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Terror 2.0

Weil die neue al-Qaida keine hierarchische Kaderorganisation mehr ist, sondern ein offenes Mitmach-Netzwerk, eine Art Wiki-Qaida hat das alte Modell abgelöst.

Ich gehöre ja nun wirklich nicht zu denjenigen, die alles bei SpOn müllig finden oder die meinen, die eigenen Sätze wären perfekter als die der Hamburger. Aber beim zitierten Satz aus diesem Artikel kommt man um die Frage „Geht’s noch?“ einfach nicht herum.

Für’s nächste Mal ein paar weitere Vorschläge nach Absurdistan: „al-Qaidr.com“ – „User generated Dschihad“ – „Terror-Videos: YouBlut“ – „P-2-P-Terror: Bin laden!“. Geht, oder?

(Dank an Julian!)

21 Kommentare

  1. 01
    Frédéric

    Dass Spon nach Jahrzehnten Terrorismus auch darauf kommt, dass sich Terror dezentral organisiert, fine ich (und da bin ich ganz beim Autor des Artikels)

    atemberaubend.

    Die kriegen alles raus. Alles.

  2. 02
    no85

    Ich war war mal auf einer Buchlesung/Vortrag von Yassin Musharbash, dem Autor dieses SpOn-Artikels. Von ihm stammt das Buch „Die neue Al-Qaida. Innenansichten eines lernenden Terrornetzwerks“. Darin vertritt er die zwei Thesen, Al-Qaida habe sich einerseits „professionalisiert“ und andererseits geöffnet. Das heißt, heute könne jeder einen Anschlag im Namen Al-Qaidas begehen. Seine Thesen stützen sich auf Primärquellen, also al-qaida nahe Websites, Onlinemagazine und Foren. Zur Veranschaulichung der Thesen werden in diesem Artikel in der Tat merkwürdigen Metaphern verwendet. „Terror-Videos: YouBlut“ ist nicht so weit von der Realität entfernt. Es gibt zum Beispiel seit einiger Zeit eine „Global Islamic Media Front“, die Al-Qaida Propaganda verbreitet, inklusive Videos.

  3. 03

    Die Inhalte des Artikels mag ich gar nicht bezweifeln, auch die Wikipedia spricht von solchen offenen Strukturen und lesen konnte man schon länger in diversen Medien davon. Aber dem Artikel hilft eine solche Form wie oben zitiert ganz sicher nicht. Das bekommt etwas satirisches, glaube kaum, dass das beabsichtigt ist.

  4. 04
    Stefan

    Immmerhin hat der Autor sein Ziel errreicht: Jeder weiß, was er sagen will. Reicht doch, oder?

    Ich finde ddas einen interessanten Weg, Gedanken zu formulieren. Man nehme ein allseits (im Internet…) bekannten Sachverhalt (wiki) und deutet ihn auf einen anderen (Terror) um. Schon erhält man eine passende Beschreibung. Ob das nun falsch verstanden werden könnte oder sich jemand ans Beingepinkelt fühlen könnte.. ist doch egal.

  5. 05

    die andere seite der medaille scheint zudem zu sein, dass den verantwortlichen poltikern bei terrorismus wie bei internet nichts anderes einzufallen scheint als „oppress 2.2.2“.
    :/

  6. 06
    lana

    hirnrissige überschriften gibt es eben nicht nur hier. nichtskönner auch dort. gehts noch? ja, mit werbung schon.

  7. 07
  8. 08

    Unabhängig von den kruden Parallelen, die da gezogen werden:
    Wann ist die Al-Quaida denn bitteschön eine „hierarchische Kaderorganisation“ gewesen? Das ist doch, mit Verlaub, gequirlter Dünnschiß.

  9. 09
    clara

    youblut: eine clip-ästhetik, die sich in verbindung aus den selbstmordfilmen der al quaida und den gängigen youtube – plattform – inhalten zu einer neuen kunstrichtung entwickelt hat.

    wikipedia: offenes mitmachnetzwerk. wurde 2007 von Wolfgang Schäuble geschlossen.

  10. 10

    Wenn ich an die Ali Baba und die 40 Räuber denke – dann denke ich zwangsläufig an Terror!

    Dieser scheint aber immer den gleichen Leuten zu nutzen – im Osten hieß dies früher – „Der Klassenfeind“ – ! –

    Immer das gleiche Spiel – da stellt sich die Frage ob es auch guten Terror geben könnte – also Terror der keine Angst macht sondern die Angst nimmt!

    Ich bin den negativen Terror einfach satt!

  11. 11

    Ganz ehrlich: Ich finde es eigentlich ganz coole Wortkreationen. Klar der Kontext is ein bisserl makaber.

    ————–
    Gott sei Dank is morgen Freitag

  12. 12
    pink ponk

    johnny,

    wo liegt in diesem zitat, welches von dir aus einem kompletten artikel herausgezogen und damit aus dem zusammenhang gerissen wurde, das problem?

    der autor ist einer der wenigen al-quaida-kenner, der nicht auf die panik-mache-klingel drückt. er ist für seine artikel und sein buch um die ganze welt gereist und hat recherchiert. er hat quellen, die nur wenige in deutschland haben. und er hat einen artikel über einen internetaktivisten aus dem al-quiada-umfeld geschrieben. in dem aus meiner sicht ein solches bild, wie oben zitiert durchaus ok ist.

    ich bin kein spon-mitarbeiter, kein spon-fan, ich bin nicht der autor des von dir kritisierten artikels. ich bin nur angenervt von diesem gebashe der bloggerInnen. zu häufig werden leute von bloggerInnen verbal mit dreck beschmissen oder in ein merkwürdiges licht gestellt oder müssen sich erniedrigende beschimpfungen in kommentarspalten (kommentar 8) wie dieser hier gefallen lassen.

    leute, wie du meckern über journalisten. leute, wie du scheinen selbst allerdings die simpelsten regeln des journalismus‘ nicht zu kennen oder kennen zu wollen. für eine anständige berichterstattung holt man nämlich auch die meinung der gegenseite ein! bloggerInnen scheinen das äußerst selten zu tun! und das ist echt uncool!

    es wäre von dir ein anruf in der spon-redaktion gewesen. du hättest den autor gefragt, was er sich dabei gedacht hat. eventuell hättest du eine interessante antwort bekommen. stattdessen wird einfach nur ein reißerischer kurztext geschrieben.

    ganz schwache nummer!

    ps: ich schreibe diesen kommentar nicht unter meinem richtigen namen! hab nämlich keine lust, von deinen kommentatorInnen bzw. von den spreeblick-bloggerInnen blöde texte zu bekommen.

  13. 13
    Niclas

    Johnny: Du verwechselst Kategorien. Du denkst, das Internet (Deine Beispiele: kommerzielle Domains, kommerzieller Anbieter von Webspace für Videos, semi-legaler Tauschhandel) verteidigen zu müssen gegen den Vergleich mit einer terroristischen Organisation, dabei müsstest Du gerade den Vergleich aktzeptieren, falls Du auch von aussen auf „das Internet“ schauen kannst. Hättest Du eine bessere Definition für Wiki als „jeder kann mitmachen“ (mit der selben Zeichenanzahl)? Mehr bedeutet die Metapher erstmal nicht (was nicht heisst, dass sie im Zusammenhang des Artikels nicht eine antidemokratische Implikation haben könnte, aber das müsstest Du erstmal darstellen).

    SpOn nervt, die gedruckte Version ist fast noch dümmer, aber man muss wissen, was man kritisieren will.

  14. 14
    Ben

    Hmmm, ich muss ehrlich sagen, ich finde das eigentlich eine gelungene Formulierung. „Wiki“ trifft das was der Autor beschreibt recht gut, und bietet zudem eine poientierte Aktualisierung eines komplexeren „jeder kann mitmachen“.

    Wieso sollten Begriffe wie „Wiki“ darüber erhaben sein in anderen Kontexten verwendet zu werden? Ein Wiki ist ja per se nichts gutes oder tugendhaftes, sondern einfach eine Software.

  15. 15

    im übrigen sitzt der autor in der berliner spon-redaktion ;-)

    @ Frédéric: ohne dir zu nahe treten zu wollen, aber der autor schreibt noch nicht jahrzehnte für spon und er hat ein interessantes buch zum thema schon ende letzten bzw. anfang diesen jahres veröffentlicht.

    gruß jens

  16. 16

    ach noch was @ Frédéric: der artikel des autors handelt nicht vom terrorismus allgemein, sondern von der al-quaida und deren strukturen. verallgemeinerung tut selten gut ;-).

  17. 17
    daniel

    Sommerlochblick

  18. 18

    User generated Dschihad – Super!!!

  19. 19
    Frédéric

    @ jensjetzt: Mag sein, und ich werte das als gutes Zeichen, dass Spon (nachdem sie ja gerne so tun, als wäre alQuaida eine Art islamisierter Schützenverein, mit Jahresmitgliederhauptversammlungen und dergleichen) sozusagen sein eigenes alQuaida-Bild in Frage stellt. Und in dem Fall tut Verallgemeinerung bestimmt doch gut: Man hätte sich nämlich schon vor ziemlich langer Zeit die Frage stellen können, warum viele terroristische Vereinigungen, von der RAF bis zur ETA, von der damaligen PLO bis zu den Black Tamil Tigers, dezentral organisiert sind – und wie das bei alQuaida aussieht. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, sind solche Darstellungen eher selten.

  20. 20

    Wie weit der Artikel selbst recherchiert ist, müsste man sich auch nochmal genauer anschauen. Im Economist vom 20 Juli gibt’s einen ausführlichen Artikel zu irhabi007 und seine On- und Offline-Aktivitäten. Und außer ein paar völlig haltlosen Spekulationen darüber, warum Younis Tsouli ausschließlich wegen Aufruf zum Mord verurteilt wurde, fasst Yassin Musharbash den Economist-Artikel einfach nur zusammen. Und wie hier ein Journalist nonchalant über die basalen Regeln rechtsstaatlicher Verfahren hinweg geht, das stimmt mich ja im Angesicht von Herrn Schäubles Bemühungen auch ganz frohgemut.
    Das ist die URL vom Economist-Artikel:
    http://www.economist.com/research/articlesBySubject/displaystory.cfm?subjectid=1604388&story_id=9472498

  21. 21

    Meiner Mutters Hund frisst gelbe Erbsen um halb Drei und nicht viertel vor Sieben!

    Dieser Satz könnte irgendwo im Wikipedia stehen – er könnte sieben Terrorinformationen enthalten – hätte man das Wikipedia als Terrornetzwerk besser wahrgenommen und hätte man über den Satz:
    … offenes Mitmach-Netzwerk, eine Art Wiki-Qaida … nicht gelacht – dann würde man morgen nicht über die Abschaffung von Wikipedia nachdenken.

    Anders gesagt – es gibt kein offenes Mitmach-Netzwerk, eine Art Wiki-Qaida – denn es gibt nicht einmal das Original!

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