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DLD06 -Erste Eindrücke

Kann daran liegen, dass ich heute um 5h aufgestanden bin oder daran, dass der Zug nach München eine knappe Stunde zu spät am Ziel eintraf (Hoppla! Schnee!), richtig angekommen bin ich jedenfalls noch nicht.

Zuerst die guten Nachrichten: Kostenfreies WLAN sowohl bei der Konferenz als auch, und das ist viel erstaunlicher, im Hotel. Mehr braucht man ja kaum. Und jetzt flegel ich mich hier auf einem neumodischen Sitzkissen und versuche umständlich dessen Form an meinen Hintern anzupassen ohne dabei mein PowerBook auf den Poden zu werfen.

Das Panel „What’s in the Pipe?“, zu deutsch etwa „Was kann man in der Pfeife rauchen?“, ist gerade vorüber. Digitale Zukunftsaussichten waren gefragt und vier Männer antworteten, darunter einer der Erfinder von ICQ, der leider auf der DLD-Site nicht genannt wird und dessen Name ich nicht falsch wiedergeben möchte. Seine derzeitige Arbeit beschäftigt sich mit höchst personalisierten Werbebannern und genauso aufregend, wie das sich hier liest, klang sein kurzer Vortrag auch. Nämlich gar nicht. Oliver Samwer, der als „Arbeitsloser auf der Suche nach neuen Ideen“ vorgestellt wird, wagt einen Blick die Zukunft und spricht von „user generated content“, „Internet-TV“ und „digital marketplaces“. Ich hatte eigentlich vor zu versuchen, ein Interview mit ihm zu bekommen, aber ich glaube, dabei würde ich einschlafen.

Die Schweden sind mir bei solchen Veranstaltungen ja meist die sympathischsten, so auch diesmal, obwohl es gar keine Schweden sind, sondern nur einer: Ola Ahlvarsson ist Berater und hat Ahnung, in den meisten anderen Fällen ein Oxymoron. Er geht ins Detail, berichtet den anwesenden Medienmenschen von Internet-Nutzern, die virtuelle, nur in Spielen vorhandene Häuser kaufen und verkaufen und kann sich daher ebenso tatsächliche Berufe in rein virtuellen Räumen vorstellen. Er visioniert eine Zukunft, in der Nationalitäten immer unwichtiger werden und vergisst in seinem generellen Optimismus nicht, im Zusammenhang mit „narrow broadcasting“ auch über Netz verbreitete Videos von Terror-Netzwerken und deren Einfluss auf heutige Berichterstattungen und Nachrichtenflüsse zu erwähnen. Sicher jemand, mit dem ein Gespräch spannend wäre.

Auch Chemi Peres scheint erfahren zu sein und hat als Risikokapitalist angeblich eine Milliarde auszugeben. Da ich seitdem am Grübeln bin, was ich ihm dafür anbieten könnte, habe ich leider vergessen, was er genau erzählt hat. Es war aber nichts schlimmes, soweit ich mich erinnere.

Gerade habe ich Thomas Wahnhoff getroffen, der mit Videokamera hier rumrennt und im Hintergrund zählt dauernd jemand von 10 rückwärts. Meine Blick-Recherche hat ergeben, dass die Stimme von der beeindruckenden, extra aufgebauten Carrera-Rennbahn kommt, ich werde mich als in investigativem Journalismus üben müssen und das mal aus der Nähe betrachten.

Ja, anstrengend, solche Konferenzen. Aber was will man machen.

10 Kommentare

  1. 01
    flapsus

    besser als arbeiten gehen…

  2. 02

    „Was kann man in der Pfeife rauchen“ ist gut. Passt auch bei einigen hier. Aber immerhin ist das Essen ok.

  3. 03

    oh ja.die virtuelle welt in der wir arbeiten.schlafen.essen.sex haben und ganz nebenbei auch noch leben.nette vorstellung;)

  4. 04

    Der Aufmacher auf http://www.digital-lifestyle-day.com/ zeigt nur junge, hippe Menschen. Da möchte man ja wirklich dabei sein.

  5. 05

    @Janek: besonderes die Begeisterung die in den Augen der abgebildeten glüht ist mir auf den ersten Blick aufgefallen. Da sieht man doch gleich, dass sich in Deutschland bald wieder was bewegen wird.

  6. 06

    Hätte Herr Ahlvarsson so ca. 1996 von Berufen im virtuellen Raum fabuliert, er hätte mich tatsächlich beeindruckt. Ein bisschen. Spannendere Interviews dann viel lieber mit Anwälten, die im Virtuellen ihre Bücher signieren oder mit virtuellen Banken, Maklern, Modeschöpfern oder D/S-Sklaven, die sich im Virtuellen herumtreiben. Die machen da alle so ganz komische Sachen mit „user generated content“, hört man.

  7. 07

    Schwanzus Longus und seine Frau Incondinencia! :-)

  8. 08

    Johnny: Gibt es den netten Schweden zum Download?

    Daibo: Kennst du einen substanziellen Vortrag zum Thema aus dieser Zeit? Mir fällt spontan nur euphorisiertes Gestammel ein, egal ob NE oder Kommunikationswissenschaft (Ja, das ist ein Unterschied. Glaubt Fonsi nicht alles ,). Gerade heute nochmal Manfred Faßlers (Ja, der ist eigentlich Soziologe) „Nicht-lokale Räume“ von 1998 gelesen. Schlimm.


    „The techno-revolutionaries dreamed of a cabled utopia.
    All they got was a whole lot more television.“
    — Mark Surman, INET96 – Transforming Our Society Now

  9. 09
  10. 10

    @jo: kenne keinen Vortrag aus der Zeit. Eben das sage ich ja: damals gab es solche Vorträge nicht, die zeigten, was heute möglich ist. Heute gibt es solche Vorträge nicht, die zeigen, was in ein paar Jahren möglich ist. Weil Vortragende meist die Eigenschaft haben, sich selbst auszustellen anstatt sich vorzustellen, was jenseits ihrer kleinen Welt aus NE und Venture Vultures möglich sein könnte. Diejenigen aber, die es können, sind zu beschäftigt damit, ihre Vorstellungen wahr werden zu lassen, still und leise im globalen Kämmerchern ;)

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