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Mexiko – Iran 3:1

Eine Kulisse aus farblich auf- und miteinander abgestimmten grün-weiß-roten Fans beider Mannschaften im Aztekenstadion zu Nürnberg. Die Mexikaner allerdings zahlen- und sombreromäßig drückend überlegen. Ja, man hat’s nicht leicht als Iraner heutzutage. Mit dem eigenen Präsidenten will niemand spielen, ausgerechnet von der NPD wird man plötzlich geliebt und dann noch diese politisch korrekten vereinzelten Protestkundgebungen immer!

Der Mexikaner hingegen ist seit 1492 der ewige Geheimfavorit. Warum, weiß niemand so genau. Mexiko spielt seit Jahren in etwa wie heute gegen den Iran: ballsicheres Kurzpassspiel mit gelegentlichen Steilvorlagen, relativ sichere Defensive durch ein ordentliches 3-5-2, bissig und trotzdem elegant, nie wirklich schlecht, aber leider auch nie wirklich zum Anbeten mitreißend. Das ewige obere Mittelmaß des Weltfußballs.

Die persischen Atombomber aus dem Land der Arier (das heißt “Iran” nämlich wörtlich übersetzt) gingen in der ersten Halbzeit ein sehr hohes Tempo und hätten eigentlich das erste Tor der Partie schießen müssen. Oder die zwei ersten. Übrigens besteht die komplette iranische Offensive aus Bundesliga- oder Ex-Bundesliga-Profis. Vielleicht besteht da ja ein Zusammenhang. Trotzdem waren die Iraner zu diesem Zeitpunkt die besseren und aktiveren Kombattanten. Da Fußball aber kein Märchen aus 1001 Nacht ist, schnippte unerwartet der für solche Spiele mit dem richtigen Nachnamen ausgestattete Fiestakicker Omar Bravo den Ball wie ein junger Klose ins Tor der Farsen. Nach deren schnellem Ausgleich zum 1:1 konnte der neutrale unpolitische Fußballgucker noch auf eine ebenso muntere zweite Halbzeit hoffen.

Daraus wurde jedoch nichts, weil die Iraner nicht mehr damit gerechnet hatten, dass nach der Pause überraschenderweise nochmals 45. Minuten auf dem Plan standen. Die höhenlufttrainierten Lungen der kleinen Acapulcos schnurrten ihr Dieselmotor-Programm mit Standgas herunter und überrumpelten ihre Gegner mit der Frechheit, Kondition für mindestens 120 Minuten antrainiert zu haben – und nicht bloß für 50. Dass die Mexikaner ab der 60. Minute nur noch zwei Tore geschossen haben und nicht etwa vier bis fünf, lässt auf ihr Mitleid mit den zehn zu Slalomstangen degradierten Persern schließen.

Fazit: Mexiko wird die Vorrunde problemlos überstehen. Iran wird mit Angola um die Ehre der roten Laterne in Gruppe D kämpfen.

Positiv: Erste Halbzeit, Wohlfühlatmosphäre, Perserteppich für Mexikos Käptn, Frauen durften ins Stadion.
Negativ: Exhumierung von Rex Gildo (”Fiesta Mexikana”).

5 Kommentare

  1. 01

    Auch hier waren viel mehr Mexikaner unterwegs als Iraner. Und das führt auch schon zu meiner Frage: Wann hat diese Einwanderungswelle stattgefunden? Die iranischen Deutschen sind entweder vor dem Schah geflohen oder vor den Vom-Schah-Befreiern. Aus meinem privaten Umfeld hochgerechnet hätte ich gesagt: Das Verhältnis Iraner-Mexikaner ist
    10 zu 1. Nun gut, es gibt fraglos mehr mexikanische Restaurants als iranische, aber das liegt an diesen tollen Chips, denen die iranische Küche nichts entgegen zu setzen hat.

  2. 02
    Dr.Dan

    Auszug Wikipedia:
    “Altiranisch ar, gut, rein, edelmütig mit yan, von, Sohn von; Aryan = „die Reinen“…”

    Ja, gut…
    Ich meine, würde ich denn, angenommen ich müsste mir heutzutage nix dir nix eine schmissige zielgruppenaffine Bezeichnung für mein treu ergebenes Gefolge ausdenken, zu besonderem Anlass, etwa einer Staatsgründung oder …einer Weltmeisterschaft, es mit abgeklärt subversiver Selbstironie “nölendes Geschmeiß” oder “verwöhnte Muttersöhnchen blutergrätschten Fleckenzwergen” nennen? In der Erwartung, dass sich die Typen auch noch mit abgeklebten Brustwarzen in den Zweikämpfen für Ruhm und Ehr’ mild grinsend die pochenden Kaldaunen aus dem Leib reißen lassen?
    Ne, mein lieber Freund. Die heißen aber sofort mal “Dragonslayer” nämlich!

  3. 03

    Mo, Du bist grandios!

  4. 04

    Zum Glück bleibt uns somit die Einreise des Atomanbauers Ahmadinedschads zu den Finalspielen wohl erspart. Auf den Konflikt hätte ich mich ja wirklich gefreut, wenn Merkel hätte entscheiden müssen, ob der Irre einreisen darf oder nicht, wenn der Iran weitergekommen wäre.
    Ein Dank an Mexiko…

  5. 05

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