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Lila Says

Ich kaufe Platten und Bücher manchmal nach dem Cover. Es gibt viele Menschen, die das nicht verstehen („don’t judge a book by its cover“ heißt es ja auch gerne), dabei ist die Motivation dahinter recht klar: Wer sich Mühe mit der öffentlichen Darstellung seiner Kunst gibt, hat vielleicht auch interessante Inhalte anzubieten.

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Das klappt natürlich nicht immer, aber es klappt oft genug. Als ich 1997 das Buch „Lila Says“ kaufte, weil mir die Schlicht- und Schönheit des Covers gefiel, war schon nach dem Lesen der ersten Seiten klar, dass es diesmal geklappt hatte.

Der Roman stammt angeblich von einem sehr jungen Franzosen. Dem Verlag sei das Manuskript zum Buch von einem Mittelsmann in Form zweier Schulhefte zugespielt worden und man sei sich selbst nicht sicher, ob sich hinter dem Autorenkürzel „Anon“ tatsächlich ein junges Talent oder ein geschulter Autor verberge, der unerkannt bleiben will.

Doch es ist nicht dieses Rätseln um den Autor, das „Lila Says“ zu einem außergewöhnlichen Buch macht, es ist tatsächlich der Inhalt. Der Erzähler, ein 19-jähriger Araber namens Chimo, durchlebt in einem ungenannten, Slum-artigen Pariser Vorort sein anstrengendes Dasein zwischen Macho- und Rivalen-Gehabe, Alltags-Rassismus und jugendlicher Orientierungslosigkeit. Als Lila in sein Leben tritt, nimmt seine Verwirrung weitere, neue Dimensionen an.

Lila ist 16 Jahre alt und sie liebt das Spiel mit ihrer Anziehungskraft, das sie mit dem unbeholfenen Chimo bis zur Unerträglichkeit ausreizt. Ob es allein Lilas Kopfkino ist, das sie aus ihrem öden Rand-Dasein entführt und in das sie Chimo immer wieder hineinzieht, nur um ihn regelmäßig wieder hinauszuwerfen, ob sie tatsächlich als Hure für reiche Männer in der Stadt arbeitet oder ob sie ihr gesamtes Leben erfindet, um selbigem zu entkommen, erfährt weder Chimo noch der Leser.

Was nach dieser kurzen Zusammenfassung nach einer Lolita-Geschichte klingt, ist in Wahrheit ein schmerzendes Psychogram der jugendlichen Entdeckung der eigenen Lust und der Furcht davor, der Ausweglosigkeit sozialer Gegebenheiten und vor allem der Folgen von Kommunikationsunfähigkeit. Erotik? Ja, irgendwie auch, aber nicht in einem lächelnden, anregenden Sinne. „Lila Says“ tut dem Leser nicht gut, sondern weh, und das schockierende, brutale Ende, das auf den letzten zwei oder drei Seiten jede noch verbliebene Hoffnung nimmt, ließ mich tagelang erschüttert und heulend zurück.

Nichts für Freunde des Happy Ends also.

Umso gespannter war ich, als ich von der Verfilmung des Romans las. Und umso enttäuschter, als ich die offizielle Website zum Film sah. Eine schöne junge Frau lässt in ihren Ausschnitt blicken, „strong sexual situations“ werden angepriesen und in Reviews und Zitaten wird nicht an Worten wie „sexy“ und „erotic“ gespart. Alte Männer schreiben über eine junge hübsche Schauspielerin, die sich im Film unter den Rock gucken lässt. Am schlimmsten wird es aber, wenn man das Interview mit Regisseur Ziad Doueiri liest.

Mit den Vororten von Paris kenne er sich nicht so aus, sagt Doueiri, daher habe er den Film mal eben nach Marseille verlegt. Auch eine „ästhetische Entscheidung“. In der Tat. Der 11. September wird als mir unerklärlicher Einfluss erwähnt. Und das Ende? Das war dem Regisseur „zu dramatisch“. Er wollte lieber ein Stück „positive Hoffnung“.

Vielleicht ist „Lila Says“ als Film ein nettes Stück Kino. Die Musik von Vanessa Dauo, die mir ihrem Album „Zipless“ mit Texten von Erica Jong vor vielen Jahren sicher eine der „erotischsten“ Platten ever veröffentlicht hat, kann eine schöne und passende Wahl sein.

Mit dem Buch das ich gelesen habe scheint der Film jedoch nach diesen ersten Eindrücken nicht viel gemein zu haben.

14 Kommentare

  1. 01

    Aber irgendwie ist es doch immer so, dass wenn man das Buch vorher gelesen hat, man von dem film nur enttäuscht sein kann, selbst wenn er näher am Buch ist, als das hier zu sein scheint.

  2. 02

    es ist mir bisher auch nie gelungen, dass der film in meinem kopf, der beim lesen eines buches entsteht, mit dem im kino übereingestimmt hätte. meine darsteller sehen immer anders aus, bewegen und reden anders.

    das heisst aber nicht, dass ich bisher alle filme nach dem lesen des zugrundeliegenden buches schlecht gefunden hätte. manchmel ist eben der „andere regiseur“ doch besser und überraschd mit Sichtweisen, auf die ich niemals gekommen wäre.

    in disem fall bin ich jedoch vom schon entäuscht ohne ihn gesehen zu haben. ich mag keine „happyends“. schlimm, dass hier für eine stimmige geschichte ein „massenkinoende“ zurechtgezimmert wurde.

  3. 03

    Über das Cover entscheidet doch oftmals der distribuierende Verlag. Aber Sie haben Recht: Die Klappentexte verraten ja heute auch kaum noch was.

  4. 04

    „Und umso enttäuschter, als ich die offizielle Website zum Film sah.“

    Ich auch… Als ich nach 15 Sekunden (normal warte ich nicht mal 5 Sekunden) endlich dazu kam, was anklicken zu können, nur um dann noch mal ettliche Sekunden warten zu müssen, hab ich die das Tab genervt geschlossen und die IMDB befragt…

    „icewind says“: Guckt euch den Film an, und wenns nur wegen der bezaubernden Vahina Giocante ist! :)

  5. 05
    christian77

    Als ich ein Jahr in Rußland gelebt habe, hab ich auch immer CDs nach dem Cover ausgesucht, um überhaupt irgendwie gute russische Musik kennenzulernen. Hat auch geklappt!

  6. 06

    Das mit dem Cover ist schon richtig, vor allem bei Platten. Mann blättert im Laden so durch, und plötzlich: wow! Muss man kaufen. Hat ich das letzte Mal in einem Freiburger Plattenladen bei Baby Woodrose (http://www.babywoodrose.com/releases.htm -> ganz unten), und geile Musik wars dann auch. Dazu kommt noch der Geruch des Vinyls bzw. bei CDs des Booklets. Riechen Bücher? Keine Ahnung…

  7. 07
    moni

    Ich mag keine Fotos auf Buchtiteln. Ist eine ziemliche Unsitte geworden.

    Bücher riechen.

  8. 08

    Das Ende zu verändern halte ich für einen großen Fehler. Gerade das Ende im Buch steigert den so oder so schon dramatischen Schreibstil noch einmal um 100%.
    Einen Film, der auch nur ansatzweise das umsetzen kann, was im Buch auf den Leser wirkt, kann ich mir so oder so nicht vorstellen. Das Buch reißt den Leser einfach mit und lässt ihn dann unvermittelt wieder fallen und das Ende ist dann die finale Schlucht in die man gestürzt wird.
    Ich glaube den Film will ich mir gar nicht ansehen.

  9. 09
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