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Klar im Wortlaut

Die Bedrohung kommt jedoch nicht nur von dem, was die Menschen durch militärische Technik einander antun können; sie erwächst auch aus vielen anderen Folgen einer materialistischen Zivilisation, welche – trotz »humanistischer« Erklärungen – dem Vorrang der Sachen über die Person huldigt.

Der zeitgenössische Mensch fürchtet also, daß durch die von dieser Zivilisation erfundenen Mittel die Einzelpersonen und auch die verschiedenen Lebensbereiche, die Gemeinschaften, die Gesellschaften und die Nationen Opfer der Willkür anderer Einzelpersonen, Lebensbereiche und Gesellschaften werden könnten.

Die Geschichte unseres Jahrhunderts bietet dafür Beispiele zur Genüge. Trotz aller Erklärungen über die Rechte des Menschen in seiner Ganzheit, das heißt in seiner leiblichen und geistigen Existenz, können wir nicht sagen, daß diese Beispiele nur der Vergangenheit angehören.
[…]
Die technischen Mittel, über welche die heutige Zivilisation verfügt, bergen ja nicht nur die Möglichkeit einer Selbstvernichtung als Folge eines militärischen Konflikts in sich, sondern auch die einer »friedlichen« Unterwerfung der Einzelpersonen, der Lebensbereiche, ganzer Gesellschaftsgruppen und Nationen, die aus irgendeinem Grund denen unbequem werden, die solche technische Mittel in der Hand haben und zu ihrem Einsatz bedenkenlos bereit sind. Man denke in diesem Zusammenhang auch an die Folter in der heutigen Welt als systematisch eingesetztes Herrschafts- und Unterdrückungsmittel der Machthaber, als unbestrafte Praxis der untergeordneten Stellen.

So wächst neben dem Wissen um die Bedrohung des physischen Lebens das Wissen um eine andere Bedrohung, um eine noch größere Gefahr für das, was wesentlich menschlich ist, was mit der Würde der Person und ihrem Recht auf Wahrheit und Freiheit in engem Zusammenhang steht.

All das vollzieht sich vor dem Hintergrund schwerster innerer Vorwürfe, deren Ursache darin liegt, daß es neben den Menschen und Gesellschaftsgruppen, die in Wohlstand, Sattheit und Überfluß leben und sich dem Konsumismus und der Genußsucht unterworfen haben, in der gleichen Menschheitsfamilie nicht an einzelnen noch an Gesellschaftsgruppen fehlt, die Hunger leiden.

Es gibt Kinder, die vor den Augen ihrer Mütter den Hungertod sterben. Es gibt in verschiedenen Teilen der Welt, in verschiedenen sozio-ökonomischen Systemen ganze Zonen des Elends, der Not und der Unterentwicklung. Diese Tatsachen sind allgemein bekannt.

Der Zustand der Ungleichheit unter Menschen und Völkern dauert nicht nur an, er nimmt zu. Noch immer finden wir neben begüterten Menschen, die im Überfluß leben, andere, bedürftige, die unter dem Elend leiden und oft sogar an Hunger sterben; ihre Zahl beläuft sich auf Dutzende, ja auf Hunderte von Millionen. Deshalb wird sich die moralische Unruhe zusehends vertiefen.

Es ist unleugbar, daß die heutige Wirtschaftsordnung und die materialistische Zivilisation auf Grundlagen aufgebaut sind, die eine fundamentale Unzulänglichkeit oder vielmehr einen ganzen Komplex von Unzulänglichkeiten, ja, einen unzulänglich funktionierenden Mechanismus aufweisen; eine solche Wirtschaftsordnung und Zivilisation machen es der menschlichen Gesellschaft unmöglich, über so radikal ungerechte Situationen hinauszuwachsen.

Das war jetzt nicht Christian Klar. Das war Papst Johannes Paul II. In der Enzyklika Dives in Misericordia. Klar im Wortlaut findet ihr hier.

Erläuterung

58 Kommentare

  1. 01
  2. 02
    Lusiol

    Das perfide Spiel wäre natürlich noch effektvoller gewesen, wenn du mit der Auflösung noch ein wenig gewartet hättest, um zu schauen, ob jemand den Irrtum bemerkt.

  3. 03
    daniel

    Hm, was will uns Malte damit sagen? Daß er JPII gut findet? Oder Christian Klar? Oder beide? Oder keinen von beiden? Vielleicht ist das ja auch ein Ratespiel: Finde die sieben Unterschiede.

    Warum fühle ich mich gar nicht provoziert?

  4. 04
    stefan_k

    Der Vatikan hat richtig gute Ghostwriter.

  5. 05

    was soll dieses nebeneinandersetzen dieser beiden texte?

  6. 06

    Dass der Kapitalismus und die Globalisierung ein Übel darstellen – volle Zustimmung. Nur das Ch. Klar wohl den Teufel mit dem Beelzebub austreiben will. Er steht für mich mit seiner Ideologie nicht nur für die Opfer der RAF, sondern irgendwo auch für die Millionen Opfer des Kommunismus weltweit.
    Ich denke nicht, dass Karol Woytila tatsächlich eine neue Art Kirchenherrschaft herbeisehnte.

  7. 07

    Hey, der Papst konnte ja auch gescheite Ideen vom Stapel lassen!

  8. 08
    frieder

    klar im wortlaut auch spon in ihrem artikel zur oscar-nacht von „uns florian“. dort bezeichneten sie die anscheinend holländische freundin von darsteller Sebastian Koch vorübergehend als Antje van Cäse….
    SpOn

  9. 09

    Mmmh, offensichtlich bin ich nicht der einzige, der diesen Obstkorb (Äpfel & Birnen) ein bisschen albern findet…

  10. 10
    cord

    Irgendwie nervt es ein wenig, dass sich die Spreeblick Redaktion gerade zum RAF-Nostalgiker Verein deformiert. Was soll mit dieser Gegenübstellung entlarvt werden? Dass sich die Linke und die katholische Kirche in ihrer Ablehnung des Materialismus nicht ganz unähnlich sind? Das ist ja wirklich erstaunlich, da ist ja noch keiner drauf gekommen (Befreiungstheologie? oder auch nur die katholische Soziallehre [findet man auch bei der CDU]). Das bei der Globalisierung auch nicht alles Gold ist was glänzen tut, sie wohlmöglich sogar Schattenseiten hat? Das hat sich mittlerweile bis zur Weltbank rumgesprochen. Das die CSU von Knalltüten geführt wird (siehe die Reaktion auf Klars Dreizeiler z.B. bei Spon)? Vermag mich auch nicht zu überraschen (euch hoffentlich auch nicht!).
    Es gibt weiß Gott genug andere symbolische Schlachtfelder auf denen man den Reaktionären dieser Republik und anderswo journalistisch auf die Füße treten könnte, dafür brauch es kein gehype von brutalen, menschenverachtenden Mördern. Im übringen würde man ganz ähnliche „Analysen“ der Weltlage auch auf der NPD-Homepage finden (wahrscheinlich minus Hugo Chavez, aber im Antiimperialismus/Amerikanismus sind die Reihen fest geschlossen).

  11. 11

    Nun, man kann es Kommunisten und Katholiken nicht verbieten, die gleichen Empfindungen / Erkenntnisse haben. Viel wichtiger als das ist der Lösungsansatz – und dort unterscheiden sich Christian Klar und Johannes Paul II. doch deutlich. Sie nebeneinander zu stellen verdeutlicht, dass beide Menschen, sogar Menschen aus dem gleichen Kulturkreis sind.
    Es ist nur natürlich, dass aktuelle Probleme von „beiden Seiten“ aufgegriffen werden. Allein die Reaktion darauf unterscheidet.

  12. 12

    Na, auch Report geschaut gestern, Malte?
    Gestern noch ein eigener Post, heute mein Kommentar zu dieser guten Gegenüberstellung:

    „Was „Report Mainz“ heute an Zitaten aus einem Grußwort von Christian Klar an Teilnehmer der Rosa-Luxemburg-Konferenz Mitte Januar veröffentlicht hat, das würde ich beinahe so unterschreiben.
    Diese Sätze anzubringen, um unterschwellig gegen die Bewilligung des Gnadengesuchs von Klar zu polemisieren, ist dumme konservativ-bürgerliche Angstmache. Ja, der Moderator von „Report Mainz“ sagte, sie wollten nur dokumentieren und auch Klar habe ein Recht auf freie politische Meinungsäußerung. Aber er sei eben auch an diesem Meinungen zu messen, so die unterschwellige Aussage.
    Und wenn „Report Mainz“ Klars Aussagen für unproblematisch gehalten hätte, wären sie wohl nicht thematisiert worden.“
    Der ganze Post:
    http://graubrot.blogspot.com/2007/02/klarer-standpunkt.html

    @Cord (Nr. 10): Es geht meines Erachtens nicht um RAF-Nostalgie, sondern um ein klein wenig Gegenöffentlichkeit zum aktuellen einseitigen RAF-Dämonisieren durch die bürgerlichen Medien. Trotz der menschenverachtenden Methoden der RAF, gilt weder der daraus einfach zu ziehende Umkehrschluss, dass deren Gegner die Guten waren, noch gilt, dass alles was ehemalige RAF-Mitglieder an politischen Überzeugungen kund tun, rundweg gefährlich ist.
    In einer Zeit, in der unser Innenminister uns alle zu potentiellen Terroristen abstempeln will, ist es sicher kein Fehler, bei einem ehemaligen Terroristen mehr als nur diese Vergangenheit zu suchen.

  13. 13

    Stefan (6): Die RAF bestand zwar aus Spinnern und Mördern, aber diesen Würsten auch noch die Opfer des Kommunismus anzuhängen, übertreibt ihre Wirkung dann doch gewaltig.

  14. 14
    daniel

    Je länger ich über diesen dämlichen Textvergleich nachdenke, umso mehr graust es mir vor dem Gedankengang, den Blogger Malte anscheinend durchleiden mußte. Ich versuche ihn mal nachzuvollziehen:

    Malte stolpert auf SpOn über Christians Klartext und findet diesen irgendwie gar nicht so schlecht. Der Eindruck verstärkt sich, als die üblichen Reflexpolitiker aufgrund von Klars Äußerungen eine Begnadigung des scheinbar immer noch unter Rote-Armee-Fraktionszwang stehenden Ex-Terroristen kategorisch ausschließen.

    Der Mann hat ein Recht auf eigene Standpunkte, zumal wenn sie gar nicht so übel sind. In Malte wächst die Empörung. Das darf doch wohl nicht wahr sein: Mit dem öffentlichen Reuebekenntnis soll Klar auch noch seine eigene Meinung ablegen müssen — ihr Heuchler und Otterngezücht, euch werde ich’s zeigen!

    Ab hier wird es interessant, denn nun stellt sich die Frage, was uns Malte eigentlich zeigen will. Eine Textgegenüberstellung kann mancherlei Veranschaulichung dienlich sein. Möglich, daß Malte sich dessen selbst noch nicht ganz im Klaren war, als er umgehend seine Lieblingssuchmaschine mit Fragmenten und Schlagwörtern aus Klars trübem Text zu füttern begann. Suche: Klartext einer honorigen, international bedeutenden Persönlichkeit. Bitte warten Sie einen Moment … … Voilà, Ihre Suche ergab einen richtig guten Treffer – ähnliche Ergebnisse überspringen?

    Von der Recherche-Ausbeute glückstränenbenetzt, macht sich Malte sofort an die Veröffentlichung der Gegenüberstellung. Alle Instinkte sind geweckt und gestatten keinen Verzug, schon gar nicht des Nachdenkens wegen. Ergrauten Revoluzzern huldigen, römische Katholiken durch den Kakao ziehen, übereifrige Politiker der Heuchelei überführen, und das alles in einem Beitrag! Vielleicht auch umgekehrt, oder ganz anders — was soll’s, die Gelegenheit ist zu schön, um versäumt zu werden.

    Möglicherweise war es so. Vielleicht auch nicht; wir wollen Malte kein Unrecht tun. Das schlimme ist nur: Sollte Malte tatsächlich mehr als seinem Grummeln im Darm gefolgt sein und doch den einen oder anderen vertiefenden Gedanken investiert haben, wird das Ergebnis nicht besser. Mehr noch. In diesem Fall müssen wir um seine geistige Gesundheit fürchten. Denn die vorliegenden Texte haben außer einem gemeinsamen Alphabet keine allzu große Schnittmenge.

    Es ist legitim und geboten, Mißstände wahrzunehmen und zu benennen. Aber es reicht nicht aus. Hierin liegt der große Unterschied zwischen Klar und Paul. Während der eine die Gründe im unpersönlichen „System“ verortet, das nur der kompromißlosen Zerstörung überantwortet werden kann, hat der andere ein christliches Menschenbild zu bieten, das die persönliche Verantwortung des Einzelnen in den Mittelpunkt rückt. Kein System der Welt kann uns davon abhalten, das Richtige zu tun. Und kein System der Welt kann das Falsche rechtfertigen.

    Daß wir alle die gleiche Luft atmen, kann keine Grundlage für irgendwelche Vergleiche sein. Es zählt allein, was wir mit jedem Atemzug unseres Lebens tun!

  15. 15

    @Stefan/6
    Ich muß mich da auch Stralau anschließen. Was ist das für eine verquere Sicht der Dinge? Dass Herr Klar jetzt auch noch „irgendwo“ (!) für die Millionen Opfer des Kommunismus „steht“, tz, tz, tz. Der hat doch nun echt schon genug Ärger am Hacken.
    Ich denke, er ist nur ein ganz gewöhnlicher Krimineller & Mörder (wie übrigens auch die Medienschranzen nicht müde werden zu betonen). Und jetzt ist er plötzlich auch noch das personifizerte Böse?

    Und wenn die beiden, Herr Klar und Herr Ratzinger, für die jeweiligen (Un-)Taten ihrer Vereine persönlich geradezustehen hätten, au weia, da weiß ich nicht, wer wem den Vortritt ins Höllenstüble lassen muß. Rein zahlenmäßig dürfte da der katholische Männerverein vor der RAF liegen.

  16. 16
    alter hase

    Daniel führt 1:0

  17. 17
    Malte

    @ alter hase
    Klassisches Eigentor

  18. 18
    cord

    @ Björn: Das Problem, und genau darauf wollt ich aufmerksam machen, sind ja nicht die Überzeugungen, also der sachliche Gehalt von Christian Klars politischen Positionen (dazu mag man stehen wie man will, einiges sieht der Papst ähnlich, anderes die NPD und das meiste steht in 100mal eleganterer Prosa bereits bei Marx) sondern die Art und Weise wie Klar sie in der Vergangenheit zu verwirklichen suchte. Im Gegensatz zu der sachlich/inhaltlichen Ebene scheint mir der performative Akt des willkürliche Mordes an tatsächlichen oder vermeintlichen Vertretern des Systems zum Zweck der Massenmobilisierung ein relatives Alleinstellungsmerkmal der RAF zu sein(dass das alles so neu nicht ist kann man bei Dostojewski und Joseph Conrad nachlesen, worauf J.P. Reemtsma unlängst aufmerksam gemacht hat). Genau dieser Aspekt des „Wirkens“ der RAF scheint mir der wesentliche zu sein, ihre Taten bedürfen der Rechtfertigung, nicht ihre Ideologie.
    Jetzt gibt es in der Ethik zwei gebräuchliche Muster der moralischen Rechtfertigung. Die erste bezieht sich auf die der Handlung zugrundliegenden Prinzipien, die zweite auf die Konsequenzen der Handlung (bei Max Weber heißt das Gesinnungs- und Verantwortungsethik). Gesinnungsethisch scheint mir der Mord an Unschuldigen micht rechtfertigbar (es sei denn „Töte deinen Nächsten“ wäre die gültige Norm auf die sich die Handlung bezieht). Also bleibt die konsequenzialistische Rechtfertigung (nach dem Muster der Zweck heiligt die Mittel). Aber auch hier ist die Bilanz der RAF dürftig: Keine Befreiung der Werktätigen Massen sondern die kriminalisierung der Linken und die massive Aufrüstung des Staates waren ihre prominentesten Ergebnisse.
    Also warum dieses gehype? Ich glaube dem liegt der gleiche Mechanismus zu Grunde, der 16 jährige Studienrats-Söhne dazu treibt Nazirock zu hören, man möchte provozieren. Das ist pubertär und wie ich finde in beiden Fällen unappetitlich. Man nutzt die Brutalität anderer Leute um sich als dicker Max zu fühlen. Ich find so sollte man keinen politischen Journalismus machen. Aber eure Musiktips find ich meistens super!

  19. 19

    blogschrift, nur für den fall – johannes paul II. ist nicht ratzinger. aber du hast das bestimmt in einem anderen zusammenhang gemeint.

  20. 20

    Ich will die RAF-Attentäter ja nicht persönlich für die Opfer des Kommunismus zur Verantwortung ziehen, aber ideologisch waren sie nun mal Kommunisten, haben z.B. auch durch die DDR-Regierung Unterstützung erfahren. Und Herr Klar scheint ja immernoch diesen kommunistischen Träumen nachzuhängen. Für mich macht er sich dadurch mit den Gräuel von Mao, Stalin oder der Roten Khmer gemein, um nur einige Beispiele zu nennen, so wie ein Neo-Nazi, der „S**g Heil“ schreit sich mit Hitler und dem Holocaust gemein macht. (Oder was ist an diesem Gedankengang falsch? Lasse mich gerne aufklären).Und darin (im Kommunismus) kann ich keine Alternative zum imperialistischen Kapitalismus sehen, so wie Klar es scheinbar tut.

    @stralau/13: Mit „Spinnern“ und „Würsten“ beschreibst Du sehr gut, wie ich die RAF einordnen würde. Da werden z.B. Polizisten als „Schweine“ bezeichnet, die man ruhig abknallen dürfe (Frei nach Ulrike Meinhof) – und im Logo der RAF prangert dann eine Dienstwaffe dieser verhassten „Schweine“ – wie lächerlich…

    Allderdings bin ich auch der Meinung, dass die verurteilten RAF-Angehörigen genau so wie andere Verbrecher zu behandeln sind – und nicht wie „Kriegsgefangene“ oder so.

  21. 21

    Ich find Globalisierung gar nicht so schlecht, wenn es den freier Austausch von Informationen und Waren über alle Grenzen hinweg ohne Ausbeutung und Unterdrückungen vieler Menschen hieße. Ein immer wieder gutes Beispiel ist folgendes.
    (Alle Angaben wie immer ohne Gewähr)

  22. 22

    @ Cord (18): Ich sehe immer noch kein Gehype. Es geht nicht um die Rechtfertigung der RAF. Vom Boulevard (Springers B.Z. titelte vor kurzem in Berlin etwas in der Art „Terroristin läuft frei durch Berlin!“) über den schrägen Spiegel („Gnade für die Gnadenlosen“) zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk (Report aus Mainz gestern, s.o.) hin will eine breite Koalition aus Meinungsmachern unterschwellig Angst vor Menschen und ihren Ideologien erzeugen, weil diese Menschen vor 30 Jahren eine nicht zu rechtfertigende Handlungsweise an den Tag legten.
    So entsteht u.a. eine Stigmatiserung von sogenannten linken Ideen, die passt zum paranoiden Schäuble, zum neokonservativen Aust, zum „Wir sind Oscar/beinahe Weltmeister/Weltmeister/Papst“-Geschrei, zum neuen Deutschland. Und dagegen müssen Gegenpositionen gesetzt werden, finde ich. Und Maltes Gegenüberstellung von Woytilas Argumenten und denen Klars lese zumindest ich als eine solche Gegenposition.

  23. 23

    Die Not der falschen Verteilung liegt eben -wie ich schon oft sagte im falschen Verteilsystem und dieses heißt Geld.

    Es gäbe unter dem Namen „Freiwirtschaft“ auch ein gutes Verteilsystem aber das wollen die Mächtigen nicht!

    In der Globalisierung werden Kulturen zerstört so wie auch bei früheren kolonialen Bewegungen. Die Nutznießer werden sehr schnell die Folgen spüren wenn das was sonst nur die Welt ereilte sie nun selbst ereilt!

    http://www.geokey.de/literatur/doc/Das_Geld_in_der_Geschichte.pdf

  24. 24

    Ob ich mich jetzt wirklich noch durch den Klar-Text durchquälen soll?

  25. 25

    @ daniel
    Du schreibst: „Sollte Malte tatsächlich mehr als seinem Grummeln im Darm gefolgt sein und doch den einen oder anderen vertiefenden Gedanken investiert haben, wird das Ergebnis nicht besser. Mehr noch. In diesem Fall müssen wir um seine geistige Gesundheit fürchten. Denn die vorliegenden Texte haben außer einem gemeinsamen Alphabet keine allzu große Schnittmenge.“
    Das Ergebnis in seiner Gestalt zu kritisieren, ist dein gutes Recht. Was jedoch folgt, ist zunächst eine Polemik, die ganz weit unter der Gürtellinie anzutreffen ist. Die „nicht allzu große Schnittmenge“ und deine weiteren Ausführungen zum „klaren Unterschied“ der beiden, das ist deine persönliche Ansicht und daher legitim. Daraus ein Urteil über die geistige Verfassung des Schreibers zu ziehen, ist grenzenlose Arroganz.

    Mal abgesehen davon, ist es sehr spannend, dass ein Artikel, der dich so gar nicht provoziert, einen derart aufwendigen 2. Kommentar zu Tage fördert.

  26. 26
    Malte

    @ miss sophie
    Es ist für mich tatsächlich ein grenzenloses Vergnügen, solche ausgiebigen Fernanalysen über mich zu lesen. Das erspart mir den Weg zum Therapeuten. Warum er das tut, weiß ich auch nicht, vielleicht war ihm langweilig oder er hat Satzbausteine gegoogelt.

    Fällt eigentlich noch jemandem auf, dass die Diskussion, wenn es auch auf den ersten Blick anders scheint, von großer Einmütigkeit geprägt ist? Anscheinend muss man in so einer Situation Geisterdebatten anzetteln.

    Ansonsten hat Björn mir heute dankenswerterweise die Mühe abgenommen, mich ausschweifend zu erklären. Wie er es sagt, ist es.

    @ matthias (aus Dresden)
    Das Einwohnerverhältnis Afrika/Europa scheint mir falsch wiedergegeben zu sein.

    Afrika hat 848,65 Millionen Einwohner, Europa 680 Millionen. Aber war ja auch ohne Gewähr.

  27. 27
    Sonnensohle

    @Malte, so gefallen mir Ihre Texte/Textauswahlen… Was halten Sie von der These, dass alles, abgesehen von Essen müssen, Spiele sind auf dieser Welt? Alle Dinge mit denen wir uns umgeben sind verrückte, einfache, hochkomplexe, zuckersüße oder verfluchte Spiele. Immer wenn sich Menschengruppen zusammen finden (Parteien, Vereine, Polizei, Armeen, Fußballfans …) wird es besonders grotesk. Ich könnte da jetzt ausholen… Wenn ich davon ausgehe, dass diese Spiele miteinander verschmelzen und irrationale Verwerfungen auftreten, dann fällt es mir schwer Einzelerscheinungen und -ereignisse zu bewerten. Meinen Sie wirklich es gibt eine (Wirtschafts)-ordnung? Ich wüßte gar nicht wo ich mit einer Kritik ansetzen soll. Das einzige was aus meiner Sicht möglich wäre sind elendsabsorbierende Spiele. Vielleicht kennt hier jemand eins?

  28. 28

    Ich weis nicht, aber wenn ich das alles so durchlese, dann möchte ich doch wenigstens einen Kommentar loswerden:

    Ich bin dagegen. Und ich bin käuflich.

    So oder ähnlich

  29. 29
    matze

    Wie wäre es, daß wir nicht sinnieren „Was will Malte?“ Sondern selber denken.

    Ich sage nur, danke Malte.
    Mag RAF auch nicht, finde aber verzeihen wichtig.
    Und erinnere nur, daß die RAFler z.T. länger im Knast saßen als Nazis.

  30. 30

    „žDie Geschichte der Sehnsucht nach Solidarität zwischen Mensch und Mensch, zwischen Gruppe und Gruppe ist lang — voll von glänzenden Gestalten und den aufregendsten Abenteuern.“ beginnt der kleine Band „žDie Utopie und das Individuum“ von Ludwig Marcuse, der mir kürzlich seit vielen Jahren mal wieder in die Hände fiel.

    Und das ergibt vielleicht eine Schnittmenge zwischen dem Auszug aus der Enzyklika und dem, wohin Christian Klar einmal hinwollte, was aber in einer Sackgasse endete.

    In dem Band folgte ein kurzer Abriss über die Geschichte und zwei Seiten weiter habe ich dann echt gestaunt:
    „žWie sehr sich nun auch zwischen dem ,Marxisten“™ Jesaja und dem ,Propheten“™ Karl Marx die Zivilisation entfaltet hat — in einem sind alle Utopisten einig: sie erkannten die Welt, in der sie lebten, ihre offenen und ihre geheimen Kriege, ihre offenen und ihre geheimen Bürgerkriege nicht als selbstverständlich an; und was sie vorschlugen, waren nicht kleine Korrekturen“¦“

  31. 31
    Malte

    Wie wäre es, daß wir nicht sinnieren „Was will Malte?“ Sondern selber denken.

    Ich bin über die Maßen fröhlich über diesen Satz. Vielen Dank:)

  32. 32
    geekid

    @daniel ….

    u just dont get it …

    also mediokratie, die uns beherrschende form von herrschaft als mischung von einer demokratie, die handlungsunfähigkeit vorspiegelt und einem medialen system das im austausch mit dem politischen zirkel für das agendasetting zuständig ist, funktioniert als täglicher filter der gemeinsamen realität.

    berücksichtige ich nun diese filterfunktion als präposition zu maltes gegenüberstellung :

    hier haben wir christian klar, der gestrige.

    wen gibt es denn als geistige nachfahren seiner ideologie ??? wo ist der gedanke der bewaffneten revolte/revolution. die einzige möglichkeit die in deutschland unherirrende masse zu radikalisieren ist ein sparprogramm, das eine mehrheit von unter der armutsgrenze lebenden deutschen erzeugt.

    er spricht von der perspektive südamerika ( ein weiteres vom medialen filter unterdrücktes thema, der dort vollzogene wechsel und das überkommen des neoliberalen ideologiegutes, das diesen kontinent seit jahrzehnten in imperiale strukturen presst ) und den aufstrebenden modernen gedanken die sich dort formen ( modern im sinne von neu ).

    in bezug dazu und der medialen kraft die von seiner prominenz ausgeht fühlt die konservative ideologie sich durchaus mit recht bedroht, da eins der fundamentalen, imperialen muster eine einheitliche medienmeinung zur aufrechterhaltung der allgemein geteilten realität ist.

    die verkürzung und damit einherschreitende verstümmelung von klars text zeigt nur allzuzynisch die mediale macht die klar durch seine aussagen ( pr-agenturen/politscher zirkel ) über sich hineinbrechen lassen muss oder will.

    wo sind die kritischen stimmen und die mediale debatte über dieses geradezu tollpatschige manöver ???

    schaut man sich die medialen stimmen zur RAF oder der landshut oder münchen an, wird man schnell die durchfrisierte konsestenz der heutigen medialen debatte erkennen müssen. ( ich empfehle dazu eine spiegelrecherche )

    und genau dort bringt malte woitila ins spiel …

    schaut man sich die machtposition eines papstes in teilen osteuropas, polen, polen oder zB. polen an, dann geht von ihm eine gewisse meinungshoheit aus.

    wieso scheinen den forumsteilnehmern die worte johannes paul des 2. so fremd. wieso ist unser bild des papstes auf urbi et orbi und mediale bilder mit der stimme aus dem off, die sagt : „der papst ist heute in xyz gelandet.“ beschränkt.

    es gibt gerade aus der letzten zeit des papstes vielschichtige agitationen gegen den globalen kapitalismus, von uns hat davon keiner was erfahren ( können ).

    mich beschäftigt eher die motivation klars solche worte zu benutzen und die schlitzohrigkeit mit der er quasi ein system von international agierenden PR-agenturen und dem politischen zirkel mit drehtürmechanismus incl. eingebauter jobgarantie in der hochfinanz anprangert, um dann deren existenz an seinem eigenen exempel zu statuieren ….

    kongenial oder einfach nur zufall ????

  33. 33
    apfelbaum

    @ geekid: Das ist in ungefähr das Problem, das wir schon bei der Lechts-Rinks-Debatte hatten. Sobald eine Weltanschauung mit der momentan beherrschenden in Konkurrenz zu treten sucht, klingt die Kritik erstaunlich ähnlich.

  34. 34

    Klars Botschaft ist am 15. Januar in der jungen Welt erschienen und seitdem auch online, wie man als internetaffiner Primärquellenfreund hätte ergoogeln können. Es muß doch nicht immer Spargel sein.

  35. 35

    Globalisierung ist ein schwieriges Thema mit mehr Vor- als Nachteilen. Aber, wenn über den Kopf der Bürger hinweg entschieden wird, können diese kaum etwas dagegen unternehmen.

  36. 36

    geekid, jetzt hast du da etwas gesagt, dass mich interessiert. Warum glaubst du „gab es [gibt] gerade aus der letzten zeit des papstes vielschichtige agitationen gegen den globalen kapitalismus, von uns hat davon keiner was erfahren ( können ).“ Das es die gab, davon bin ich überzeugt. Paul II war ein politischer und medialer Papst. Warum „konnten“ wir das nicht erfahren? Das interessiert mich brennend. Diese These ist spannend und bedarf der Erklärung, wie ich finde.

    Im Prinzip bin ich bei dir, dass Klars Aussage unzulässig kurz und auf Schlagworte reduziert wiedergegeben wurde. Ein Schicksal, dass er mit dem Bischof Mixa teilt, der wohl auch eher durch Verschlagwortung zu Berühmtheit verholfen wurde, denn durch ein sauberes Zitat.

    Allein ich glaube nicht an die Mediokratie – auch das ein Schlagwort in meine Ohren. Ich glaube viel eher, dass die Redaktionen sich mitnichten journalistischen Tugenden hingeben, sondern sich im Selbstbewussten Laientum treiben lassen. Netz-versessene Nerds, wie wir es sind, machen es vor. Trends entstehen an den Rändern! Info goes Infotainment, News goes Blog. Ich glaube wir reden hier über das Problem, dass noch vor einer anständigen Verdauung geschissen wird. Mir graut ehrlich vor dem investigativen Journalismus, dessen zartes deutsches Pflänzlein durch dass neuerliche Urteil begossen wurde. Wer soll das den leisten? Watergate in Germany. Mehr als Watercloset kann dabei kaum raus kommen.

    Egal. Das war jetzt… Ist die Zeit schon um? Hm. Das wurde gesendet?
    Na, was soll’s.

    Geekid, der erste Absatz war noch bei Bewusstsein und wartet auf Antwort. Der zweite war nur noch – Strom.

    so oder ähnlich

  37. 37

    Natürlich ist es ein hehres Ansinnen, Leute zum Nachdenken zu bringen. Selbst wenn sich der eigene Anteil lediglich darauf beschränkt, einen Fokus auf zwei ausgewählte und kontrastierende (obzwar mit Gemeinsamkeiten versehene) Texte gerichtet zu haben. Das ist keck und nicht wenig didaktisch. Aber ich finde, dann muss man auch damit leben können, dass es Kommentatoren gibt, die in eine andere Richtung denken, als man sich das wünschen würde, und sich auch den Vorwurf einer gewissen Bequemlichkeit, die sich vornehmlich an der eigenen Idee zu diesem Fokus erfreut (so kommt es mir vor), gefallen lassen. (Den ich hiermit erhoben habe.)
    Und die Frage, was der Autor (bzw. der Zusammensteller der beiden Objekte) selber denkt, auch wenn sie etwas flapsig als „Was will uns Malte damit sagen“ formuliert ist, mit „Ich bin über die Massen fröhlich über diesen Satz“ (als Kommentar zum Kommentar „Wie wär’s, wenn wir selber denken?“) zu beantworten, finde ich ZU bequem. Und nahe an Herablassung. (Was meine Sympathie für die meisten von Maltes Texten indes nicht wirklich einschränkt.)
    Ich empfinde die hier angeschnittenen Themen wohl einfach als ein wenig ZU gross und wichtig für flapsige Tonfälle in den Kommentaren und eine abwesende Erklärung des Autors.

    Just for the record: ich bin ein zwinglianischer Dreissigjähriger aus der Innerschweiz und damit bislang weder mit der katholischen Kirche besonders ausgeprägt in Berührung gekommen noch mit vom Umsturz träumenden Inhaftierten, die sich meines Wissens nie vom bewaffneten Widerstand abgewandt haben. Nachdenken tu ich trotzdem darüber.

    Wenn ich’s recht verstanden habe, ist’s eine Medien- und Öffentlichemeinungskritik, da Klars Grussworte wohl zu seinen Ungunsten ausgelegt und zum Zementieren aller möglichen Vorurteile über den Widerstand gebraucht werden, obwohl er inhaltlich nicht viel anderes (aber dasjenige ist dann doch wesentlich anders…) sagt als der Stellvertreter Christi auf Erden.
    Mag sein, das ist einfältig, zu beklagen und alles in allem leider nicht wirklich ungewöhnlich für „die“ Medien und „die“ öffentlichen Meinung. Aber kann es sein, Malte, dass du dich so nicht nur zum Anwalt einer ausgewogenen, gerechten Wahrnehmung machst?

    Aber das ist gar nicht so sehr der Punkt.
    Denn besagt nicht diese Gegenüberstellung (oder, wie oben erwähnt, „Gegenposition“) letztlich nichts anderes, als dass, um es etwas naiv zu sagen, auch böse Menschen edle Gedanken haben können? Und wäre das nicht eine Feststellung, die ein wenig banal ist? Bestreitet denn irgend jemand, dass es auch Ziele – sei’s von Revolutionären, sei’s von religiösen Würdenträgern – gibt und gab, die mit einem guten Leben, mit glückseligen Menschenrechten, mit Anstand und Würde vereinbar wären?
    Das rechtfertigt aber noch lange, lange, lange nicht alles. Darf ich Kästner zitieren? Ja? Das berühmte: „Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es?“ – Voilà. Ob das Gegenteil auch gilt, mag ich jetzt nicht durchdenken.
    Und: Natürlich ist Verzeihen wichtig, wunderliche und wunderbar und womöglich lebenswichtig. Aber obläge es nicht strenggenommen alleine denjenigen zu verzeihen, denen Missetat, Verletzung, Unrecht wiederfuhr?

    Ach, es gäbe so viel zu sagen.

  38. 38

    Muss doch schmunzeln und mich ergänzen: ich bin ein vehementer Verfechter der Mediocrity!

    Hier also meine Handreichung, sollte die Mediokratie den englischen Begriff übersetzen: It means of moderate or low quality, value, ability, or performance: ordinary, so-so.(Wikipedia)

    Man lese Geekids Text mal unter dieser Prämisse.

  39. 39
  40. 40
    geekid

    mediocrity …

    schau nerone, ein witzig feiner scherz mit viel verve und allerlei unterschwelligem …..pause….not ( frei dach B. )

    also als einstieg ins thema mediokratie meine handreichung :

    http://www.humanismus-heute.de/texte/w2003/thema6/meyer.ps

    @apfelbaum :

    natürlich klingt die kritik ähnlich, ich empfehle :

    Herfried Münkler – Imperien

    http://www.amazon.de/Imperien-Herfried-M%C3%BCnkler/dp/3871345091

    gebraucht nur 9,95 ….

    thesen, die mückler darin aufbaut, die zu diesem thema relevant erscheinen :

    eine imperiale strucktur weisst immer auch eine meinungshoheit, deutungshoheit und unumstössliche wahrheit also ideologie auf…

    ein monokausaler betrachtungswinkel ist die konsequenz …

    natürlich laufen notgedrungen alle andersdenkenden auf diesen tonus hinaus ….

    zurück zum thema ….

    für uns als „digitale elite“ also menschen die wissen wie man papstreden googlet und sie auch noch in einer ihm verständlichen sprache finden kann und nutzt ist die filterfunktion unseres medialen systems durchaus bewusst, aber …( ist doch klar, ich möchte keine kliches wiederholen )

    des weiteren möchte ich kurz eingehen auf mediocrity of the german media :

    natürlich ist es einfach eine verschwörung des politischen und der medialen kräfte zu sehen, doch der fall ist weit aus komplizierter:

    durch das diktat der effizienz hat sich im deutschen mediensektor ( ausser bei prestigeprodukten wie dem spiegel oder der SZ ) das konzept der „redaktion“ langsam aufgelöst, kleine, höchst effiziente journalistische agenturen lassen texte zur mehrfachverwertung schreiben um diese in möglichst vielen blättern veröffentlichen ( und verkaufen ) zu können. dieses procedere verlangt eine möglichst unförmige publizistische form, die möglichst stromlinienförmig sich an jedes noch so regionale blatt anpassen ….

    die redaktion und damit eine im blatt erkennbare linie und aussage leidet bis zur unkenntlichkeit darunter ….

    auf die von klar angesprochenen politischen PR-agenturen will ich garnicht erst eingehen, es sei hier nur auf http://www.plato.de/ hingewiesen, man braucht eigentlich nur mal einen blick auf die website zu werfen um zu wissen was dort los ist …

    also :

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mediokratie

    cheers geekid

  41. 41

    „Und jetzt wollen wir mal alle wieder schön locker durch die Hose atmen.“

  42. 42
    Malte

    Natürlich ist Verzeihen wichtig, wunderliche und wunderbar und womöglich lebenswichtig. Aber obläge es nicht strenggenommen alleine denjenigen zu verzeihen, denen Missetat, Verletzung, Unrecht wiederfuhr?

    Sehe ich nicht so. Schön, wenn sie verzeihen können, aber sowohl „Verzeihen“ als auch „Reue“ sind keine strafrechtlichen Kategorien.
    Nötig ist das Verbüßen der Strafe, nicht unbedingt Buße im christlichen Sinn. Die Strafe von der Opferperspektive aus zu betrachten, das wäre ein Rückschritt in die Zeiten der Fehde.
    Der Strafzweck ist zum einen der Appell an den Täter: „Mach das nicht nochmal“, zum anderen der Appell an die Öffentlickkeit: (Don`try this at Home.) Macht Ihr das bitte auch nicht.

    Das ist natürlich grob vereinfacht. Du kannst das hier nochmal genauer nachlesen.

  43. 43

    Christoph: Schön gesagt.

    Malte: Gut, daß Du klarstellst, daß es Dir ausschließlich um das Strafrecht geht. War mir bisher noch nicht so klar. Köhler, so sehr er sonst nervt, hat das eben auch nochmal betont, sagt mein Radio gerade.

  44. 44

    (Ich muss anmerken, dass sich meine Bemerkung über das „Verzeihen“ auf den Beitrag von Matze, Nr. 29, bezog. Entschuldige das Nichtkenntlichmachen.)

    Stralau und Malte: Ja, diese Klarstellung fand ich auch sinnvoll.

    Malte, gewiss – und zum guten Glück ist ‚Verzeihen‘ keine strafrechtliche Kategorie! (Bei der Reue habe ich Angesichts von Aspekten wie Begnadigung, Strafmass u.ä. allerdings meine Unsicherheiten).
    Gerade deshalb sollte man das Verzeihen den Angehörigen und dafür die Frage von Begnadigung und Strafe dem Staat überlassen, und gerade deshalb, und weil du offenbar von Strafrecht und nicht von christlichen oder moralischen Kategorien ausgehst, verstehe ich nicht ganz – immer unter der Prämisse, dass ich deine Intention richtig verstanden habe -, warum du Klars nicht von der Hand zu weisende teilweise Güte der Gedanken überhaupt angeführt hast. Wo sie doch keine Rolle spielen sollen.

    Oder ist es aus eben jenem Grund, dass diejenigen, die über das Gnadengesuch zu entscheiden haben, sich nicht von seinen Äusserungen und der, ähm, Stimmung bei Volk und Presse beeinflussen lassen sollen? Dass seine Haltung/Gesinnung für das rein Strafrechtliche irrelevant ist? Das fände ich nachvollziehbar und teil einleuchtend, aber dann war der an sich interessante Umweg über die Verlautbarung von J.P. II definitiv eher verwirrlich als klärend.

    Und ums so mehr würde mich dann aber auch (ehrlich!) interessieren, was denn dann die Grundlage für den Entscheid über eine allfällige Begnadigung sein könnte.

    (Denn wie angetönt, so kurz vor den Alpen nimmt man Hintergründe aus Deutschland und insbesondere deutsches Recht ein wenig rudimentär wahr…)

  45. 45
    Malte

    Christian Klar war schon zum Zeitpunkt seines Interviews mit Günter Gaus im Jahr 2001 ein Wrack. Nun ist das Wrack-sein genauso wenig wie das Verzeihen und die Reue eine strafrechtliche Kategorie. Aber doch unter Umständen ein Anlass, Gnade zu zeigen mit jemandem, der vielleicht noch ein paar Jahre in relativer Freiheit (alleine mit seinen Dämonen) verbringen kann.

    Wenn man ausgerechnet seine Worte zum Kapitalismus zum Anlass nehmen will (beziehungsweise es politisch opportun findet, das zu fordern), ihn für immer hinter Gittern zu belassen, dann halte ich es für legitim, darauf hinzuweisen, dass so sensationell seine Worte nicht waren. Ich würde auch keinen NPD-Funktionär dafür einsperren, dass er gegen die Globalisierung ist. Oder für Naturschutz.

    Wenn man dagegen der Meinung ist, mit einem Mörder, der noch dazu die seinen Taten zugrunde liegende Haltung nicht abgelegt hat, müsse man kein Mitleid haben, dann verstehe ich nicht, warum man nicht gleich die Todesstrafe fordert. Denn nichts anderes wäre eine tatsächlich lebenslange Haft. Das Bundesverfassungsgericht hat es ausgeschlossen, dass jemand ohne die Möglichkeit auf Freiheit für immer eingesperrt bleibt. Man kann aber natürlich die Menschenwürde aus der Verfassung streichen. Das ist zwar rechtsstaatlich nicht möglich (Ewigkeitsgarantie), aber der Rechtsstaat hält auch nur so lange, wie es einen Konsens über seine Grundlagen gibt.

    Es sehe mich ungern genötigt, zu betonen, dass ich gegen politische Morde bin. Aber ok: Ich halte die Taten der RAF für verwerflich. Ich lehne auch Morde aus Eifersucht ab und aus Habgier und auch Totschlag und Kindesentführungen und Brandschatzerei.

  46. 46

    Oh Malte.

    Wahrscheinlich bin ich zu unsubtil. Das unterschreibe ich sofort. Den Artikel oben habe ich allerdings einfach nicht verstanden.

    Interessieren würde mich auch, was denn die Voraussetzungen für eine Begnadigung (die ja etwas anderes als eine vorzeitige Entlassung ist) sind.

  47. 47

    Darf ich mitunterzeichnen? – Stralau, sind wir zu blöd oder denken wir zuviel?

    Ich bin unterdessen ein wenig herumgesurft auf der Suche nach den Grundlagen einer Begnadigung. In Fällen, in denen das Bundesgericht ein Urteil gefällt hat, kann offenbar einzig der Bundespräsident über eine Begnadigung entscheiden, dies jedoch nach freiem Gusto, bzw ohne jemandem Rechenschaft ablegen zu müssen, das scheint ein Relikt aus kaiserlichen Zeiten zu sen.
    Anscheinend nahmen die letzten paar Bundespräsidenten aber Rücksicht auf die respektive Rücksprache mit den Hinterbliebenen von Opfern. Und auf die Stimmung im Volk. Im Prinzip gibt es also keine Voraussetzung, die zu erfüllen wäre. Aber dies alles ohne Gewähr.

  48. 48

    Christoph: Ob Du blöd bist, mußt Du selbst entscheiden, ich bin es nicht :-P

    Zuviel denken tue ich manchmal, ja.

    Dafür hat meine Tastatur ein ß.

  49. 49
    daniel

    Kommentar 45 hätte sich besser als eigentlicher Artikel gemacht. Danke!

  50. 50
    daniel

    Wobei ich trotzdem noch nicht verstehe, was der Vergleich mit Johannes Pauls Text sollte. Beide Texte haben gemeinsam, daß sie im gleichen Universum verfaßt wurden. Von einer gewissen Parallelität im Wortlaut aber darauf zu schließen, daß die Äußerungen auch einen gemeinsamen Fluchtpunkt haben, ist bestenfalls nachlässig zu nennen. Ich erlaube mir, diese Kritik am sonst sehr geschätzten Malte stehenzulassen.

  51. 51
    dorn

    Trennen sich hier gerade Spreu-Blick und Glitzer-Schwanz-Weizen?
    Ich liebe starke Frauen.
    Ich hasse Werbung.
    Hauptsache, kid37 bleibt sauber.

    Frau Spreu-Blick kann doch ruhig mal Werbung für Toy:Ota machen und sich den Gewinn unter Frau Kün.Ast und HartzVier-Empfängern teilen! Was soll denn diese Christian-Klar-Sichtige Kapitalismus-Empörung…

    Wenn ihr Blog weiterhin gut bliebe, gewönne sie etwas Geld, verlöre etwas Unschuld, önd öch wörde nur noch Lu lesen… ;-)

  52. 52

    Polen-Paule hat hier ausgesprochen, was viele irgendwie unterschwellig wahrgenommen haben. Typisch sind hier einige Reaktionen »Was soll das?« – ich denke es ist ein Pointer auf uns selbst und eine Anregung zum Nachdenken. Stattdessen wird hier diskutiert, ob das Spreeblick-Manöver »gut« oder »böse« war. Thema verfehlt…

  53. 53
    geekid

    die begnadigung KLAR :

    keiner der NS verbrecher hat so lange gesessen wie die RAF terroristen …

    das modell RAF ist zeitlich abgehängt…

    die RAF ist mystifiziert, äesthetisiert und kommerziell verwertet.

    in sofern denke ich gibt es kein zurück für klar in diese realität der 70er …

    er selbst äussert sich kritisch zum kapitalismus, aber nicht radikal genug um daraus zu schliessen, das er morgen bomben baut und mit pistolen auf akkermann oder hartz schiesst.

    das ganze scenario die revolution durch terror herbeizuführen scheint uns absurd ….

    wieso sollte er nicht begnadigt werden ???

    eine begnadigung würde aus meiner politischen sicht eher zur aussöhnung mit den linksradikalen, ewig gestrigen führen und noch den letzten wind aus den segeln der verstockten nehmen.

    ist man realistisch, dann muss man einen vergleich ziehen zwischen der härte mit der gegen die RAF terroristen gemessen werden und dem monokausalen gerüst, das uns in der „SANKT MARKT“-ideologie gefangen hält …

    ich weise nochmals auf die stimmen im spiegel 1972 hin, die nicht monokausal die palästinenser verdammt hat sondern ihnen in ihrer situation solche mittel zustand und von der verzeifelung des palästinensischen volkes und so weiter berichtete ….

    heutzutage nicht mehr so möglich …..

    also :

    angst vor klar , ist doch klar ….

    —–

  54. 54

    Harald Martenstein hat heute im Tagesspiegel die Knochen, die Malte da warf, aufgenommen und bringt Beispiele anderer Kritiker des Kapitalismus, die eigentlich auch ins Gefängnis gehören, und zwar lebenslang. Neben Johannes Zwo findet sich dort auch Heiner Geißler oder Horst Seehofer.
    Siehe hier:
    http://www.tagesspiegel.de/politik/archiv/02.03.2007/3114605.asp

    Natürlich ohne Verweis auf den Spreeblick.

  55. 55
    Maltefan

    @Malte (#45): Klar kommt in 2 Jahren sowieso raus. Es geht nicht darum, ihn für immer und ewig im Knast verrotten zu lassen. Es geht darum, ob man ihn begnadigt oder ihn halt noch seine restlichen 2 Jahre absitzen läßt. Natürlich ist es albern, sich wegen dieser Grußbotschaft aufzuregen, aber bei der Frage einer Begnadigung (was eben nicht dasselbe ist wie die Freilassung auf Bewährung bei Brigitte Mohnhaupt: die hat ihre Strafe auch abgesessen) kann es schon eine Rolle spielen ob man bereut, oder ob man jederzeit wieder so handeln würde.

  56. 56
    nicht-blogger

    Ich sehe im Gegensatz zu vielen Kommentatoren hier noch deutlich mehr Parallelelen zwischen RAF und Vatikan, als durch Maltes Veröffentlichung hier rüberkam.
    #32, #33 und #36 gehen da in die richtige Richtung. Achso, #55 ist auch recht interessant…

    Wir sehen hier wie da:
    elitäre Zirkel als selbsternannte Hüter ihrer Weisheit,
    die die Umsetzung ihrer Ideen für die Rettung der Menschheit halten (bzw. das vorgeben),
    die verdeckte, autoritäre Machtstrukturen zur Durchsetzung unterhalten,
    die auf dem Höhepunkt ihrer Zeit große Anhängerschaften haben, die deren Ideen/Ideale teilen, aber überhaupt nicht mit den Machtstrukturen und Methoden der selbsternannten (auch wenn der Vatikan anderes zur rechtfertigung seiner Existenz behauptet) Hüter ihrer Ideale einverstanden sind.

    Hinzu kommt, daß bestimmte Ideale (bezüglich Gerechtigkeit) durchaus ähnlich sind und gemeinsame Wurzeln haben, ettliche RAF-Leute wurden ja kirchlich geprägt, bevor sie sich absonderten und so haben die Äußerungen der RAFler oft diesen religiösen Touch.

    Verurteilenswürdig sind deshalb weder die Ideale einer der beiden Seiten (wie das durch mediale Reaktionen auf den erwähnten JungeWelt-Artikel z.B. rüberkommt).

    Einen wesentlichen Unterschied gibt es aber: Im Gegensatz zu anderen religiösen Fanatikern hat die RAF keine Anhängerschaft (mehr).

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