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Bin ich Böhme?

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Illu: René

Bin ich ein Böhme?

Wenn ein Afghane gefragt wird, was er denn nun genau sei, dann sagt er: „žIch bin Paschtune, mein Vater ist Paschtune.“ Oder er sagt: „žIch bin Hazara, meine Mutter ist Hazara.“ Oder aber: „žIch bin aus Gardeze.“ Oder: „žIch bin Moslem.“ Oder gar: „žIch bin Afghane.“ Und das bei nur einem Befragten. Je nachdem, ob ihn ein Paschtune fragt oder ein Hazara, jemand aus der Nachbarregion, ein Glaubensbruder oder ein Ausländer. Das nennt sich situative Ethnizität. Schickt man einen Forscher nach Afghanistan, der an situative Ethnizität nicht glaubt, sondern an Primordialismus, dann kommt er zurück und hat an die 400 ethnische Gruppen gefunden. Ein Forscher mit einem anderen Ansatz kommt zurück und sagt: „žEs gibt vier oder fünf ethnische Gruppen.“ Kann ich also selbst entscheiden, ob ich ein Böhme bin oder muss ich es auf eine Zuschreibung von außen ankommen lassen?

Ich bin ein Mann (mittlerweile), ein Deutscher (bei der WM), ein Rheinländer (in Berlin), ein Kreuzberger (kein Friedrichshainer), mit einem baltischen Vater (um meinen exquisiten Genpool zu betonen), der größte Arsch auf Erden (Kurzbefragung einer Exfreundin) und die meiste Zeit: Malte.

Beim Augenlicht meines schlappohrigen Kaninchens: Noch nie habe ich mich als Künstler bezeichnet. Es ist aber durchaus möglich, dass, als ich das letzte Mal bei meiner Anlageberaterin war, diese nach Hause gekommen ist und gesagt hat: „žHeute war so ein wirrer Künstlertyp bei mir. Sagt mir, er habe sich noch nie Gedanken über seine Rente gemacht, sitzt da um 17 Uhr vor mir, als habe er noch nicht gefrühstückt und weiß nicht, wie ein Bauspardingens funktioniert. Aber brummelt auf meine Frage, wo denn in Zukunft das Geld herkommt, irgendwas vom Schreiben. Die verstehen einfach das Leben nicht.“

Als ich neun Jahre alt war, habe ich mir das Leben, das vor mir lag betrachtet, und gedacht: „žDa sitzt du jetzt auf diesen Schienen und zu ändern ist daran nichts.“ Jeder in meiner Familie hatte studiert, ich würde auch studieren. Bis in meine hohen Zwanziger war also alles festgelegt. Und wie das so ist als Bahnwaggon – eine Rallye fährt man so nicht. Aber da das Leben bekanntlich eine Schlampe ist und zwar die einzige Schlampe, an deren Ende man stirbt, ist es genauso gelaufen und doch ganz anders.

Jetzt sitze ich in Berlin, finde mich auf Treffen wieder, bei denen sich die Leute mit Internetadressen vorstellen: „žIch bin aargh, ich bin ntropie, ich bin Riesenmaschine, ich bin Popnutten, ich bin Batzlog.“ – „žIch bin Neue-Bodenstaendigkeit.“ – „ž?“ – „žFooligan.“ – „žIch lache nie.“ – „žMalte von Spreeblick.“ – „žAh! Sag doch mal dem Johnny…“

Und dann erfinden Leute einen Begriff, von dem man sagen kann: „žJa, so geht es mir auch.“ Generation Praktikum. Menschen mit Hochschulabschluss, der ihnen noch vor 15 Jahren eine sichere Laufbahn beschert hätte, tragen Kabel beim WDR, füllen Kaffeetassen bei Bayer oder kopieren bei Berger. Generation Praktikum, das passt. Und dann kommt eine Journalistin und prägt einen Begriff, der es unmittelbar trifft: Urbane Penner. Menschen wurschteln sich so durch, bewohnen viel zu preiswerte Wohnungen und trinken gesprenkelte Milchcafes. Generation Latte. Metrosexuell. Ubersexuell. Informationselite. Generation Z. Ja. Ja. Allerdings. Mhm. Ach, ja. Digitale Bohème. Super Idee, danke euch. Trifft’s bombig. Gute Geschäftsidee, gratuliere. Und ja: Die oben angesprochenen Internetadressen interessieren sich für Bundeswehrpenisse an Totenschädeln, haben nicht nur Meinungen, sondern Zahlen und Fakten parat, denken dabei aber nicht an die Leser, sondern nur an das Gespräch, erzählen von japanischen Kakerlakenpornos, kennen sich in der Kunst aus und wissen, was Tic Tac so erfrischend macht (die Karmaniola-Minze!). So eine Vielfalt habe ich nicht unter Politologen gefunden, nicht unter Juristen oder Germanisten, nicht bei Schauspielern und auch nicht im Fußballverein. Hier bin ich Nerd, hier darf ich’s sein.

Bin ich jetzt also Böhme? Schaue ich auf andere herunter, weil sie festangestellt sind? Ich habe nichts gegen Arbeit. Einige meiner besten Freunde sind Arbeit. Was ich mache, nenne ich Schreiben. Ich mache dabei eine tippende Handbewegung, wenn ich es jemandem sage. Aber wer ich bin? Malte. Ich kann nicht anders.

80 Kommentare

  1. 01
  2. 02

    ich bin der digitale kaschubè und hab was zum thema gechrieben:
    henry david thoreau nannte es arbeit….

  3. 03
    westernworld

    was ich wirklich bedenklich finde, ist daß ich ebenfalls aus dem stand heraus die karmaniolaminze hätte benennen können. bin ich nerd muß ich das sein?

    ansonsten sehr schöner artikel, sehr süffig wenn man das über einen text sagen kann.

  4. 04

    Danke, wirklich vielen Dank. Das spricht mir einfach aus der Seele.

    Der Deutsche (hier in den USA), Der Ossi (in Bremen), Der Randberliner (in Berlin), Der Ostpreuße (vom Genpool her) … oder wie du so schön sagst, meistens aber: Markus

  5. 05
    apfelbaum

    Die Welt wird gut sein, wenn die FAZ solche Beiträge als Leitartikel druckt. Nicht ganz, aber auf dem besten (edit: besseren) (edit: auf einem ganz guten) Weg.

  6. 06

    Sehr schön, Patchworkidentity meines Wissens bei den Soziologen genannt…

    Brasilianer -> Paulista (Sao Paulo) // Deutscher -> Karlsruher, Badner, Süddeutscher, Münchener, Glockenbacher, soundsostraßler, soundsovielstockler.

    Ingroup / outgroup. get outta there

    Btw: Warum klingt Böhme so ähnlich wie Boheme? ;)

  7. 07

    Berlin Bohème ist eine deutsche Fernsehserie, die von 1999 bis 2005 produziert wurde. Es entstanden 4 Staffeln mit insgesamt 53 Episoden à 24 min. Die Serie schildert die Ereignisse um einige (Lebens-)Künstler in Berlin (vgl. Bohème). Die Mehrzahl der Protagonisten ist schwul oder lesbisch. Homosexuelle Figuren, die in deutschen Fernseh-Serien meist nur eine tolerierte Randgruppe darstellen, stehen hier im Mittelpunkt der Handlung. Eine weitere Besonderheit der Serie: In jeder Staffel werden unterschiedliche Serien-Konzepte realisiert….
    http://de.wikipedia.org/wiki/Berlin_Boh%C3%A8me

  8. 08
  9. 09

    alles zigenuer pack hier. ;-)
    gruß heiner keupp

  10. 10

    > finde mich auf Treffen wieder, bei denen sich die Leute mit Internetadressen vorstellen

    Klingt zumindest interessant ;)

    Zu definieren, wer ich bin, ist für mich relativ schwer – interessant, wie du das in worte fasst.

    Manueller Trackback (textpattern :-/): http://v1.fin.xbhd.org/278/wer-bin-ich

  11. 11

    hehe, noch ein interessanter artikel bei wikipedia:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Festangestellter

  12. 12
    apfelbaum

    Wenn einer sagt: Ich bin ÜT, klingt das zwar scheiße, is aber gut? Ambivalenz halt.

  13. 13

    Ziellos und doch astrein, diese Worte.

  14. 14
    sunny3d

    von schauspielern sollte man sowieso die finger lassen ;-)

  15. 15
    martin_

    reizender text, ein subjekt zuviel im dritten absatz, aber sonst 1a!

  16. 16
    Malte

    danke martin (und das in einem so subjektiven text).

  17. 17
    Harm

    Hmm, ist diese Mär vom „urbanen Penner“ und der digitalen Bohème nicht einfach nur unweiser Scheiss?
    Ein jeder, ob nun Festangesteller, Hartzler, Böhme, Bohemian, Paschtune oder unurbaner Penner zwirbelt sich halt so seine Reproduktionskosten zusammen, bzw. scheitert daran.
    Wenn es dem einzelnen nun hilft, sich sein Selbstbild etwas attraktiver zurechtzulegen, weil man mit Milchkaffee und Notebook unterwegs ist, gut. Der, längst fälligen, Neudefinition von dem persönlichem Wert innerhalb der Gesellschaft, auch ohne das direkte Verhältnis Reproduktionskosten durch Lohnarbeit, wird dadurch natürlich erfreulicherweise vorweggegriffen, aber mehr eigentlich auch nicht.
    Die Schwelle zwischen WLAN-Milchkaffee und totalem Drop Out ist sehr klein und auch heute sehe ich in der digitalen Bohème keine Killer-Applikation für die bildungselitären Massen. Naja, wenn Ihr jungen Leute es braucht. ;-)

  18. 18

    @sunny3d: wer ist hier schauspieler?

  19. 19

    hm, warum fühlen sich die leute immer angegriffen von der bloßen existenzbekundung anderer. warum sagt keiner: hehe

  20. 20
    frieder

    ich bin schwabe. nicht ein schwabe, sondern schwabe. wenn doch die ganzen anderen schwabe auch so wären wie ich, dann wären wir n ziemlich cooles, hippes völkchen. andrerseits gibt es wirklich überproportional viele hippe schwaben. schade, dass niemand mehr hipp sagt – weil hipp out ist.

  21. 21

    Wir sind die Neue Bodenständigkeit! :)

    Nein, mal im Ernst. Warum braucht es immer Definitionen? Weil man das wohl so macht. Weil man sich positionieren muss. Sag mir, wo du stehst! Vielleicht fällt es mir sogar noch leichter, diese Erwartung zu erfüllen, als dir Malte. Der Rest ist aber Testgelände. Ohne Vergleiche ziehen zu wollen, aber was hat wohl Da Vinci geantwortet, als man ihn fragte, was er denn nun sei? Heute erwartet man Spezialisierung, eine Visitenkarte mit Bezeichnung, ähh sorry, eine Webseite, eine eMail-Adresse, ein openBC-Profil. Und wir spielen alle gern mit. Weil wir uns gern im Vergleich zu anderen definieren. Wer hat hier den längsten? Ich glaube, ich habe ihn. Und das denken auch die meisten, nein, fast alle anderen von sich auch. Irgendwie sind wir dann nur noch cm auf einem Lineal. Keine schöne Perspektive, oder? Dann doch lieber begriffsfrei über den Tag ziehen, aber dafür seine eigene Deutungshoheit behaltet. Das wäre doch fein. Danke, Malte.

  22. 22

    …warum denk ich jetzt gerade an blätterteig, an blättriges, abblättern, es herbstet doch längst. hat jemand den lack gesehen?

  23. 23

    Ha, Mathias (21)! habe gerade in deinem vierten Satz gelesen „Weil man sich prostituieren muss“. Passt doch irgendwie auch zum Thema, wenn man mal von der sexuellen Komponente absieht (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Prostituierte).

    @Malte: Ich schließe mich maloXP (13) an. Klingt schön der Text, ich hab nur wieder nicht begriffen, worauf er abzielt. Vielleicht bin ich noch nicht „nerdig“ genug…

  24. 24

    herzlich willkommen

  25. 25
    Heinz K.

    „Demgegenüber hält Lacan daran fest, daß die Rede von einem Ich immer schon illusionär ist, weil sie das grundsätzliche Entfremdetsein vom eigenen Begehren verleugnet. Der Mensch ist eingebunden in die Strukturen der Sprache, und wenn er glaubt, er könne als erkennendes und wollendes Ich eigenständig Bedeutungen konstruieren, täuscht er sich über die Abhängigkeit von seinen sprachlichen Konstituionsbedingungen hinweg. So wird das Subjekt, vor allem das cartesianische rationale Subjekt, von Lacan rigoros dezentriert; das Gerede von einem Selbst oder von Identität sei eine narzißtische Blendung; vielmehr gelte es, sich mit der Zerrissenheit, Unvollkommenheit und Entfremdetheit unserer Existenz auseinanderzusetzen. Aus Descartes´Cogito ergo sum wird das psychoanalytische Epigramm: „Ich denke, wenn ich nicht bin, und deshalb bin ich, wenn ich nicht denke.““

    Quelle: Mertens W. (2004). Psychoanalyse. Geschichte und Methoden. S. 28
    http://www.amazon.de/Psychoanalyse-Geschichte-Methoden-Wolfgang-Mertens/dp/3406418619/sr=1-2/qid=1162587228/ref=sr_1_2/302-9506089-7005647?ie=UTF8&s=books

  26. 26

    Böhme oder Bohème bin ich glaub ich nicht, auch wenn mein Leben nicht gerade 100%ig der gesellschaftlichen Konvention entspricht – aber fast.

    Das Problem ist, dass man Leuten (die sich damit nicht auskennen) nur schwer (oder garnicht) verklickern kann, wie man im Internet Geld verdient. Und vor allem wo das Geld denn nun herkommt. Daher erscheint das Digital Bohème vielen Außenstehenden wild und verwirrend.

  27. 27

    jegliche identität ensteht mit einem emazipatorischen sprechakt. die frage ist dann, ob wir sie wollen. der soziologe merton beschreibt so einen existenzschaffenden sprechakt mit der theorie der selbsterfüllenden prophezeiung…..

  28. 28

    wenn jemand „ich bin böhme“ titelt, denke ich zuerst an jörg böhme (nicht an böhmen, nicht an boheme und schon gar nicht an erich böhme) und meine situative ethnizität erstrahlt vor mir wie die rußgeschwärzten reihenhausfenster am pütt.

  29. 29
    peter_dd

    ich nenne es nebenjob

    grüße aus randböhmen

  30. 30
    tofu

    Super Text! Ich denke, unsere Generation ist merkwürdig, ich meine die Generation meiner Schwester (sie ist 38), die wusste noch wo´s langgeht, zumindest so halbwegs; sie hat ihren Job gemacht bis sie zwei Kinder bekommen hat, hat mit ihrem Mann ein Haus gebaut usw. und sich Geld angespart – sie macht´s richtig, denke ich immer, wenn ich bei ihr bin. Beide gehen geradeaus im Leben – und ich?
    Wurschtel so vor mich hin, habe den Abschluss zwar vor Augen, studiere aber trotzdem mittlerweile im 14 Semester – vielleicht ja auch, weil ich keine Ahnung habe, was ich danach mit mir anfangen soll. Mein Kumpel, der genauso alt ist wie ich, ist gelernter Zimmermann, war geschlagene 10 Jahre arbeitslos, Profikiffer und will jetzt für eine Bäckerei Brötchen ausfahren. Als er mir sagte, dass er dafür nachts um zwei raus muss, habe ich ihm entgegnet:“Das schaffst du keinen Monat!“ Ich kenne meinen Freund, aber vielleicht geschieht ja noch ein Wunder. Spass gemacht hat ihm der Job im Kurpark Bad Eilsen, da konnte er mit 30 anderen Jungs für einen Euro/Stunde Laub zusammenfegen oder Büsche schneiden, aber die Samtgemeinde hatte kein Geld mehr, also waren alle 30 bald wieder arbeitslos. Er findet es super, dass ich in Berlin bin und studiere. Er sagt:“Dann findest du aber bestimmt einen guten Job und verdienst viel Geld.“ Ja, Pustekuchen! Winke winke – ich bin der klassische Urbane Penner wie er leibt und lebt, ich mache einen Telefonjob um mich über Wasser zu halten, mittlerweile studiere ich auch wieder „wirklich“. Eine Zeit war das nämlich anders: Buch aufschlagen, aufgeschlagen lassen und den Tag über im Internet surfen, da gibt es soviel Buntes und Interessantes (ist ja wirklich so), jedenfalls ist das unterhaltsamer als schnöde Theorie. Ich bin selbst schuld.
    Nun gut, die Arbeitslosenzahlen haben sich erholt und trotzdem sieht die Zukunft unserer Generation irgendwie düster aus, meine Schwester macht ihren Weg, ganz sicher, aber was wird aus den ganzen Typen, die so drauf sind wie ich – Generation Praktikum, das trifft das schon ganz gut. Wir machen einfach Praktika bis wir 60 sind, das wäre für alle das Günstigste, dann leben wir noch einige Jahre von den aufgelösten Anlagen unserer Eltern; die nächste Generation wird nicht so anspruchsvoll sein wie wir es sind, die können auch wieder am Fliessband arbeiten, du musst ihnen nur erzählen, dass es sich bei dem Job eigentlich um ein Videospiel handelt, bei dem man Credits sammeln muss und schon machen die das. Das Problem des Urbanen Penners ist wahrscheinlich, dass er ZU gebildet ist, um einen Spargelerntejob lieben zu können. Wir brauchen also nicht MEHR Bildung, wir brauchen weniger. Wir brauchen Schrauben als Menschen getarnt, die wir in die Fabriken schicken können und die ohne Murren für einen Euro/Stunde feste zupacken. Also: macht die Opernhäuser dicht und schließt die Unis, bis auf die drei Elite-Unis, die können wir behalten, der Rest ist sowieso zweite Klasse und begünstigt die Wucherung des Urbanen Penners! So machen wir das und wir werden sehen, dass sich die Staatskassen füllen werden. 150€ Subventionsgeld für ein Ticket bei der Deutschen Oper – ja Herrschaftszeiten, das kann nicht funktionieren! Rigoros alle Opernhäuser abreissen und dafür Sega-Hütten bauen, wo die Kids die Kunst des Videospielens lernen, damit sie wieder kraftvoll zupacken lernen.

  31. 31
    jan(Konservativ2.0)

    Du bist Deutschland!

    Schliess mich sonst peter_dd an.

  32. 32

    lieber Malte, willkommen auf der nach oben offenen liste meiner lieblingsblogger! und vielen dank für den schönen artikel. :o)

  33. 33

    ohne das ich das buch jetzt komplett durchgelesen habe … hab mir das mal so durch den kopf gehen lassen, was für wellen das ganze schlägt :-) von kontroversen bis hin zu ausführlicheren diskussionen. es scheint ja doch ein thema zu sein, bzw. was dran zu sein… lassen wir uns doch mal überraschen was da noch so kommt.

    Mir kommt das in etwa so vor wie die suche nach einem identitätsbegriff, sozusagen eine art definitionsphase (achtung, ich hab fachlich gar keine kompetenz um über solche schwierigen fragen zu grübeln, wollte aber meine Sichtweise doch auch dazu absondern).

    Wie auch immer – ich find es spannend!

  34. 34

    Wie sagte die Titanic damals in einem letzten aufblitzen von Selbsterkenntnis: „I sink therefore I am.“

    Ich bin Batz. Australischer Plumpbeutler. Und Fiepe.

    Und jetz komm‘ Sie!

  35. 35
    Malte

    @ tofu
    Ja. Möglicherweise ist das ein Zurechtstutzen der historischen Abnormität „Mittelschicnt“. Wir entwickeln uns wieder dahin zurück, wo unsere Ururgroßeltern schon waren. Da sind Bildungsreformen der genau richtige Weg :) Und mit Sega und Soma wäre es eine einzige Freude.
    @ peterdd
    Sehr schön.
    @ herrabundant
    Ich erröte.
    @ mo
    Fooligan-Syndrom
    @ Hein K.
    Oder so.
    @ Hansv.
    Ab isser, das war immer seine Bestimmung.
    @ Andreas B. aus B.
    Dann musst du noch viel nerdverbundener werden.

  36. 36
    Sozialretardierter

    Es feht noch was: „Die Gesellschaft hat uns zu dem gemacht, was wir sind“.

  37. 37

    @tofu: wow. das hast du echt auf den punkt gebracht. die tragik der generation praktikum ist ja, dass sie genau versteht, in welcher beschissenen lage sie steckt. wo wir grad bei identität und so sind. erikson sagt dazu „psycho-soziales moratorium“. nicht wirklich kinder aber auch nicht erwachsene, halt eben irgendwo nirgendwo.und zwischen den bits und bytes und dem latte macchiato ist es ja manchmal wenigstens warm. sie sind niemand, aber sie sind doch da. tja, inzwischen weiß wirklich jeder, dass der plural von praktikum, praktika heißt und nicht praktikas. eigentlich müßte demnächst so eine anleitung zum glücklichsein für „die dazwischen“ geschrieben werden. so nach dem motto: was antworte ich, auf die frage eines ehemaligen mitschülers, „was machst du so“. gibt es eigentlch eine rechtfertigungsindustrie?

    @jan(konservativ2.0) hey ich habe dein neues outfit noch garnicht bemerkt. ;-)

  38. 38

    oh gott, bei mitschülern und der komischen frage „was machst du so?“ musste ich gerade spontan an mein letztes jahrgangstreffen denken, wo mir eine eigentlich ganz nette ex-mitschülerin (es ging irgendwie um (ihren wohnort) bonn und dass da nicht so richtig viel geht) ernsthaft mitteilte, sie habe ja „schon genug erlebt in ihrem leben“. so waren da ganz viele drauf, so mit dem freund zusammenziehen, fester arbeitsvertrag und dann augen zu bis zur rente oder so ähnlich.
    und jetzt ratet mal, wie alt wir waren. 26. sechsundzwanzig jahre, verdammt. ich habe dann sehr schnell sehr viel bier getrunken und mich rasch wieder vom acker gemacht. aber so gehirngewaschen sind ja die meisten, aber ich bin ja schließlich nicht die erste, die das dieser tage bei spreeblick feststellt.

  39. 39
    sunny3d

    handkuss zuwerf an heidrun

  40. 40
    sunny3d

    edit: so waren nicht einmal meine eltern drauf.

  41. 41

    @heidrun: solche leute verwundern mich auch ab und zu. auf den klassentreffen wird in letzter zeit immer mehr nur noch darüber gesprochen, wer nun inzwischen gestorben ist und wo er diese pilze her hatte.

    ich find, man sollte so ein st.oberholz seiner stadt nennen. da, wo all diese „dazwischen-gestalten“ ihren warmen latte-macchiatto schlürfen und an ihrer persönlichen identitätsstrategie feilen. in der kaschubischen hauptstadt niedersachsens, in hannover also, wäre es dann wohl mezzo.

  42. 42

    sach mal malte, wo sind eigentlich die bohèmischen dörfer?

  43. 43

    Der Text hat mich beeindruckt. Jetzt bin ich auch Böhme.

  44. 44

    @ albert: welche pilze??

    kurzer gedanke zum sonntagmorgen, bevor es wieder an die arbeit geht (oder, nach gängiger definition „arbeit“ oder gewurschtel oder whatever): vielleicht ist man, wenn man sich selbst so klar definieren kann, ja schon scheintot.

  45. 45
    westernworld

    @albert #27

    mertons ergüße werden nicht umsonst theorien mittlerer reichweite genannt gelle.

  46. 46

    @westernworld: ist mir neu. aber erzähl, von wem?

  47. 47
  48. 48

    @heidrun: über scheintot mußte ich kurz nachdenken. ja, irgendwie hast du ja recht. ist auch gefährlich so ein festes korsett zu haben.

  49. 49

    @ albert: ich finde jedenfalls so sehr festgelegte leute immer etwas unheimlich, auch wenn sie glücklich sind. so wie tofu (30) seine schwester beschreibt, läuft mir irgendwas kleines kalt den rücken herunter. womit ich nicht sagen will, dass ich armut geil finde oder man kein haus besitzen darf, aber es klingt so nach einem schon vor der geburt festgelegten plan. genauso, wie ich meine mitschüler halt erlebt habe letztes jahr. da ist kein platz mehr, um sich noch wesentlich zu ändern, und es klingt so nach träume nach hinten verschieben a la „wenn erst mal die kinder aus dem haus sind…“ und die zeit zwischen studienabschluss und rente wird so komisch ausgeblendet, das behagt mir am wenigsten.

    ich kann mir deine klassentreffen auch nach der pilz-erklärung, die ich eigentlich erwartet hatte, immer noch nicht so recht vorstellen. :-)

  50. 50

    @heidrun: hehe, witzige perspektive zwischen studienabschluss und rente. aber stimmt, ich kann sowas auch nicht ab. ok, wer es haben will, nagut. aber inzwischen traue ich dem ganzen auch nicht, ich mein dem großen meta-plan. da gibt es einen interssanten artikel in der brandeins. zitat:
    „Man bemerkte den Fehler im Großen Plan erst, als die vielen kleinen Pläne, die er dirigierte, nicht mehr aufgingen. Seit den sechziger Jahren hatte sich im Schatten des Großen Plans die Idee von der Lebensplanung eingebürgert. Sollte das Leben noch so große Überraschungen bieten: Der Große Plan war stärker.

    Mit sechs Jahren kam man auf die Grundschule, mit 19 machte man Abitur oder hatte eine Lehre abgeschlossen. Bis ungefähr 65 wurde gearbeitet, um ans Ziel des Großen Plans zu gelangen. Doch spätestens jetzt wandte sich der Große Plan gegen die Menschen. Denn wer nicht arbeiten durfte, konnte oder wollte, stand gegen den Großen Plan, auch wenn er ihn sein Lebtag mit getragen hatte. Viele traf es lange vor der geplanten Zeit. Ein Arbeitsloser passt so wenig in den Großen Plan wie ein Alter oder Kranker. Dann erkannten die Arbeitslosen, Alten und Kranken den ungeheuren Betrug hinter dem Großen Plan. Sie, die Sicherheit über alles stellten, fanden am Ende des langen Weges Enttäuschung, Pleite und Tod. Aber all das war perfekt geplant….“

    sehr empfehlenswert: http://www.brand-eins.de/home/inhalt_detail.asp?id=1501&MenuID=130&MagID=55&sid=su662496674932471

    bezogen auf pilze: beim schultreffen gab es ein gespräch über einen ehemaligen mitschüler, der mit hilfe von genannten drogen sich von der welt verabschiedet hatte.

  51. 51
    Lars

    @tofu und die Generation Praktikum, ihr verkennt da was. Die so gelobte 38+ Generation, die es geschafft haben soll, hat es auch nicht. Die Konstrukte (Haus, Familie, Kinder, Job) sind extrem wackelig. Weil sie so wackelig sind steht dahinter Angst, sehr viel Angst. Man zuckt schon bei einem laut in’s Ohr gebrüllten BUH! zusammen und fürchtet das alles weg sein könnte.

    Urbane Penner haben wenigstens gelernt sich durchzuwurschteln. Die 38+ Generation hingegen stürzt ins Bodenlose wenn es schief geht.

    Verarscht sind beide. Unsere Eltern, 68er dürften die letzte Generation sein die es halbwegs ohne Angst zu Ende bringen wird.

  52. 52

    @lars: o, auch eine interessante perspektive. bei all den generationen-reflexionen finde ich immer wichtig, dass man die jeweils andere generation nicht verurteilt, so nach dem motto „ätsch“ ich habs ja gesagt, kann ja nicht gut gehen.

    jeder entscheidet sich, bewußt oder unbewußt, für ein leben. im nachhinein kann man ehrlich erfahrungen austauschen. ich schätze immer die freunde, die nicht nur „positiv campaigning“ betreiben.

  53. 53

    @ lars: mein oben geäussertes „unwohlsein“ hast du da sehr schön begründet. dieser feste plan ist wie eine mauer, die einen davor schützen soll, dass das leben mit unerwarteten wendungen hereinbricht.
    den begriff „urbaner penner“ hasse ich, aber die leute, die du damit meinst (ääh… böhmen?) sind auf der einen seite, was unwägbarkeiten angeht, illusionsloser, auf der anderen seite trauen sie sich noch illusionen zu, was lebensgestaltung angeht. das finde ich deutlich angenehmer, als leute, die alles mögliche als überflüssige träumerei abtun, sich aber selbst dem traum der finanziellen sicherheiten hingeben.
    aber, albert, du hast recht: „ätsch“ gilt nicht.
    und was die entscheidung für ein leben angeht, naja, es gibt heute eher viele entscheidungen, und wichtig dabei ist, dass man nicht glaubt, sie seien immer in stein gemeisselt. und, genau, wie du meinst, dass man zu ihnen steht, auch wenn sie fehler waren.

    edit: und dann denke ich immer, ich bin zu jung und ahnungslos für solche äusserungen. aber lieber so, als 27 und schon total fertig, wie der komische creative director, dem ich mal auf einer party begegnet bin und der mich müde lächelnd für komplett bescheuert erklärte, um mir danach von seinen landhaus-malerei-plänen mit 40 zu erzählen, die er nach dem abschluss mit der werbebranche zu verwirklichen gedenkt. ich dachte nur, wenn du so weitermachst, wirst du mit 40 viel zu viel mit gesundheitlichen und psychischen problemen zu tun haben und viel zu uninispiriert sein, um auch nur ein blümchen aufs papier zu bringen, aber gut. jedem das seine.

  54. 54
    Heinz K.

    Ja, ja. Die Generationen und ihre Hoffnungen. Solange man in Berlin lebt, kann man den Eindruck gewinnen, dass tatsächlich etwas möglich ist. Aber das Land besteht leider nicht nur aus der Stadt. Und wenn es dann darum geht, mit den studierten Deutungen der Welt seinen Lebensunterhalt zu verdienen, was oftmals den Umzug mit sich bringt, hat einen die Realität zurück: nahtlose Fortführung des Albtraums der Kindheit. Nirgends findet sich mehr Beton als in den Mittelgebirgen der Republik.

  55. 55

    @ heinz k.: genau, wenn man von sowas ausgeht, hat man schon verloren.

    einige menschen, die sich dem verweigert haben bzw. verweigern und die ich bewundere, leben übrigens in aachen, kassel, neumarkt/oberpfalz, werder/havel, denver/colorado, um nur mal ein paar beispiele zu nennen. (und die älteste von ihnen ist 80)
    insofern will es irgendwie nicht in meinen kopf rein, dass da nichts möglich ist.

  56. 56

    @heinz k: was meinst du mit „nirgends findet sich mehr beton als in den mittelgebirgen der republik“ ?

  57. 57

    @ heinz: wenn man natürlich glaubt, das studium erkläre einem die welt, dann kann das nur in die hose gehen.

    mich kotzt diese haltung an, blind zu glauben, dass bei „uns“ „normalen“ leuten halt alles sowieso scheisse läuft, und wenn nicht scheisse, dann wenigstens langweilig. und dann schriftsteller, wissenschaftler, musiker oder andere „herausragende persönlichkeiten“ auf ein podest zu stellen und sich keinerlei gedanken darüber zu machen, wie die das eigentlich hingekriegt haben. keiner verpflichtet einen dazu, sich kleiner zu machen als man ist.

  58. 58

    @heidrun: deinen unmut verstehe ich nicht so richtig.

  59. 59

    Das ist jetzt weniger auf einen konkreten Kommentar gemünzt, sondern eher ein methodischer Vorschlag: nur ein ganz klein weniger Pauschalisierung im Denken und in der Benennung der Dinge hilft mitunter, viel klarer zu sehen. Das gilt sowohl für die Berlin-Problematik als auch insbesondere für den sozialen Status des Einzelnen. Ich bin ein grossen Fan von Meinungen, Meinungen sind super, einige meiner besten Freunde haben Meinungen, aber sie ersetzen halt keine Fakten. Besonders dann nicht, wenn man sich etwas Scheinobjektives zusammenmeint, um es anschliessend auch noch subjektiv zu bewerten.

    Das aber nur am Rande; was ich nämlich eigentlich sagen wollte, ist, dass Diskussionen oft erst dann spannend und bereichernd werden, wenn man sich abwendet von der Personenbewertung und hinwendet zur Systembewertung.

  60. 60

    richtig. bewerten wir die systeme. ein system: mars und das zweite system: venus.

    michel houellebecq

  61. 61

    oder das system festanstellung und das system erwerbsarbeit.

  62. 62
    Heinz K.

    @ albert
    „was meinst du mit „nirgends findet sich mehr beton als in den mittelgebirgen der republik“ ?“

    Eine Metapher für Beweglichkeit und Flexibilität.

    @ heidrun
    „wenn man natürlich glaubt, das studium erkläre einem die welt, dann kann das nur in die hose gehen.

    mich kotzt diese haltung an, blind zu glauben, dass bei „uns“ „normalen“ leuten halt alles sowieso scheisse läuft, und wenn nicht scheisse, dann wenigstens langweilig. und dann schriftsteller, wissenschaftler, musiker oder andere „herausragende persönlichkeiten“ auf ein podest zu stellen und sich keinerlei gedanken darüber zu machen, wie die das eigentlich hingekriegt haben. keiner verpflichtet einen dazu, sich kleiner zu machen als man ist. “

    Keine Ahnung worauf oder wem das gilt. Hat aber wenig mit mir zu tun. Im Gegenteil, ich kann mich dir anschließen, weil ich die so skizzierte Haltung oder Ansicht auch nicht in Ordnung finde.

    @ Sascha Lobo

    Stimmt schon, konkreter wäre besser. Aber weil hier die Hierachien so flach sind, wie die mich umgebenden Hügel, will ich keine Fährte legen. (Angst als Kit im Systems wurde ja bereits angesprochen.) Mit etwas Glück ziehe ich Ende nächsten Jahres in eine niedersächsische Stadt der größe F´hains, gewinne Abstand zum Geschehen hier und mag dann bei Gelegenheit davon beitragen.

  63. 63
    Harm

    @albert (albert): bzw. das System „Arbeit“, bzw. persönliche Stellung und Aufgabe innerhalb der Gesellschaft.
    Ich sehe in der Bewertung und Diskussion um diese Bohème 2.0 zwar viel aufgepeitschte Aufbruchstimmung von Neubürgern unserer Gesellschaft, wo ein Hochschulstudium und die Fähigkeit zu geiler konzeptioneller Arbeit etwa soviel monetär verwertbaren Wert besitzen wie eine abgebrochene Rütli-Karriere, aber ein Technoradi-getaggtes Blog hochzuziehen über dies ich dann ein Buch verfasse und für „Wohin führt Web 2.0?“ Talkrunden gegen Geld gebucht werde, ist nunmal keine Blaupause zur Lösung von gesellschaftlichen Problemen.
    Hmm, soll es evtl. auch gar nicht.
    Die Postulation seiner Teilnahme an der digitalen oder sonstwas Penner-Bohème, weil man es trotzdem für sich geschafft hat, ist natürlich momentan so sexy wie ein Indie-Label in den 80ern zu gründen, das sehe ich ein. Aber kommt mal bitte runter Freunde. Für mich wirkt das wie die Belobhudelung des Telefons oder des globalen Dorfes in ihren jeweiligen Zeitabschnitten.
    Oh, hatte ich schon gesagt dass ich den Ursprungstext von Malte ganz dufte finde? :-) Die Meta-Diskussion darüber aber auch.

  64. 64
  65. 65

    nunja, ich bin etwas übers ziel hinausgeschossen. :-) um auch mal diesen doofen spruch zu verwenden: ich liebe polemik, einige meiner besten freunde sind polemisch (oder so).
    „nahtlose Fortführung des Albtraums der Kindheit.“ über so eine „wird doch eh alles scheisse“-haltung reg ich mich aber trotzdem auf.

    sascha: was ich an deinem kommentar nicht verstehe, ist, wie man über systeme diskutieren will, ohne zu pauschalisieren.
    zudem geht es doch eigentlich um systeme und wie der einzelne nicht (mehr) hineinpasst, oder? ich denke schon, dass man da recht subjektiv bleiben muss, ich kenn da eben nur mein eigenes umfeld. aber vielleicht verstehe ich hier auch alles falsch? der eindruck beschleicht mich gerade. egal, interessant isses trotzdem.

  66. 66

    @harm: ich finde es echt interessant, dass sich viele leute durch den begriff der digitalen bohème angegriffen fühlen. ich sehe, dass du das buch nicht gelesen hast, weil du die aussage auf „schöne neue digitale welt, an der ich nicht teilnehmen kann“ reduzierst. ich weiß, es macht auch spaß die zyniker-position einzunehmen. zyniker haben immer recht. ich gebe zu, ich hab mich eingelassen, auf die konstruktion und weißt du warum? wiel ich inzwischen davon überzeugt bin, dass es in diesem lande schon genügend kritiker gibt, hat ja der zweite weltkrieg auch zurecht produziert.

    ich würde vielmehr die frage in die runde schmeißen wollen, welche art von menschen sich von dem begriff provoziert fühlen.

    man muß auch wissen, dass sich die autoren keinesfalls, hauptsächlich selbst beschreiben.

    so.

    hätten wir das bedingungslose grundeinkommen, würde es nicht so viel neid geben

  67. 67

    albert: ich glaube doch, dass es neid geben würde. neid gibt es immer. und der begriff bohème (den ich für eine diskussion über arbeits-auffassungen auch mäßig gut gewählt finde, aber ich habs ja auch noch nicht gelesen :-) assoziiert „künstler“. und „künstler“ sind eh suspekt, exzentrisch und wissen nicht, was arbeit bedeutet, so die wald- und wiesen-meinung. ich glaube, das kommt daher.
    die reaktionen zeigen ja auch sehr gut, wie wenig anerkennung und selbstverständlichkeit lebensinhalten entgegen gebracht wird, die abseits von gängigen arbeitsauffassungen gestaltet werden, zeigen also, wie wichtig eine diskussion über alternativen zur hartz4-depression ist.

  68. 68

    @heidrun: ja, aber meistens fühlen sich doch die leute angepisst, die sich selbst in die maschinerie reinschmeißen, drin zugrunde gehen oder psychisch krank werden und dann deswegen neidisch sind auf menschen, die das nicht machen wollen und die sich selbst persönliche ziele im leben suchen.

  69. 69

    @ albert: exakt. das vergaß ich zu erwähnen. arbeit darf keinen spaß machen (hat nicht johnny neulich auch schon ähnliches festgestellt?), und wenn jemand seine arbeit gerne tut (und nicht gerade arzt ist), steht er unter generalverdacht.

  70. 70

    @heidrun: bezogen auf das rollenverhalten eines festangestellten: da erinner ich mich an so eine festangestellte, die sich ständig darüber beklagte, dass sie immer die letzte ist, die spät abends nach hause geht. und in ihrem ton hörte man eigentlich: naja ist schon hart, aber ich mach es ja gerne.

  71. 71

    kenn ich aus meiner familie (viele mediziner, die ihren beruf alle lieben): wenn du da keine von diesen unglaublich harten nachtschichten im krankenhaus machst, ist deine arbeit eigentlich nur halb so viel wert.

  72. 72
    schroeder

    @albert / Albert, wenn auf der Bierflasche Wein steht und es ist außerdem Cola drin, dann wundert man sich halt für kurze Zeit und fragt sich nach dem Warum. Nicht mehr, nicht weniger.

  73. 73

    @schroeder: ich verstehe die metaphorik nicht. kannst du es erläutern, was du meinst?

  74. 74
    sunny3d

    och albert, das schroederle meint nur seine rangordnung, wenn es um getränke geht
    1. Wein – also erstklassig – also digitale boheme
    2. bier – arbeit – normal
    3. cola – billige süffbrause, aber mit coffein

    also sagt er – in der digitalen boheme ist eigentlcih nur ein cola/biergemisch drin – früher sagte man alkopops und jetzt bierpops

    ich bleibe bei meiner aussage, dass der begriff „digitale boheme“ den die autoren erfunden haben, ad absurdum geführt werden soll, um bier als bier zu begreifen

  75. 75

    @sunny3d: du hast das buch auchnoch nicht gelesen, oder? aber danke dir für die erläuterung und den apell an den ewigen schüler in mir.

  76. 76
    sunny3d

    nee, ich schaue mal so in ein, zwei wochen im verbundsystem der berliner bücherreien nach, ob es dann zu haben ist – zwansch euro für ein buch, welches ich einmal durchlese – neeee, dann lieber kinos unterstützen, morrissey sehen oder im fitnessstudio anmelden ;)

  77. 77

    ich hab auch überlegt, ob ich lieber ins solarium gehe. die buchhandlung bei mir um die ekce gibt es ja nicht mehr.

  78. 78
    sunny3d

    ja, man muss schon mithalten mit den anderen, sonst geht man unter. ;-)

  79. 79

    just for the record, nachdem ich gerade drauf aufmerksam gemacht wurde: ich habe mich nie und definitiv nirgendwo mit „ich bin argh“ oder vergleichbarem vorgestellt.

    (sofern ich bzw mein weblog da oben gemeint war.)

    sagjanur.

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