47

Browser?

browser shirt

Ich muss zugeben, dass ich die Diskussion um den TV-Beitrag etwas albern finde. Aber trotzdem musste ich gerade doch sehr, sehr lachen. Über das Kompetenzshirt für den Abgeordneten von Morgen.

[via]

Und über die c-base kommt hier auch noch was.

47 Kommentare

  1. 01
    Steffen

    So ein T-Shirt ist albern, der Inhalt des TV-Beitrages hingegen einfach nur traurig.

  2. 02

    @ Steffen: 100% agree.

    Das Politiker mit solchem Sach“wissen“ Gesetze machen dürfen, ist einfach nur peinlich. Beim „Hackerparagraphen“ konnte man’s ja grade wieder anschaulich sehen, was da alles schief läuft…

    Das T-Shirt ist natürlich albern, aber anders kann es gar nicht sein und ich glaube zu wissen, dass es den Machern hier nicht um eine ernsthafte Auseinandersetzung zu ging… wie soll man diese Lage schon sehen, wenn nicht mit Humor? Trübsinn blasen ist eine Lösung – nur keine gute.

  3. 03

    Das Politiker mit solchem Sach“wissen“ Gesetze machen dürfen, ist einfach nur peinlich.

    Na ja, Waehler die von Europa keine Ahnung haben duerfen ja auch bei den Europawahlen mitwaehlen oder wollen ueber Verfassungen abstimmen. Leute die den Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme nur mit Muehe (wenn ueberhaupt) erklaeren koennen (von Ueberhangsmandaten mal gar nicht zu reden) duerfen auch bei Bundestagswahlen mitwaehlen.

    Wie traurig ist das?

  4. 04

    Armin, das kann man doch gar nicht vergleichen. Politiker machen Gesetze, die betreffen nicht nur sie allein. Wenn ein einzelner Bürger abstimmt, tut er das für sich und bestimmt nicht über viele andere.

  5. 05

    Michael,

    Finde ich schon.

    Die einzelnen Buerger zusammen bestimmen die Politiker und die Zusammensetzung der Parlamente. Und damit bestimmen sie sehr wohl ueber viele andere. Die Masse macht’s.

    Ich finde die ewige Politikerschelte einfach traurig, weil es in den weitaus meisten Faellen einfach nur ein Meckern ist ohne irgendwelche Anstrengungen es besser zu machen. Wieviele der Leute die jetzt meckern und sich ueber die Politiker lustig machen haben sich den schon wirklich mal mit ihren Politikern beschaeftigt und aktiv versucht diese zu beinflussen? Ich habe die ungute Vermutung fast keiner.

  6. 06
    Steffen

    Armin Du willst doch nicht wirklich die Masse der Wähler mit der „Masse“ der Politiker, die die Entscheidungen treffen, vergleichen oder?

    Je größer die Masse, desto kleiner die Gewichtung einer einzelnen Stimme. Die Schelte in Richtung Wähler, sich mehr zu engagieren ist nicht zwingend falsch. Jedoch stellt sich die Frage, inwieweit das noch im Interesse der Politik ist. Schau Dir die Instrumentarien, die sich immer weiter weg in Richtung Brüssel entfernen, an. Dem Wähler bleibt neben der Stimmenabgabe alle 4 Jahre und dem Kontakt zum MdB seiner Heimatstadt nicht viel, um zu beeinflussen. Das steht in keinem Verhältnis zum Einfluss eines Politikers.

  7. 07
    Christian

    Das T-Shirt lässt mich auch schmunzeln. Und trotzdem findet ich, dass man nicht gleich wieder „DIE Politiker!“ schreien sollte, sondern sich ruhig weiterhin die Mühe machen darf zu differenzieren. Etwa zwischen der hier natürlich offen zutage getretenen IT-Inkompetenz von Brigitte Zypries und der dagegen durchaus vorhandenen Kompetenz bei ihrem Parteifreund Jörg Tauss.

  8. 08

    Jetzt wissen wir auch, wieso einige unserer Volksvertreter für geheime Onlinedurchsuchungen von PCs und Vorratsdatenspeicherung sind. Es betrifft sie einfach nicht…

  9. 09

    das stimmt, das t-shirt ist albern nicht die Diskussion.

    Das ist doch das gleiche wie mit Bush. Erst als Soldat vorm Krieg drücken und ihn dann anzetteln.
    Wer sich so aktiv aus Teilen des Weltgeschehens herauzieht wie unsere deutschen Politiker, sollte einfach nicht alle Gesetze allein machen dürfen – vor allem nicht auf diese blinde Art und Weise.

    Auf dem T-Shirt sollte stehen: Ich bin doof, haltet mich da raus!

  10. 10
    Dennis

    Da wir gerade beim Thema G W Bush und Army angekommen sind, poste ich einen Link zue einem kurzen Clip:

    „Family Guy – George Bush returns to Vietnam“

    http://www.youtube.com/watch?v=gH5rZxrB9Co

  11. 11
    RamBam

    Äh ja. Gut, das Shirt ist lustig. Und die Sache mit HCS traurig. Er hat seine Kompetenzen wohl woanders. Dass er mitentscheiden darf über Dinge, von denen er nichts versteht, wird hoffentlich durch einen Fraktionszwang kompensiert, und die Meinung der Fraktion beruht hoffentlich auf Einschätzungen von Leuten, die mehr (genug?) Ahnung haben.

    Aber: Wer würde sich so ein T-Shirt denn anziehen? Lustig mag es ja sein, aber außer beim Joggen würde ich so ein Ding nicht tragen wollen. Die Aussage erschließt sich ja nur einem sehr begrenzten Kreis, und für den Rest, der mit dem Wort Browser was anfangen kann, ist man wohl schnell zwangsweise ein Nerd. Gut, das ist dann wahrscheinlich gar nicht falsch.

  12. 12
    MakeAMillYen

    Nicht weniger peinlich finde ich, dass Politiker mit Kindern sprechen als waeren sie Idioten. „Hach, suess, die Kleinen.“ Koennte man etwas ernster nehmen.

  13. 13
    dussel

    johnny: wenn du das albern findest, findest du die diskussion über die urheberrechtsnovelle (2. korb) und den „hacker-paragrafen“ bestimmt auch albern.

    wenn politiker noch nicht einmal wissen, was ein browser ist, wie wollen sie denn bitteschön die realen probleme kennen, die wir alle mit den rechtlichen aspekten von urheberrecht und it allgemein haben? zu solchen hanebüchenen entscheidungen kann man doch nur kommen, wenn man nicht weiß, was los ist. und dafür ist das video ein schöner beleg.

  14. 14

    Da fehlt eine Abstand zwischen dem r und den drei Punkten.

  15. 15

    „Humor ist auch auf T-Shirts eine ernste Sache. Meist geht es schief. Werden erzählbare Witze spazieren getragen, lässt dies meist auf einen eher unlustigen Träger schliessen, der sich die Witzigkeit beim T-Shirt Fabrikanten zu borgen versucht.“

  16. 16

    Du willst doch nicht wirklich die Masse der Wähler mit der „Masse“ der Politiker, die die Entscheidungen treffen, vergleichen oder?

    Doch, will ich durchaus. Eben weil die grosse Masse leider in sehr vielen Faellen auch ignorant ist und dafuer dann halt die Politiker bekommt die sie verdient. Ich erwarte nicht dass jeder im Detail versteht wie die EU Richtlinien entwickelt und was diese fuer die jeweilige landesspezifische Gesetzgebung bedeuten, aber ein bisschen mehr als die ueblichen Mythen ueber gerade Bananen wuensche ich mir schon.

    Schau Dir die Instrumentarien, die sich immer weiter weg in Richtung Brüssel entfernen, an.

    Jein. Leider hat es noch zuwenig Einfluss, aber es gibt immerhin ein Europaparlament, und jeder hat auch da einen Abgeordneten. Nur ist da meines Wissens die Wahlbeteiligung einiges niedriger und weitaus weniger Leute wissen ueberhaupt dass sie einen MEP haben.

    Dem Wähler bleibt neben der Stimmenabgabe alle 4 Jahre und dem Kontakt zum MdB seiner Heimatstadt nicht viel, um zu beeinflussen. Das steht in keinem Verhältnis zum Einfluss eines Politikers.

    Da bin ich anderer Meinung. Man kann in verschiedenen Buergerinitiativen mitarbeiten, man kann in einer Partei mitarbeiten, man kann mit seinen lokalen Politikern in verschiedenster Weise zusammenarbeiten, es gibt sehr viele Moeglichkeiten sich zu engagieren. Und all diese Sachen zusammengenommen haben dann mehr Einfluss als man denkt, sie werden auch die Politiker weiter oben in der „Hierarchie“ beeinflussen.

  17. 17
    Jan(TM)

    Ich halte es nicht für notwendig zu wissen was ein Browser ist, für Fachfragen erwarte ich aber von einem Politiker das er sich berraten lässt.

  18. 18

    „Ich muss zugeben, dass ich die Diskussion um den TV-Beitrag etwas albern finde.“

    Im Sinne von übertrieben? Fand/finde ich nicht. Das hat doch exemplarisch schön ein schwerwiegendes deutsches Problem gezeigt. Auch Otto Normalsurfer wurde die Ahnungslosigkeit der politiker damit aufgezeigt. Also auch Leute, die sich zu Recht schwer tun mit den komplizierten Sachverhalten des geänderten Urheberrechts oder des absurden Hackerparagrafen, konnten hier sehen wie schlimm es um Dtl. steht.

    Albern wäre es, zu verlangen, dass Politiker wissen was RSS ist. Aber ein Browser? ein,zweimal im Internet gewesen? Hallo? Da kann man gar nicht laut und lang genug draufhauen.

    Es wird doch keine Expertise verlangt, sondern lediglich, dass die Entscheider wissen, was für eine Welt es ist über die sie entscheiden. Wenigstens in den Grundzügen. Ist das zu viel verlangt?
    Dieses aufgedeckte Verhalten ist doch heutzutage so weltfremd wie wenn man einen Politiker nach seiner bevorzugten Tageszeitung fragt und er Einen verdutzt anschaut und dann sagen würde: ‚Ach, die Dinger am Kiosk. Jaja, hab schon mal ein, zwei durchgeblättert. Leider.‘
    Wöllte man von so Einem regiert werden? Nein. Werden wir aber.

    (Sorry, aber bei sowas schreib ich mich immer schnell in Rage)

  19. 19

    Bei solchen Fernseh“befragungen“ bin ich immer sehr vorsichtig. Man weiß ja nicht was an dem Beitrag alles geschnitten wurde, welche Fragen tatsächlich gestellt wurden, wer was in welchem Kontext gesagt hat, usw.

    Wenn wir aber annehmen, dass hier nichts sinnentstellend verändert wurde, dann ist das zumindest im Fall von Frau Zypries nicht traurig, sondern schlichtweg empörend. Es bedeutet nämlich dass sie unzureichend beraten wurde. Unter ihrer Verantwortung wurden aber Gesetzesvorlagen eingebracht (und teilweise bereits vom Bundestag beschlossen), die Informationstechnologie zum Kernthema haben. Mit anderen Worten: diese Gesetzesvorlagen wurde von einer Person entworfen, die absolut inkompetent ist – und sich dessen durchaus bewusst ist. Die einzige vernünftige Konsequenz wäre, Frau Zypries augenblicklich aus dem Amt zu entlassen und sämtliche ihrer Gesetzesvorlagen umgehend zurückzuziehen.

    Leider ist die derzeitige Regierungschefin nicht kompetent genug, um das zu wissen.

  20. 20
    Peter H aus B

    Nur um es anzumerken:
    es geht hier um 4 von 614 Bundestagsabgeordneten.

    Alles klar, liebe Pauschalis?

  21. 21

    Nur um es anzumerken:
    Browserlady Zypries ist unsere Bundesjustizministerin. Und damit mehr als jeder einzelne der 613 anderen Abgeordneten verantwortlich für die Gesetze wie den Hackerparagrafen.

    Alles klar, lieber Möchtegern-Nichtpauschali? ;)

  22. 22

    Erstmal muss ich Steffen 100%ig zustimmen. Und die Diskussion in Zusammenhang mit der scheinbaren Ahnungslosigkeit der Politiker – und vor allem in Verbindung mit dem sog. Hackerparagraphen – als albern zu bezeichnen, finde ich etwas unüberlegt.

    Zwar kann man nicht sagen ob alle Politiker derart netzfremd sind. Aber das solche Leute sich an Gesetzten rund ums Internet und betreffende Fahndungsmethoden beteiligen – und scheinbar keine Veranlassung sehen, sich zu bilden – ist schon erschreckend.

  23. 23
    Peter H aus B

    Frau Zypries ist aber auch verantwortlich für 1000 andere Gesetzte. Nicht auf jedem Gebiet kann man alles wissen. Vielleicht ist sie ja auch nur des Englischen nicht mächtig und sagt eigentlich „Durchstöberer“?

    I. E.: Sie hat hoffentlich ihre sachverständigen Berater. Nicht das ich eine Lanze für Frau Z. brechen möchte…

  24. 24

    Hätten die Dinge Deutsche Namen dann wäre es wohl besser – Durchstöberer – gefällt mir gut! Ist der aktuelle Firefoxdurchstöberer schon da?

    Oder heißt es richtig Schnellfeuerdurchstöberer?

  25. 25
    Matthias (aus Dresden)

    Ich kenn auch durchaus hochintelligente Menschen mit akademischen Titeln, die verzweifelt vor ihrem Rechner sitzen und sagen „Das Internet geht nicht“ obwohl die Ursache lediglich der Browser ist. Von daher möchte ich mal festhalten, dass die meisten Leser hier sehr wohl wissen was ein Browser ist, aber es nicht lebensnotwendig ist für Jedermann es so wie „wir“ zu wissen.

  26. 26

    Politiker „machen“ nicht Gesetze, sie segnen sie ab. Und ob unsere Justizministerin, nur aufgrund ihrer Funktion, sich in jedem geek-Bereich auskennen muss, halte ich für fragwürdig. Pferdezucht, Gartenzwerge, Drachenfliegen –> Davon wird die gute Frau auch keine Ahnung haben, obwohl sie Gesetze für diese Bereiche bestimmt. Muss sie ja auch nicht. Solange sie Experten hat, auf die sie sich verlassen kann…

  27. 27
    das_ben

    Gerade viele der Kommentare hier sind ein gutes Beispiel dafür, dass der durchschnittliche Bürger tatsächlich nicht weiß, was in Parlament und Regierung vor sich geht.

    Frau Zypries entwirft keinerlei Gesetze. Gesetzesentwürfe werden entweder vom Bundestag, Bundesrat oder der Bundesregierung eingebracht. Letzteres ist am häufigsten der Fall (glaube 70% aller Gesetzesinitiativen stammen aus der Regierung), dabei wird der Entwurf vom federführenden Fachministerium vorbereitet. Das ist im Beispiel des „Hackerparagraphen“ wohl tatsächlich das Bundesjustizministerium, was aber noch lange nicht heißt, dass die Ministerin dazu mehr als ihre Unterschrift beigesteuert hat. Ausgearbeitet wird das Gesetz nämlich von den zuständigen Fachleuten im Ministerium, ganz weit unterhalb der Spitze – in irgendeinem Referat einer Unterabteilung einer Abteilung, die einem Staatssekretär untersteht. Bei Bedarf werden noch unabhängige Experten eingeschaltet, auf jeden Fall auch noch andere Ministerien die betroffen sind und evtl. der Bundesrat (v.a. bei zustimmungspflichtigen Gesetzen). Zum Schluss wird die Sache vom zuständigen Staatssekretär und der Ministerin abgesegnet und erst einmal ins Kabinett eingebracht – beim eigentlichen Gesetzgebungsprozeß ist man dann aber immer noch nicht.

    Selbstverständlich hat die Ministerin letztendlich die Verantwortung über ein Gesetz, das heißt aber noch lange nicht, dass sie sich in der Thematik auskennen muss. Was angesichts der extremen Bandbreite von Bereichen die durch Gesetze betroffen werden (Informatik, Medizin, Bildung, Soziales…) aber heutzutage einfach auch nicht mehr vorauszusetzen ist.

  28. 28

    Sag ich doch. Nur in kurz :-)

    :-P

  29. 29

    Ich wiederhole mich gern nochmal: Das Internet generell erst mal zu nutzen ist in meinen Augen heutzutage genau so weit mit speziellem Expertenwissen gleichzusetzen wie Zeitunglesen oder den Fernseher einschalten.

    Natürlich weiß ich, das die Gesetze massgeblich von den Fachausschüssen gestaltet werden. Warum das aber völlige Unwissenheit an der Spitze der Regierung im in naher Zukunft, auch wirtschaftlich, am wichtigsten werdenden Segment der Gesellschaft rechtfertigt, ist mir schleierhaft.

    Ihr tut so, als würde jemand von denen verlangen, dass sie sich ohne fremde Hilfe ein Blog einrichten und dessen RSS-Feed über Yahoo Pipes mit Fotos auf Flickr (oder ipernity), die mit Bundestag getaggt sind, verbinden. Oder ähnlicher Nerdstuß.

    Nein, wir reden hier davon, das Netz überhaupt erstmal zu nutzen, und zu wissen wie wohl die wichtigste Software auf jedem Rechner heutzutage heißt.

    Wäre die Frage gewesen, was ein Handy ist und keiner hätt’s gewußt, würdet Ihr die Befragten auch mit der Breite der ihnen anvertrauten Themen verteidigen?

    Ich meine, herrjeh, irgendwo muss doch mal das einfachste Grundwissen beginnen, das man einfach wissen sollte, wenn man an der Spitze der Nation steht. Grundwissen, das von ganz allein kommt, wenn man mit beiden Beinen in der Welt der Gegenwart steht.
    It’s not feckin rocket science.

  30. 30
    PS

    Die ganzen Pfeifen Vorläufig erschiessen.
    Als Verfassungsfeinde.

    Schäuble wird das sicher abnicken…

  31. 31
    G

    Möchte mich erstmal marcel weiss anschließen. Ein gewisses Grundlagenwissen sollte man schon erwarten können. Eventuell würde dann auch ein zweitätiger Volkshochschulkurs abhilfe schaffen. Was ich aber noch viel skandalöser finde, ist das scheinbar ebenfalls nicht vorhandene Fachwissen der Berater und „unabhängigen Experten“. Wer, außer diesen „Experten“, soll denn das Fachwissen sonst in die zuständigen Ausschüsse hineintragen? Jeder seriöse IT-Fachmann schlägt regelmäßig die Hände über dem Kopf zusammen, wenn wiedermal auf Bundesebene ein Gesetz bezüglich IT diskutiert wird. Aber ich vermute die „unabhängigen Berater“ sind einfach Lobbyisten, die gar kein Interesse daran haben den Politikern irgendwas beizubringen.

  32. 32

    Aha, Johnny, du findest die Diskussion um den TV-Beitrag albern? Immerhin sagst du, du musst es zugeben; aber trotzdem: Hätte ich nicht von dir gedacht.

    Ich finde die zur Schau gestellte Ignoranz von Teilen der Politiker und ihre Haltung zum Internet, über das sie Entscheidungen fällen, die uns alle betreffen, geradezu skandalös.
    Siehe dazu auch Zypries‘ Aussagen zum Internet (und dass man es auch ohne schaffen kann):
    http://textundblog.de/?p=1660#comment-80177

    Nun gut, du findest die Diskussion albern. Wie gesagt: Hätte ich nicht von dir gedacht.

    Und zum T-Shirt: Klasse Aktion!

  33. 33
    Peter S.

    “ was aber noch lange nicht heißt, dass die Ministerin dazu mehr als ihre Unterschrift beigesteuert hat.“ (…)Selbstverständlich hat die Ministerin letztendlich die Verantwortung über ein Gesetz, das heißt aber noch lange nicht, dass sie sich in der Thematik auskennen muss.“

    Aha, so ist das also.
    Da frage ich mich doch als unwissender Laie:
    Minister? Wozu gibt es eigentlich Minister?

  34. 34

    Ja, ich finde die Diskussion etwas albern, auch wenn du das nicht von mir gedacht hättest. Da ich es lächerlich finde, wie man sich allerorts über einen TV-Beitrag aufregt, der ganz bewusst in eine bestimmte Richtung geht, der ganz bewusst nur die „lustigen“ Stellen zeigt. Wäre das Video auf RTL2 gelaufen, hätte es keiner ernst genommen und das Niveau hat der Beitrag leider.

    Das bedeutet nicht, dass ich Äußerungen Frau Zypries‘ zum Thema Internet superklug finde, ich glaube auch nicht, dass sie da einen großen Plan von hat. Es bedeutet auch nicht, dass ich die Pläne zur Vorratsdatenspeicherung begrüße oder den Wahnsinn eines Schäuble unterstütze, das tun aber, wie man lesen kann, die wenigsten Bürger oder auch Politiker. Sondern es bedeutet, dass ich die Diskussion um das Video albern finde. Dass speziell dieses eine Zitat nun den Beweis bringen soll, dass „unsere Politiker“ alle „keine Ahnung haben“. Endlich! Der Beweis!! In nur 1,5 Minuten!

    Genau dieser pawlowsche Reflex ist es, der mich nervt: „Aha, Johnny regt sich also über den Beitrag NICHT auf so wie es ALLE tun, na DAS hätte ich von dem aber nicht gedacht, DAS merke ich mir aber!“ – Etwas übertrieben, ja, aber so kommt es rüber.

    Politiker fordern Internet-Kontrolle, weil da lauter Kinderpornografie stattfindet. Und wir wissen alles besser, weil Frau Zypries keine Ahnung hat, was ein Browser ist. In etwa das gleich Niveau, oder?

    Das T-Shirt ist lustig. Aber was ist die „klasse Aktion“?

  35. 35
    das_ben

    Sie leiten ihre Ressorts und kennen sich günstigerweise mit der betreffenden Thematik etwas aus – der Herr Müntefering hat ein grundlegendes Verständnis von Sozialgesetzgebung und die Frau Zypries ist Juristin. Sie wird sich also zumindest über die Verfassungsmäßigkeit ihrer Gesetze ganz gut im Klaren sein, was ja auch etwas wert ist. Ich bezweifle aber, dass sich die Kenntnis oder Unkenntnis eines Ministers, was eigentlich ein Browser ist, auf die Gesetzgebung ausüben würde.

    Über die Problematik, dass sich die politische Verwaltung verselbständigt und durch ihre Politikvorbereitung selbst Politik betreibt – ohne das Parlament oder sogar ihre vorgesetzten Minister ausreichend über Alternativen in Kenntnis zu setzen – gibt es übrigens eine ganze Menge Literatur.

  36. 36
    das_ben

    Das war natürlich eine Antwort auf Kommentar #34.

  37. 37

    ich mag das generelle politiker-bashing auch gar nicht. und wenn herr ströbele zugibt, dass ihn das alles nicht recht interessiert, dann kann man das bedauern. bei den äusserungen von frau zypries finde ich es dennoch zumindestens wert darüber nachzudenken, ob das wirklich nur harmlos ist. denn nicht nur als justizministerin hat sie über relevante gesetze im zusammenhang mit informationstechnologie entschieden. sie war bereits zuvor staatssekretärin im bundesministerium des innern und hat vor allem in den Jahren 1999-2001 den Bereich „Moderne Verwaltung“ verantwortlich betrieben. das gesamte themenfeld E-Government hat sie massgeblich mit gestaltet. das kann man alles nachlesen. da sollte ihr der begriff des browsers schon mal untergekommen sein…

  38. 38
    das_ben

    Verantwortlich betreiben heißt noch nicht maßgeblich mitgestalten. Ich habe nur mal schnell nachgeschaut, aber offenbar war sie in der Zeit lediglich Vorsitzende des für das Programm „Moderne Verwaltung“ zuständigen Staatssekretärausschusses. Ich zitiere (von hier: http://www.verwaltung-innovativ.de/Anlage/original_550397/Moderner-Staat-Moderne-Verwaltung-Das-Programm-der-Bundesregierung.pdf): „In diesem Staatssekretärausschuss werden die Zielsetzungen und Strategien festgelegt sowie Zielkonflikte mit den betroffenen Ressorts gelöst.“ Das heißt: dort lag die Koordination des Projekts, offenbar wurde dafür bei Frau Zypries eine ganze Stabsstelle eingerichtet.

    Anschaulich dargestellt:
    Referent A, im Keller des für die neue Stabsstelle eigens angemieteten Wohnbunkers, willig die Vorgabe „Der Mob schreit nach weniger Bürokratie und den ganzen neuen Computerkram – jetzt tut doch mal was!“ umzusetzen: „Wie wär es eigentlich wenn der Bürger seine Steuererklärung online machen könnte? Ich hab da mal was ausgearbeitet…“

    Ministerialrat B: „Referent A hat eine Gesetzesiniative im Rahmen des Programms Moderne Verwaltung vorgelegt.“

    Ministerialdirigent C: „Toll. Ich gebs mal eben weiter.“

    Ministerialdirektor D: „Gibs meiner Sekretärin. Gehen wir nachher noch was essen?“

    Frau Zypries, Staatssekretärin im Innenministerium: „Steuern? Da muss doch mal einer den Hans fragen!“

    Staatssekretär E, Finanzministerium: „Ja, ich frag mal nach.“

    Hans Eichel, Bundesfinanzminister: „Von mir aus. Lass aber mal im Referat XYZ nachfragen, die kennen sich mit diesen Internetkram aus.“

    Referent Y, Finanzministerium: „Nee, ist doch viel zu unsicher sowas. Oder? Nicht das wir am Ende das Geld nicht kriegen.“

    Frau Zypries: „Aha.“

    Referent A: „Nicht? Hmm, ich geh das nochmal durch…“

  39. 39

    Johnny, ich danke dir für deine Erläuterungen. Jetzt wird mir das, was du mit „die Diskussion etwas albern finden“ meintest, etwas klarer.

    Zu deiner Frage

    Das T-Shirt ist lustig. Aber was ist die „klasse Aktion“?

    Damit meinte ich einfach nur, dass es eine geniale, witzige Idee ist, dieses Zitat, das nun seit einigen Tagen durch die Blogosphäre schwirrt, auf ein T-Shirt zu drucken. Diejenigen, die es kennen, verstehen den Gag und jenen, die es nicht kennen, hat man schnell die Geschichte dazu erzählt. Auf dem T-Shirt könnte natürlich auch stehen: „Ist es nicht ein Skandal, dass unsere Bundesjustizministerin… und so weiter“ – eben zu lang.

    Man kann das kritisch sehen, dass nur noch mit verkürzten Botschaften gearbeitet wird, aber ich finde es ist eine gute Umsetzung. Der spanische Kommunikationswissenschaftler Enrique Dans hat Anfang Juni einen sehr guten Aufsatz zum Thema der Geteilten Aufmerksamkeit (Aufnahme von Info-Häppchen; Problem der schnellen, oberflächliche Rezeption) geschrieben, dort spricht er von einem

    […] Modell der Momentaufnahme, bei dem die Lektüre eines Textes von mehr als zehn Zeilen zum Querlesen verpflichtet. Sätze, die auf ein T-Shirt passen, Abkürzungen in SMS“¦ andere Medien, andere Inhalte, andere Denkschemata um Informationen in Intervallen zwischen dreißig Sekunden und fünfzehn Minuten zu verarbeiten, mehr nicht. Mehr Zeit aufzuwenden, ein längeres Intervall zur Verfügung zu haben, wird ein echter Luxus sein.
    aus: Enrique Dans: Geteilte Aufmerksamkeit

    Wenn es also nur beim T-Shirt bleibt, ist es erstmal eine zeitgemäße Form der Kommunikation in Zeiten der geteilten Aufmerksamkeit. Wenn man dann mehr draus macht, vielleicht ist es dann erst eine klasse Aktion.

    (Sorry für die Länge des Kommentars, wollte jetzt eigentlich keinen wissenschaftlichen Diskurs daraus machen.)

  40. 40

    Markus, prima, dass mein Satz jetzt etwas klarer ist und: ich hab kein Problem mit langen Kommentaren, is‘ ja noch Platz im Internet. :)

  41. 41

    Ja, der ausreichend vorhandene Platz im Netz ist (wenn gut ausgefüllt) ein Riesenvorteil. ;-)

  42. 42

    Was ich nicht nur an dem, sondern auch bei nahezu allen anderen „als Beweismittel“ herangezogenen TV-Ausschnitten, so bedenklich finde ist, dass die Dinger geschnitten sind. Und gerade der hier angesprochene ist nur eine Aneinanderreihung von Aussagen. TV halte ich für eine ebenso grosse Lügenmaschine wie die Bild… nur wird das da geschickter gemacht. Eine der wenig guten Sachen die je im TV gesagt wurden kam von Peter Lusitg.. der sagte nämlich immer „ABSCHALTEN!“ ..

    Aber dass unsere Politiker oft eine Brutstätte der Inkompetenz sind ist kein Geheimnis.. das haben sie schon in genügend Interviews ( http://www.taz.de/index.php?id=archiv&dig=2007/02/08/a0169 ) bewiesen.

  43. 43
    itstrue

    @Jan(TM)
    >Ich halte es nicht für notwendig zu wissen was ein Browser ist, für Fachfragen erwarte ich aber von einem Politiker das er sich berraten lässt.

    Ich halte es für dringend notwendig, daß ein Politiker auch weiß was ein browser ist. Ich halte es für dringend notwendig, daß ein Politiker weiß um was es geht. Sich nur beraten zu lassen lässt lobbyisten Tür und Tor geöffnet um ihre Ziele gegenüber einem „Ahnungslosen“ durchzusetzen. Nur wer entsprechendes Fachwissen hat kann auch kritisch (hinter)fragen und erkennen ob es vielleicht dann doch eine Spur zu weit läuft oder gar weitere Alternativen entwickeln. Wenn ein Politiker immer nur nachbrabbelt, was ihm vorher ein „Berater“ ins Ohr geflüstert hat, dann hat der Politiker wohl eher seinen Beruf verfehlt. Ansonsten sollten sich dahingehend dann auch Politiker von ihren „Arbeitgebern“ beraten lassen, nämlich dem Volk, welches er zu vertreten vorgibt.

  44. 44
    avision

    Beim sogenannten Hackerparagraphen finde ich schlimmer dass man die Kritik aller Fachleute über ein Jahr ignoriert hat. Wegen mir müssen Politiker nichts über das Internet wissen wenn sie die Experten dann hören. Und die Kritik wurde aus allen Lagern geäussert, einmütig auch aus verfeindeten.

  45. 45
    heidrun

    ich kann johnny nur beipflichten und mich wie jedesmal bei solchen themen, nur darüber wundern, was viele für ein bild von „den politikern“ haben. das sind ganz normale menschen, die müssen in den 24 stunden, den ihr tag auch nur hat, auch essen, schlafen und sich auch mal ausruhen, und so sie nicht normale abgeordnete sind, sondern minister, müssen sie in ihrer arbeitszeit einen recht vollen zeitplan an verpflichtungen bewältigen, plus eine ganze menge verantwortung übernehmen und sich mit tausend dingen beschäftigen. keine justizministerin kann von allem eine ahnung haben, was in irgendeiner form von gesetzen betroffen ist. ich glaube auch nicht, dass es wirklich zu viel verlangt wäre, das wort „browser“ zu kennen, aber, wie johnny schon sagte, das ist ein winzig kleiner ausschnitt, der mit wunderbar simplifizierender absicht rausgepickt wurde. und alle machen mit.

Diesen Artikel kommentieren