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Tim Berners-Lee über Net-Neutrality

tim berners-lee

Der Papa des Web, Tim Berners-Lee, wendet sich in einem bewegenden Videoclip an den US-amerikanischen Kongress.

Berners-Lee greift damit aktiv in die aktuelle Debatte in den USA über das Thema „Net-Neutrality“, vielleicht besser mit „Gleichbehandlung“ als „Neutralität“ übersetzt, ein. In dieser Debatte geht es im Kern um die Frage, ob Service-Provider ihre Dienste beschränken bzw. ob sie individuelle Dienste ausschließlich für ihre Kunden anbieten dürfen oder ob es eine Regelung geben sollte, die den Zugang zu allen Diensten für alle Netz-Benutzer vorschreibt, egal über welchen Provider diese Benutzer das Netz nutzen.

Tim Berners-Lee setzt sich für diese Regelung ein, da er alles andere für Innovations-hemmend hält.

When I invented the Web, I didn’t have to ask anyone’s permission.

Wie wichtig dem Erfinder des Web seine Botschaft ist kann man spüren, wenn man den Clip sieht. Ja, er liest etwas ungeschickt ab (den Zettel mit dem Text oder sein Laptop etwas besser zu positionieren hätte genügt), doch die Aufregung in seiner Stimme, die Dringlichkeit gleicht diese kleine Unstimmigkeit aus.

Hier ist ein englischsprachiger arstechnica-Artikel zum Thema, hier eine ausführlichere Abhandlung von Daniel J. Weitzner vom MIT dazu und den Clip selbst findet man als RealVideo-File hier, derzeit ist er noch nicht bei YouTube oder ähnlichen Diensten zu sehen.

(Dank an Westernworld für den Hinweis!)

19 Kommentare

  1. 01

    Fragt sich, wieviele der alten Männer, die im Senat sitzen, tatsächlich ahnen, wovon er spricht.

  2. 02
    matze

    Ich denke,es gibt Vertragsfreiheit auch in den USA, d.h.man kann die Veträge abschließen,die man für richtig hält,nur wollen viele Kunden ja im Web die größtmögliche Freiheit – ergo werden sich wohl die Anbieter durchsetzen, welche diese bieten, v.a. weil das Web noch lange Jugendzentriert sein wird und auf Schulhöfen sich Nachrichten über kostenlose Dienste sehr fix verbreiten.

    Geschickter wäre es ja, wie Amazon immer mehr als Portal zu fungieren.
    Da hat man ja schon fast ein Monopol.

  3. 03
    Michael Säger

    Ich sehe das Problem noch nicht, aber ich kann auch das Video hier nicht angucken, daher bitte alles mit Vorbehalt genießen. Mein Eindruck ist gerade der Folgende: Solange die Infrastruktur (sprich: die Access Points) zu den derzeitigen vernachlässigbaren Kosten bereit gestellt werden kann und solange Services wie fon.com oder dieses Berliner W-LAN Projekt (wie hieß es doch gleich???) als neutrale Dritte zur Verfügung stehen, wird der Erfolg einer Maßnahme die den Zugang zu bestimmten Seiten aus kommerziellem Interesse beschränkt nur die Leute treffen, denen es ohnehin egal ist. Wem freie Wahl wichtig ist, der wechselt den Anbieter. Schöne Beispiele, um meine Vermutung zu illustrieren, sind wetter.de und wetter.com. Wetter.de verkauft die 10-Tages Vorhersage und wetter.com stellt sie ohne Zahlung zur Verfügung. Mittelfristig werden die Umsätze bei wetter.de aus diesem Service nahe null sein. Genauso dürften ISPs, die Services blocken, niemals über eine bestimmte Kundenanzahl hinaus gelangen. Was habe ich übersehen?

  4. 04

    Du hast übersehen, dass es um etwas anderes geht. Es geht z.B. um netzbasierte Videodienste, die du nur über einen bestimmten Provider erreichen könntest. Obwohl sie die Infrastruktur des Internet nutzen.

  5. 05
    Michael Säger

    Verdammt, Du hast recht, ich habe Access Point und Service Provider durcheinander gehauen. Ich neige immer noch dazu, kein Problem zu sehen, aber bevor ich weiter diskutiere, werde ich erst einmal eine Gelegenheit suchen, das TBL-Video anzugucken. Sonst rede ich doch wieder nur über böhmische Dörfer, auch wenn dieses Video schon eine ganze Menge erklärt.

  6. 06

    Erklären tut das Video leider eher weniger, ich musste mich erstmal durch den langen Text lesen, um wenigstens das Grundproblem halbwegs zu verstehen.

  7. 07

    Gibt’s nen Grund, warum Du vermeidest auf Tim’s Weblog zu verlinken?

  8. 08

    Nö. Welchen sollte es geben? Ich hab’s nicht vermieden, sondern versäumt.

  9. 09
    ~thc

    aus dem korrespondierenden artikel in der aktuellen c’t (14/06) habe ich herausgelesen, dass es den amerikanischen telcom’s und großprovidern nicht primär um die beschränkung des datenverkehrs geht, sondern um scheinbar entgangene profite.

    sie argumentieren, dass sie für teures geld die infrastruktur des neutralen netzes zur verfügung stellen und unternehmen wie google mit „billigen“ rechnerfarmen milliarden scheffeln ohne etwas an die armen telcom’s & co. abzugeben, da sie ja terabyteweise daten schicken und empfangen!

    mit anderen worten, es reicht ihnen nicht, über die „normale“ bezahlkette endkunde -> provider -> backbone-provider für transfervolumen bezahlt zu werden, sondern sie schielen neidisch auf millionenschwere startup’s , die einfach die bandbreite „für sich“ nutzen, ohne dafür extra zu bezahlen.

    dieses prinzip nenne ich „erweiterte wertschöpfung“ oder auch „geld für nichts“.

    oder habe ich das falsch interpretiert?

  10. 10

    Stimmt, das kann damit auch noch gemeint sein. Aber: Zahlt Google keinen Traffic? Sicher sehr viel weniger als andere, in der Summe aber ein kleines bisschen mehr, vermute ich. Schwere Diskussion, in der ich nicht tief genug drinstecke, aber auf Anhieb würde ich denken: Telcos verdienen mit den Leitungen durchaus Geld. Wenn das nicht reicht und sie diejenigen beneiden, die quasi innerhalb ihrer Leitungen verdienen, steht es ihnen (den Telcos) frei, ebenfalls über weitere oder andere Geschäfsfelder nachzudenken, oder?

    Und letztendlich ist es ein Geben und Nehmen, schließlich würde niemand die Leitungen der Telcos nutzen, wenn es keinen Grund dafür gäbe, und den liefern eben oft Drittanbieter. Wer würde schon bspw. ein reines T-Online-Netz nutzen wollen? Das haben AOL und Compuserve und andere doch irgendwann aufgeben müssen. Und jetzt sollen wir wieder zurück?

  11. 11
    ~thc

    nimm mal den vergleich mit telefonmarketing. angenommen eine firma verdient mit geschicktem telefonmarketing schnell millionem. die t-com würde doch auch nicht auf die idee kommen und die firma zusätzlich zur kasse bitten, da sie (die beiderseitig bereits bezahlten) kommunikationspfade für ihren selbst erwirtschafteten gewinn nutzt.

  12. 12
    Ralph

    Einen weitern Text mit einer Beschreibung des Streits gibts bei Heise.de:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/74624

    Ausserdem hatte Telekom-Vorstandsvorsitzender Kai-Uwe Ricke das Thema Anfang des Jahres schon mal in Deutschland ins Spiel gebracht:

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/69957

  13. 13

    Adam Curry hat im Daily Source Code letzte Woche den Clip auch abgespielt und dann sehr deutlich gemacht, dass er mit dem guten Tim so gar nicht übereinstimmt…

    http://curry.podshow.com/?p=197

    Sicher nicht meine Meinung, aber die Diskussion dürfte sich dort in den nächsten Tagen noch ganz interessant entwickeln.

    Btw, es gibt auch so eine Art „virale“ Kampagne zu dem Thema:

    http://www.internetofthefuture.org/

  14. 14
    Touri

    @Björn
    Danke für den link. Es ist immer sehr interessant zu sehen wie versucht wird die leute mit vereinfacht videos zu beeinflussen.

    Daher möchte ich mich für diesen wichtigen und guten beitrag bedanken. Vorher habe ich mich selber auch nicht damit auseinanderer gestzt. Aber seit ein paar tagen „sauge“ ich alle informationen, die ich finden, in mich auf. Die aussage von Kai-Uwe Ricke hat mich doch etwas erschrocken. Da versucht ein grosses Unternehmen die Bundesregierung zu erpressen… Da platzt mir echt der kragen.

  15. 15

    @Johnny: Achso, sorry wollt Dir nix unterstellen, obwohl wo ich das grad wieder les‘ klang das wohl so. –

    Und da wir den Thread schon zum gegenseitigen informieren benutzen (Björn, der curry-link war ja intressant, zumindest wie er (wie ich meine) genau haarscharf am Kern der Sache vorbeischrammt. ): ’nen Plug in eigener Sache: ich hab vor einiger Zeit ne Powerpointpräsentation ausgegraben, die die Telekom bei der UN gegeben hat. Fand ich auf jeden Fall interressant wie die Telekom versucht das momentane Standard-verkehrs-weiterleitungsverhalten im Netz („best effort“) als etwas schlechtes hinzustellen. (meine meinung dazu flamboiant wie immer, vielleicht sollt‘ ich mir langsam einen etwas gesetzteren schreibstil angewöhnen ;-)

  16. 16

    g., keine Sorge, ich hab das nicht schlimm verstanden. :)

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