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Alltagsrassismus – ein Interview

Ich hab mich schon länger gefragt, wie man über Rassismus schreiben kann, ohne gleich die Brechstange rauszuholen. Interessanter fand ich es, eine Art Alltag nachzuzeichnen, ohne sofort was Fiktionales zu machen. Dabei geht es eben nicht um die spektakuläre Enthüllungsgeschichte oder den großen (gesellschaftlichen) Skandal, sondern um die kleinen, störenden Details: quasi um eine Konstruktion der Gewöhnlichkeit, der Normalität.

Da war Fabian (Name geändert) der perfekte Gesprächspartner auf ne Kippe und nen Kaffee: Fabian, Mitte zwanzig, studiert Ingenieurswissenschaften in Berlin. Wir haben gemeinsame Freunde, kennen uns aber kaum: Ich weiß nur, dass er von Grund auf optimistisch ist. Das ist wichtig: In den meisten Fällen existiert, sobald über Rassismus geschrieben wird, eine klare Rollenverteilung, die häufig in der Zuschreibung der Opferrolle des (in diesem Fall) Dunkelhäutigen mündet. Fabian hat sich durch Humor und Selbstbewußtsein von dieser Opferrolle vollständig emanzipiert. Und ich wollte mal wissen, wie Alltagsrassismus eben jenseits prügelnder Nazihorden, kukluxklanesker Diskriminierungen und anderer Offensichtlichkeiten funktioniert.

Spreeblick: Lass mal über sanften Rassismus, also Alltagsrassismus reden: Was ist das?

Fabian: Na, zum Beispiel, wenn ich Einkaufen geh und mir die Leute im öffentlichen Leben auf eine ganz bestimmte Art begegnen, weil sie mich nicht für einen Deutschen halten, obwohl ich einen deutschen Pass habe. Da stehen Vorurteile im Raum, und keiner spricht sie aus, aber man merkt das. Zum Beispiel: Die Tante an der Kasse hat nen netten Schnack mit der Dame, die vor Dir abkassiert wird, und dann, wenn Du an der Reihe bist, kuckt sie Dich nur noch so an (schlägt die Augen nieder) und sagt: „žJa, einsfuffzig“, und schon biste abgefertigt. Beim Nächsten ist schon wieder gute Laune angesagt. Das sind so Kleinigkeiten, womit man immer gepiesackt wird. Das fällt den meisten Leuten nicht auf, außer den Minderheiten, die das eben täglich oder wie auch immer zu spüren bekommen.
Es gibt auch ganz offensichtliche Fälle, die sicher schon jeder Dunkelhäutige erlebt hat, der hier aufgewachsen ist. Mit Kindern beispielsweise, die sind ja immer sehr ehrlich. Wenn die Dich sehen, zupfen sie an ihrer Mutter rum und sagen: „žMama, warum ist der schwarz?“ Und die Mutter dann so: „žPscht.“ (lacht)

SB: Du bist ja auf dem Dorf aufgewachsen…

Fabian: Genau, in der Nähe von Wilhelmshaven.

SB: Ist das auf dem Dorf noch was anderes als in der Stadt?

Fabian: Wir waren die einzig schwarze Familie im Umkreis. Von daher ist man immer irgendwie aufgefallen. Direkt bei uns war es weniger problematisch, die Leute waren immer recht freundlich. Gespürt hab ich es in der Schule, wenn ab und zu mal blöde Sprüche kamen aus blöden Situationen. Manchmal aus Neid, dass man mit irgendwelchen Mädchen was hatte oder sonst besser dastand. Da kam halt dann ein Spruch. Aber sonst ist in Wilhelmshaven eigentlich nichts passiert, bloß eine Situation. Da musst ich mal wegrennen vor so Nazis. Das war ein bisschen blöd. Ansonsten war das nicht anders als für andere Leute in dem Alter halt auch.

SB: Und gab es da auch rassistischen Beleidigungen?

Fabian: Das passierte häufiger mit Leuten, die ich nicht kannte, aber eigentlich nie direkt. Die haben über irgendwas erzählt, und mittendrin fiel der Satz: „žJa, und da war dann auch son Neger“. Dann haben sie mich angekuckt, und dann so: „žo-oh“. Da weiß man, die sagen halt im normalen Leben „žNeger“ oder was auch immer, und wenn ich dann im Raum bin, entschuldigen sie sich dafür. Naja.

SB: Du hast vorher „ždunkelhäutig“ gesagt — ist das die Bezeichnung, die Du verwendest?

Fabian: Ja. Ein richtiges Problem hab ich eigentlich nur mit „žNeger“, da komm ich nicht drauf klar. Das gilt auch, wenn eine black community zusammenkommt, und die die ganze Zeit „žey nigga was geht nigga“ sagen — ich kann mich damit überhaupt nicht identifizieren. Keine Ahnung, warum.

SB: Wobei Community-Bildungen, so was gibt es ja häufig bei Randgruppen.

Fabian: Ja, für mich selten. Eigentlich nie. Grundsätzlich hatte ich immer einen buntgemischten Freundeskreis. Deutsche, Asiaten, Türken, da war immer alles mit dabei, aber ich hatte nie eine explizit schwarze oder dunkelhäutige Gemeinschaft gehabt.

SB: Gibt es Deiner Erfahrung nach unter Minderheiten einen spezifischen Zusammenhalt?

Fabian: Eigentlich nicht. Man grüßt sich, das ist alles. Andere Leute rücken enger zusammen, aber ich bin da einfach zu sehr angepasst. Ich bin halt mit vielen Deutschen aufgewachsen, deswegen hab ich in der Hinsicht ein anderes Empfinden als andere.

SB: Bist Du zweite Generation?

Fabian: Nee, erste. Meine Eltern sind beide eingewandert, mein Vater als Soldat aus den USA, und meine Mutter über England aus Ghana.

SB: Hast Du besondere Verbindungen gegenüber den Heimatländern Deiner Eltern?

Fabian: Ich bin mir schon darüber im klaren, was ich bin und woher ich komm, aber ich bin mir auch darüber im klaren, dass meine ganzen Kontakte hier sind, mein soziales Umfeld. Ich sehe mich selbst als Deutschen, das ist auch die Sprache, die ich am besten beherrsche. Wenn mir aber jemand begegnet, sieht er mich halt nicht als Deutschen. Die erste Reaktion ist immer: „žAh, Sie können aber gut Deutsch.“ (lacht)

Von außen bekommt man halt immer den Stempel aufgedrückt — ich versteh das auch ein bißchen. Aber mittlerweile sollten die Leute aufgeklärter sein. Na gut, man kann nicht alles haben. Es ist ja auch so, dass sich mit den Leuten, die sich über mein gutes Deutsch wundern, ein Gespräch entwickelt. Die fragen dann immer: „žWoher kommen die Eltern?“, und bleiben sofort bei Ghana hängen. „žOch Ghana, das ist ja toll, da hat meine Tochter ja auch mal Urlaub gemacht.“ Ja, schön. Herzlichen Glückwunsch (lacht).

SB: Warst du schon in Ghana?

Fabian: Ja, ein paar Mal. Ich hab da Familie. Aber wenn ich da bin, bin ich Tourist.

SB: Als Du eingeschult wurdest, hat der Lehrer der Parallelklasse vorbereitet, dass jetzt jemand kommt, der ein bisschen anders aussieht. Wie hast Du das denn empfunden?

Fabian: Das hab ich gar nicht mitbekommen, erst im Nachhinein. Das war wohl nur ne Vorsichtsmaßnahme, um dafür zu sorgen, dass ich nicht gehänselt werde. Das ist auch nicht verkehrt, weil wir ja in der Gegend die einzige schwarze Familie waren und es grundsätzlich keinen hohen Ausländeranteil gab. War halt sehr ländlich da.

SB: Wie war das denn für Deine Mutter, da hochzuziehen? Wann ist sie da hochgezogen?

Fabian: Ja, sie war Mitte dreißig. Das war eine leichte Entscheidung, weil sie einen sehr guten Job angeboten bekommen hat. Vorher haben wir in Rüsselsheim gewohnt, das genaue Gegenteil: viele Ausländer, sozialer Brennpunkt, eine „žMarock-Gegend“. Die meisten Leute, die dageblieben sind, sind auch abgerutscht.

SB: Und die Aufnahme dann in der Dorfgemeinschaft?

Fabian: Wir sind total herzlich aufgenommen worden. In der Straße kannte uns jeder, alle sehr herzlich und hilfsbereit, und es hat sich dann auch recht schnell der Freundeskreis meiner Mutter herauskristallisiert. Das lief alles sehr glücklich.

SB: Gibt es so bestimmte Klischees, denen Du immer mal wieder ausgesetzt wirst?

Fabian: Natürlich. Das liegt auch daran, dass ich diese Vorurteile zum Teil erfülle. Was nichts heißen muss: Ich kenn genau so viele Leute, die in meiner Haut stecken, und genau das Gegenteil von mir sind. Ein Beispiel: Dunkelhäutige, heißt es, rauchen gern mal einen. Das passt auf mich. Und klar wirst Du viel häufiger darauf angesprochen, ob Du was zu rauchen hast. Einmal hat mir einer gesagt: „žHey, Du bist Schwarzer, Du musst was zu rauchen haben!“ (lacht). Oder: Dunkelhäutige sind faul. Bin ich auch (lacht). Aber halt auch nicht mehr als andere Leute.

Die meisten Klischees sind aber positiv: Schwarze können gut tanzen, Schwarze haben ein gutes Rhythmusgefühl, Schwarze sind gut im Sport, Schwarze haben nen großen Schwanz (lacht).

SB: Wie wirken sich diese Klischees im Alltag aus?

Fabian: Na klar, als Exot bin ich auffällig. Das finden zum Beispiel Frauen häufiger Mal anziehend. Und wenn Du dann keine Gesichtsgrätsche abbekommen hast, kannste daraus schon was machen. In Südamerika sind Deutsche der Renner, da biste als Dunkelhäutiger eher uninteressant.

Mit den Eltern gab es häufiger mal Probleme, die glaubten nicht, dass ich einen perfekten Schwiegersohn abgebe. Einmal war ich bei einer Freundin, wir saßen da ganz gechillt auf dem Bett, da kam der Vater rein, sieht mich und stürmt sofort wieder aus der Tür. Bam.

Oder ein anderer Vater, so ein komischer Künstler, hat die ganze Zeit auf seine Tochter eingeredet, sie solle sich das noch mal überlegen. Ich als Dunkelhäutiger würde ja sowieso nicht lang bei ihr bleiben. Das ist auch so ein Klischee: Dunkelhäutige wären unbeständig. Ich meine, in gewisser Hinsicht hat er ja auch Recht: Ich bin nicht mehr mit ihr zusammen.

SB: Und jenseits sexueller Geschichten?

Fabian: Verträge sind schwierig. Mietverträge zum Beispiel: Meine Mutter war auf Wohnungssuche in Hessen gewesen, und hat am Telefon zwei Mal schon fast alles klar gemacht. Als sie dann vor den Vermietern stand, hieß es: „žNee, wir haben schon jemand anderen.“ Oder Handyverträge, die dauern immer ein bisschen länger: da wird noch mal genau überprüft, wie das mit der Schufa so ist.

Es gibt schon alltägliche Situationen, da fühlt man sich ungleich behandelt. Klar macht man sich da Gedanken, ob das jetzt mit der Hautfarbe zusammenhängt. Aber wo führt das hin? Du wirst bloß depressiv. Solche Situationen fallen mir zum Beispiel jetzt auch gar nicht mehr ein: Ich reg mich kurz danach darüber auf, und gut is‘. Ich kann ja nicht alles in mich reinfressen. Ich sag mir: Okay, es gibt ein paar Leute, die kommen auf mich nicht klar. Naja: fuck die, ich mein: scheiß drauf.

SB: In der Pubertät stell ich mir das aber schwieriger vor…

Fabian: So. Pubertät. Das stimmt. Ich hab auch mal heftiger diskutiert, wenn jemand „Neger“ gesagt hat. Das ja.

SB: Und neben dem Wort?

Fabian: Einmal war so ein Lehrer in der zehnten, der hat während einer Diskussion gesagt: „žJetzt machen Se mal keinen Negeraufstand!“ Da hab ich mein Zeug gepackt und bin gegangen. Der hat sich hinterher entschuldigt. Ich glaube auch nicht, dass der das rassistisch gemeint hat. Aber trotzdem, Pädagoge und so. Ja. War dann schon okay.

Ich bin da kein gutes Negativ-Beispiel. Da gibt es ganz andere Geschichten. Freunde von mir aus Hessen sind zum Beispiel im Basektball nie aufgestellt worden, obwohl sie klar besser waren als die auf dem Feld. Und einer ist mal in der Schule zusammengeschlagen worden. Was macht der Rektor? Vertuscht es. Wärs andersrum gewesen, wäre der Freund geflogen.

Später gab es häufiger Mal Probleme beim Ausgehen. Du kommst in bestimmte Clubs nicht rein. In Göttingen zum Beispiel, da war so ein Laden. Da kam es vor, dass ich der ausschlaggebende Grund war, warum wir nicht reingekommen sind. Oder es hieß gleich: Ihr andern dürft alle rein, aber der nicht.

Aber mit zunehmenden Alter ist das besser geworden. Es kommt zwar immer mal wieder vor, in Berlin jetzt gar nicht, das letzte Mal war in Frankfurt, aber das kann genauso gut an meinen Klamotten gelegen haben. Normalerweise bin ich sowieso eher in Black Music-Läden, da ist das nicht so das Problem. Das wär auch komisch, wenn ich da nicht reinkommen würde (lacht).

SB: Gibt es für Dich hier No-Go-Areas?

Fabian: Ja, den Osten. Meine Mutter hat schon immer gesagt: Reise, wohin Du willst, aber bleib fern vom Osten (lacht). Ich hatte sogar schon Bedenken, nach Berlin zu ziehen, obwohl das hier ja unproblematisch ist. Aber selbst hier, ich meine, wenn mich einer nach Lichtenfeld einlädt oder wie heißt das Kaff…

SB: … Lichtenberg…

Fabian: …da geh ich auch nicht hin. Ich war noch nie da, ich weiß es also nicht aus erster Hand. Ich will“™s aber auch gar nicht wissen. Einmal bin ich von einer Mitfahrgelegenheit in Marzahn rausgelassen worden, und was da in die U-Bahn eingestiegen ist, unglaublich. So richtige Nazifamilien: Papa Skin, Mama Bomberjacke und asi, da hab ich mir dann auch gedacht: Okay, let“™s go (lacht).

SB: Und? Was passiert?

Fabian: Nö. Alles klar soweit.

77 Kommentare

  1. 01

    Für mich sind es trotzdem Negerküsse.

  2. 02
    heidrun

    wenn man hier schon mit allgemeiner diskriminierung (beispielsweise dicker) anfängt: man stelle sich mal vor, eine ebenso fette frau hätte den job von rainer callmund. oder ein schwarzer würde die tagesschau moderieren.na?

  3. 03
    Jan(TM)

    @#670526: Nun ja, mal ausführlich: Fremdbezeichungen halte ich für etwas ganz normales in Sprachen und einer mitteleuropäischen Sprache Eurozentrismus vorzuwerfen ist einfach nur lächerlich. Zumal wenn es zum Großteil von Leuten (aller Hautfarben) kommt die sich Afrikaketten um den Hals hängen, Black Communitys gründen und homophobe, engstirnige Rastas zum Ideal des Multikulturellen verklären. Ich erwarte von Leuten die mir etwas vorschreiben wollen – in dem Fall wie ich sie behandeln soll – ein gewisses Mass an Selbstreflexion und Selbstkritik, was ich im Augenblick vermisse. Und auch den Willen Verständnis zu zeigen für den guten Willen und die Verwirrung der Gegenseite. Also wenn jemand sich Mühe gibt und Farbiger sagt, statt Neger – dann darf ich dem nicht als Dank „and you call me colored“ Videos vor den Kopf klatschen.

  4. 04

    @Heidrun: Du kannst dir keinen schwarzen Tagesschaumoderator vorstellen? Es gibt doch eine Reihe nicht-weißer Moderatoren, dass da keiner die Tagesschau spricht, ist statistischer Zufall. Dass es keine dicke Frau bisher auf den Calmund-Posten gebracht hat, ist allerdings nicht so überraschend ;-)

    Wobei die Frage, ob dicke Frauen genauso Karriere machen wie dicke Männer schon spanned wäre. Ist hier aber OT.

  5. 05
    Frédéric Valin

    @Jan(TM): Einer mitteleuropäischen Sprache Eurozentrismus vorzuwerfen wäre in der Tat lächerlich, da bin ich d’accord. Mit dem Rest allerdings nicht (das haste Dir wahrscheinlich schon gedacht ;) ). Es macht nämlich keinen Sinn, fremdspachliche Bezeichnungen mit Fremdbezeichnungen gleichzusetzen: Wobei es doch tatsächlich geht, ist eine Art von Identität. Während beispielsweise die europäischen Nationalstaaten diese Identität sich mit in die Gründungsakten geschrieben haben (ja, so gut wie jede), gilt das für die „black community“ nicht, gar nicht. Schon gar nicht für den Begriff „Neger“, der ist (genau wie die Identität als „Schwarzer“) nämlich zugeschrieben. Da gab es zwar mal den Versuch von Senghor, die „négritude“ zu begründen und das positiv umzuwenden, und auch die Rastafaris haben da Ansätze, das war aber nie zielführend.

    Was Du da als Insignien einer Identität nennst (also die Afrikakette, Homophobie, Rastas etc), gilt ja wohl mal überhaupt nicht für die Gemeinschaft Dunkelhäutiger (die es ja, anders als zum Beispiel „Deutschland“, auch gar nicht gibt), sondern sind szenespezifisch. Diese Szenen sind meistens (zumindest hier) auch überhaupt nicht „schwarz“, werden aber ganz gerne so gelabelt.

    Die Fähigkeit zur Selbstkritik und zur Selbstreflexion kann zumindest ich in dem Interview mehr als deutlich herauslesen. Und ja, auch einen bestimmten Abstand zum Thema, was das Gespräch sehr angenehm gemacht hat.

  6. 06
    Ste

    „Neger“ ist und bleibt rassistisch, so wie Rosenkohl eklig ist und bleibt.

    Ich schlage den Begriff Fremdenhass oder Fremdenangst vor. Das Fremde, d.h. nicht nur der Schwarze, Gelbe, Grüne, sondern auch das Un-heim-liche, Fremdartige im allgemeinen stößt in spätmodernen Zeiten auf Abwehr und muss als Sündenbock für den Misserfolg, den Mängeln und Fehlern im eigenen Umfeld herhalten; der Leib ist nicht mehr bereit einen intelligenten Grenzverkehr des Fremden zu wagen, auch des eigenen Fremden.

    und so…

  7. 07
    Ste

    Aber reden wir wirklich noch über den „Schwarzen“? Medien und Politik fahren doch kein alt-kolonialistischen Diskurs mehr, sie zeichnen eher ein anderes „Feind-„Bild: Den bösen Araber. Und morgen sind es vielleicht die Chinesen. Dann werden die schief angeguckt und „Schlitzauge“ kursiert zwischen den Zeilen und Bildern. Es gibt verschiedene Arten von Fremdenfeindlichkeit; die Kassiererin ist sicher kein Nazi.

  8. 08
    Ste

    PS: Der „Schwarze“ wird uns doch nur noch als mitleiderregendes Subjektchen „verkauft“; überall die Werbe-Bilder von süßen Kindern aus dem Kongo, die Hilfe brauchen usw. usf.
    Also was cih irgendwie sagen will ist, man sollte noch weiter ausdifferenzieren und sich mit medialen Praktiken und aktuellen Entwicklungen auseinandersetzen.

    oder so…

  9. 09
    Bernd

    @#670439: Ich werfe es ja niemandem vor. Fuer mich war es immer vollkommen selbstverstaendlich, dass Leute die nicht schon seit 10 generationen in Mitteleuropa leben immer sagen werden, dass sie aus Afghanistan, Indien oder Ghana kommen. Die Integration in England begeistert mich aber immer wieder. Ohne die Kultur ihrer Vorfahren vollkommen aufzugeben. Ein gutes Beispiel dafuer ist Monty Panesar [http://en.wikipedia.org/wiki/Monty_Panesar]. Ein Cricket Spieler, der in England geliebt wird und dem man irgendwie anmerkt, dass seine Eltern Einwanderer sind, aber er ist durch und durch englisch…

  10. 10

    Interessant finde ich in dieser Kommentar Diskussion zu beobachten das dennoch kein Mensch hier weiß wie er Menschen mit anderer Hautfarbe ansprechen darf/kann ohne dabei einen bösen Blick oder sogar die Rassismus Plakette aufgeklebt zu bekommen.
    Wen wundert es dann das man seine Kinder zu mehr Diskretion bei Fragen heranzieht und die Kassiererin still den Kopf neigt und damit doch wieder das falsche macht (und wer weiß schon ob vielleicht nicht 10 Minuten vorher ein anderer im Laden war der sich durch Ihren Blick und Offenheit angegriffen oder diskriminiert gefühlt hat).

    Schlimm finde ich vielmehr das die Menschen und hier ganz vorne dran Eltern die es ihren Kindern weiter vermitteln nicht überall pauschal erstmal Menschen sehen können und individuell entscheiden ob sie den Menschen mögen oder nicht. Absolut unabhängig in welchem Land man lebt, welche Sprache man spricht, wie man aussieht etc.

    Gerade an diesem Interview kommt sehr schön zu Tage das selbst Menschen die sich im Alltag oftmals anecken fühlen mit ähnlicher Mentalität in den Alltag gehen (siehe in den Osten geht man nicht ;))….

    Aber nunja…selten ist heute noch jemand frei von Vorurteilen oder Verallgemeinerungen. Und vielleicht ist es deshalb auch umso wichtiger Fragen vorallem von Kindern objektiv und offen zu begegnen.

  11. 11
    danielj

    hm, ich nehme an meine Beiträge werden während der Übertragung in eine andere Sprache übersetzt oder zerstückelt (was mein Useragent gemeinerweise unterdrückt).
    Nochmal: daß ich meine Kinder dazu erziehe Diskretion zu wahren wenn sie *über* Anwesende sprechen ist nicht – ich wiederhole, NICHT – auf Menschen anderer Hautfarbe oder sonstwie offensichtlich anderer Nationalität begrenzt. Des bedeutet auch nicht daß ich die Fragen meiner Kinder nicht offen und soweit möglich objektiv beantworte.
    Ich wäre daher dankbar wenn auf die aus dieser falschen Schlussfolgerung resultierenden Unterstellungen verzichtet wird.
    Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

  12. 12

    @PinkPüppi: „Schlimm finde ich vielmehr das die Menschen und hier ganz vorne dran Eltern die es ihren Kindern weiter vermitteln nicht überall pauschal erstmal Menschen sehen können und individuell entscheiden ob sie den Menschen mögen oder nicht.“

    Das funtioniert eben nicht, weil der Mensch nicht so funktioniert und dass er so nicht funktioniert, hat ihm vielleicht das Überleben gerettet.

    Der Mensch entdeckt zunächst zufällig Ähnlichkeiten, und zu diesen Ähnlichkeiten fasst er Vertrauen. Alles was nicht ähnlich ist, löst Abwehrreflexe aus. Alles andere ist soziale Überformung.

    Ich zB hab einen schwarzen Vollbart. Wenn mich kleine Kinder von Freunden das erste Mal sehen, fangen sie an zu heulen und rennen weg, dabei bin ich so ein lieber. Ist das Rassismus? Kann die Mutter ihrerm Kind nicht vorher beibringen, dass Leute mit Vollbart genaus lieb sind wie solche die wie Papa glattgesichtig sind? Nein, kann sie ihm erst später beibringen, dabei müssen natürliche Reflexe sozial ausgebremst werden.

  13. 13
    Jeeves

    „Die Tante an der Kasse hat nen netten Schnack mit der Dame, die vor Dir abkassiert wird, und dann, wenn Du an der Reihe bist, kuckt sie Dich nur noch so an (schlägt die Augen nieder) und sagt: „žJa, einsfuffzig“, und schon biste abgefertigt.“

    Ist das nicht die Regel? …jedenfalls hab ich diesen Eindruck wenn ich in den Supermarkt gehe: dass manche Damen an der Kasse oder Käse/Fleisch-Abteilung sich ungern stören lassen beim Plausch. Da gleich (und dann jedesmal?!) Rassismus zu vermuten find ich doch weit hergeholt.

  14. 14
    Frédéric Valin

    Vielleicht sag ichs nochmal deutlich: Keiner hat je behauptet, dass die Kassiererin ein Nazi wäre. Und sowohl mir als auch Fabian ist durchaus klar, dass nicht jede Reaktion sofort Rassismus ist. Darum gings auch nicht. Und es ging auch nicht um einen statistisch relevanten Fall.

    Es gibt keine pauschale Rassismus-Vermutung, das nicht: aber die Frage steht eben für einen selbst im Raum, wann man als dunkelhäutig wahrgenommen wird, und wann nicht. Und derlei Fragen muß man häufiger als andere beantworten.

    Diese Ungleichbehandlung im Alltag, die finden sich auch in den obigen Links, kannst ja mal draufklicken. Oder hier draufklicken. Oder wie auch immer.

  15. 15

    @danielj: Um es mal aus der Kindersicht zu nehmen: Für das Kind ist es später nicht mehr relevant. So empfinde ich es als nicht verwerflich als Erwachsener dem Kind direkt wenn die Frage aufkommt dies auch in Anwesenheit des dritten zu beantworten. Evtl. tut dies der Dritte sogar auch selbst ;). Warum nicht dem Kind dann lieber offener begegnen und zu dem Menschen hingehen und ihn mit einbeziehen. Wartet man bis später ist es für das Kind (je nach Alter) nicht mehr mit dem gesehenen verknüpfbar und evtl. bleibt dann eher der Nachgeschmack das man viele Dinge nicht offen sagen oder fragen darf, und vielleicht ist das der falsche Weg.

    Damit will ich nicht deine Erziehung angreifen, aber es ist meine Ansicht und deckt sich auch mit meinen Beobachtungen.

    @Jörg Friedrich: Ja…ich geb dir Recht leider funktioniert es nicht, aber schade ist es oftmals dennoch.

  16. 16
    danielj

    @PinkPüppi: ich sagte diskret, nicht später.

  17. 17
    Ste

    Vielleicht reden wir aber auch immer schon vom Narzißmus:
    „ž
    Es gibt weder den Narzißmus noch den Nicht-Narzißmus; es gibt mehr oder weniger verständnisvolle freigiebige, offene und ausgedehnte Narzissmen, und was man als Nicht-Narzißmus bezeichnet, ist nur die Ökonomie eines viel einladenden und gastfreundlicheren Narzißmus, der offen gegenüber Erfahrung des Anderen als Anderen ist. Ich glaube, ohne die Bewegung der narzistischen Wiederaneignung wäre die Beziehung zum anderen zerstört, sie wäre von vorneherein zerstört. Die Beziehung zum anderen muß, selbst wenn sie asymmetrisch bleibt, offen und ohne mögliche Wiederaneignung, eine Bewegung der Wiederaneignung in das Selbstbildnis skizzieren, damit Liebe möglich ist. Liebe ist narzisstisch.“ (J. Derrida: Auslassungspunkte, Wien 1998)

  18. 18

    @danielj: Das macht für meine Ausführung und Meinung keinen Unterschied. Auch wenn ich deine Unterscheidung wohl verstanden habe ;)

  19. 19
    danielj

    @PinkPüppi
    Naja, da Du Dich explizit darauf beziehst daß es für das Kind später nicht mehr relevant ist – und da stimme ich Dir zu – macht das IMO sogar einen gewaltigen Unterschied. Vielleicht nicht für Deine Meinung, wohl aber für Deine Ausführung.

  20. 20

    Ich denke das Anstarren oder „Andres bahndeln“ ist hier eher auf das „Anders aussehen“ zurückzuführen und weniger auf die Tatsache, dass Fabian eine dunklere Hautfarbe hat. Naja, ist doch auch verständlich, dass Menschen genauer hinschauen bei etwas, dass sie weniger kennen. Ungleichbehandlung sei damit nicht gerechtfertigt.
    Ich frage mich, wie das in den „neuen europäischen Mitgliedsstaaten“ ist. Von dem was ich gehört habe, reist es sich dort nicht wirklich angenehm für einen Afrikaner. Schade, und das alles wegen ein paar weniger Menschen, die Angst vor dem Fremden haben, statt ihm voller Vorfreude entgegen zu blicken.

  21. 21

    Super Artikel, regt mich doch sehr zum Nachdenken an. Die Frage ist, kann man sich bei der einen oder anderen Reaktion auch selbst ertappen? Ist es nicht schon Alltagsrassismus, wenn man sich in manchen Situationen unsicher fühlt und nicht direkt weiß, wie man reagieren sollte? Super Artikel für so ein heißes Eisen.

  22. 22
  23. 23

    Wie es wirklich mit dem Rassismus in Deutschland steht zeigen einige Kommentare zu diesem Beitrag auf eine ganz eindeutige Weise. Ich hatte die Leserschaft von Spreeblick ein bisschen un-betonköpfiger in Erinnerung

  24. 24

    Auch wenn der Beitrag schon so alt ist, ein kurzes Statement von mir: Wenngleich ich mich als Ossi ein wenig stigmatisiert fühle, wenn Fabian um uns lieber einen Bogen macht, kann ich ihn auch verstehen. Ich bin selbst schwarz und erfahre hier in der Möchtegern-Metropole Leipzig jeden Tag die allerübelste Ablehnung.

    Die Menschen wechseln die Straßenseite, machen an der Ampel noch drei Schritte weiter weg von mir, Frauen laufen (egal zu welcher Tageszeit) wahlweise schneller oder langsamer, sobald sie mich erblicken, sie halten die Handtaschen fest. Bei Saturn stürzt der Wachmann grundsätzlich in meine Richtung, wenn ich zum Ausgang gehe, bei Kontrollen (abseits der Grenze!!) werde ich bei Zugkontrollen immer rausgezogen, die Menschen sagen mir ungefragt ins Gesicht, dass Asylanten zu viel Geld bekommen, in der Straßenbahn halten die Leute ihre Wertsachen fest, Frauen blockieren den Sitz neben sich, Männer setzen sich extra breit hin, der Platz neben mir bleibt fast immer frei, wenn den Leuten etwas an mir etwas missfällt, sagen sie mir, dass ich mich bei ihnen in Deutschland so und so zu verhalten und ihre deutschen Regeln zu befolgen haben, nicht mal Nebenjobs kriege ich, Promoter meiden mich (und Weiße, die mich begleiten) grundsätzlich.

    Aus Berlin, Frankfurt/Main, Darmstadt und sogar Passau kenne ich das nicht.

  25. 25
    Olga

    Mit der Zeit fängt man an über sowas hinwegzusehen, irgendwie nicht wahrzunehmen. Ich hoffe nur, dass ich nicht irgendwann mir das auch aneigne, diese unterschwellig feindsellige Einstellung, andersartigen gegenüber. An vielen meiner Landsleute hatte ich das bereits festgestellt. Es scheint sehr ansteckend zu sein. Ein Beispiel. Ich und mein Freund (deutscher) warten in der Kneipe auf den Rest von der Klique. Sie kommen rein, dabei sind noch zwei Arbeitskolleginnen von der einen aus unserer Klique, die wir noch nicht kennen. Man begrüßt sich gegenseitig und stellt sich vor. Die Reaktion der zwei neuen: zuerst lächeln sie mich freundlich an und schütteln meine Hand, als sie aber meinen Namen hören, ändert sich der Gesichtsausdruck schlagartig von freundlich-interessiert auf verächtlich-distanziert, die Hand wird weggezogen man dreht mir schnell den Rücken zu. Nur eine Kleinigkeit, nichts besoneres, schon tausendmal erlebt. Klar sind das dumme Puten, die es nicht wert sind, sich auf sie einzulassen. Wieso ärgere ich mich dann trotzdem? Verdammte Scheiße.

  26. 26

    @Olga: Echt, Olga, du schaust über so was mit der Zeit hinweg? Wie oft musst du so was durchmachen?

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