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Deutsch. New and improved.

Gerade zum Beispiel habe ich in einer Mail die Worte Chefredakteursrückblende und Wandbemalungstendenzen geschrieben und wenn ich sie jetzt google, dann weiß ich, dass ich null Treffer dafür bekomme. Und morgen einen. (Das ist übrigens der Unterschied zwischen urdeutschen Wortungetümen und Wortspielen – Ungetüme haben eine höhere Originalitätswahrscheinlichkeit. Wortspiele dagegen kann man im Grunde nicht erfinden.

Fällt mir ein gutes ein, google ich es, um dann festzustellen, dass ich es nicht verwenden kann, weil die Mutter von Ingolf Lück es schon benutzt hat, um russischen Besatzungssoldaten das Abendessen zu verderben. Fällt mir ein sehr gutes ein, verzichte ich auf die Google-Probe, um es weiterhin benutzen zu können. Fiele mir ein schlechtes wie „Die Welt ist eine Google“ ein, würde ich übrigens den Mantel des Schweigens darüber ausbreiten, aber das sei Peter Glaser überlassen).
Wo war ich? Achja: Deutsch. Im Grunde unerlernbar. Man sagt ja immer Ausländern: „Oh. Du sprichst aber gut deutsch.“ Meint aber: „Am besten, du gehst zurück. Hier wirst du immer jemand sein, der `Gib mich bitte den Milch´ sagen wird. Und selbst mit einem wahnsinnig ausgeprägten Sprachgefühl wirst du niemals die Schönheit einer endlosen Hypotaxe erleben oder gar – ein Wortungetüm bilden.“
Denn das unfallfreie Zeugen von Wortungetümen, das ist deutscher als Elfmeterschießen.
Ich möchte mir, da ich dies schreibe, ein Hitlerbärtchen ankleben und eine Wortungetümsbegeisterungsparade zur Siegessäule führen.
Die zeitgemäßere Sprache ist selbstverständlich Englisch. Und damit meine ich natürlich nicht den Inseldialekt, ich meine : Amerikanisch.
Man sollte so viele amerikanische Sätze wie irgend möglich ins Deutsche aufnehmen, viel mehr als bisher, sagen wir mal 80.000 Formulierungen und diese dann nach und nach mit Wortungetümen aufhübschen. Es gibt übrigens, nebenbei bemerkt, keine amerikanische Sitcom, die nicht ab und an deutsche Brocken verwendet. Deutsch ist einfach auch: unglaublich putzig und kaiserwilhelmig. Dann könnte man Sätze sagen wie „Fair enough, Weltpokalgewinnerbesiegertrikotanzieher.“ Oder „Big Deal so ein Wortspielerstanwenderanspruch.“
Und um Himmels Willen meine ich damit nicht diese Sprache, die diese grässliche – nunja – Komikerin verwendet, dieses Denglisch. Ich bin da wie der Kunde einer Werbeagentur. Ich möchte es einfach supergeil haben. Ich möchte genauestens herauspräpariert das Schönste dieser beiden Sprachen vereinen. Damit unsere Kinder eine Alternative zum Chinesischen haben.

26 Kommentare

  1. 01

    Ich finde Bubendeutsch recht schön und Mädchendeutsch, sehr schön auch der Originalton aus dem Mund unserer kroatischen Nachbarin, die sich über die verhasste polnische Brut aufregt, die über ihr wohnt:
    „Wo hast du deutsch gelernt, he!!? Bei Schäferhund?!?“

  2. 02
    Peter H aus B

    Ich empfehle dir die Lektütre von Harald Müllers „Totenfloß“ (1986). Besser kann man einen deutsch Globalspeak gar nicht haben.. Rotzandkotz.. der bigste Checker aller Zeiten..

  3. 03

    Mark Twain sagte einmal:

    Some German words are so long that they have a perspective.

    Er war sowieso ein großer Fan der deutschen Sprache:

    A person who has not studied German can form no idea of what a perplexing language it is. Surely there is not another language that is so slipshod and systemless, and so slippery and elusive to the grasp.

    I don’t believe there is anything in the whole earth that you can’t learn in Berlin except the German language.

  4. 04

    Nicht zu vergessen:

    [„¦] it ought to be gently and reverently set aside among the dead languages, for only the dead have time to learn it.

  5. 05

    „¦ kaiserwilhelmig „¦ mensch, det zerfließt jetze aber ooch uff de Zunge!

  6. 06
    Hr.Lohmann

    Ich habe die deutsche Sprache in meiner Jugend eher langweilig gefunden, wie meinen Namen. Inzwischen find‘ ich beides sehr akzeptabel, ja grandios.

  7. 07
    derwodasospassmacht

    Super Artikel! Echt.

    Dakönntersodedaumedabeihochmache.

  8. 08
    Maltefan

    Ich möchte mir, da ich dies schreibe, ein Hitlerbärtchen ankleben und eine Wortungetümsbegeisterungsparade zur Siegessäule führen.

    FTW, um diese schöne Abkürzung auch mal anzubringen!

    Ansonsten: ROFL

  9. 09
    bunki

    kaiserwilhelmig klingt eben besser als paulhindenburgisch oder helmutkohlisch. Obwohl?

  10. 10
    Simon Pfirsich

    Solls mal lieber kaiserwilhelmig oder helmutkohlisch (s.o.) klingen, als irgendwie neudeutschamerikanischmischimaschi… das würd ich dann eher… angelamerkelig nennen. Und das wiederum reimt sich fast auf eklig.

  11. 11

    Feststelltastenlicht. Selbst im IT-Jargon klingt Deutsch super.

  12. 12
    Jan(TM)

    Jetzt machen se mal keene Fisimatenten.

  13. 13

    Donaudampfschifffahrtsreedereikapitaensmuetzenbandnahtfarbauswahlproblemloesungskapazitaeten.

  14. 14

    neulich habe ich mal hier in England das Wort „Hausarrest „gebraucht – das wurde erheitert mit der Bemerkung „that sounds very Gestapo“ kommentiert. Soviel zu kaiserwilhelmig :)

  15. 15
  16. 16

    @Malte Welding: Nee, das heisst jetzt ASBO

  17. 17
    heidrun

    wobei mir jetzt gerade zu dieser abkürzung asbo warumauchimmer der schöne ausdruck „public display of affection“ einfiel, der könnte auch in deutsch nicht besser sein!

  18. 18

    Und in welcher anderen Sprache könnte es so etwas tolles wie ein Plüschtierpflegehinweiszettelchen geben :-)

  19. 19

    @Krümel:

    oh gott. das ist mein neues lieblingswort. so werde ich meine kinder nennen.

  20. 20

    @Krümel:

    Fluffy toy care instruction label.

    @Malte Welding:

    Hoert sich jetzt fast so gut an wie „Fifi Trixiebelle“ oder „Talula does the Hula from Hawaii“.

  21. 21
    heidrun

    mein vater meinte immer, wenn er noch eine tochter haben sollte, sollte die behandla heissen. das beste deutsch ist doch das aus dem ikea-katalog…

  22. 22

    Super Artikel….kriegst die Goldmedallie!!! oder zählt doch nur der olympische Gedanke?
    Lieben Gruß

  23. 23
    Daring Sandala

    @Simon Pfirsich:

    Bei „angelamerkelig“ habe ich nun im ersten Moment doch glatt „angloamerikanisch“ lesen wollen.

  24. 24
    Till

    Der beste Artikeleinstieg, den ich jemals gelesen habe.

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