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Passiert

Keine neue DE:BUG, keine neue GEE, keine neue brand eins – ich kann nicht wirklich lange fort gewesen sein.

Seit jeher ist der erste Besuch eines gut sortierten Zeitschriftenhandels nach einer Reise mein persönlicher Indikator für das tatsächliche Zurücksein, so viel liebevoller als die ungeöffnete Post oder der nicht endenwollende Download der Mails umarmt mich der mit neuen Bildern und Überschriften gefüllte Fachhandel für Alltagsliteratur im Zuhause. Denn während der Kommunikationshaufen der vergangenen Tage vorwurfsvoll deutlich macht, dass hier während meiner Abwesenheit eine parallele Vergangenheit stattgefunden hat, die zwar auch ohne mich ganz gut klargekommen ist, deshalb aber noch lange nicht auf meine posthume Aufmerksamkeit verzichten wird, gibt sich die Weltpresse gelassener und scheint zu sagen: „Na klar, als du weg warst, ist auch was passiert, aber das ist ja nun vorbei, steigen wir also einfach im Hier und Jetzt direkt wieder ein. Setz‘ dich. Nimm dir’n Keks.“

Ich war nur drei Wochen weg und bin trotzdem ein Jahr älter. Ich mag das Zurückkommen nach dem Weggewesensein, selten spürt man deutlicher, wie wunderbar unwichtig die eigene Anwesenheit für das Passieren von Dingen ist (die unzähligen in Urlaubszeiten verstorbenen Pflanzen der Welt mögen diesen in ihren Ohren sicher höhnisch klingenden Satz bitte entschuldigen), und je bewusster man diese Unwichtigkeit spürt, desto mehr Entspannung kann man von einer wohltuenden Reise in den Alltag retten.

Als es noch regelmäßig vorkam, dass ich mich für mehrere Monate am Stück außer Landes befand (alles legal!), konnte ich mir nach der Rückkehr Teile meines vergangenen Parallel-Daseins durch das schlichte Öffnen von Briefumschlägen wie ein Theaterstück in mehreren Aktenzeichen vorführen lassen: Sie haben falsch geparkt, zahlen Sie jetzt; nun zahlen sie aber wirklich mal, sonst; wenn sie jetzt nicht zahlen, wird das alles sehr böse enden; wir machen sie fertig; na gut, wenn Sie sich so gar nicht melden, wir können auch anders; wir haben das Verfahren eingestellt.

Es war also alles passiert und ich musste dafür nicht einmal zugegen sein. Eine Erkenntnis, die mich zeitweilig zu der Frage verleitete, ob es mein Leben nicht vielleicht bedeutend leichter hätte, wenn ich nicht dauernd dabei wäre. Zumal Pflanzen in meiner Abwesenheit nicht schneller eingehen können als wenn ich sie direkt daneben stehend übersehe.

Auch die Winzigkeit, die bestimmte Dinge, die einem gerade eben noch so massiv vorgekommen sind, aus der Ferne betrachtet plötzlich aufweisen, ist ein guter Grund für regelmäßiges Wegsein, denn nach der Rückkehr wird bewusst: Die sind ja so winzig, dass man sie auch sein lassen kann. Wenn man sie nicht größer macht.

Spreeblick hat in den letzten Wochen auch als passiver Leser mit lahmer Internet-Anbindung und ausschließlich auf dem iPhone viel Spaß gemacht, und auch dies trotz oder gerade wegen meiner Abwesenheit. Womit man zu dem Schluss kommen könnte, dass ich gleich wieder abreisen sollte. Aber die Pflanzen.

Also: Mails runterladen und löschen sortieren, alle Software-Updates installieren, Backups machen, Pflanzen gießen (ach was, es hat ja geregnet) und schauen, was die Welt, in der plötzlich wieder Medien existieren, zu bieten hat. Und wenn das nicht genügt: Gleich wieder weg.

Es passiert ja trotzdem alles.

15 Kommentare

  1. 01
    bunki

    „Eine Erkenntnis, die mich zeitweilig zu der Frage verleitete, ob es mein Leben nicht vielleicht bedeutend leichter hätte, wenn ich nicht dauernd dabei wäre.“

    Schön gesagt!

  2. 02

    Willkommen in der Realität, und alles gute zum Geburtstag nachträglich!

    Die Zeit ist wie ein Blumentopf, auch wenn er leer ist, füllt er sich, und wenn es nur Staub ist.

    Welcome back…

  3. 03
    Ohrenschmauß

    Endlich wieder wahrer Premium-Content!

  4. 04

    welcome back. wo warst du/wart ihr eigentlich? erzähl mal.

  5. 05

    @jens: Ach, da gibt’s nicht viel zu erzählen. Dänemark: Viel Regen. Aber toller Regen! ;)

  6. 06

    Cool, das ist auch meine Zeitschriften-Abo-Konstellation. Nur das bei dann in dem Bereich noch die c´t und die games tm (uk version) dazukommt.

  7. 07
    schreibvieh

    Wie, Du warst weg?

  8. 08

    Oh. Schön. Schön!

  9. 09

    Geez – ich wusste gar nicht, dass es von DE:Bug eine Print gibt. Das Online-Mag lese ich regelmäßig.
    Mein letztes Print-Mag: c’t

  10. 10
    Stephan

    Glückwunsch nachträglich.
    Was’n Job! gratuliere. Urlaub ist für mich klasse, aber ich komm nie gern zurück, es könnte immer noch ’ne Woche mehr sein. Die Frau an der Kasse, der Verwaltungsangestellte, die Seretärin, selbst Ärtzte, Handwerker etc: Irgendjemand anders tut, was sie sonst tun. Und nach einer/zwei/drei Woche(n): Erholt schneien sie rein, haben was zu erzählen und machen sich an die Arbeit, als wär nix gewesen. Wenn ich Uralub mache, ist da niemand. Wenn ich wiederkomme ist da noch genau das zu tun, was ich nicht mehr geschafft hatte. Dazu kommt das, was hätte erledigt werden müssen. Urlaub ist zur Hälfte Mist. Manchmal wünsch ich mir auch nen einfacheren Job. [Aber meiner macht mir viel Spaß – also alles nur selbstsüchtiges rumgejammer ;) ]

  11. 11

    @Johnny Haeusler: regen ist toll! deswegen bin ich jetzt umso neidischer (wirklich!). schön, dass du wieder da bist.

  12. 12
    Pipi

    ‚Räusper‘

    Genug Urlaub gehabt.

    Will Podcast
    Aber Hallo!

  13. 13

    Gee? Die gab’s in „Leepzsch“ auf der GC kostenlos!

  14. 14

    Welche Erkenntnis über das Leben haben wohl die Pflanzen gewonnen?

  15. 15

    Welcome Back Johnny! Aber du vergisst in deinem Vortrag eine Kleinigkeit: Klar hat Spreeblick mittlerweile viele tolle und lesenswerte Autoren, die auch eine funktionierende Urlaubsvertretung für dich auf die Beine gestellt haben, aber es gibt bestimmt noch viele Leser, die Spreeblick wegen dir im Feedreader haben und die spätestens bei diesem Beitrag feststellen: Jupp, da hat was gefehlt in den letzten paar Wochen.

    ;)

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