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Ganz unten

Es liegt in der Natur des Fußballs, dass die Enttäuschungen zahlreicher sind als die Erfolgserlebnisse. Die Bayern wollen nicht nur die Meisterschaft, sondern die Liga dominieren, drei bis vier Mannschaften zählen sich zur ernsthaften Konkurrenz, doppelt so viele geben das Saisonziel CL aus, die Hälfte der Liga will mindestens in den Uefa-Cup und keiner absteigen. Und wenn die Saisonziele nicht eingehalten werden, werden Trainer entlassen, Regionen gehen vor die Hunde und der Weltfrieden ist in Gefahr. Denn die drei entlassenen Sekretärinnen in Rostock und der geschasste Fanbeauftragte in Lautern, die jetzt, von Hartz IV zehrend das heimische Sofa belagern und DSF kucken, die sind der Tropfen auf das heiße Fass, der die Scheiße am Dampfen hält, und werden demnächst die Fußballrevolution ausrufen, die da spricht: „Ich kenne deine Werke und deine Mühsal und deine Geduld und weiß, dass du die Bösen nicht ertragen kannst.“ Und es kommt Hagel und Feuer, mit Blut vermengt, und fällt auf die Erde, und der dritte Teil der Erde verbrennt, und der dritte Teil der Bäume verbrennt, und alles grüne Gras verbrennt.

In Zukunft sollte man also in Kunstrasen investieren. In München, wo zwei torlose Unentschieden die Ribéry-Rufer verstummen lassen. In Bremen, wo sich eines der besten Mittelfelder Europas, ach was: der Welt selbst deprimiert. Auf Schalke, wo man bemerkt, dass ein Haufen Teenies noch kein Arsenal ist. In Wolfsburg, bei der Hertha, in Dortmund, in Stuttgart, in Nürnberg, die vor der Saison Erfolgsansprüche postuliert haben, die selbst deutschen Diplomaten zur Zeit des wilhelminischen Expansionswahns obig erwähnte, das Fass zum Überlaufen bringende Schweißperlen aus den Stirnporen gerungen hätten. In Cottbus, Duisburg, Bielefeld, Bochum und Rostock, weil schon jetzt „jeder Punkt zählt“. Kinners: Punkte zählen immer. Immer.

Eigentlich müsste man jetzt ein beschwichtigendes „Kommt mal wieder runter“ in die Bundesligatabelle reinposaunen. Blöd nur, dass die meisten in der Selbstwahrnehmung schon ganz unten sind.

Keine Kommentare

  1. 01

    Mehr Polemik bitte!

  2. 02

    Ich bin ja wirklich froh, dass sich meine Karlsruher nach einschlägigen Erfahrungen wie

    „KSC 2000“,
    Sean Dundee oder
    Stadionneubau (sinngemäß: „Wir brauchen eine 80.000-Mann-Arena für 230.000 gehfähige Einwohner“)

    im Moment nicht die Stufe des Anspruchs verlässt, auf die er immer noch gehört: Abstiegskampf. Mal sehen, ob das die Winterpause überlebt…

  3. 03

    Und nächste Woche lern‘ ich wieder deutsche Grammatik, die auch im „Alles-außer-Hochdeutsch-Ländle“ gilt…

  4. 04

    @ Booga: Brauch ich ein Ironie-Plugin für Kommentare, die sich mir nicht auf Anhieb erschließen? Oder sinds die Bibelstellen? Oder soll ich jetzt mit dem Fragen aufhören?
    @ Tom: Von einem „Auto-Korrektur-Plugin“ träum ich auch schon die ganze Zeit. Bei meiner notorischen Ungenauigkeit… :)

  5. 05

    Wenn es ein Ironie-Kästchen neben dem Kommentarfeld gäbe, ich hätt’s nur für dich angekreutzt. =)

  6. 06

    Das mal ich mir jetzt aufn Bildschirm.

  7. 07
    Babinho

    Ohne Witz, die Aufregung in der Liga kennt mal wieder keine Grenzen. Mir blieb der letzte Spieltag so in Erinnerung:
    Cottbus und Bochum beherrschen die Liga nach Belieben, der HSV ist so gut wie sicher Deutscher Meister und Hannover die neue Nr. 1 im Norden – und alles nur, weil Marcelinho die Doppelbelastung in Spe nicht verkraftet.

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