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Schnauze

stoiber

Es ist nicht so, dass Edmund Stoiber erst seit gestern gequirlten Mist von sich gibt.

Er tut das seit vielen Jahren.

(Update: Das stimmt zwar und der Inhalt dieses Artikels bleibt unangetastet, aber das folgende Zitat stammt nicht wie von mir geglaubt von Stoiber, sondern, siehe Kommentare, von Streibl 1992 als Reaktion auf das von den Medien stark kritisierte brutale Eingreifen der Polizei bei einer Demonstration in Bayern)

Wenn einer glaubt, er muss sich mit Bayern unbedingt anlegen und er muss stören… dass wir dabei auch dann manchmal etwas härter hinlangen oder durchgreifen, das ist auch („a“? „halt“?)bayerische Art. Meine Damern und Herren, jeder muss wissen, wenn er nach Bayern kommt, dass er sich (sic) mit Bayern zu tun hat.

MP3-Datei mit O-Ton hier, das letzte „hat“ bricht leider ab.

Natürlich ist es viel souveräner und richtiger, Leute wie Stoiber durch den Kakao zu ziehen und die Sache mit Humor zu betrachten. Aber ich kann das nicht.

Wer sich anmaßt, ein Land oder auch nur einen Teil dieses Landes vertreten zu können und dabei einen beachtlichen solchen konstant beleidigt, wiederum andere komplett ignoriert und bei jeder Nutzung eines Mikrofons (man will gar nicht wissen, was der von sich gibt, wenn das Mikro aus ist) sogar absichtlich nur uniformiertes, sich dumm saufendes, reaktionäres, aggressives, hausbackenes, militaristisches, patriarchalisches, rassistisches, sexistisches und generell gestriges Gewäsch produziert, wer dabei wiederholt seine Unfähigkeit beweist, komplette und grammatikalisch auch nur halbwegs einwandfreie Sätze zu bilden, der ist und bleibt ein kleingeistiger Stammtisch-„Politiker“, der sich mitsamt seinen fetten, schmierigen und selbstgefälligen Unterstützern und Puffgängern und ebenso gefährlich dummschwätzenden Kollegen wie Schönbohm hüten sollte, seine arrogante Widerlichkeit als staatsmännisches Denken verkaufen zu wollen.

War das beleidigend? So fucking sue me, es wäre mir eine Ehre.

Und sobald ich Zeit habe, nehme ich mir den ganzen PISA-Bullshit vor, der aus Sicht der CDU und ganz besonders der CSU vor Fakten-Blindheit und unausgegorenen, unstimmigen Vergleichen und fehlinterpretierten Schlussfolgerungen nur so strotzt.

Es geht hier übrigens keineswegs darum, das Dorftheater „Linkspartei“ zu unterstützen, das liegt mir fern. Es geht hier um den völlig emotional motivierten Wunsch, dieses ganze reaktionäre Bierzelt-Gesülze nicht mehr ertragen zu müssen.

52 Kommentare

  1. 01

    Volle Zustimmung.

    Immerhin scheint er sich ja mittlerweile so disqualifiziert zu haben, dass es für ihn in Berlin keinen Platz mehr gibt.
    Ein Außenminister Stoiber wäre so ziemlich mein absoluter Alptraum gewesen.
    Freilich sind die anderen Nasen (Schönbohm oder auch der werte Herr Liepelt) keinen Deut besser…

  2. 02

    Wo ist die Petition, die ich hierfür unterzeichnen kann? Auch wenn SpON gerade darüber berichtet, daß Herr Stoiber doch in Bayern bleiben will, tröstet das nicht wirklich. Die inhaltliche und tumbe Stumpfheit, die er immer wieder produziert, dringt ja trotzdem nach aussen. Selbst seine eigene (Schwester-) Partei will ihn auch nicht mehr in Berlin haben, nur hat da keiner den Arsch in der Hose ihm mal das Maul zu verbieten. Und wenn Frau Merkel ernsthafte Ambitionen haben sollte, die Wahl zu gewinnen, so wäre es spätestens jetzt dringend notwendig gewesen, sich von den Äußerungen des Herrn Stoibers eindeutig zu distanzieren und sich von ihm zu emanzipieren.

    Stattdessen lässt sie sich von ihm vorschreiben, welches Ergebnis sie zu erreichen hätte bei der Wahl (Herr Stoiber, wo waren wir denn prozentual gesehen bei der letzten Wahl? Warum haben wir es denn nicht besser gemacht, wo in Bayern doch so viele Intelligenzbestien leben, daß es dem Osten das Fürchten lehren muss?)

    Ich bin mehr und mehr entsetzt welchen Verfall politischer Kultur und auch Verantwortung wir in den letzten Jahren hinnehmen musste. Hier nehme ich keine Partei aus. Aber das wird so lange gut gehen für die Parteien, so lange sie dafür keinen Denkzettel einstecken müssen.

    Und wenn man sieht, welchen Erfolg zumindest in den Prognosen ein Herr Lafontaine hat mit Parolen, die seinen eigenen Äußerungen von vor ein paar Jahren faktisch diametral gegenüberstehen, so hat es das Volk auch nicht besser verdient.

  3. 03
    Gerd

    Leute, wenn München nicht ein „rotes Widerstandsnest“ im Freistaat wäre, dann würde ich echt ziemlich schwarz sehen ;-)

    Zu viel Macht ist für den gemeinen Homo sapiens nicht bekömmlich, er benötigt als ausgleichendes Gegengewicht das entsprechend entwickelte Bewußtsein, um mit der Macht verantwortungsvoll umzugehen.

  4. 04

    @sirstick: merkel kann sich nicht von ihm distanzieren, denn dann fehlen ihr die stimmen aus bayern und das sind bekanntlich nicht wenige….

  5. 05

    little hitlers..
    ich dachte immer das wäre ein O-Ton von Franz-Josef Strauß.

    jedenfalls sehr bezeichnend.

  6. 06
    Su Li Zhen

    Also jetzt mal aus der Sicht einer Exil-Bayerin: Die Merkel kann sich locker distanzieren, bitte. Der bayerische CSU-Wähler wählt die CSU immer, egal, was die anderen sagen oder machen. Mal abgesehen davon finden die meisten CSU-Wähler den Ede auch gaaaanz entsetzlich – meine Mutter möchte ihm und seiner magersüchtigen und gesichtsoperierten Muschi am liebsten den Hals umdrehen, trotz CSU-Mitgliedschaft (für seine Familie kann man nix!) – wählen ihzn aber trotzdem, angeblich mangels Alternativen. Das Land samt seinen Bewohnern ist eben ein bisschen schizo, aber das macht uns ja auch so sympathisch, also einige von uns.
    Und dann finde ich ja auch, dass Ede überhaupt gar kein Bierzelttyp ist. Viel zu schnöselig. Als Bayerin muss ich mal sagen, er sieht aus wie ein Preuß mit Lederhosen.
    Ansonsten kann ich nur zustimmen: Weg mit ihm! Alles was nach kommt, kann kaum schlimmer sein.
    Servus.

  7. 07

    Kann mir mal jemand den letzten Satz vom ersten MP3 da oben synchronisieren???? Vaschteh ick nich.
    „Die Stärkeren müssen die Schwächeren… krmplkrmplkrmpl … das is halt einmoa so…“ Ja wat müssense denn?

    Der Mann redet in Zungen.

  8. 08

    Hab grad nochmal geschaut. In einem Forum habe ich gefunden, dass dieser O-Ton von Max Steibl sein soll.
    http://mtgworld.de/showthread.php?t=10344

    Sicher, dass das wirklich Stoiber gesagt hat? Klingt stimmlich auch nicht nach ihm… inhaltlich ist das natürlich keine Frage…

  9. 09

    Müsste er seine Hand nicht eigentlich nach vorne oben halten?

  10. 10
    Zerstoiber

    Das Tondokument klingt absolut nicht nach Stoiber. Inhaltlich würde es natürlich zu ihm passen. Trotzdem ein guter Artikel.

  11. 11

    Das Zitat ist von Max Streibl:

    „Schon vor zehn Jahren untermauerte der damalige Ministerpräsident Max Streibl (CSU) das weit verbreitete Vorurteil, die Bayern seien ein besonders rauflustiges Volk. Als die Polizei beim Weltwirtschaftsgipfel 1992 in München rund 500 lärmende Demonstranten einkesselte und stundenlang festhielt, verteidigte Streibl das unverhältnismäßig harte Vorgehen der Beamten mit dem berühmt gewordenen Satz: „Wenn einer glaubt, er muss sich mit Bayern anlegen, muss er wissen, dass hartes Hinlangen bayerische Art ist.“ Alle Nicht-Bayern schüttelten den Kopf.“

    (gefunden hier).

  12. 12

    Was soll man zu so einem Menschen denn noch sagen? Ausser eventuell das er in seinem doch all zu schönen Bayern bleiben soll. Von mir aus kann er sich dort auch aufführen wie der „kleine Diktator“. Doch vom Rest der Republik soll er doch die Finger lassen.

  13. 13

    wenigstens hat man dank Stoiber & Co einen Grund zu wählen. Auch wenn mir persönlich Lottospielen derzeit als das sinnvollere Kreuzchen setzen erscheint. Aber wenigstens ist er luschtig, der Edi. Mehr ist und wird er aber nach seinen neuen Aktionen wohl nie werden. Bedauert lieber die armen Bayern, die ihn nicht wählen…

  14. 14

    Und ich denke seit 13 Jahren, dass das Stoiber war. Wie blöd. Erstmal anmerken oben.

  15. 15

    @Johnny: Hätte es Streibl nicht gebracht, wäre so ein Kommentar auch irgendwann von Stoiber gekommen. Please add a little bayerischer Größenwahn.

  16. 16

    Es könnte sicher auch von Stoiber gewesen sein, aber falsch zitieren muss ja nicht sein, obwohl das hier ein Blog ist. ;)

    Danke für die Hinweise!

  17. 17

    Ich muss ja sagen, ich habe -offensichtlich im Gegensatz zu Johnny- herzlich gelacht, als Stoiber mit seinen Parolen von den „Frustrierten und Mutlosen“ (Ossis) losgelegt hat. Und zwar über den Stoiber-Ede selbst.

    Mit diesem Mann hat die CDU/CSU der SPD doch den größten Gefallen überhaupt getan. Und als Außenminister hat er sich damit endgültig disqualifiziert – ein lederhosentragender und bietrinkender Bayer als Botschafter Deutschlands vor der Welt? Nein Danke.

    Stoiber-Ede würde sich wahrscheinlich auch vor der UNO-Vollversammlung aufführen wie in einem Münchner Bierzelt.

    Mehr Sorgen macht mir ebenfalls die Linkspartei. Letzten Endes ein Nader-Effekt wir im US-Wahlkampf. Klauen den Parteien mit Programm die Stimmen, haben aber selbst nichts beizutragen….

  18. 18

    Johnny Danke! Du sprichst mir aus der Seele.
    Diese niederbayrischen Grander, dieser reaktionäre Stammtischklünkel sind a Graus..all miteinand. Ich frage mich ernsthaft ob man als Gottkaiser von Bayern zwangsläufig den Bezug zur Realität verliert. Ob Dementi hin oder falsch verstanden her, die Äusserungen haben Reichsbayerncharakter. Die schwarzbraune Ursuppe da unten ist einfach eine Beleidigung für den Verstand.

  19. 19

    Ich bin himmelherrgottsakrament auch kein Stoiberwähler. Aber aus Bayern. Und jetzt schimpft mal nicht alle so über uns. Wir nehmen’s schliesslich auch mit Humor: http://www.owc4life.de/modules/news/article.php?storyid=347

    ;)

  20. 20

    Full Ack, Herr Haeusler. Ich entsinne mich, wie Stoiber zu einem Kurzbesuch bei uns in Dormagen vorbeikam (wo er einer pikanten Geschichte zufolge geboren wurde. Rheinland!!).

    Während seiner Rede, die vor Polemik nur so strotzte, ’störte‘ eine Gruppe jüngerer „Alternativer“ mit Zwischenrufen – von ihm quittiert mit einem lapidaren „Ihre Meinung interessiert mich nicht!“

    Der Mann hatte schon immer eine etwas seltsame Auffassung demokratischer Meinungsbildung.

  21. 21

    ui, ich dachte bisher auch es wär Stoiber.

    Ich hab das MP3 mal neu encodet (inklusive dem letzten „hat“) evtl findets ja jemand brauchbar.. bei mir hakt das MP3 aus dem Beitrag komischerweise immer beim ersten „Bayern“.
    Hier ist der Direktlink zum warnung.mp3 (mit rechts klicken „ziel speichern unter“ um es zu speichern)

  22. 22

    Eigentlich hätte ich mir ja gewünscht, den StOIberer in Berlin unter einer anordnungsbefugten Frau (Merkel) als Irgendwas-Minister zu sehen. Der Typ würde bestimmt noch für so manche unterhaltsame Eskapde auf Bundesebene gut gewesen sein.
    Na ja, jetzt hat er sich ja ganz elegant vor dem Job unter Angie gerettet. Für sein urbayrisches alphamännchen Ego und Deutschland vielleicht das beste, luja sog I.

  23. 23

    johnny, korrigier mich, aber auf der plan b’schen sushi-stories steht soweit ich mich erinnere streibl, als samplequelle.. jetzt wunder ich mich doch ein wenig. hast du dir nie das innersleeve durchgelesen? ;)

  24. 24

    Es war wohl wishful thinking. Wir hatten die Quelle damals richtig angegeben. Und dann sowas. Ich werde alt. :)

  25. 25
  26. 26

    schöner artikel.

    das mit der beleidigung geht sicherlich in ordnung. stell sich mal einer vor der ede wäre kanzler geworden. soviel kann ich gar nicht essen wie ich bei dem gedanken kotzen müsste.

    übrigens, wo hast du dieses wirklich extreme foto her? gibts das demnächst auch als wallpaper zum download in der „edmundshack“ galerie?

    wahnsinn…

  27. 27

    Na, dann seht mal zu, dass ihr Stoiber & Co. verhindert.
    Aber ob das wirklich hilft? Rot-Grün hat in den letzten sieben Jahren leider auch nicht allzuviel vorzuweisen gehabt.

    Den Unterhaltungswert, den der Herr Stoiber mir täglich bietet, möchte ich allerdings nicht missen, aber er kann ja auch weiterhin von Bayern aus seine Show durchziehen.

  28. 28
    Dude

    Dir platzt tatsächlich der Kragen wegen dieser harmlosen Äußerungen von Stoiber? Versteh‘ ich nicht. Ist doch gar nicht so falsch, was er gesagt hat, bzw., was er gemeint hat. Manche Ostdeutsche fallen gern auf Lafontaine und Gysi herein, weil die ihnen einen Mindestlohn von 1.250 Euro! versprechen. Ich frage mich, wie realitätsfern man sein muss, um so was zu glauben. Nicht die CSU ist es, die Deutschland spaltet, sondern Leute wie Lafo oder Gysi, die einen Sonderwahlkampf Ost betreiben, der vor Lügen nur so strotzt. Dabei wissen sie natürlich, dass der durchschnitlliche Ostmensch den Lügen leichter glaubt, als der Wessi. Es ist schon eine besonders üble Form der Heuchelei, wenn Lafontaine was von gestiegenen Netto-Einkommen in UK faselt und dabei verschweigt, was für Arbeitsbedingungen auf der Insel herrschen. Nämlich solche (Kündigungsschutz!), gegen die die Linkspartei doch angeblich vorgehen will. Jetzt frage ich Euch, was ist schlimmer: Stoiber mit seinen Beleidigungen (er sagt offenbar, was er denkt) oder die beiden Demagogen mit ihren Lügen?

    Nur um das klarzustellen: Ich find‘ Stoiber auch scheisse und würde ihn garantiert nicht wählen. Aber ich glaube der gute Johnny tappt mit seinem Stoiber-Bashing in eine mediale Falle. Mitbrüllen ersetzt die Auseinandersetzung nicht.

  29. 29

    irgendwie sammeln sich hier zwar fröhlich die stoiber-gegner, aber es muss ja wohl ne ganze menge leute geben, die ihn toll finden, bzw. seine ansichten teilen.
    da brauch ich nur einen blick in meine eigene familie zu werfen. gerade die, die aus süddeutschland stammen, denken überwiegend so wie er, und das trifft dort auf sehr viele menschen zu, vor allem in ländlichen gegenden.

    weil es in bayern und in baden-württemberg doch wirtschaftlich so gut läuft, nehmen sie sich auch die arroganz heraus, sich toll zu finden und über andere zu erheben, gerade weil man ostdeutschland eben genauso empfindet wie stoiber sagt (viele sagen ja auch offen, dass die wiedervereinigung ein großer fehler war).

    aber auch viele in rest-westdeutschland denken so, da bin ich mir sicher, und deshalb kann man seine äußerungen eigentlich fast als geschickten wahlkampfauftritt deuten, der die frustierten westdeutschen arbeiterseelen auf die seite der cdu ziehen soll (wie meine großeltern bspw.).

  30. 30

    Ich bin mir recht sicher, dass man Lafontaine in vielen Punkten mindestens so gut, aber anders „angreifen“ kann wie Stoiber und es war mir oben wichtig zu betonen, dass ich die Linkspartei nicht als Alternative sehe (mir fehlt eine wirkliche Alternative sowieso, aber das kann für mich persönlich nicht bedeuten, dass ich jemals die CDU/CSU wählen werde).

    Und ich frage mich weiterhin, woher diese Arroganz in den Äußerungen Stoibers und anderer kommt. Du schreibst ja auch, dass Ostdeutsche „hereinfallen“, dass der Ossi Lügen leichter glaubt als der Wessi. Woher bitte nehmt ihr diese Arroganz? Wodurch wird bewiesen, dass (und nichts anderes bedeuten diese Aussagen) Ossis dümmer sind als Wessis?

    Ich tappe in keine „mediale Falle“ (was genau bedeutet das in dem Zusammenhang? Dass die Medien forcieren wollen, dass wir Stoiber bashen?), denn Stoiber ist mir mit seinem „Äh“ und seinem pseudo-intellektuellen Auftreten schon vor sieben Jahren auf den Wecker gegangen.

    Und weiter: Stoiber sagt, was er denkt? Dass ich nicht lache. Was der wirklich denkt, wird er hoffentlich für immer für sich behalten. Das, was er von sich gibt, ist polemische Strategie und vielleicht ein bisschen Bierzelt-„Humor“.

    Und zuletzt: Ich finde solche Äußerungen nicht „harmlos“. Hier wird von „Starken“ und „Schwachen“ geredet und zu- und ausgeteilt.

  31. 31

    @Dude: Und wieso sagt er es dann nicht so? Sondern muss beleidigen?

  32. 32

    „mir fehlt eine wirkliche Alternative“ – Nicht nur Dir fehlt eine Alternative und genau das ist ein Problem für Deutschland. Für viele (auch für mich) gilt, so wie es bis jetzt in Deutschland läuft kann es nicht weitergehen, deshalb die CDU/CSU wählen kommt aber nicht in Frage. Was gibt es noch für Alternative? FDP, Grüne, Linkspartei oder gar die NPD (die Werben sogar mit dem Spruch, sie seien die Alternative)?
    Ich habe die Befürchtung, dass wir in Deutschland wieder radikaler wählen werden (egal ob links oder rechts) und dadurch das, was wir noch haben, verspielen werden.

  33. 33
    Dude

    Quatsch. Du unterstellst mir, ich hielte Ostdeutsche für dümmer, weil sie leichter Lügen glauben? Interessant. Die Menschen in Ostdeutschland haben erst seit 15 Jahren Erfahrung mit einem demokratischen System – deswegen sind sie anfälliger für haltlose Versprechungen. Außerdem versprechen ihnen Lafontaine und Gysi Dinge, die ihnen vertraut erscheinen mögen: Mindestlohn für jeden – hieß das früher nicht Krippenplatz für jeden? Das passt doch ganz wunderbar zur Äußerungen, die man immer wieder aus dem Osten hört, dass früher alles sicherer gewesen sei und sowieso besser. Dabei handelt es sich zwar vor allem um ein psychologisches Problem, aber ich glaube aufgrund dessen sind viele geneigt, der Linkspartei zu glauben. Natürlich gibt es viele hundertausende Ostdeutsche, die ganz genau wissen, dass die beiden lügen und keinesfalls will ich sie hier alle über einen Kamm scheren. Ich glaube aber Stoiber ist einfach der falsche Prügelsack, weil nicht das wirkliche Problem. Sag mir bitte inwiefern Gerhard Schröder in 7 Jahren die Spaltung zwischen Ost und West überwunden hat?

  34. 34

    Ich glaube mal eher weniger, dass die Ostdeutschen anfälliger für haltlose Versprechen sind. Dafür haben sie auch gar keinen Kopf bei der all der Warterei auf das von der Birne versprochene land of milk and honey.

    Ach ja, ganz ohne Sympathie für die eine oder andere Seite, aber zu wahr: seriöse Wahlversprechen

  35. 35

    Na klar ist Stoiber nicht „das Problem“, genauso wenig wie Schröder. Denn es sind ja viele unterschiedliche Probleme. Ich mag dir auch nichts unterstellen, da wir uns zu wenig kennen, aber das, was du über den Osten sagst, ist doch im Westen nichts anderes. Auch hier „fängt“ man Menschen mit der Versprechung, dass es wieder wie früher wird oder dass sich nichts ändert oder dass alles besser wird.

    Und auch im Westen fehlt es an Mut für wirkliche Veränderungen und an Zeit und Chancen für Reformen, die vielleicht nicht alle sofort wirken und die auch ganz sicher im Detail zu großen Teilen furchtbar umgesetzt und kommunziert wurden, die aber einfach dringend nötig sind.

    Na klar gibt es große Unterschiede, wie der Westen und der Osten auf die Unzufriedenheit reagiert, wir sind sehr verschieden sozialisiert, da stimme ich sofort zu. Aber während man im Osten auf die Linkspartie „hereinfällt“, fällt man im Westen auf die CDU herein. Alles, um die „Versager“ der SPD loszuwerden, aber beides ohne einen einzigen Ansatz von Beleg dazu, wie andere Parteien es besser machen wollen. Nur meine Sicht der Dinge, klar.

    Ich mag einfach deiner Argumentation nicht folgen, dass der Osten mit weniger Demokratie-Erfahrung leichter zu belügen ist als der Westen. Wir lassen uns hier ganz genauso leicht fangen, denn im Grunde unser aller Herzen vertrauen wir doch niemandem mehr und dürsten nach einer realtiv leichten Möglichkeit, es doch zu tun, um nicht völlig hoffnungslos zu werden, oder? Nach unzähligen politischen Skandalen, nach vielfachen Unternehmens-Prozessen, bei denen es immer nur darum ging sich als ohnehin schon Privilegierter immer weiter zu bereichern, ist doch Vertrauen in Menschen mit Macht komplett verschwunden, da es mit Füßen getreten wurde. Daran sind alle Parteien beteiligt (wobei ich jetzt mal die These wage, dass man die Grünen davon am weitesten ausnehmen kann) und das ist das wahre Verbrechen.

    Man traut doch nicht mal mehr ’nem Sportler. Geschweige denn einem Politiker.

  36. 36

    Und nun mal auf den Punkt ;) was soll ich den nun als Ostdeutscher wählen?

    Linkspartei – ganz bestimmt nicht, die haben 40 Jahre alleine regiert und haben es nicht gebracht, dann schaffen die es in einer Koalition erst recht nich, von opposition ganz zu schweigen.

    Grüne – vom bündnis 90 fast nichts übrig geblieben, außer Werner Schulz. Ökologische Reformen sind wichtig, aber muss man den bürger unbedingt ausquetschen (Ökosteuer zur finanzierung der rente)? Im Osten ist die partei wirklich unbeliebt. Es gibt hier viele Pendler, die jeden Montagmorgen an der Tankstelle sehen, diese Partei nicht zu wählen.

    FDP – es gibt hier kaum eine liberale Grundbasis (Mittelständler), die wählt also keiner, mal abgesehen davon, dass das was die Partei fordert zwar nett ist, aber hier keine Sau interessiert.

    SPD – im osten wohl genauso beliebt wie feuchte wände. wenn man sie einmal hat, wird man sie nicht wieder los und sie ist ärgerlich, man kann aber mit ihr leben. hartz4 hat für viele menschen einen großen einschnitt bedeutet. ich persönlich wäre sowieso noch weiter gegangen. ich habe im monat 550 Euro zum leben, die ich selber erarbeite. kein cent kommt vom staat. davon darf ich miete, essen und co finanzieren. manchmal beneide ich hartz4 empfänger, die haben teilweise mehr.

    CDU – was will man dazu sagen. bei einigen ossis haben sie noch den bonus der „einheitspartei“ (geiles wortspiel ;)). in den führungspositionen sitzen meist aber wessis und deswegen meist unsympathisch, weil man denkt, dass man nicht verstanden wird.

    das rechte gesocks – protestwähler, die einfach die schnauze voll haben und so auf sich aufmerksam machen wollen. der ossis „radikalisiert“ halt gerne (auf der einen linkspartei, auf der anderen die NPD). und der ossi nutzt seine seit 15 jahren gegebene freiheit zu wählen. da die npd keine echte oppositionsarbeit macht, wählt die in 5 jahren eh niemand mehr.

    das wort stammwähler gibt es hier nicht. wer mist macht, wird abgestraft. so einfach ist das. bei den landtagswahlen in sachsen war es genauso. milbradt ist ne westdeutsche flachzange, der die probleme nur vom papier kennt und ein äußerster theoretiker ist. er wurde dafür mit großer koalition und npd bestraft.

  37. 37

    Stefan, wieso bezieht sich die Frage auf Ostdeutschland? ;)

    Das mit der Ökosteuer und den Pendlern verstehe ich nicht ganz. Ja, es wird immer teurer, Auto zu fahren. Aber doch zu Recht. Fürs arbeitsnotwendige Pendeln darf natürlich niemand auch noch bestraft werden (siehe Pendlerpauschale), aber wieviele Fahrgemeinschaften kennst du, wo wird der öffentliche Nahverkehr vernünftig ausgebaut, wer nutzt Park&Ride etc.? Die Frage ist ernst gemeint, denn ich kenne als Berliner kaum Pendler. Was ich meine ist: Es gibt Alternativen. Nicht immer ganz leicht, aber die Grünen abzulehnen weil das Benzin zu teuer ist, klingt doch schon etwas panne, oder? Nicht von dir, sondern als allgemeines Argument meine ich. Das funktioniert eben nicht:“ Ja, Umwelt ist wichtig, aber bitte nicht solange ich Auto fahren muss.“ (Übertrieben, ich weiß)

    Das mit den Wessis in führenden Positionen kann auch kein Argument mehr sein. „Unsympathisch“… ich weiß nicht. Entweder sie können was, oder eben nicht. Hallo: Wir stehen evtl. vor einer Kanzlerin aus dem Osten!

    Hartz IV: Wer kennt denn persönlich Hartz IV-Empfänger? Sind es die, die meckern? In meinen bekannten Fällen nicht. Gemeckert wird von denen über die Abwicklung und das Chaos, aber nicht über das, was dabei rauskommt (wahrscheinlich nicht zu verallgemeinern, aber trotzdem spannend zu hören). Du würdest mit Hartz IV vermutlich über 550 Euro liegen (Miete mit eingerechnet), würde ich auch vermuten.

    Achja und das Protestwählen ist auch nix im Osten erfundenes. :) Ich kann mich noch an die Republikaner erinnern…

  38. 38

    Genau, eine Tracht prophylaktische (best. falsch, egal) Prügel für jeden, der es wagt, die bayerische Grenze zu tangieren!

  39. 39

    @Johnny ich glaube man kann das berliner nahverkehrssystem nicht mit dem hier vergleichen. hier is es eine katastrophe. in berlin kannst du relativ schnell an den punkt kommen, wo du hin willst. will ich hier in die nächst größere stadt fahren, wirds schon problematisch. die busse fahren wenn überhaupt nur stündlich und früh morgens und spät abends fast nie. innerstädtisch das gleiche. fahrgemeinschaften sind vielleicht eine alternative und wird auch zum teil genutzt, aber was nutzt es mir, wenn ich eine einsatzwechseltätigkeit habe (zeitarbeit)? zugfahren bei einsatzwechseltätigkeit kannst du auch knicken.

    angenommen man arbeit 5 tage die woche. man wohnt hier in westsachsen, der arbeitsort liegt aber zb in sagen wir BW in einem kleinen dorf. es wird wesentlich einfacher sein und vor allem schneller als mit dem Zug zu fahren und dann vor ort auch noch einen passenden bus zu finden. mal abgesehen davon, dass man dann vielleicht 1 tag zu hause ist. deswegen macht es keiner. jetzt wirst du natürlich meinen, warum dann nicht umziehen. richtig, haben das nicht schon viele getan, bzw werden es noch tun? es gibt aber auch menschen, die nicht wollen, dass hier alles den bach runter geht und die bleiben hier und kämpfen. das sollte man vielleicht auch mal erwähnen :)

  40. 40

    @Dude
    Männer fahren besser Autos als Frauen, Weise sind besser als Schwarze und … Mach nur weiter so mit Deinen aus der Luft gegriffenen Behauptungen.

  41. 41

    Ach, Stoiber… – Bis zur Wahl fließt noch viel Bier die Kehle runter. Und die Presse, die ja nun einmal zu einem großen Teil in einer hier nicht genannten Hand ist, wird schon kurz vor dem Urnengang noch schöne Farben malen. Dann ist Stoiber (leider) auch wieder vergessen und *zack* streichen wir Deutschland grau-blau und der Stammtisch hat das Sagen. :-(

  42. 42
    Christian

    Selbst wenn es sich bei dem fraglichen Zitat um ein Streibl-Zitat handelt: Kein Problem – es wäre ja auch noch eines der harmloseren Stoiberschen gewesen.

    Edmund Stoibers Entgleisungen werden deswegen nicht weniger zahlreich. Weitere Kostproben gefällig? – Bitteschön, wenn man auch nur ein bisschen recherchiert, wird man schnell fündig:

    Oskar Lafontaine will eine multinationale Gesellschaft auf deutschem Boden, durchmischt und durchrasst.

    dpa, 3. November 1988

    Wenn ich über steuer- und erbrechtliche Anerkennung von homosexuellen Paaren diskutiere, dann kann ich gleich über Teufelsanbetung diskutieren.

    dpa, 8. August 1991

    Wir wollen nicht, dass sich hier Lebensformen etablieren, die nicht deutsch sind – wo man nicht unsere Bräuche pflegt.

    Stern 2/1999

    … und das Beste zum Schluss:

    Wir müssen den Ausländern richtiges Deutsch lernen. (sic)

    taz, 8. Dezember 2004

  43. 43

    @ Dude

    Wow, dann sollten wir aber mal schnell das Alter für Erstwähler anheben!
    Die haben auch nur 18 Jahre Erfahrung, wenn sie das erste Mal wählen dürfen…

    Und der ostdeutsche Part meiner Familie, der nicht wirklich dümmer ist als das, was wir hier im „Westen“ haben, fühlt sich eben doch durch Stoibers Äußerungen beleidigt und rennt auch nicht sofort zu Lafo und Gysi und wählt die beiden Versager.

    Genauso allergisch reagieren sie übrigens auf die nach 15 Jahren immer noch herrschende Bezeichnung „Neue Länder“…

  44. 44

    „Dieser ganze Druck ist weg. Ohne die netten Menschen Schöhnbohm und Stoiber hätte ich das nicht mehr lange ausgehalten.“

    aus dummer ostprolet

  45. 45

    Ich stimmte dem Artikel vollkommen zu. Ich finde es immer wieder erbaulich und amüsant, wie Stoiber sich und damit seine Partei in die Scheisse reitet. Mal diffamiert er Mitbürger, mal gibt er Wissen preis, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist… noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist.

  46. 46
    tino

    Die aktuellsten Entgleisungen Stoibers sind doch nun keine große Überraschung. Aber dass hier im Osten sehr viele auf Lafontaine und Gysi hereinfallen hat mich schon überrascht. Ob Stoiber es mit seinen „Frustrierten“ so gemeint hat oder nicht: ich finde Protestwähler gefährlich. Sie glauben tatsächlich, Schröder und Co. eins auswischen zu können und versauen sich dabei evtl. ihre eigene Zukunft.

    Stoiber will nicht nach Berlin (warum auch) und warum sollte er daran interessiert sein, dass Frau Merkel Kanzlerin wird? Kein Wunder, dass er nun so aufdreht.

  47. 47
    Dude

    Andreas Behn, mach nur so weiter mit Deinen Rechtschreibfehlern, dann nehm ich Dich auch garantiert nicht ernst.

    Korrektur:
    Ach was, das tu ich doch auch ohne Fehler nicht!

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