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Kabadu und Kabadada

„Mach doch auch mal was lustiges“, meinte Johnny, „nicht immer hier Politik und Kunst und so. Ich mach jetzt Feierabend.“ Ja, ne, was lustiges. Gut. Vielleicht mal an der Zeit, auf Kabadu und Kabadada hinzuweisen. Das sind Kabarettportale. Kabarett ist ja eher schwierig. Vor allem, seit aufmerksamkeitsgestörte und testosteronspritzende Mitdreißiger, deren Tourette-Syndrom als unheilbar gilt, ersatzweise von ihren Psychologen auf Bühnen mit Kameras davor geschickt werden.

Oder seit Kleinkunst von württembergischen Arbeitslosenberaterinnen frühberenteten Waldorf-Sozialkundelehrern als Zweitkarriere empfohlen wird, die Marx per Eurythmie zu kommentieren für erstens witzig, zweitens moralisch und drittens originell halten. Und angesichts der ganzen billigen Ost/West-Witze ist man gehalten, die Wiedervereinigung für das Stalingrad des Humors zu halten. Ausnahmen gibts auf den Portalen auch, glücklicherweise, nach zwei Stunden hab ich das jetzt überprüfen können: Ludwig Müller beispielsweise, der Österreicher ist, und deswegen nicht von Norddeutschen geklickt werden sollte, oder Marc-Uwe Kling. Vielleicht gibts noch ein paar mehr, ich hatte nicht den Mut, auf Ensemble Weltkritik oder Universität Salzburg (Programm: Die Forschung – uns wäre anders lieber (Folge 1)) zu klicken.

Kabadu ist mir da schon viel sympathischer, sind auch weniger Leute drauf. Da schwachsinniger Inhalt bei so gemeinschaftlichen Seiten bei zunehmender Mitgliederzahl exponentiell wächst, ist die Wahrscheinlichkeit also größer, zufällig auf (ha!) unfassbar gute Sachen zu stoßen: sowas hier. Ansonsten besteht Kabadu zu 50% aus den Mitschnitten einer Veranstaltung, die in irgendeiner Universität stattzufinden scheint oder in einem katholischen Begegnungszentrum. Auch an solchen Orten kann es lustig zugehen, die Videos allerdings sind zur Untermauerung dieser Behauptung ungeeignet.

Auch da hab ich mir nicht alles angesehen, insbesondere nicht Künstler, die als Profilbild einen Smiley gesetzt haben. Wer also noch ein paar mehr Tips hat, immer gerne. Sollte ich allerdings noch einen verfehlten Kalauer hören oder einen Satz, der mit „Übrigens bin ich seit zwei Monaten wieder solo…“ oder „Meine Freundin hat letztens gesagt…“ beginnt, bricht in Berlin bald der nächste Großbrand aus.

[via]

6 Kommentare

  1. 01

    kling regelt! den gibts auch auf fritz radio, „neues vom känguruh“

  2. 02

    … sry doppelpost

  3. 03

    meine freundin hat letztens gesagt, Du sollst nicht soviel im internet rumhängen, sondern lieber mal ins zebrano gehen, sebastian krämer (http://sebastiankraemer.de) und/oder marco tschirpke (http://www.aufstehentchen.de/) kucken. und zwar mit mir, weil, ich bin seit zwei monaten wieder solo.

    (huch – hab ich das wirklich gesagt?)

  4. 04
    martin

    der kling hatte auch bei pispers (glaube anfang des jahres) einen richtig genialen auftritt.
    das publikum war irgendwas zwischen bestürzt und amüsiert aber mehr von dem ersten.

  5. 05

    Lachnummer08 – erster Online-Wettbewerb für Kabarett und Satire – nur die Zuschauer entscheiden !

    Die erste an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) entwickelte Internet-Video-Plattform für professionelles Kabarett und Nachwuchskünstler aus Kabarett, Comedy und Satire startet ab dem 3. November einen deutschlandweiten Wettbewerb: Gesucht wird die „žLachnummer08“, d.h. der beste, witzigste, originellste Video-Auftritt auf http://www.kabadu.de aus den Genres Kabarett, Comedy, Poetry, Witz oder Satire. Erfahrung oder Präsenz auf einer Bühne sind ebenso wenig Bedingung wie die möglichst professionelle Videobearbeitung. Der Spaßfaktor zählt, und die kabadu-Nutzer stimmen per Online-Voting darüber ab.
    Der oder die Teilnehmer können vom 3. bis 30.November 2008 ein vorhandenes Video von sich auf http://www.kabadu.de hochladen oder ihren Beitrag direkt mittels Webcam am eigenen Computer aufnehmen und auf der Website veröffentlichen. Mit insgesamt 3000 Euro werden die 3 bestbewerteten Beiträge prämiert (1500 Euro für Platz 1, 1000 Euro für Platz 2 und 500 Euro für Platz 3). Alle Nutzer, die abstimmen, haben die Möglichkeit CDs/DVDs und Tickets für Veranstaltungen zu gewinnen.
    Die Webportale kabadada.de (für professionelle Kabarettkünstler) und kabadu.de (für Künstler angrenzender Genres wie Comedy und Poetry) wurden von der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) im Rahmen des EU-Projekts „žCITIZEN MEDIA“ (www.ist-citizenmedia.org) realisiert. Die zugrunde liegenden Technologien wurden an der KHM in Kooperation mit Projektpartnern wie dem Fraunhofer Institut (IAIS), St. Augustin und NetCologne, Köln realisiert. Die Benutzung des Portals ist für alle Künstler, egal ob Profi oder Nachwuchs, kostenlos.

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