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Parken

Jeder, der Berlin kennt, wird bestätigen, dass man in Berlin verglichen mit anderen Metropolen unfassbar gut Auto fahren kann. In Ankara ist die Teilnahme am Straßenverkehr eine Mutprobe, in Paris etwas für Menschen, die gut in zwölf Richtungen gleichzeitig schauen können, in London müsste man vorher seine Gehirnhälften auswechseln und in New York gibt es keinen privaten Autoverkehr.

In Berlin, das größtenteils für Panzerverkehr ausgelegt wurde, gehört die Straße nachts mir allein, es ist wie mit dem Fahrrad durch die Wüste fahren (eine angenehm temperierte Wüste mit Dönerverkäufern am Dünenrand). Allein: Hinter das Fahren haben die Götter die Parkplatzsuche gesetzt. Jedoch, Überraschung! Auch die ist gemütlich in Berlin. Es gibt zwar ein ungünstiges Auto-Parkplatz-Verhältnis, da die Hälfte aller Berliner sich jedoch zu jeder erdenklichen Zeit bei ihren Eltern in Süddeutschland aufhält, um sich von ihnen aushalten zu lassen, wirkt sich dieses Verhältnis nicht auf die Nerven aus. Schwierig ist nur, sein Auto nach dem Abstellen an der richtigen Stelle wiederzufinden.

In Berlin gibt es die Sitte, Verkehrsschilder nach nicht weiter durchschaubaren Regeln einfach so irgendwo hinzustellen. Runzelige Berliner Ureinwohner in kleidsamen Uniformen springen hinter brennenden Mülltonnen hervor und errichten Parkverbotschilder, wo vorher blühende Parklandschaften waren. Umzüge (Berliner ziehen häufig von Kreuzberg nach Friedrichshain – „Ist mehr los“ oder von Friedrichshain nach Kreuzberg „Ich kann keine Tätowierungen mehr sehen“) oder Umzüge (Kreuzberger lassen sich gerne vom Senat dafür bezahlen, dass sie Touristen unter der Behauptung, sie veranstalteten ein multikulturelles Straßenfest, nach Kreuzberg locken, um sich dann vom Straßenrand aus davon zu überzeugen, dass die thüringische Kultur ebensowenig wie die pfälzische mit der diesjährigen Kreuzberger Mode – frühe Claudia Roth mit einem Schuss Pippi Langstrumpf – mithalten kann) werden in den Stunden vor diesen Ereignissen durch diese Schilder annonciert. Mit schrecklichen Folgen.
Beobachtet man sein Auto nicht wie eine Prenzlauer 42jährige ihren erstgeborenen Säugling, wird man umgesetzt, ruft empört die Polizei an und bekommt den Ort des Autoverstecks genannt. Dieses Spiel kostet 150 Euro und wird lustiger, je öfter man daran teilnimmt, aus der Empörung wird erst Nöligkeit, dann Teilnahmslosigkeit und am Ende sagt man zu sich selbst mit rheinischem Akzent: „Ick habbet doch jesagt, du Blötschkopp.“
Dann ist man Berliner.

18 Kommentare

  1. 01
    susan

    jede zelle meines körpers ist glücklich. nanananaaaana…
    haste mal nen bild von der frühen cloodia? :-)

  2. 02
    jochen

    oder filmaufnahmen. gerne innerhalb des 3-woechigen urlaubs angekuendigt UND abgedreht. hinterher sieht alles wie vorher aus, nur ohne das eigene auto.

  3. 03

    @jochen:

    innerhalb von drei wochen urlaub wird der wagen so häufig umgestellt, dass er theoretisch sogar wieder auf demselben platz stehen kann

  4. 04
    susan

    Weiß jemand, wo es im Netz Bilder von Claudia Roth gibt, die sie zeigen, als sie jung war? Autorisiert natürlich!

  5. 05
    jochen

    @ malte: wenn es denn aber auch wie ein wiederholungsfehler im deutschdiktat nur einmal angerechnet werden wuerde, dann waere es ein klasse experiment um den praktischen nachweis dafuer zu erbringen.
    @ susan: was’n das fuern fetisch?

  6. 06
    susan

    @jochen: nix fetisch! interessiert mich wirklich!

  7. 07
    jochen

    @ susan: na wenn das so ist, dann such doch an stellen im netz die erfolgsversprechender sind. also suchmaschinen z.b., da wuerde ich mal mit anfangen. weisst der begriff selbst quasi schon drauf hin.

  8. 08

    suchmaschinen sind oft super, aber habe da auch nix gefunden

  9. 09
    susan

    wenn malte weiß, wie die frühe claudia roth ausgesehen hat, dann weiß er vielleicht auch einen link. ich such doch jetzt nicht ne stunde herum!

    @jochen:

    jochen – du bist frech!

    aber mit erfolgsversprechenden suchmaschinen hast du den vogel abgeschossen! :-)

    edit: to malte: o.k., danke!

  10. 10
    Meph

    noch einfacher:
    http://www.claudia-roth.de/29043.0.html

    oder in ihrer Autobiographie gucken, da gibts in der Mitte ganz viele, ganz schreckliche Bilder (dass ich das weiß, zeigt, WIE hart ich mein Geld verdiene…)

  11. 11
    susan

    @Meph: danke meph!

  12. 12

    einfach nur Danke!

  13. 13
    jochen

    okay susan, ich gebe mich kleinlaut und zu dass es wirklich nicht so einfach ist bilder zu finden wenn man die hp von frau roth mal ausnimmt.

  14. 14
    susan

    @jochen: eben, aktuell kann jeder. aber ältere bilder…

    :-)

  15. 15
    Elblette

    Wie es die Berliner schaffen, total hässliche, unmodische und unkleidsame Gegenstände zum ultimativ coolsten Ding seit geschnitten Brot zu definieren, ist mir ein steter Quell der Faszination. Das gilt sogar für Kinderwagen: mit den in Berlin benutzten 80er Jahre (sehen auch aus wie die frühe Claudia Roth) Karren würde sich KEIN Hamburger auf die Straße trauen.
    Was das Parken angeht: Wenn man in der Dauerfilmkulisse St. Pauli wohnt, dann ist die Kiste auch schneller weg, als man Bugaboo sagen kann. Einmal kurz die Gucci-Sonnenbrille um die Alster getragen, und schon hat Studio Hamburg wieder zugeschlagen…

  16. 16
  17. 17
    henker

    man ist das billig in berlin, in aachen ist man ab 270 tacken dabei. berlin verhält sich beim parken konträr zu köln-sülz (prenzlauer berg von köln) da sucht man abends gerne ne stunde für nen stellplatz, am ende parkt man da, wo man voe 9 das auto wegstellen muss

  18. 18
    fischyou

    ich bin für griechenland: this is Joy Divisions'“Decades“ in greek:
    http://www.youtube.com/watch?v=sw6SLWpka3s

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