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Arbeitslose Babysitterinnen in Peking (Foto © Preetamrai)

Freunde von uns haben sich jüngst mit Kind und Kegel für zwei Jahre gen Peking verabschiedet. Damit sich die Kleinen nach all den Jahren nicht von wildfremden Menschen, die von sich behaupten, ihre Großeltern zu sein, abknuddeln lassen müssen, hat Apple iChat erfunden.

Omas und Opas, die zuvor mit Ach und Krach einen vorgestanzten SMS-Gruss auf den Weg bringen konnten, nahmen sich nun, ob der konkreten Aussicht auf Aussicht, des Internets an.

Und siehe da: innerhalb allerkürzester Zeit wurde der Mittagstisch für zwei Personen plus iBook gedeckt, man zwitscherte ein „Ferkelchen!“, wenn sich am Abendbrottisch auf der anderen Seite des Globus der Jüngste die Nudelsuppe über den Latz kippte, las zum Einschlafen Kinderbücher vor oder bastelte mit den Enkeln Papierflieger.

Umgekehrt fanden die Jungs schlafwandlerisch den Weg zum Rechner, um ihnen widerfahrene Ungerechtigkeiten zu beklagen oder hielten ihr verschrammtes Knie vor den vermeintlich pustenden Bildschirm.

Schön und gut soweit.

Aber wo liegt der elterliche Nutzen, wenn die Omis und Opis zwar zu allem ihren Senf abgeben können, sich jedoch, wenn man sie wirklich mal bräuchte, mit dem 8.000-Kilometer-Argument herausreden?

Obwohl…

„Warum eigentlich nicht?“, dachten sich unsere Freunde, als sie zu einer Party eingeladen wurden, die Lütten aber nicht mitnehmen konnten und auch kein Babysitter verfügbar war.

Die gute Oma E. saß schliesslich, sechs Stunden Zeitverschiebung machen’s möglich, gerade müßig im Garten, zählte die Rosenknospen durch und es machte ihr folglich gar nichts aus, sich den Rechner aufs Tee-Tischchen zu stellen.

Den Kindern wiederum kam es völlig normal vor, im Fall des Falles (Pipi, Krokodile unterm Bett) zum Rechner zu gehen und Oma zu sagen, sie solle doch bitte mal Papa anrufen, damit er abputzen und Amphibien verscheuchen kommt.

Future kann schon auch echt super sein, oder?

P.S.: Die Geschäftsidee für Granny-Net® verschenke ich für ’ne Kiste Müggelsee-Wasser!

19 Kommentare

  1. 01

    Was es nicht alles gibt in unserer schönen Informations-Gesellschaft.

  2. 02

    Schöne Geschichte.

    Ist die echt, oder auf Grund des Flickr-Bildes entstanden? ;-)

  3. 03

    Und wo ist der Flaschenöffner?

    Sorry, aber der MUSSTE sein :-) Ist mir als allererstes durch den Kopf gegangen…

  4. 04

    André, sowas denkt man sich nicht aus. Klar stimmt die story!
    Danke, Schneyra für Gegacker um kurz vor Elf!

  5. 05
  6. 06

    Pffffff. Wie oft wird diese Story denn noch recycled?

  7. 07

    Sehr nette Story.

    Als ich das letzte Mal vor 10 Jahren in San Francisco war, lagen neben der Zeitverschiebung auch noch Welten zwischen SF und Deutschland. Heute ist aufgrund von Skype, Blog, Email und Flickr die Entfernung zwischen den beiden Orten ungefähr auf einen Katzensprung geschrumpft…

  8. 08

    Ja, ich habe auch kein wirkliches Problem mit der Zeit, hier in China. Ab drei Uhr mittags meiner Zeit kann ich in Deutschland anrufen, bis 3 Uhr nachts. Da gewöhnt man sich ganz schnell dran. Und wie mac schon sagte: Skype, Blog und eMail erledigen den Rest… ;)
    Aber die Story ist witzig! Ich wollte meinen Eltern auch eine iSight aufschwätzen, damit wir an Weihnachten live zusammen feiern können – aber letzten Endes sass ich dann in einem Restaurant und habe mich betrunken. Hihi.

  9. 09

    Echte Großeltern auf dem Bildschirm? Wo lebt Ihr denn?! Schön, wenn man Geschichten aus der guten alten Zeit liest. … „Lyria Populana, du legst sofort die Knarre hin!“ … „Wie bitte? Was Leben und was Tod ist? Du stellst vielleicht dumme Fragen!“ Ich glaube, Die nächste Form von psychischen Störungen wird nur noch durch die Fehlermeldungen der Computer definiert. Solange der Rechner nicht spinnt, ist alles normal.

  10. 10

    Klasse Geschichte .. haben die das tatsächlich so durchgezogen?

    Vor allem überrascht mich die Fertigkeit der alten Menschen. Meine Mutter bekommt es nicht mal hin die Rolladenschalter zu programmieren .. obwohl das vielleicht auch nur Faulheit ist. Mit 60 sollte man das eigentlich noch hinkriegen.

  11. 11

    Besser echte Großeltern auf dem Bildschirm als echte aber leider auch tote Großeltern am Friedhof.

  12. 12

    für mich war chatten jahrelang eine sache die ich nicht wirklich mochte.
    nachdem ich nun schon längere zeit in china lebe habe ich das aber sehr zu schätzen gelernt.
    ich chatte regelmässig mit der ganzen familie und mit freunden (beide verstreut in europa [also chatten nicht nur nach d-land]).
    apple-to-apple mit bild.
    apple-to-windows leider nur schriftlich.
    8000 kilometer distanz, trotzdem ist eine unterhaltung in fast echtzeit möglich.
    toll!
    ich glaube sogar das diese art sich zu kontaktieren erheblich dazu beiträgt das man sich wieder und vor allem öfters unterhält und „sieht“.
    trotzdem: nichts kann ein herziges in den arm nehmen und drücken ersetzen (schon gar nicht ein computer)!

  13. 13

    Schöne Geschichte. Mir wäre es allerdings zu aufwendig, dafür extra (zwei?) Macs zu kaufen ;-)

  14. 14

    …Krokodile sind allerdings keine Amphibien.
    *scnr*

  15. 15

    Krokodile sind Reptilien, keine Amphibien. Früher lernte man so etwas in der Schule oder aus „Was ist Was“-Büchern, heute gibt’s die Wikipedia.

  16. 16

    Ich habe trotzdem noch ca. 40 ‚Was ist Was‘ Bücher, auch wenn ich mittlerweile Wikpedia den Vorzug gebe :)

    Verdammt heiß hier.

  17. 17

    Supersache – hoffentlich geht das in China durch die Zensur.

  18. 18

    Verdammt… dann sind das da oben womöglich auch gar keine… Babysitterinnen? ;)

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