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Der Groschen fällt.

Wie schön: Die Zeit hat vier Groschenroman-Autoren besucht, und plötzlich ahne ich wieder, wie einfach schreiben sein kann. Könnte. Wie auch immer:

Oft ist das Titelblatt des Romans schon fertig, bevor sie zu schreiben anfängt. „Dann weiß ich schon mal die Haarfarbe der Hauptfiguren.“

[via]

12 Kommentare

  1. 01

    Frédéric Valin, erfolgreicher Autor bei einem angesagten berliner Alphablog, erhält unter einem seiner Artikel einen überraschenden Kommentar. In diesem spricht der Kommentator verklausuliert die überbordende Trivialität mancher Phrasen an und äußert seine Überraschung über die Notwendigkeit von Happy Ends. Als Houllebecq damals anfing, seine von lauwarmen Sexualfantasien und halbgarer Philosophie durchzogenen Mauschelgeschichten als Hardcover zu verkaufen, fand er doch Käufer in allen Altersschichten. Nun soll sowas in Heftform nicht möglich sein. Ist das Image des der Mediennutzung nachgesagten Eskapismus vielleicht gar nicht so schlecht ?

    Am selben Tag sorgt ein Artikel in der ZEIT für Belustigung. Frédéric wird den Verdacht nicht los, dass hier einiges rekursiv wird.

  2. 02

    Na, dann mach mal. Ich gebe mal vor:

    Titelbild
    – Arbeitstitel: Die geheimnisvolle Frau aus Senzhuan
    – Seitenanzahl: 35
    – Genre: Romantischer Kurzthriller
    – Abgabetermin verhandelbar
    – Honorar: Veroeffentlichung im Spreeblick Verlag? Geht das OK, Johnny?

  3. 03

    @Armin: Ich mach jeden Unfug mit, na klar. Das Cover braucht mehr Decolleté und es sollten schon 40 Seiten sein, der Rest klingt aber okay.

    Und ich behaupte: Keiner schafft gute Pulp Fiction aus dem Stand. Das ist wie mit den gehassten simplen Sommerhits: Eine Kunst für sich, die als solche aber nicht akzeptiert ist. Wer meint, das sei leicht: Mach‘ doch! ;)

    (Anmerkung: Habe den ZEIT-Artikel noch nicht gelesen.)

  4. 04
    Frédéric Valin

    Au ja, das mach ich mal. Wenn ich mal ein bisschen Zeit hab, schreib ich nen Groschenroman. Das wird groß-art-ig.

    („Ihr blondes Haar wehte im Wind“ summsumm)

  5. 05
    rio

    …und als dann noch Henning, der Handwerker von nebenan, ihr seinen ganz großen Hammer lieh, war ihr, als ob die Welt aus ihren Angeln gehoben wurde – zuletzt erlebte sie einen solchen Tsunami-der stürmischen-Gefühle über sie hineinbrechen, als Lady Di in all ihrer Tragik sterben musste und Elton John „Candle in the Wind“ in all seiner Traurigkeit sang – Ach Henning! Was wär das alles schön, wenn ich jetzt noch an Verhütung gedacht hätte!

    ^^ungefähr so?

  6. 06
    Frédéric Valin

    @rio: rio, in Dir steckt ja ein ganz Großer! Der Musil der Groschenromane!

  7. 07
    rio

    @Frédéric Valin:
    danke, danke, wo kann ich unterschreiben?

    Und noch eine Zugabe, gewidmet der deutschen Nationalmannschaft: (Tipp: 3:1)

    …doch plötzlich kam von den Beiden unbemerkt Stephanie, das Hausmädchen ins Zimmer – Stephanie erstarrte – IHR Henning mit dieser arroganten Gräfin? Was würde sie nur ihren querschnittsgelähmten Kindern erzählen? Und ihrer eigenen Affäre? Sogleich brach sie auf die Lieblingshunde der Herrin zu vergiften, den Garten mit den wunderschönen Narzissen anzuzünden und schwang sich gemeinsam mit dem Stalljungen Klaus (ihre zweite Wahl auf dem Schützenfest) auf den schwarzen Rappen, verband ihm die Augen mit ihrem Schal und einem gehauchten „Überraschung…“ auf den blutroten Lippen und stürzte sich heroisch und ihrer verblassten Liebe gedenkend, lemminggleich ins tiefe Tal…

  8. 08
    Frédéric Valin

    Da fällt mir Karla im Koma wieder ein…

  9. 09
    rio

    @frederic

    lustige idee, danke für den link! und wie ja schon festgestellt wurde: pulp fiction schreiben – gar nicht schwer! rosamunde pilcher macht ja auch ein vermögen damit, als wenns mit dem blog mal nicht mehr so läuft – genügend ideen werden sich hier schon finden!

  10. 10

    Ich versuch mich dann mal am Anfang, frei nach Edward Bulwer-Lytton:

    Es war eine dunkle und stuermische Nacht, der Regen fiel in Stroemen, unterbrochen von kurzen Pausen, wenn er von abrupten Windboeen unterbrechen wurde die die Strassen entlangfegten (denn es ist Berlin wo unsere Geschichte spielt), die Haeusergiebel schuettelnd, und wuetend gegen die matten Flammen der Beleuchtung angehend die gegen die Dunkelheit kaempften.

  11. 11
    Frédéric Valin

    (…)

    Candy war ihr blondes Haar zur Seite und schaute verträumt in die vorbeiziehenden Wolken. Während in der Ferne Blitze einschlugen, seufzte sie leise: „Klopstock.“

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