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Betreffzeilenlyrik

Meine beste Freundin erlebte ein Wochenende, in dessen Verlauf sie einen Zahn und ein halbes Herz einbüßte. Die meiste Zeit starb in Staus und stehenden Zügen (spielende Kinder blockierten Gleise, vielleicht hatten die Kinder aber auch nur gespielt und lagen jetzt weit verstreut herum, das lässt sich aus diesen Bahndurchsagen ja immer recht schlecht heraushören), Handyverträge erwiesen sich als zu komplex, Handwerker traten kurz auf und hatten ihre Werkzeuge nicht dabei, es wurde geweint, aber eigentlich nur aus Wut. Die Mail, die sie mir über dieses Wochenende geschrieben hat, ist ein vielzeiliger Schmerzensschrei der urbanen Seele*. In der Betreffzeile steht:

Endlich Woche!

*Ich habe ernsthaft zwei Minuten lang überlegt, ob ich urbahne Seele schreiben soll. Eine Restselbstachtung hielt mich zurück.

10 Kommentare

  1. 01

    ..einen Zahn habe ich gestern auch eingebüßt. Mein herzliches Beileid!

  2. 02
    bongokarl

    ich hab beim ersten mal lesen wirklich „endlich wochenende“ gelesen und den witz nicht verstanden..

  3. 03

    Ich habe letzten Monat einen steilen Zahn eingebüßt..

  4. 04

    Ich habe als Student ein sehr angenehmes Leben geführt. Irgendwann fiel mir aber auf, dass ich trotz meines Lebenswandels ohne Zwänge doch etwas vermisste: Die Vorfreude aufs Wochenende. Als ich dann anfing zu arbeiten war sie endlich wieder da. Und manchmal ist sie sogar noch schöner als das Wochenende selbst.

  5. 05
    mc bastard

    ach ich freu mich aufs wochenende genauso wie auf jede spontane party unter der woche…

  6. 06
    Pipi

    17 Jahre …und schon so Tot.

  7. 07

    In Staus sterbende Zeit und Schmerzensschreie einer urbanen Seele: das ist wirklich so unlyrisch, dass „Endlich Woche“ schon fast Lyrik-Preis-verdächtig ist.

  8. 08
    lana

    eben in den tagesthemen, riewa liest vor, zu sehen ist ein bild von schäuble und darüber der text

    Neues Drohvideo
    von Islamistan

    willkommen im land der träume!

  9. 09
    mawa

    Ich fand die sterbende Zeit in Staus eigentlich recht gelungen formuliert…

  10. 10

    „Thank God it’s Monday“ erinnert mich an eine Stellenanzeige.

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