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42, erster Teil

I live by the river!

– Werbung in eigener Sache –
Der folgende Text und 14 weitere Kracher der Unterhaltungsliteratur befinden sich in dem eBook „I live by the river!“, das man hier für lächerliche € 0,99 kaufen kann und auch soll! Infos dazu gibt es auch hier.
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Ob meiner Verehrung von Douglas Adams habe ich beschlossen, meine folgenden zwei Lebensjahre mit der Zahl 42 zu verbringen. Denn ich befinde mich jetzt im 42. Daseinsjahr, welches ich danach ein Jahr lang komplettiert mit mir herumtragen kann.

Und noch etwas habe ich beschlossen: Meine nun quasi automatisch erlangte endlose Weisheit mit euch zu teilen.

Denn ich gehe davon aus, dass viele LeserInnen noch in der ersten Lebenshälfte des Lebens stehen und völlig unvorbereitet und voller Furcht jener Lebenszeit entgegenaltern, in der man einen Videoabend mit Pizza der wilden Party mit fremden Menschen vorzieht. Da man einfach zu keiner mehr eingeladen wird.

Fear not! Spreeblick, Berater in allen Lebenslagen, führt euch ein in die wunderbare Welt des Reifens!

Allgemeines zum Älterwerden

Die zweite Lebenshälfte scheint sich schneller zu bewegen als die erste. Die Psychologie argumentiert, dieses Gefühl wäre in deiner nun vorhandenen Lebensroutine begründet und mit den dadurch fehlenden völlig neuen, erstmaligen Erlebnissen. Das erste Fahrrad, die erste selbstgekaufte Platte, der erste Kinofilm, das erste Auto, das erste Bier, die erste Entziehungskur, der erste Sex. Und auch ganz wichtig: der erste Sex zu zweit. Alles Erlebnisse, die in den häufigsten Fällen in der ersten Lebenshälfte des Menschen passieren und diese dadurch endlos erscheinen lassen.

Dabei bietet auch die Existenz über 40 einmalige Erfahrungen und Erinnerungen, die das Leben lebenswert machen: Der erste Besuch im Fitness-Studio, das erste Röntgenbild der Lunge, die erste Prostata-Untersuchung, das erste Mal keinen hochkriegen. Wer auch im hohen Alter noch mit offenen Augen durchs Leben geht, hat einen guten Optiker und kann erkennen:

Das Leben ab 40 bewegt sich keineswegs langsamer. Man kommt nur ohne Sauerstoffgerät nicht mehr so schnell mit.

Der Körper über 40

Dein Körper. Er trägt dich durchs Leben, er ist dein Zuhause. Dein bester Freund. Und genau deshalb hast du ab 40 auch das Gefühl, dass er mit deiner Jugendliebe durchgebrannt sein muss, denn du hast ihn schon lange nicht mehr gesehen.

Das, was sich dir im Badezimmerspiegel präsentiert, ist nicht der drahtige junge Kerl mit den breiten Schultern, dessen Manneskraft und Durchsetzungsvermögen für immer in einem stählernen Körper manifestiert zu sein schien. Das war er natürlich noch nie, denn dieser Körper gehörte Markus M. aus der Parallelklasse, der dir mal Marianne ausgespannt hat. Doch der Körper im Spiegel ist ab 40 noch weniger deiner. Du musst dich plötzlich nach vorn beugen, um deine Füße sehen zu können und während sich die Entscheidung „drunter oder drüber“ bem Ankleiden früher auf das T-Shirt und deine Jeans bezog, behandelt sie jetzt deinen Gürtel und deinen Bauch.

Je öfter die Liebste also auf deinen freudigen Ausruf „Guck mal, meine alte Jeans, die passt immer noch!“ mit einem heftigem Niesanfall reagiert, desto klarer sollte dir werden, dass du etwas gegen deinen körperlichen Verfall tun musst.

Sport ab 40

Sport ist dabei ein sicheres Mittel. Dein Bauchansatz, der merwürdige neue Ring aus (eigenem!) Fleisch an deinen Hüften, die Zwangspausen beim Treppensteigen im zweiten Stock; dies alles lässt sich durch Sport mit ziemlicher Sicherheit nicht verhindern oder gar rückgängig machen. Doch Sport kann dir eine willkommene Gelegenheit verschaffen, dich beim Kauf des benötigten Outfits von jungen Frauen in bauchfreien T-Shirts beraten zu lassen.

Die Wahl der richtigen Sportart ist entscheidend für den erfolgreichen Verlauf der geplanten Fortschritte. Da deine Lieblingssportarten Billard, Pokern und Boule für die sichtbare Rückbildung deiner neuen fettigen Begleiter eher ungeeignet sind und ein erwachsener Mann mit schweißabweisendem Stirnband einfach noch lächerlicher aussieht als einer mit Bauch und somit Joggen auch ausfällt, bleiben nur die drei klassischen Sportarten für Männer ab 40:

Schwimmen, Fahrradfahren und Golfen.

Die Vorteile des Schwimmens liegen zweifelsohne in den niedrigen Kosten (du bist doch noch immatrikuliert, oder?) und dem geringen Equipment-Aufwand. Der einzige Nachteil, dass du nämlich ausgerechnet dein gößtes Manko dringend zur Ausübung der Sportart benötigst (deinen noch dazu beinahe nackten Körper) überwiegt allerdings. Falls du also auch nur ansatzweise Probleme mit dem öffentlichen Vergleich deines 40-jährigen Körpers mit denen von etwa einem Dutzend 23-jähriger Männer und ihren weiblichen Begleitungen hast, gilt im Fall Schwimmen: Nur, wenn man in der Nähe eines einsamen isländischen Baggersees wohnt oder die lokale Schwimmhalle spezielle Öffnungszeiten für Rentner anbietet.

Beim Fahhrradfahren ist die Gefahr in direkte Konkurrenz mit jüngeren Männern treten zu müssen recht gering. Wähle zur Sicherheit deine Fahrzeiten klug, zum Beispiel vor 8 Uhr morgens. Denn die wenigen jungen Männer, die dir dann begegnen könnten, sind im Gegensatz zu dir noch unterwegs und sind so ins Gespräch mit dem jungen miniberockten Ding in der durchsichtigen Bluse auf ihrem Gepäckträger vertieft, dass sie dich gar nicht beachten. Die bösen Schürfwunden die du dir zugezogen hast, als du dich kurz vor dem Sturz nach dem jungen miniberockten Ding in der durchsichtigen Bluse umgedreht hast, behandelt jedes Krankenhaus.

Golf ist nicht das Spiel, bei dem man einen Ball mit einem Schläger durch einen Asbest-Looping hindurch in ein Loch im Boden schießen muss. Golf ist das Spiel, bei dem man einen Ball mit einem Schläger in ein Loch im Boden schießen muss, welches so weit weg ist, dass man es unmöglich sehen oder gar treffen kann. Dieser Vorgang dauert wenige Sekunden, ihm folgen jedoch mehrere Stunden, in denen du die Schläger verpacken und in einen kleinen elektrisch betriebenen Wagen heben musst, der als Designvorlage des Smart durchgeht. Mit diesem fährst du deine Schläger zu der Stelle, an der du den eben geschossenen Ball vermutest und brichst die Suche erst ab, wenn es dunkel geworden ist. Danach gehst du mit anderen Golfern Alkohol trinken.

Golf ist also klar die Sportart der Wahl für Männer über 40, denn sie verfügt über einen weiteren Vorteil: es sind selten Frauen anwesend, die dich ob deiner albernen Hosen und Schuhe auslachen könnten.

Doch dazu später mehr. Zu Frauen, nicht zu Hosen.

(Hier geht’s zum zweiten Teil)

32 Kommentare

  1. 01

    Bin ich froh, dass ich da noch 10 Jahre psychologischer Vorbereitungszeit habe…

  2. 02
    Schnodder

    glückwunsch zum geburtstag und zu den einsichten!! ;-)

  3. 03
    Benjamin

    Soll man dich jetzt beglückwünschen oder bedauern? Das kommt irgendwie nicht so richtig rüber bei dem Text :-)

  4. 04
    Kro

    Dann ma auch von mir Allet Jute, alter Johnny. :-)

  5. 05
    Barabbas

    Ein toller Artikel in bester Spreeblick- Art, danke!

  6. 06

    wear sunscreen!?

  7. 07

    Bitte begeistere dich nicht für diese Howard-Carpendale-Sportart „Golf“!
    Seit mehr als einem Jahr bin ich in diesem wunderbaren 42er-Aggregatszustand, herrlich,
    Jede Minute ein Fest!
    :)

  8. 08
    remote

    Alles Gute, Johhny!

    Passt hier nicht rein, wollte dich aber mal fragen, ob du eine Clash-Video/Sonstiges Material Ressource kennst. Ich konnte durch P2P-Programme erst 6 Videos finden, aber eine dafür geeignete Homepage konnte ich nicht finden. Kennst du da ’n paar Seiten?
    Ich würde es dir ja liebend gern nur als eMail zukommen lassen, nur leider habe ich gestern formatiert und habe meinen Briefkasten noch nicht installiert.

  9. 09

    oh man, wenn ich bedenke, dass die 40 bei mir auch bald… würde ich noch ein paar erfreuliche dinge aufzählen:

    1. man muss nicht mehr fahrrad fahren, denn man kann sich endlich die sportwagen leisten, von denen man früher immer geträumt hat

    2. man wir nicht mehr sooo oft geduzt

    3. die jungen frauen, an die man früher niemals rangekommen ist, stehen plötzlich auf einen. natürlich ist man inzwischen mit einer anderen liiert, die aber idealerweise um einiges jünger ist.

    4. man bekommt in einer vollen bahn einen platz angeboten

    5. man kann sich die zähne machen lassen, die man immer haben wollte

    6. man kennt die (oft bessseren) originalversionen von filmen und musiktiteln

  10. 10

    6. man kennt die (oft bessseren) originalversionen von filmen und musiktiteln

    wo er recht hat hat er (absolut) recht.

  11. 11
    Samuel

    ich bin zwar erst 24 aber ich habe jetzt schon gelacht… hihi, wenn ich denke daß ich mich manchmal ärgere schon „auf die 30 zuzugehen“, dann steht mir das beste ja noch bevor ;)

  12. 12
    Martin_

    oh shit, schon nach „Allgemeines zum Älterwerden“ hatte ich erstmal
    genug (lese morgen weiter), ist Dir aufgefallen das die erstmaligen Erlebnisse in der ersten Lebenshälfte alle wesentlich positiver besetzt waren als die der zweiten… oh! danke Charles
    ich hab solche Angst! ;)
    greetingsandHappyBirthday

  13. 13

    ich hab hier noch ein quasi unbenutzes golfset der marke ping herumstehen – interesse?

  14. 14
    rofl

    google bietet psychologie und hausaufgaben + referate an *g*
    Mitten ins schwarze!

  15. 15

    Ich finde es die Aussichten auf die zweite Lebenshälfte sind nicht besonders Reizvoll. Vielen Dank für die Aussichten. Es bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als sich auf das Kommende vorzubereiten :)

  16. 16

    2. man wir nicht mehr sooo oft geduzt

    mhh, das passiert mir schon mit 22. scheint an meinen grauen haaren zu liegen :D und das nervt, wenn man von einer 18-jährigen gesiezt wird. da fühlt man sich dann wie johnny, nämlich alt :(

  17. 17

    douglas adams verehrt? dann lies das gegenstück zur biebel. 42/3 @ http://www.wogri.at/hudschgale/press/?page_id=90

  18. 18

    da kann ich aber auch noch… gerade gesehen – was für dich?
    http://www.gadgetmania.de/kommentare/dont_panic_42_shirt_am_montag/

  19. 19

    yo,
    1. geiles neues d-sign. 2. klasse weblog, 3. geiles posting – wobei ich mich glücklicherweise (!?) nicht mit dem figurproblem rumzuschlagen habe. zitat meiner ex-frau von vor 20 jahren oder so: „du wirst eines tages der erste magersüchtige mann deutschlands sein!“… die jungen dinger in den blusen interessieren mich auch momentan nicht, da laut zitty ja zur zeit die frauen angesagt sind, die auf jüngere männer stehen! klappere deshalb zur zeit die altentagesstätten ab – werde nämlich nächsten monat 43…
    grüsse vom ENergylog
    Roman

  20. 20
    M°

    Sollen wir schon mal einen Platz reservieren?
    http://tinyurl.com/al8ob

  21. 21

    1963 ist ein fabelhafter jahrgang! ich werde die nächsten zwanzig jahre bei 42 stehen bleiben. frauen-vorteil: ich muss das problem etwaiger „erektiler dysfunktionen“ nicht teilen. auch positiv: je älter ich werde, desto jünger werden meine begleiter. naja, auf einem alten fahrrad lernt man halt besser. oder so ;)

  22. 22

    Ich weiss, der folgende Kommentar hat fast schon die Qualität eines AOLers „Me too!“, aber ich muss ihn loswerden:

    Herrlich geschrieben – ich musste sehr schmunzeln :)
    Den druck ich aus und bewahre ihn, bis er bei mir greift.

  23. 23

    … meine entscheidung ist zu gunsten von „drunter“ gefallen …

  24. 24
    Radiowaves

    Hey Johnny, nachträglich noch die allerbesten Wünsche!
    Ja, das Alter… manche freuen sich drauf. Mein Yogalehrer (30) betrauerte das Ausfallen seines ersten grauen Haares. Er meint, es kommt doch viel glaubwürdiger, wenn ein würdevoll gereifter Mann vor den teils 50-jährigen Leuten steht und ihnen was vom Leben erzählt, als wenn dies ein 30-jähriger tut. Ich wiederum trauere über jedes Haar, das ausfallenderweise die Geheimratsecken langsam aber sicher formt. Bin halt noch nicht so weise – und kann die Theorie bestätigen, daß ein spannendes, routinearmes Leben die Zeit verlangsamt.
    Es gibt Hoffnung für die zweite Lebenshälfte: mein ex-Chef ist hier letztes Jahr mit 65 ausgestiegen und sieht aus wie Mitte 50. Also, wie Mitte 50 in Thüringen – und das ist in Berlin eine Sensation. Denn hier sehen viele Leute nach meiner bescheidenen (und jungen) Erfahrung mit 30 schon richtig fertig aus: verschlackt, aufgedunsen, vergiftet. Kein Glanz in den Augen und Nikotin in den Poren. Die Möglichkeiten, seinen Körper zu ruinieren, sind in Berlin halt deutlich vielfältiger – und sie werden wohl auch gerne genutzt.
    Mein ex-Chef macht mit 65 noch Bergtouren und hat von uns zum Abschied ein Set Fahrradkarten mit GPS-Unterstützung bekommen – für den nächsten Radurlaub.
    Oder wie wäre es mit der über 80-jährigen Frau, die bei uns noch einen Yogakurs besucht hat? Sicher, alles, was bei jungen Leuten geht, geht da nicht mehr, aber da ist halt doch etwas Hoffnung. Grundvoraussetzung (und leider nicht immer ausreichend): man muß achtsam mit sich und seinem Körper umgehen. Und das ist ja auch schon eine spannende Entdeckungsreise ;-)

  25. 25

    Nichts gegen das Alter, denn wir retten die Zukunft: http://www.tor-loewenherz.de/blog/?p=20.

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