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Wischen impossible

Ich mache im Haushalt viel weniger als meine Freundin. Ausreden gibt es dafür keine, dafür war es aber schon immer so. Weder war ich jemals der Alleinernährer, noch bin ich je in die Rolle des Herrn des Hauses geschlüpft. Auch religiöse Motive spielen keine Rolle. Eine Mischung aus Faulheit, ja: innerer Verklebtheit, Inkompetenz und der drängenden Frage: Findest du es denn wirklich schlimm, wenn die Küche benutzt aussieht? führen zu dieser unglücklichen Konstellation.

Da ich kein Barbar reinsten Blutes bin, sondern einer mit Abi, gibt es eine Regelung: Küche Freundin, Bad ich, Hasenkäfig ich, Schleppen von Sachen ich. Sieht ganz gut aus, blieben noch: das Wischen von Böden, Wäsche waschen, Tisch decken und abdecken, Staubsaugen, Wäsche aufhängen, das Verstauen von herumliegenden Zeitungen, Bett beziehen, Beziehungen pflegen (keine elementare Haushaltspflicht, aber auch etwas, das ich nicht gern mache), Arzttermine machen, Behördenschreiben beantworten, ans Telefon gehen.
Wohlgemerkt: Aufs Klo gehe ich ganz alleine.

Natürlich weigere ich mich nicht, wenn diese Dinge anstehen. Es gibt lediglich keinen inneren Impuls, das zu machen. Leider gibt es auch nicht die Ausrede, dass meine Lieblingslektorin eine stille Leidenschaft für den Transport von Geschirr hegt. Tut sie nicht. Sie kocht gern, der Eindruck verstärkt sich jedoch, dass es zunehmend häufiger vor Wut geschieht als mit dem Ziel, Nahrung herzustellen. Ich habe heute also das Gespräch gesucht, angeregt durch einen Artikel aus der FAS, der mir bescheinigte, Teil eines restpatriarchalischen Massenphänomens zu sein. Ich habe also mit betretener Miene um Anleitung zum Unglücklichsein gebeten. Jetzt gibt es einen Zeitplan. Im Laufe des nächsten halben Jahres soll ich mehr Pflichten übernehmen. Das Problem: ich bin tatsächlich taub für zusammenbrechende Zeitungsberge und blind für Staubbälle bin ich auch.

Da Spreeblickleser bestimmt schon Hausmänner waren, als man dafür noch in Beugehaft kam: Habt ihr Tipps?

23 Kommentare

  1. 01

    wenn familie zu besuch kommt, mit´m zeigefinger über möbel fährt, die nase rümpft und sagt „schön hast Du´s hier“, isses definitiv zeit zum staubwischen.

  2. 02

    Kommt mir irgendwie bekannt vor, leider. Vielleicht hilft die Einnahme von Östrogen-Pillen?

  3. 03

    Oh Mann, einfach mal die Augen aufmachen und alles immer sofort machen. „Pflichten übernehmen“ klingt ja wie zu Hause bei Mutti.

  4. 04

    Putzfrau. Bezahle sie fair. Trinke entsprechend weniger Bier.

  5. 05
    horst

    korrrrekt dooorie!

    oder sich einfach ein kind zulegen. dann sieht MANN plötzlich dinge, die vorher kaum eine rolle gespielt haben! echt!

    du schaffst es malte!

  6. 06
    Jan(TM)

    Statt hier rumzuhängen und zu bloggen, hättest du mal lieber die Küche gewischt!

  7. 07
    Helge

    Bekoch Sie. Gut bekochte Frauen (Salat nicht vergessen! Salat ist aus irgendeinem Grunde wichtig für die weibliche Ernährung!) verzeihen einem alles.

  8. 08

    @dooorie: putzfrau ist okay, aber lieber MEHR bier trinken, enthält ja bekanntlich weibliche hormone.

  9. 09
    Sono

    Schwierig…
    Öfter in die Ecken schauen, da tauchen die Staubbälle schneller auf.
    Auch testsaugen (sofern Teppich vorhanden) kann ein Indiz für den Verschmutzungsgrad der Wohnung sein, sofern die betreffende Stelle nach dem saugen eine andere Farbe aufweist als vorher. Meist sind die Farben dann ‚intensiver‘, ‚frischer‘ (Ich hoffe mit diesen Adjektiven in Bezug auf Farben kann das Malte’sche Gehirn umgehen *lach*. Nur ein Spaß!

  10. 10

    Ich schließe mich der #7 an: Ich koche lieber als dass ich putze, also bekommt meine Freundin pro Woche 4-5 warme Mahlzeiten (Salat wird überschätzt, grünes Gemüse ist wichtig, vor allem Bohnen und Brokkoli) und macht dafür das Putzen und Waschen. Die Küche ist dadurch allerdings zwangsläufig mein Revier, dazu gehören auch Spülmaschine ein/ausräumen, Müll runtertragen, Zeitungen zusammenräumen. Dafür bleibe ich vom nervenzerreißenden Geräusch des Staubsaugers verschont. Klare Zuständigkeiten helfen definitiv.

  11. 11
    colouredsheep

    Ich finde, das einzige das hilft, ist ein rigider Plan, jeden Sonntag ALLES zu erledigen mit genauer Aufteilung wer was macht (idealerweise so, dass man dann gemeinsam fertig ist). Das ist zwar diktatorisch aber praktisch. Denn vieles hängt ja auch voneinander ab: Sobald man die Viecher sauber gemacht hat, muss man eh saugen und ehe nicht gesaugt ist, kann man nicht wischen. Und für den Rest der Wohnung finde ich es auch sinnvoller, nicht dreckabhängig zu saugen – dann macht man’s nämlich erstmal nicht oder mal hier ein bißchen und da ein bißchen – sondern an einem festen Tag. Und dann fällt auch direkt auf, wer versucht, sich zu drücken. ;)

  12. 12
    Regine

    @colouredsheep: Da wär ich auch gemeinsam fertig ;-)
    Ich kenne nichts schlimmeres, als das peinlich-genaue Einhalten von Plänen. Für mich der Tod jeglicher Spontaneität und damit irgendwie auch der Liebe. Gab’s hier nicht gerade einen Beitrag Liebst Du noch oder …?

  13. 13
    dr rawr

    http://mahopa.de/dokumente/antiverpeil-howto.html

    – Ohne Worte :) Da bleibt dann auch noch Zeit für Bier.

  14. 14
    river

    Erwachsen werden?

  15. 15
    Andreas

    Alles outsourcen! Kann ich nur empfehlen. Dann ist immer die Putzfrau schuld wenn was net gmacht is.

  16. 16

    Das Problem (zumindest so wie ich es kenne) ist doch: Der Zustand der Wohnung, den die Freundin „ekelhaft, ungemütlich, dreckig und nicht zum Wohlfühlen“ bezeichnet, empfindet man selber als blitzeblank.

    Aber nach meiner Erfahrung hilft alles nix: Man lässt sich von ihr einfach ein paar Aufgaben geben und machts dann möglichst schnell. Auch wenns einem dass Wochenende versaut. Alle Alternativen sind noch viel schlimmer.

  17. 17

    Kinder bekommen, groß werden lassen, Frau arbeiten schicken und dann zwei, dreimal die Woche kochen. Hilft ungemein, man wird dann auch schnell zum Fetischisten was saubere Küchen betrifft.
    Wischen und Staubsaugen..bleiben dann doch eher impossible. Restpatriachart, hmm..vielleicht ist es das.

  18. 18

    Machs wie ich, ich sage immer die von Spreeblick haben wieder soviel geschrieben, dass ich nicht zum Saugen gekommen bin.

  19. 19

    Tipp:
    Mach es wie die Matrosen auf dem Dampfer: *jeden Tag* wischen oder putzen etc. Wieviel Dreck rumliegt, spielt dabei keine Rolle. Vorteil: man muss sich keine Gedanken machen, ob es nun schon dreckig genug ist zum saubermachen oder nicht.

  20. 20

    @Helge: ja, auf jeden Fall. Das wissen die Weibchen zu schätzen. Allerdings hatte ich mehr Glück als du und wurde nur dreimal in den letzten zwei Jahren zum Salat-Machen und -Essen gezwungen :-P

  21. 21

    Staubmäuse die man zulange ignoriert werden gefährlich Sie bilden eigene Intelligenzfragmente und fangen dann an in Blogs zu kommentieren. Also besser:Vorbeugen!

  22. 22
    WirrSing

    Wie wäre es denn zur Abwechslung mal mit Drogen zur Induzierung der nötigen Aufräum-Manie?
    Wer’s legal haben muss dem hilft die „Rager“ Mischung:
    Viagra zerkrümeln in den nächsten Jägermeister kippen und ab dafür.

    Jetzt noch die Nachbarn vorwarnen, Musik aufdrehen und den Wischmob gespitzt.

    WARNUNG:
    Besser alles an Bier vorher wegschliessen, den Schlüssel aus dem Fenster schmeissen und hinterherbrüllen.

  23. 23
    Toni

    putzen hin putzen her…..fällt eigentlich gar nicht so schwer wenn man es mag….und so weiter, aba ob es Wert ist seinen persöhnlichen Frieden dafür zu opfern ist halt so die Frage!? Naja wenn man zuzweit ist allerdings Kompromissbereitschaft gefordert, grade wenn die zweite Person die momentane Herzensdame ist. Ansonsten könnte da ein unduftiger Trott von sexsistischer Monotonie auf Kosten des Liebeslebens entstehen. Sarkastisch betrachtet einfach…. wunderbar:D
    tschüss Malte

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