26

Frohes Neues, Herr Bürgermeister!

walter moers

Ein offener Brief der ElternvertreterInnen einer Kreuzberger Grundschule ist sicher nicht einzige Reaktion auf die Äußerung des Berliner Bügermeisters Klaus Wowereit im Dezember 2006, als er in einem Interview meinte, er würde seine Kinder nicht auf eine Kreuzberger Schule schicken. Doch er zeigt, warum ich gerne hier lebe. Mit Kindern. Und deren Eltern, die solche Briefe verfassen.

Es folgt die ungekürzte Version.

Herr Wowereit!

Sie haben im N24 Interview geäußert, dass Sie Ihre Kinder nicht an eine Kreuzberger Schule geben würden. Dann, nach der ersten Kritik, haben Sie Ihr Bedauern über Ihre Aussage verbreiten lassen.

Warum?

Fehlt es Ihnen an Mut?

Mangelt es Ihnen an Aufrichtigkeit zu bekennen, dass es Ihnen in mehr als einer Amtsperiode noch nicht gelungen ist, für die Sicherheit der Schwächsten, Bedürftigsten und Wohlgesonnensten von allen, also für die Sicherheit und Zukunft unserer Kinder zu sorgen?

Berliner Kinder liegen bei PISA und IGLU weit hinten und in Gewaltstatistiken ganz vorn. Beim MSA (mittleren Schulabschluss) 2006 belegten Kreuzberger SchülerInnen im Berliner Vergleich den letzten Platz, aber in der Gewaltstatistik von letzter Woche ist es in Mitte und Lichtenberg noch schlimmer. Den Weddinger Kindern geht es eigentlich auch nicht besser oder denen in Neukölln oder …

Wie kann es sein, dass Heranwachsende im besten Lernalter, in der fürs Lernen günstigsten Tageszeit jahrelang die Schulen besuchen und sich dabei zu GewalttäterInnen die einen und zu Opfern die anderen entwickeln? Die Statistik gemeldeter Gewaltfälle an Berliner Schulen meldet für Grundschulen einen Sprung von 195 gemeldeten Fällen in 2004 auf 501 Fälle in 2005.

Wir Eltern einer Kreuzberger Grundschule sind besorgt darüber, dass jetzt wieder allerortens relativierende Erklärungen abgegeben werden und keiner da ist, der sagt: „501 gemeldete Vorfälle sind zu viel und das ist nur die Spitze des Eisberges. Nicht gemeldet werden die kleinen alltäglichen Bedrohungen und Attacken, die die Atmosphäre an unseren Schulen vergiftet. Wir wollen das nicht mehr.“

Der Senat hat in Ihrer letzten Legislaturperiode die Probleme in Kreuzberg verschärft: 2004, ein Jahr vor dem neuen Schulgesetz, wurde die Anzahl der Kinder pro Erzieherstelle von 16 auf 21,5 hoch gesetzt, was den Betreuungsschlüssel um ein Drittel verschlechterte. 2005 wurde die Einsparung von 33 Mio. an Mitteln für „Hilfe zur Erziehung“ durch den Senat verfügt. In Bezirken mit sozialen Brennpunkten, wie z.B. Kreuzberg wirken sich Kürzungen überproportional aus, weil besonders viele Kinder die gekürzten Fördermaßnahmen benötigen.

In den Kernzeiten ist seit 2005 eine einzige ErzieherIn für ca. 40 Kindern verantwortlich (ohne Krankheitsausfall). Da entstand eine neue deutliche Verschiebung von Betreuung zu Beaufsichtigung. Die Auswirkungen Ihrer Politik sind fatal. Politisches Denken und Handeln verlangen aber perspektivische Verantwortung.

2005 wurden mit dem neuen Schulgesetz keine Integrationsstunden für Kinder mit sozial-emotionalem Entwicklungsbedarf mehr gewährt. Da ein derartiger Förderbedarf erst ab der 3. Klasse beantragt werden kann, gehen diesen Kindern zwei wichtige Jahre verloren. Der Mehrbedarf wurde geregelt, in dem jeder Klasse pauschal 2 Lehrerstunden mehr zugebilligt wurden. Das verschlechtert die Bedingungen an einer Schule wie der unseren zusätzlich, da sie als bekannte Integrationsschule gezielt von vielen Kindern mit höherem Betreuungsbedarf besucht wird. Mit viel Engagement ist auch unser pädagogisches Kollegium die Ganztagsschule angegangen. Sie werden im Alltag verschlissen.

Der enorme Unterrichtsausfall wird kaschiert, indem DAZ (Deutsch als Zweitsprache) wegfällt oder die IntegrationslehrerInnen den Unterricht übernehmen. Die uns nachwachsende Generation braucht viel mehr Unterstützung. Schon jetzt haben zu viele kaum noch Chancen. LehrerInnen, ErzieherInnen und Eltern versuchen seit Jahren durch Engagement die Defizite der Rahmenbedingungen unseres Bildungssystems auszugleichen.

Wir haben doch überaus engagierte LehrerInnen, ErzieherInnen, die vor Sieben in die Schule kommen und abends noch in Gremien sitzen. Es sind die, die mit den Kindern in der Schule übernachten, die jedem Kind zuhören wollen, die jedes ausreden lassen wollen und die, die sich Tag für Tag aufreiben, dass jedes Kind den eigenen nächsten Schritt gehen und auch noch besser sprechen, lesen, schreiben und rechnen lernt.

Aber das genügt nicht. Zu viele brauchen Beachtung, Geduld und Erfolgserlebnisse. Die einen verstehen vieles sprachlich nicht, die anderen müssen bei jedem neuen Gedanken aufspringen und ihn der Welt verkünden, manche benötigen Unterstützung beim Gehen, andere können Frustration nur ertragen, wenn sie Aggression an anderen ablassen usw.

Kindheit heute heisst, in einer erfahrungsarmen Medien- und Informationswelt aufzuwachsen. Jeder neue Tag zeigt wie viel mehr getan werden müsste, um sie gut zu bilden. Alle kommen zu kurz. Alle bräuchten mehr. Mehr Gelegenheiten, mehr Aufmerksamkeit, mehr Chancen. Auch kindliche Entwicklung ist immer individuell und in unserer multikulturellen Gesellschaft liegen die verschiedenen Persönlichkeiten noch weiter auseinander.

Um Lernhomogenität und Chancengleichheit zu erreichen, bedarf es vieler, sehr unterschiedlicher geführter kleiner Schritte. Die Liste von Brennpunkten kann noch bis zum Ermüden verlängert werden. Deshalb noch einmal der Appell:

Die Kinder unserer Schule und unseres Bezirkes und eigentlich die Kinder unserer ganzen Stadt bedürfen nicht Ihrer Entschuldigung. Sie brauchen Taten. Sie brauchen Ihre persönliche Unterstützung und Hilfe.

Wir bitten Sie an erster Stelle als Mensch und an zweiter Stelle auch als Regierender Bürgermeister der Hauptstadt: Haben Sie Mut. Hören Sie auf zu kaschieren. Öffnen Sie Ihre Rathausperspektive. Lassen Sie uns die Krise zur Chance für diese Stadt machen. Investieren Sie in die Resource Mensch.

Um dies zu erreichen, brauchen wir in dieser Notsituation endlich einen runden Tisch an dem VertreterInnen aus Politik, Schul- und Finanzverwaltung mit LehrerInnen, ErzieherInnen und den VertreterInnen der verschiedenen Elternverbände zusammen Lösungen finden. Die Ganztagsschule kann nicht als Sparmaßnahme funktionieren. Sie funktioniert auch in anderen europäischen Ländern nicht als Sparmaßnahme, sondern weil dort die schulische Qualität im Blick ist, gefördert und finanziert wird.

Dies sollte uns die Zukunft unserer Kinder, unserer Stadt und unseres Landes wert sein.
Unsere Kinder brauchen von Ihnen:

1. Ihr persönliches Bekenntnis, Ihre öffentliche Stimme!
2. Viel mehr LehrerInnen und ErzieherInnen
3. Mehr Räume und Plätze
4. Mehr Qualitätssicherung statt Strukturreform!!

Es nutzt Ihnen wenig, wenn man Herz für Kinder nur im Fernsehen zeigt.

Und wir Eltern wollen nicht, dass der Regierende in wenigen Jahren seine Kinder nirgendwo in Berlin mehr einschulen würde.

26 Kommentare

  1. 01

    Bildungsföderalismus…das sind deine hässlichen Blüten… Der reiche Bayer schimpft über den armen Berliner, der seine Schulen nicht finanzieren kann, weil er viel mehr Schüler versorgen muss, als seine Kollegen im flachen Land, im reichen Westen. Und dann brüstet sich der Ede Stoiber wieder damit, dass Bayern PISA-Sieger (in Deutschland) sei, verschweigt aber nicht nur die eigenen Probleme sondern auch, dass es auf Kosten anderer geschieht, auf die mit dem Finger gezeigt wird…
    Dieses Land hat wirkliche Probleme mit der Bildung, die keiner beheben will. Der Föderalismus und das dreigliedrige Halbtagssystem, die Überlastung und Überforderung, die Unterfinanzierung und Unterimportanz. Probleme, die die Länder mit CDU/CSU Regierung nicht Lösen wollen (weil es die Aufgabe traditioneller Familienbilder wäre) und die Länder mit SPD Regierung nicht Lösen können, weil sie nur dort regiert, wo eh schon kein Geld da war, das System so kräftig umzukrempeln, wie es nötig wäre. Einzig Rheinland-Pfalz scheint mir ein wenig zu versuchen, das Ganze aufzubrechen, was aber schwer ist, in einem strukturkonservativen Land.

    Bis sich wirklich was ändert, werden solche Briefe und Hilferufe (leider) an der Tagesordnung bleiben…bis es zu spät ist…

  2. 02

    Der Kasper sagt etwas Ehrliches und soll sich Entschuldigen?

    Ein Politiker nimmt die Freiheit der Rede zu ernst und muss gehen?

    Als ob die Schwuchteln über solches nicht schon längst lachen würden?

    Deutschland und deine Neusprech Orgien!

    Wenn Ideologie der Mischkultur nicht Verstehen kann – das es wie in der Chemie ist – man kann alles mischen aber es hat eben folgen!

    Es geht nicht um Rechts oder Links denn es geht um Vernunft!

    Wehe wenn die Leute aus den Ghettos in die Gegend der feinen Leute kommen!

    Lösungen?

    Ende von Schulpflicht gegen Schulrecht!

    Einführung von Schulgeld für die Kinder – Kinder bekommen Geld für ihre Schularbeit!

    Aufbau von Erziehungsheimen für Schwererziehbare Jugendliche!

    Das wirkt das weis ich genau!

    Das Ende mit den Importbräuten!
    Die Kerle werden sich dann schnell anpassen oder gehen Leer aus!

    Das Ende mit Doppelstaatsbürgerschaften!

    Kleinstrafen müssen sofort ermittelt werden und sofort bestraft!

    3 Tage Einzelzelle macht sich gut!

    Aber es wird nichts passieren und am Ende passiert die pure Gewalt!

  3. 03
    Malte

    Das tatsächlich Niederschmetternde an diesem Brief ist, dass es einen breiten gesellschaftlichen Konsens zu seinen Kernaussagen gibt, dass es diesen Konsens seit Jahrzehnten gibt, dass Deutschland keine andere Ressource hat als Bildung – und an der Bildung immer nur weiter gespart werden wird. Alles wie gehabt. Ursachen?
    Bei Landtagswahlen steht immer nur die Bundespolitik im Vordergrund, regelmäßig bestrafen die Bürger die Partei, die im Bund Regierungsverantwortung trägt. Bildung ist also in dem Moment, in dem über sie entschieden wird, egal.
    Die Früchte einer besseren Bildungspolitik kann man nicht vor Ablauf einer Legislaturperiode ernten. Und was kann es Schlimmeres geben, als dass ein anderer Politiker von einer anderen Partei von den eigenen Maßnahmen profitiert? Da müsste man mal Gerhard Schroeder fragen.

  4. 04

    @Winfried:

    Meistens lese ich über deine Meinungen und sende Stoßgebete in den Himmel, weil ich weiß, dass es wichtigere Probleme gibt, als mich gerade in diesem Moment aufzuregen. Heute kann ich aber nicht anders.

    Ich hoffe nicht, dass du das alles ernst meinst, glaube aber widerum, dass du in deiner ganz eigenen Welt lebst. Wahrscheinlich gilt in dieser Welt pauschales Migrantenbashing als Problemlöser und Jugendhaft als Allheilmittel. Noch schnell eine Prise Schwulenkloppen und fertig ist das krudeste Posting, was man zu diesem Thema beitragen kann.

  5. 05

    Winfried: toll – und so konstruktiv! Du hast nur ein paar Kleinigkeiten vergessen:

    Killerspiele verbieten!

    Hungertürme wieder einführen!

    Die Mauer muss wieder her!

    Ausländer raus!

    Mann, mann, mann…

  6. 06

    Macht mehr Musik :)

  7. 07

    Tom, hab ich mir für 2007 vorgenommen.

  8. 08
    Totoro

    Schon seit Jahren bin ich sehr besorgt und kann es nicht verstehen, wie hilflos unsere Politiker den wahren Problemen gegenüber sind. Und obwohl wir sie ständig darauf hinweisen, ändert sich dennoch nichts. Es funktioniert aber auch wahnsinnig gut: auf der einen Seite sind die von uns gewählten (Fehl-)Lenker und auf der anderen Seite stehen wir und lassen es uns gefallen, wählen ab und zu mal was anderes (gerne auch mal irgendeine dahergelaufene Partei, die sich anscheinend für „Protest“wähler ganz besonders gut eignet), zeigen aber ansonsten eher rückläufiges Protestpotential.
    Was für eine Zukunft bringt uns all das?

    (auch Winfried scheint von unserem Bildungssystem wenig mit auf den Weg bekommen zu haben: Stammtischpolemik & Bildzeitung-Headlines meets Rechtschreibfehler)

  9. 09

    @Malte
    Nun, die SPD hätte lange genug Zeit gehabt, um mögliche bildungspolitische Profite in NRW einzusammeln – und was ist? Pustekuchen: NRW steht ganz seit PISA ganz schön belämmert da, mit einem halbherzigen Gesamtschulsystem und Gymnasien, die den bayerischen nicht das Wasser reichen können.

    Gerade die Schule scheint leider ein Feld zu sein, auf dem man seine ewig alten parteipolitischen Grabenkämpfe austragen kann. Während Simonis vor ihrer Abwahl in Schleswig-Holstein das dreigliedrige System abschaffen wollte, ist Frau Sommer in NRW gerade dabei, die fünfziger Jahre aufleben zu lassen, bspw. mit (geplanter) teilweiser Monoedukation und Kopfnoten. Gesamtschule ist da keine Option, sondern ein Feindbild.

    Einen schönen Artikel zum selben Thema hat übrigens Lisa Rosa vor einiger Zeit verfasst.

  10. 10

    @ Mathias

    Beten ist gut wenn man es tut!

    Ich meine nicht alles so Ernst, aber die grobe Richtung stimmt schon!

    “ pauschales Migrantenbashing “ widert mich an – Sofortstrafen sind in Schweden ganz normal! Man kann gewisse Jugendliche nur mit sachlicher Gewalt erziehen! 3 Tage Einzelhaft nach eine Schlägerei finde ich total in Ordnung!

    Ich weis nicht wer hier Weltfremd ist! In meiner Stadt gibt es Viertel da gehst du Nachts nicht lang – und gnade uns Gott wenn die Faschos anfangen Sicherheitsstreife zu gehen!

    Du Ignorierst total wer die Knäste verstopft!

    Mach doch mal ne Führung mit!

    … als Problemlöser und Jugendhaft als Allheilmittel.
    Habe ich nicht gesagt! Ich spreche von Erziehung – !

    … ne Prise Schwulenkloppen …

    Es gibt nicht „die Schwulen“ und kloppen will ich die auch nicht!
    Es ging nur um Meinungsfreiheit!

    Ich habe mir auch keine Lust das Soziopolitische und Falsche Schimpfwort „Hetero“ an zu hören!

    Wer mir meine Normalität absprechen will sollte nicht zu Sensibel sein wenn das Wort „Schwuchtel“ genannt wird!

    Es gibt viele Männer die haben Erfahrungen mit den „gemachten Schwulen“ , die einerseits Opfer und andererseits zu neuen Tätern werden!

    In meiner Zeit in Düsseldorf hatte ich Freunde die recht viel Bio waren und wie in einer normalen Ehe gelebt haben!
    So ganz Ungebildet bin ich nicht!

    Ich will auch keine Mauer … denn ich habe ein gutes Stück daran das sie fallen konnte … Ich will auch nicht das alle Ausländer … verschwinden sollen!

    Bei „politisch korrekten Themen“ gibt es aber eine gewisse Dikussionseinfalt die da heißt „halts´ Maul und verschwinde“!

    Diese Haltung wird die Probleme derart zur Explosion bringen das du Dir noch wünschen wirst das es mehr Leute wie mich gäbe!

  11. 11
    Katharina

    „Diese Haltung wird die Probleme derart zur Explosion bringen das du Dir noch wünschen wirst das es mehr Leute wie mich gäbe!“

    Nee, Winfried. Wirklich nicht.

    Der Bedarf an Leuten, die „Diskussionseinfalt“ beklagen, im gleichen Zusammenhang aber die Vokabeln „Schwuchteln“, „Neusprech“, „Mischkultur“ bringen und schreiben, dass „es wie in der Chemie ist – man kann alles mischen aber es hat eben folgen!“ ist absolut gedeckt.

  12. 12

    @Katharina

    Nee, Katharina – ist kein Austausch und Nee, Winfried – ist auch kein Austausch – Muss ich auch hier nicht erwarten!

    Ich halte Ignoranten als gefährlicher wie irgendwelche Meinungen!

    Wenn du das Wort nicht magst dann beklage es – ich weis aber mehr von Zensur als du – und diese beginnt immer im Neusprech und wandert in die politisch Korrekte Selbstzensur!

    Nur werden die Leute immer mehr die das begreifen – Leute wie Du werden eines Tages die Gewalt Herbeischreien!

    Ausgangslage ist das Minderheiten über Mehrheiten herrschen und dies der Wiedersinn in unserer Demokratie schlecht hin ist.

    Deutschland hat leider keine Diskussionskultur entwickelt!

    Bald werden vielleicht die Männer im Land die Kultur von Minderheiten übernehmen … dann geht Frau nie mehr alleine in eine Bar!

  13. 13

    @winfried (Oh Gott, warum tue ich das überhaupt?): Deine für Dich wohl schon faktischen Aussagen sprechen für Deine These der fehlenden Diskussionskultur. Oder Du hast sie nicht so ganz verstanden, könnte auch. Und jetzt genug genug gefüttert.

    @Katharina: Word. Wobei – ganz unrecht hat er mit einem Satz nicht, nur eine Silbe vergessen: „es wie in der Chemie ist – man kann alles vermischen aber es hat eben folgen!
    „Ursachen und Wirkungen“ zum Beispiel, wäre so ein Vorschlag meinerseits.

  14. 14

    Meine faktischen Aussagen sind etwas mein Sprachstil.

    Meine Vorurteile kann ich aber per Drag und Drop jederzeit neu ordnen.
    Ich bin mir aber dafür meiner Voruteile bewusst.
    Keine zu haben geht aber gar nicht!

    Haben wir in der Schule die freie Rede und den Diskurs wirklich gelernt?
    In anderen Ländern gibt es dafür richtige Meisterschaften!

    Persönlich will ich aber niemanden auf die Hörner nehmen.

    Entschuldigt meine Silbenvergesslichkeit, aber der Grund dazu ist so traurig, das ihr heulen würdet wie die sprichwörtlichen Schosshunde!

    PS: Gott hat auch Dich …

  15. 15
  16. 16

    Hier hätte eine Diskussion statt finden können.
    Schade, dass sie von einem einzelnen vereitelt wird.

  17. 17

    Ich verstehe gar nicht, warum alle den Troll füttern? Da muss man auch den antwortenden Kommentatoren ein Stück weit Schuld geben, finde ich. Lasst ihn doch salbadern…

    Ich fange noch mal an: Es wird ja hier ein wenig zum Berliner-Problem gemacht, obwohl ich sagen muss, dass ich mir (in NRW, Bielefeld) schon langsam Gedanken mache, wo ich meine Tochter einschulen lasse. Notfalls würde ich dafür auch umziehen, obwohl es meiner persönlichen Auffassung von Schule eigentlich widerspricht. Aber solange die Qualität von Schulen wesentlich von ihrer sozialen Zusammensetzung bestimmt wird, kann ich Euren Bürgermeister in seiner Aussage gut nachvollziehen. Leider ist das Resultat ein Teufelkreis, den Herr Wowereit zumindest ein Stück weit aufbrechen könnte.

  18. 18

    Ich glaube nicht, dass die Qualität von Schulen von der sozialen Zusammensetzung bestimmt wird, solange die Schule auf die jeweiligen Anforderungen reagieren kann. Was Personal und Raum, also Geld braucht.

    Ich habe vor etwa einem Jahr einen Soziologen über Kreuzberger Schulen reden hören, der klar gemacht hat, dass wir hier im Grunde die Schulen und Strukturen sehen, wie sie in naher Zukunft überall vorzufinden sein werden. Kreuzberg ist, nicht nur in schulischer Hinsicht, eine Art Vorschau auf das, was in Deutschland, in Europa überall kommen wird. Daher ist es enorm wichtig, damit umzugehen und Herausforderungen zu meistern, statt Probleme unter den Teppich zu kehren.

    Mag sein, dass Wowereit etwas ausgesprochen hat, was viele denken. Das ist aber nicht seine Aufgabe, die kann er der BILD überlassen. Sein Job ist nicht Populismus, sein Job ist die Regierung dieser Stadt.

  19. 19

    Tanja, verflucht, Du hast Recht. Hokey: tschuldigung, ziehe mir den Schuh gerne ein stückweit an – aber manchmal habe ich (auch bei Trollen) keinen Bock mehr irgendwelche Aussagen unkommentiert stehen zu lassen.

    Also back to topic. Ich hatte gerade schon einen längeren Post geschrieben – den ich aber wieder verworfen habe, weil er glaube ich schon zu weit ausgeholt hat. Mit stellt sich nur langsam (auch nach Johnnys Kommentar) die Frage: kann Schule alle gesellschaftlichen Anforderungen abfangen? Sozialisation der Kinder findet ja nicht nur in der Schule statt, sondern bspw. auch im Elternhaus, Freizeit etc. Eltern sind immer häufiger schon mit ihrem eigenen Leben vollkommen überlastet, Freizeitangebote werden auch immer mehr eingedampft – kann man da wirklich versuchen, das alles nur über Schulpolitik abzufangen?

  20. 20

    diaet, nee, das braucht schon einen gesellschaftlichen Gesamtzustand, das stimmt. Die Schule prägt aber einen Großteil des Lebens junger Menschen (unsere Freunde, unser ganzes soziales Umfeld stammte doch aus der Schule, als wir da noch hin mussten…) und ist neben dem Zuhause, wo die Politik/ der Staat im besten Fall nicht eingreifen sollte (auch wenn das an manchen Stellen immer wieder nötig scheint, halte ich aber für Ausnahmen), der erste Anlaufpunkt um gesellschaftliche Entwicklungen aufzufangen und aufzuarbeiten.

  21. 21

    @Johnny
    Da gebe ich Dir recht. Aber eben nur „solange die Schule auf die jeweiligen Anforderungen reagieren kann.“ Und da sehe ich bisher nirgendwo schlüssige Konzepte.

    Das Traurige an Wowereit ist, dass er ganz konkret etwas dagegen unternehmen kann, weshalb seine Aussage ja so zynisch rüberkommt und den Leserbrief geradezu herausfordert. Das macht seine Aussage aber nicht weniger wahr, denn ich glaube, sie ist ganz realistisch: Wenn Eltern sich um die Bildung ihrer Kinder kümmern, dann suchen sie sich die richtig erscheinende Schule. Das ist für Gegenden wie Kreuzberg natürlich ein Teufelskreis.

    Solange, und da stimme ich Dir auch zu, die Wowereits dieses Landes nicht handeln, wird die Zukunft nicht rosiger werden und weiterhin die soziale Herkunft darüber entscheiden, wohin die Bildungsreise geht. Das sind zumindest die wiederholten Ergebnisse der PISA-Studie.

    @diaet
    Ich glaube, dass man in der Schule vieles abmildern kann. Vielleicht bin ich auch naiv, wer weiß. Aber dafür bräuchte man die richtige Schule. Wenn junge Menschen in den Schulen keine positiven Erfahrungen mehr machen können (z.B. weil sie schon auf dem Abstellgleis, der Hauptschule, angekommen sind, oder in Kreuzberg auf eine stigmatisierte Schule gegangen sind, die Herr Wowereit nicht im Ganzkörperkondom betreten würde), dann ist Schule schlichtweg sinnlos. Wenn sie dann noch medial-öffentlich abgestempelt werden durch Wowereit oder diese Rütli-Schule-Sache, dann kann das meiner Ansicht nach nicht positiv wirken.

  22. 22
    Ralf W.

    Die Politiker und das Schulsystem können nicht alles abfangen und reparieren, was in den Elternhäusern und im Umfeld der Kinder schief läuft. Zwar halte ich es für grundlegend falsch, an Personal und Geld bei Schulen usw. zu sparen, aber andererseits sind Lehrer und Erzieher doch nicht dazu da, um grundlegende Erziehungsarbeit bei Kindern zu leisten, das müssen die Eltern erbringen. Genauso wenig können Schulen, Kindergärten und Betreuungsstätten Ersatz für die Elternhäuser sein.

    Und den Leuten, die dauernd über die Kinder schimpfen, sage ich, dass diese in der Welt leben müssen, die wir (die mittlere und die ältere Generation) geschaffen haben. Die Kinder passen sich nur an die Welt an, die sie vorfinden, aufgebaut wurde und aufrecht erhalten wird sie von uns.

    Generell sind die Eltern der Dreh- und Angelpunkt für die Kinder. Ich bin der Meinung, dass sich Eltern einfach verantwortlich um ihre Kinder zu kümmern haben, oder wenn sie das nicht können oder wollen, von vorn herein auf Kinder verzichten sollen.

    Wenn Kinder verhaltensauffällig sind, dann sollten erst einmal die Eltern bzw. die Erziehungsberechtigten unter die Lupe genommen werden. Und wenn die Eltern etwas falsch machen, dann sollten zuerst die in die Pflicht genommen werden, statt deren Kinder zu bestrafen.

    Wenn ich zurückdenke an meine Kindheit (70er Jahre, Dorf, Bayern, also ziemlich andere Verhältnisse), dann sage ich jedoch nicht, dass da alles besser war. Im Gegenteil: Eine ärmliche Dorfschule mit Kohlenofen und Plumpsklo. Große Klassen, je zwei Jahrgangsstufen in der Grundschule zusammen. Lehrer, die mehr auf Härte und Bestrafung als auf Pädagogik gesetzt haben. Kein Extra- oder Förderunterricht für schwächere Schüler. Zwang zum Rechtsschreiben für Linkshänder. Und die Schüler sind auch nicht gerade zimperlich miteinander umgegangen.

    Und daheim … nein, damit fange ich gar nicht erst an. Ich jedenfalls habe als Kind von meinem Umfeld und meinen Eltern gelernt, dass die Welt ein Dschungel ist, hart und ungerecht, durch den man sich kämpfen muss, ansonsten geht man unter. Allerdings: Ich habe mich defensiv durchgekämpft, nicht offensiv, aber da ist jeder Mensch verschieden. Jedenfalls, was ich mir als Kind am meisten gewünscht hatte: Einen Menschen, der mich einfach gern hat, so wie ich war, mich versteht, mich tröstet, mir hilft, mich beschützt, und das aktiv, fühlbar und sichtbar (das zum „fröhlichen Kinderlachen“ oben).

  23. 23

    Ralf W: Ein Großteil Deiner Ausführungen waren die Gründe für meine Anmerkung. Allerdings kann ich Johnny und Hokey auch nur beipflichten – Schule ist ein Rieseneinfluss, der einiges wird abfangen können. Und vermutlich auch müssen – denn vielen Eltern bleibt ja nunmal kaum die Chance, soviel Einfluss zu nehmen.

    Deine Überlegung, dass Eltern die das nicht können oder wollen erst gar keine Kinder bekommen sollten – in der Theorie ist da vielleicht ein Fünkchen Wahrheit dran (zumindest bei denen, die’s nicht wollen, bestimmt). Aber Realität ist doch eher, dass a) nicht alle Kinder wirkliche Wunschkinder sind (was ich zwar vielfach erschreckend verantwortungslos finde, aber das ist ein anderes Thema) und b) es viele, die wollen, aufgrund der aktuellen Lage nicht können wie sie wollen. Sollen jetzt nur noch Berufssöhne und -töchter oder andere Millionäre Kinder zeugen? Eben, geht auch nicht.

    Also tatsächlich auf die Anforderungen eingehen. Also doch Ganztagsschulen? Frage an die anwesenden Eltern: wären die (natürlich nur gut umgesetzt) für euch eine Lösung?

  24. 24

    Meine Tochter ist zwar noch nicht im Schulalter, aber generell hätte ich nichts gegen Ganztagsschule, wenn denn den Schülern auch adäquate Angebote gemacht werden und das nicht in betreutes Herumgammeln oder Schule bis zum Umfallen ausartet.

    Kompetente Hausaufgabenbetreuung z.B. (wer hat nicht schon mal planlos vor seinen Mathe- oder Lateinaufgaben gesessen?) und pädagogisch begleitete Freizeitangebote (Sport, Musik, Schulzeitung, etc.) wären Dinge, die mir da vorschweben, aber davon träume ich wahrscheinlich noch in zwanzig Jahren. ;-)

  25. 25

    Trolle sind Anonym – Ich nicht!

    Wenn Jonny mir schreibt: Hi.

    Mal abgesehen davon, dass du gefühlte 800 Kommentare pro Tag hinterlässt, die selten etwas mit dem Thema zu tun haben: Bitte keine Links auf Downloads. Das nervt. Danke.

    ### Wenn meine Thematischen zusammenhänge nicht begriffen werden oder nicht diskutiert werden sollen dann ist das eine Sache!
    Wenn ich zu Präsent erscheine dann kann ich mich gerne etwas zurücknehmen! Ich entschuldige mich auch im voraus das ich keine Mainstsreammeinung habe!

    Wenn das kleine Arschloch oben im Bild sagt: „Niemals wird ein fröhliches Kinderlachen das Vakauum dieses Raumes füllen“
    so ist meine Antwort nur per Link möglich, wenn ich den leeren Raum dennoch mit Kinderlachen füllen will!
    Außerdem finde die Antwort Thematisch recht präzise.

    Würde den Link natürlich hier gerne wiederholen!

    Werde gerne weitere Beiträge schreiben aber lieber dort diskutieren wo Diskussionstiefe gewünscht ist!

    Ich glaube Jonny mag mich nicht!

  26. 26
    Ralf W.

    Aus #16 zitiert: „žHier hätte eine Diskussion statt finden können. Schade, dass sie von einem einzelnen vereitelt wird.“

    Ist er der Chef hier? Nein, also kann er eine konstruktive Diskussion nicht vereiteln. Das können nur die Diskutanten selber, indem sie das Diskutieren aufhören. Wobei Diskussionen keine Kaffeekränzchen oder Smalltalk sind. Da muss man halt mitunter ein dickeres Fell anziehen.

    Zu „žTrollen“: Die kann es überall geben, im Netz und im Real Life. Aber nicht jeder, der als Troll deklariert wird, ist tatsächlich einer, und nicht jede Äußerung von diesen Leuten ist Trollerei. Und selbst aus Provokationen anderer kann man lernen und es steckt oft ein mehr oder minder großes Korn Wahrheit darin.

    Aus #23 zitiert: „ž…denn vielen Eltern bleibt ja nunmal kaum die Chance, soviel Einfluss zu nehmen.“

    Es gibt diejenigen, die vor allen Schwierigkeiten flüchten, sobald sie können, bzw. sich gleich erst gar nicht darin verstricken wollen. Auf Stadtviertel bezogen ziehen dann die Schlauen, Vernünftigen, Wohlhabenderen, Tatkräftigen weg, oder lassen sich erst gar nicht nieder. Das ist verständlich, man muss sich (und seinen Kindern) ja nicht alles Mögliche antun, und jeder hat das natürlich Recht, wegzuziehen. Es muss dann jedoch klar sein, dass man als einfacher Bürger dann überhaupt keinen eigenen Einfluss mehr hat, was „žim Krisengebiet“ geschieht, und völlig auf die „Gnade“ der Politiker angewiesen ist.

    Ich habe keine Kinder und kenne die heutigen Verhältnisse in „žProblemschulen“ nur aus Berichten, darum frage ich auch aus Interesse die Eltern: Seid Ihr wirklich so einflusslos und machtlos? Wenn Ihr merkt, dass Euren Kindern in der Schule übel mitgespielt wird, dass sie durch andere leiden, dass sich die Noten Eurer Kinder verschlechtern, dass sie sich depressiv usw. verhalten, dass in der Schule Eurer Kinder unhaltbare Zustände herrschen, warum zeigt Ihr dann nicht massiv Präsenz? Mit der Schulleitung, mit den Lehrern reden und nicht locker lassen. Sich persönlich von den Zuständen in der Schule überzeugen. Sich selber aktiv einbringen. Wir leben doch in einer Demokratie, müssen da die verantwortungsvollen, tatkräftigen Eltern Angst haben, von der Polizei in Handschellen abgeführt zu werden, wenn sie sich in der Schule ihrer Kinder irgendwie blicken lassen?

    Aus #23 zitiert: „žSollen jetzt nur noch Berufssöhne und -töchter oder andere Millionäre Kinder zeugen? Eben, geht auch nicht.“

    In der Praxis ist es vielmehr umgekehrt. Ich lebe seit über 10 Jahren nun schon in einer Großstadt und in einem „žsozial schwächeren“ Stadtteil (traditionelle Arbeitergegend, Wohneinheiten, Fabriken, wenig Grün, schlechte Luftqualität). Da wimmelt schier es von Kindern, da ist es überhaupt laut, lebendig und bunt. Die wohlhabenderen Stadtteile dagegen kommen mir fast „žgespenstisch“ ruhig, leise und menschenleer vor. Auch in dem — im Vergleich zu heute und zu Städten armen — Dorf waren Familien mit mehreren Kindern quasi Standard. Wie im Dschungel halt: Das pralle Leben gedeiht und blüht, die einen fressen, die anderen werden gefressen, und immer kommt Nachschub.

Diesen Artikel kommentieren