilder wenig menschelnd und verkrampft. Ein typischer Arbeitstag (mit Teilnahme an einem Jubiläumsempfang einer ortsansässigen Bäckerei). Vielleicht aber auch ein wenig gemein, sich immer auf ihr äusseres zu kaprizieren (ich hör jetzt auf damit), eigentlich fällt mir in Deutschland kein Politiker ein, der schön ist, je länger die an der Macht sind, desto hässlicher werden sie.

  10. 10

    Es geht ja nicht um „schön“. Aber natürlich um die Personen-Darstellung, die einen enormen Einfluss auf die Wähler hat.

  11. 11
    r0ssi

    da ich u.a. als bildredaktuer arbeite/gerbeitet habe kenne ich das problem. die redakteure wollen nach eigenen angaben halt die „text-bild-schere“ (also eine divergenz des gezeigten und gesagten/geschriebenen) vermeiden und nehmen dann lieber sehr eindeutige bilder. die grenze zum kommentar ist dabei natürlich fliessend. man denke an den spiegel, der altkanzler kohl am liebsten mit debil-rausgestreckter zunge abgebildet hat…

  12. 12

    Das bedeutet doch dann aber auch, dass die Texte zu Merkel plötzlich sehr viel positiver geworden sind, oder?

  13. 13
    r0ssi

    ich hab schon den eindruck…

  14. 14

    Mich wundert es, daß der Bildblog-Beitrag über Merkel-Fotos nicht schon im Eintrag erwähnt wurde. Ich dachte, Sie lesen das auch, Herr Haeusler? Oder haben Sie nur den Nachtrag verpaßt?

  15. 15
  16. 16

    Angela Merkels Biografin hat gemeint, dass sie tatsächlich 2 Gesichter besitzt: Das eine (aka das blöde) macht sie immer unwillkürlich bei Prozessen wie konzentrieren, nachdenken etc. und das andere ist das kameragefällige Politikergesicht.

    Warum es schlußendlich aber immer so oder so eingesetzt wird – keine Ahnung. Erster Gedanke: Medien wollen uns manipulieren. Aber das hieße ja, dass nicht alles stimmen würde, was in Zeitungen steht…also neee….;)

  17. 17
    toffy

    Das war für mich Schleimerei der Medien – allen voran der Stern. Da haben doch Photoshopartisten Nachtschichten gemacht. In Natura reicht da nicht ein neuer Friseur. Die wollen später eben bei der Pressekonferenz in der ersten Reihe sitzen dürfen.

  18. 18
    Benni

    Also 1. geben uns ja die Medien, was wir wollen. Sonst würden sie sich nicht verkaufen. Ich weiß nicht, ob ich persönlich jetzt eine „Gute-Laune-Angie“ mehr sehen möchte, aber anscheinend funktionieren die Fotos
    2. Klar sind Medien manipulativ und manipuliert. Aber das hat Johnny ja schon gesagt :)

  19. 19
    Der andere Max

    Na klar will man uns Dummchen jetzt mal endlich einen Lichtblick verkaufen. Denn was hatten wir denn das letzte Mal für eine Wahl: Scheiße (Schröder) oder noch beschissener (Stoiber)? Da ist das Stichwort „Marktgesetz“ schon ganz richtig. Merkel ist rein optisch für mich immer noch eine Katastrophe, besonders als Repräsentanz für Deutschland. Obwohl… passt doch wie die Faust aufs Auge.
    Johnny, dein Eintrag hat mich ein bisschen an dieses eine Buch über Bildsprache erinnert, „Der entgegenkommende und der stumpfe Sinn“ von Barthes. Furchtbar kompliziert geschrieben, aber in ähnlicher Art und Weise wird da ein Bild Kennedy’s abgehandelt. Kennt das einer?

  20. 20
  21. 21

    Das Thema ist langsam aber sicher ausgemerkelt

    Angela und Plissee Gardinen

  22. 22
    ich nochmal

    Angela in echter
    Plauener Spitze

  23. 23
  24. 24
    Hansi

    Zur Beschattung bieten sich Markisen und Sonnenschutz Plissees an.

  25. 25
    Partykoenig

    Ich glaube der Angela fehlt die richtige Party
    Komm hat mal mit
    Partykönig Peter Schreiber

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