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Wir nennen es Leben

zia
Wenn ich meinem recht lebensaffinen und damit offlinen Bekanntenkreis erkläre, was ich momentan so mache, wird es schwierig.

Ich erkläre dann umständlich etwas von leicht aktualisierbaren Homepages, die sich dazu eignen, täglich Neues hineinzuschreiben. Manchmal fallen Stichworte wie Graswurzeljournalismus, Auflösung des Sender-Empfänger-Prinzips. Onlinetagebuch füge ich für die Spiegel-Leser hinzu. Die Reaktionen variieren zwischen „diese Internetfreaks haben doch alle kein Leben“, „und davon kann man leben?“ und „ich guck ganz gern schon mal den Tatort“. Leuten, die ich gerade kennenlerne, antworte ich auf die Frage, was ich mache, daher: „Nichts.“

Aber ab jetzt kann ich auf das Buch der beiden Agenten der ZIA, Sascha Lobo und Holm Friebe, verweisen: Wir nennen es Arbeit. Heute Abend findet eine Lesung statt und wie immer gilt: Der Berliner hat das Recht der ersten Nacht.
Und einen Film gibt es auch.

(Wir nennen es mitverdienen: Das Buch bei amazon.)

39 Kommentare

  1. 01

    Und wer von den beiden bist Du?

  2. 02
    Jan(TM)

    Iro und Schnurrbart geht ja irgendwie gar nicht! Kann mal bitte jemand die Stylepolice rufen!

  3. 03

    Und ein Interview der beiden Autoren im Rahmen des EINSLIVE Lauschangriffs gibt es auch. Siehe hier oder natürlich hier.
    Edit: Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass man das Interview über den Lauschangriff Podcast-Feed beziehen kann.

  4. 04
  5. 05
    leo

    @Jan #2: Nein, Schnurrbart passt zu Allem.

  6. 06

    Das Buch lese ich gerade. Die erste Anschaffung wird trotz Festanstellung ein Moleskine Notizbuch sein. Man will ja irgendwie auch dazugehören, zu den digitalen Menschen aus Böhmen ;-)

  7. 07

    @marius: nimm das von Brunnen, hat noch ne Halterung für Kugelschreiber.

  8. 08

    @Malte: Was zeichnet denn einen lebensaffinen Menschen aus im Gegensatz zu Dir? :) Also, was machst Du denn nicht, was Deine vitalen Kollegen machen?

  9. 09

    Also, morgens im Café zu sitzen finde ich ja schon ganz schön lebensaffin… :)

  10. 10
    Malte

    @ stralau
    Ich bin der links oben in der Ecke.
    @ Jan (TM)
    Ich habe wegen diversr Frisurvergehen ein Knöllchen auf die Stirn geklebt bekommen, als ich 16 war. Seitdem klebt es da und macht mich als Informanten für die Stylepolice unglaubwürdig.
    @ Marius und Martin
    Ich mache da was ganz Irres: Ich merke mir Sachen freihirnig.
    @ robert und stefan
    Ich gebe mir alle Mühe: Ich atme regelmäßig, ich esse gut, bin reizend zu der Schwiegermutter und schaue in unregelmäßigen Abständen pflichtschuldigst fremden Frauen auf den Arsch, um die Spannkraft der Beziehung zu halten. Außerdem treibe ich Sport, tanze nackt für ausgesuchte Freunde und rede frei mit Eisverkäufern. Aber das Alles kann nichts daran ändern: Meine Anwesenheit im Netz macht mich zu einem Untoten.

  11. 11

    Iro und Schnurrbart ist MittenimLeben2.0 und damit konsequent. Danke, Malte. Knapp aber gut beschrieben und dein Kommentar rundet das ganze fein ab.

  12. 12

    @Marius und Malte: Wie ist jetzt das Buch? Beim raschen Überfliegen des Waschzettels kam es mir so vor, als reden sich da Leute freiberuflerische Selbstausbeutung ein bisschen schön. Oder wird da ein neuen Modell jenseits der Lohnarbeit for Life diskutiert?
    Und was das Moleskine-Büchlein angeht: Ich kann Martin nur zustimmen. Kauf‘ das von Brunnen. Ist handwerklich viel besser gearbeitet, hat auch noch die Schlaufe, der Gummi hält länger als drei mal rauf und runter UND billiger ist es auch.

  13. 13

    „Modell jenseits der Lohnarbeit for Life“ – das trifft es ziemlich gut. Bzw. soll es treffen, ich würde natürlich immer behaupten, dass es gelungen ist, aber ob es ganz in echt auch stimmt, sollen mal andere sagen bzw. herausfinden.

    Das mit dem Schönreden ist natürlich bei manchen Menschen innerhalb von dem, was wir „digitale Bohème“ nennen, ein Problem. Aber der Anteil derer dürfte vergleichbar sein mit denjenigen, die sich ihre 9-to-5-Mobbinghölle schönreden.

  14. 14

    Das Buch enthält neben einigen interessanten Thesen auch viele lustige Zitate. Das allein ist schon gut, denn nichts täuscht über Halbwissen besser hinweg als der generöse Umgang mit diversen Zitaten. Schöngeredet wird wenig, die aktuelle Situation des Freiberuflers in der freien Wildbahn ist den Autoren wohl nur allzu gut bekannt. Allerdings zeichnen sie ein buntes Bild von der Zukunft, das sich vielleicht, oder auch nicht bewahrheiten kann. Nämlich von Menschen, die ihr Geld zur Abwechslung mal mit Sachen verdienen, die sie gerne machen, und die dank digital und so direkt vermarktet werden können.

    Und sie loben Blogs. Mehrfach. Das alleine sollte dem Blogger von Welt doch schon recht sein.

    Prinzipiell kann ich den Erwerb empfehlen. Es gibt weitaus beknacktere Dinge, für die man 17,95€ ausgeben kann. Außerdem ist Bücherkaufen generell gut.

  15. 15

    ich habs auch in der hand. die „digitale bohème“. nun ja man kann ja aus seiner tugend eine not machen. ist schon interessant, wie man erzählerisch seine identität in der vergangenheit verankern kann. apropos die ausbeutung schönreden:ich würde sagen: jede (kulturelle, sozaile)existenz baut auf dem akt der konstruktion.

  16. 16

    achso, um etwas salz in die suppe zu streuen: jan ist konservativ 2.0

  17. 17
    Jan(TM)

    Lästern 2.0 bitte!

  18. 18

    Bezogen auf Praktikanten: „Ein anderer ist, dass sie oft formal und faktisch besser qualifiziert sind als die Festangestellten der Abteilungen, in denen sie unterkommen. Allein dass die Eingesessenen ihre Konkurrenz tatsächlich fürchten müssen, mindert ihre Perspektive auf eine Festanstellung“ Seite 52

    also bis jetzt muß ich sagen, sehr an der wirklichkeit, das buch. genau diese erfahrung habe ich gemacht. festangestellte gleichen einem fahrgast einer überfüllten straßenbahn. ein praktikant hat da schlechte karten.

    @Jan(TM) irgendwie wirst du mir sympathisch.

  19. 19

    und auch richtig: chef erwartet loyalität vom arbeitnehmer der firma gegenüber. arbeitnehmer kann keine loyalität erwarten, er kann jederzeit gekündigt werden.

  20. 20

    haha ich könnt mich totlachen: zitat seite 61 „bullshit im arbeitskontext bedeutet nichts anderes, als den eigenen kritischen verstand auszuschalten zugunsten der regeln, gesetze und wahrheiten, die innerhalb des unternehmens oder der abteilung allgemein akzeptiert und für wahr gehalten werden;…“

  21. 21

    Aber die ganzen Aussagen sind doch schon lange bekannt…
    Das Internet revolutioniert dies, revolutioniert das….

    Ich finde in den Aussagen nichts neues.

  22. 22

    @ gunnar: ich lese grad die stelle, in der es um die festangestellten geht. die beschreibung trifft hundertprozentig. ich finde jeder, der in einem konzern arbeiten will, sollte diese passage lesen. bei der internetrevolution bin ich noch nicht.

  23. 23

    Gut, aber ich verstehe nicht warum man dann ein Buch schreiben muss. Es gibt doch schon zig Bücher, die die „Internetrevolution“ beschreiben.

    Und hat man denn mehr zu sagen und wird man ernster genommen, wenn man als A-Blogger ein Buch schreibt?

    Gunnar

  24. 24

    naja, die müssen ja auch von was leben. ;-)

  25. 25

    wenn wir bei der kritik sind: für mich zählt eh nur implizites wissen. bücher bringen eh nur konstruierte welten, die man dann mit genuß verzehrt oder auch nicht.

  26. 26

    Also darf ich als C-Blogger kein Buch schreiben?

    Naja, ich habe nur den Eindruck wenn man als Blogger „Erfolg“ haben will eine Firmma im Rücken haben muss bzw wenigstens journalistisch ausgebildet sein sollte.

    Zb. hinter allen Bloger die zum Grimme Online Award vorgeschlagen bzw gewonnen haben stehen doch eigene Firmen oder die Blogger haben einen journalistischen Beruf. Da hat man als normaler C-Blogger doch gar keine Chance mehr wahrgenommen zu werden.

    Gunnar

  27. 27

    …ich finde es interessant, dass auf autoritäten wie max weber oder ralf dahrendorf referiert wird.

  28. 28

    komm wir schreiben zusammen ein buch. du mußt dich dann aber mit mir als einem y-blogger zufrieden geben.

  29. 29

    Ok :o)
    Naja, bald haben wir alle Buchstaben durch.

  30. 30

    was würdest du empfehlen?

  31. 31

    ich zolle den schreibern respekt für pierre bourdieu und „die verborgenen mechanismen der macht“. rezept.

  32. 32

    Naja, mit 26 Buchstaben lässt sich ja viel anstellen.

    Irgendwie war es nur eine Schnappsidee.

  33. 33

    was war eine schnappsidee?

  34. 34

    Ich meinte eher ein Buch zu schreiben wäre zu groß für mich. Dafür fülle ich mich nicht reif.

    Gunnar

  35. 35

    achso, war auch nur so eine schnappsidee von mir.

  36. 36

    Sie nennen es Arbeiten – Seit gestern nenne ich es das Unterschichtenblog.
    Sie haben zum richtigen Zeitpunkt die richtige Worte ausgewählt. Besser kann man es nicht machen.

    Ich danke!

  37. 37

    hallo claudia, ich hab mir deine bloggs angeguckt. sehr interessant. am 30. Oktober gibt es in berlin einen vortrag von prof. götz werner über das bedingungslose grundeinkommen. gehst du dahin? gruß albert.

  38. 38
    John Gimignano

    Was soll das werden? Cross-Promotion?
    Eines der schlimmsten Dinge, die man der eigenen Sprache antun kann, ist, das Vokabular schön herauszuputzen und nach komplizierten Worten zu suchen, nur weil man sich ein bisschen für die vielen einfachen schämt. (Stephen King)

    Ich habe das Buch angelesen, und ich werde es mir wohl auch kaufen, wobei ich als ausgebildeter Redakteur (seit zwei Jahren selbstständig) nicht verstehen kann, warum manche Menschen immer so geschwollen daher reden oder schreiben. Anscheinend kann man damit aber ziemlich viel „monetäres Kapital“ anhäufen, gell Herr Friebe!? ;-)

    Ich sehe das wie die beiden, wenn es darum geht, seine Möglichkeiten zu entdecken (das hab‘ ich auch schon mal irgendwo gehört), und für mich macht es Sinn, zumindest im Ansatz die Vorschläge/Ideen der beiden weiter zu empfehlen. Kauft keine Bücher über die perfekteste Bewerbungsmappe, sondern nutzt die Zeit, euch zu überlegen, wie es sonst noch weitergehen könnte, wenn euch keiner anstellen will. Denn durch das Internet bieten sich dem ein oder anderen durchaus Möglichkeiten.

    Ich habe den Schritt auch aus der Not heraus getan, (in München) und mittlerweile lehne ich es ab, mich anstellen zu lassen, weil diese Art zu leben mehr Möglichkeiten bietet. Mir hätte es gefallen, wenn die beiden ein bisschen mehr darüber geschrieben hätten, wie es ist, wenn nichts ist, wenn man nicht in Berlin lebt, sondern in einem kleinen Kaff in – keine Ahnung – im Saarland. Denn nicht jeder hat das Glück, das potentielle Netzwerk an Menschen oder auch nur die Technik vor der Türe zu haben. Zieht mal aufs Land und bestellt DSL – viel Spaß dabei!

    Wer sich den Spaß macht und die im Buch genannte Zentrale Intelligenz Agentur im Netz absurft, der kann sich einen Bewerbungsbogen für eben diese Agentur zuschicken zu lassen. Unter anderem enthält der Fragebogen das hier:

    Kurzbeschreibung:
    [Diplom-Fitness-Paedagoge in Bielefeld und Kuala Lumpur]

    Faehigkeiten / Spezialgebiete / Interessen, die Ihnen
    erwaehnenswert scheinen. Diese Angaben sind fuer uns
    insbesondere dann wichtig, wenn ein Fachmann für ein
    bestimmtes Thema gesucht wird:
    [Internet, Sport, Webdesign]

    Referenzen:
    [taz, ZEIT, WDR, Buchveroeffentlichungen (Titel, Verlag, Jahr)]

    (Quelle: Zentrale Intelligenz Agentur, Berlin)

    Ehm, geht auch der Schwabinger Wochenanzeiger?

    Ich verstehe, dass es richtig und wichtig ist, an sich zu glauben, aber tut mir leid Leute, der WDR oder die taz als Referenzen sind es halt für die wenigsten, denn wie die beiden Autoren in ihrem Buch schon richtig zitieren: „Wer siegen will, muss zu erst mal überleben.“ (Sorry, wen sie da zitieren, habe ich mir nicht gemerkt). Und genau das ist es, was mir an dem Buch bisher fehlt: Was ist, wenn erst mal nichts ist?

    Abschließend ein Spruch, den mein Vater immer mal wieder bringt: „Das Glück scheißt auf den größten Haufen.“

  39. 39

    hey john gimignano, ich empfehle dir dann adrienne goehler, verflüssigungen. wege und umwege vom sozialstaat zur kulturgesellschaft. versprich dir aber nicht zuviel. bücher waren nie wirklich rezepte fürs leben, oder versuchs mal mit seneca, vom glücklichen leben, oder so. aber ich kann deine enttäuschung verstehen. das prinzip, das holm und friebe bedienen ist doch überall und deswegen kann man ihnen nichts vorwerfen. die wahrheit ist die erfindung eines lügners.

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