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Das Buch im digitalen Zeitalter


Das Buch ist im digitalen Zeitalter angekommen. Und digitaler Content hat die Tendenz, gratis zu werden. Paolo Coelho hat in seiner viel beachteten Eröffnungsrede gefordert, die digitalisierten Inhalte freizugeben. Außerdem plädiert er dafür, den Leser stärker zu integrieren, statt ihn zu kriminalisieren. Alles für alle. Von allen. Für alle. Und zwar umsonst.

Die Dachverbände bestätigen alte Vorurteile: In seiner Gegenrede hat der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, seine völlige Unwissenheit zum Thema Internet zur Schau gestellt. Er sagte:

Wer im Buchhandel ein Buch mitgehen lässt, muss mit Sanktionen rechnen. Warum sollte im Internet ein anderes Recht gelten? Nur weil dieses Buch nicht auf Papier gedruckt und fest eingebunden ist?

Und der Buchhandel schickt sich an, den bewährten Weg von Film- und Musikindustrie einzuschlagen, den bewährten Weg aus Größenwahn und Ignoranz. Auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse hat die Arbeitsgruppe Piraterie ein Papier vorgestellt, das dem Leser genau erklärt, was beim Kopieren erlaubt ist und was nicht.

Wenn es nach Honnefelder und dem Buchhandel geht, wird die Branche die gleichen schmerzhaften Erfahrungen wie die Musik- und die Filmindustrie machen: das Internet ist kein Gimmick, keine beliebige Erweiterung der bestehenden Strukturen, mit dem sich einfach Geld verdienen lässt. Die Vermarktung von digitalem Content funktioniert nach anderen Gesichtspunkten. Nämlich so: der Content wird nicht mehr vermarktet, sondern zur Verfügung gestellt.

Was sich vermarkten lässt, ist der Service. Coelho beschreibt in seiner Rede, dass seine Bücher sich in Russland zunächst schlecht verkauft hatten. Erst als Unmengen an Raubkopien kursierten, stiegen auch die Umsatzzahlen. Die bessere Lesbarkeit auf Papier, das haptische, greifbare Element der Bücher und vielleicht auch, dass sie sich hübsch an eine Wand stellen lassen: all das hat mit dem Inhalt nichts zu tun. Das sind Zugaben, das ist Mehrwert, das ist Luxus, das war russischen Lesern das Geld wert.

Zwei Fragen, meint Coelho, tun sich auf: das Urheberrecht, da gibt es mit den CC-Lizenzen realisierbare Ansätze. Und die Zukunftsfähigkeit des Verlagswesens. Was, wenn die neuen eBook-Reader die Auflagen an gedruckten Büchern einbrechen lassen? Den meisten Autoren wird es egal sein, wie ihre Bücher vertrieben werden, die leben sowieso von Vorträgen, Lesereisen, Seminarleitungen, Schreibwerkstätten, Artikeln, Taxifahren und darüber Drehbücher schreiben. Aber die Buchhändler?

Auch die werden sich ihren Service bezahlen lassen müssen: eine sauber zusammengestellte, interessante Auswahl und gute Beratung. Wahrscheinlich wird der Buchhandel unter dem Druck der Buchfilialisten und der Online-Plattformen die nächste Zeit weiter schrumpfen. Aber Initiativen wie den Zusammenschluß literarisch wertvoller Buchhandlungen werden wohl verhindern, dass Buchläden vollständig durch Thalia, Hugendubel und Amazon ersetzt werden.

Und die Verleger? Für die Verlagslandschaft ist die Digitalisierung bisher mehr Segen als Fluch, schon allein bei der Produktion. Wenn allerdings die Inhalte der Bücher frei verfügbar sein werden, enfällt das Kapital des Verlags: die Rechte am Werk. Dafür braucht es Lösungen, und wünschenswert wäre: sie mit dem potentiellen oder tatsächlichen Kunden zusammen zu finden. Dazu sind die wenigsten Verleger bereit, lieber stellen sie sich in die Ecke und schmollen.

In ein paar Jahren wird sie die Realität da wieder abholen kommen.

28 Kommentare

  1. 01
    mackenzen

    ‚Alles für alle. Von allen. Für alle. Und zwar umsonst.‘

    ‚In ein paar Jahren wird sie die Realität da wieder abholen kommen.‘

    an dieser stelle muss ich doch unbedingt einmal herrn robert kurz zitieren weil wir erst noch sehen werden WER alles (mich eingeschlossen!) von der realitaet abgeholt wird:

    ‚Dabei entsprach dem ökonomischen Virtualismus der technologische des Internet, das zum „žsecond life“ von abstrakt individualisierten Blogger-Existenzen mutierte, die zu realer Organisierung und Widerstand unfähig sind.

    Die postmoderne Linke ist das Waisenkind dieser Entwicklung. Sie hat den sozialen Kampf auf eine virtuelle und symbolische Ebene reduziert. Der „žPostoperaismus“ von Antonio Negri bringt diese Ideologie auf den Punkt. Der objektive Fetischismus des Kapitals wird negiert und einschließlich der Krise in subjektive Willensverhältnisse aufgelöst. An die Stelle der radikalen Kritik von abstrakter Arbeit und Wertform tritt die Illusion einer „žautonomen Selbstverwertung“ (Autovalorisazzione) von Freelancern einer „žimmateriellen Arbeit“. Das ist ein Nonsense-Begriff, denn jede abstrakte Arbeit, auch wenn sie sich nicht in materiellen Produkten niederschlägt, ist „žVerausgabung von Nerv, Muskel, Hirn“. Nur trägt die kapitalistisch unproduktive „žWissensarbeit“ eben nichts zur realen gesellschaftlichen Mehrwertmasse bei. Die „žAutonomie“ dieser spezifischen Form abstrakter Arbeit ist illusorisch, weil sie vom Weltmarkt abhängig bleibt. Es ist die Illusion einer neuen Mittelschicht, die keine Grundlage mehr hat. Wenn der Kapitalismus auf seine realen Verwertungsbedingungen zurückgeführt wird, erlischt auch die „žSelbstverwertung“ der abstrakten Arbeit in den Sektoren des „žWissens“ und der medialen Kommunikation. Die Blamage der Finanzblasen-Ökonomie ist auch die Blamage der postmodernen Linken und ihres ideologischen „žAnti-Substantialismus“, der jede Lebensäußerung als „žVerwertung“ deklarieren möchte.‘

    der ganze artikel auf exit-online.org

  2. 02
    mickey

    digitale bücher werden sich nicht durchsetzen. puuunkt.

  3. 03
    Frédéric Valin

    @mackenzen: Der Artikel ist nicht online. Hast Du noch nen Link?

    (Ich glaube, ich geh das ein Stück weit mit. Aber ich bin überhaupt nicht mit dem Arbeitsbegriff einverstanden. Wenn die „Verausgabung von Nerv, Muskel, Hirn“ sinngebend ist für den Begriff Arbeit, ist vom Stuhlgang bis zum Schlafen alles Arbeit, und der Begriff heißt gar nichts mehr.)

  4. 04
    dipol

    Stuhlgang kann auch ganz schön viel Arbeit sein.

  5. 05
    sven

    @mickey:
    dein Kommentar erinnert mich an einen IBM Manager über die Verbreitung von PCs in Privathaushalten.

  6. 06
    corax

    @mickey:

    @sven:

    „žIn Deutschland gibt es keinen Markt für Mobiltelefone,
    weil es hier überall Telefonzellen gibt.“

    Irgend ein Siemensmanager

  7. 07

    @mackenzen: Puh. Ja, da sind ein paar spannende Ansätze zur Debatte drin, in dem Zitat, das ich als Banause mal eben als akademischen Masturbationsakt bezeichnen darf. Ich kann es nicht ab, wenn Philosophen sich absichtlich und bewusst hinter Sätzen verstecken, von denen sie genau wissen, dass diejenigen, die sie angeblich ansprechen wollen, sie nie lesen werden.

    Dass ausgerechnet Robert Kurz (gegen den ich nichts habe, da ich nicht genug von ihm kenne) dem Wissen und der medialen Kommunikation ein mögliches Ende voraussagt, ist aber irgendwie fast lustig. Man könnte fast meinen, da hat eine Philosophie-Branche Angst vor Raubkopien.

    Was ich übrigens auch nicht ab kann ist, wenn jemand statt seiner eigenen Meinung einfach nur Zitate hinterlässt. Aber das ist so ’ne andere Macke von mir. :)

  8. 08

    „Alles für alle. Von allen. Für alle. Und zwar umsonst.“

    Das klingt wie Netzkommunismus.

    Eines steht derzeit aber fest: Das ist alles Zukunftsmusik. Derzeit sollte der Urheberschutz das vorrangige Ziel sein. Es geht nicht um die großen Autoren, die – wie bereits gesagt – von Vorträgen etc. leben. Es geht um die jungen und noch unbekannten Schreibenden, die beispielsweise in den meisten Autorenforen völlig verheizt werden und nicht einmal einen Cent von der VG Wort bekommen, weil die Anbieter solcher Seiten selten die dafür nötigen Programme installieren.
    Im WWW wird man irgendwann wirklich alles Geschriebene finden. Niemand wird diese Entwicklung aufhalten können.
    Nötig ist ein Bewußtsein in der Gesellschaft, daß alles Arbeit macht und alles seinen Preis hat. Tja, manche versuchen doch tatsächlich vom Schreiben zu leben. Und da wäre es in Zeiten, wo viele nach Mindesteinkommen und Mindestlohn schreien, doch nur gerecht, wenn auch den Autoren ein Existenzrecht zugebilligt würde. Texte können frei zur Verfügung stehen, ebenso wie Musik, Filme etc., aber das sind in der Regel Ausnahmen. Hey, wer arbeitet schon gern ohne Entlohnung? Es mangelt an Einsicht und Bereitschaft, selbst wenn es verführerisch einfach ist, etwas zu klauen, mal wieder für etwas zu bezahlen.
    Es müssen ja nicht immer 19,80 € sein wie bei der Hardcover-Erstauflage. Aber so ein kleiner hübscher Button, den man anklickt und wodurch ein Winzbetrag vom Konto verschwindet, ist doch schon mal ein Anfang. Dann muß der Winzbetrag nur noch den Richtigen erreichen.

  9. 09
    mackenzen

    @Johnny Haeusler:
    uh ahh ziemlich kompliziert fuer mich da zu antworten! ich glaube aber nicht dass er das ende der medialen kommunikation damit vorraussagten wollte sondern damit eher die grosse kapitalistische (luegen)blase anspricht die das alles erst ermoeglicht hat (auch unser dasein und das von zig millionen weiteren menschen eingeschlossen!) diese blase schwankt und wankt jezze und wird wohl platzen dadurch gehen die ‚werte‘ und damit die gewohnten grundlagen verloren: man haette eben nicht immer karle marx ganz aussen vor lassen sollen und sich mit seiner kritik beschaeftigen sollen! (wenn ich da einmal herr kurz mit meinen worten beschreiben darf :-) ja sein geschwurbel hat schon was von einem masturbationsakt (garantiert aber NICHT akademisch!) aber es kommt ja nicht immer nur auf die form an manchmal macht es eben auch der inhalt! wenn du mich draengst selbst was dazu zu sagen: ich meine damit die blase aus einer unglaublich grossen energieverschleuderung (mal sehn was passiert wenn das oel alle ist) umweltverschmutzung (mal seh was mit den ganzen radioaktiven abfaellen und den supergiften passiert) und den ganzen kapitalistischen luftnummerngeschaeften (kredite zins/zinseszins=unmoeglicher wahnsinn!) sowie die buergerliche verdraengung jeder menge anderer probleme! kurz: reichdumm wachsdumm buergerdumm… schon als kind fuehlte ich immer ‚das etwas nicht stimmt‘ am schein der schoenen reichen oberflaechen! also: ich zitiere einfach gerne weil meine superverschwurbelten ein- und ansichten nicht immer so schoen in meine eigenen worte passen und ich nicht immer sicher bin ob es ueberhaupt meine eigenen gedanken sind ;-) sicher ist aber eines: bei robert kurz dem alten wertekritiker musst du keine angst haben dass er angst vor raubkopien hat!

    alles gute
    wuenscht
    mackenzen

  10. 10

    Als Kommunikationswissenschaftler kann ich nur sagen, dass noch nie ein neues Medium ein altes vollkommen verdrängt oder ersetzt hat. Nur das Angebot wurde erweitert.

    „In der Tat gilt als eine der wenigen Konstanten kommunikationswissenschaftlicher Forschung die Erkenntnis, dass ein neues Medium ein altes noch niemals verdrängt hat.“
    (Quelle: Roland Burkart, Kommunikationswissenschaft, 2002; – Vgl. Rieplsches Gesetz)

    Schönen Tag noch.

  11. 11
    moses

    Wieder bei den rationalen Egoisten, hm?
    Zurück zu Hobbs. Die Aufklärung, Kulturbildung und eine Ahnung von besserer Welt, alles vorbei, für den A****?
    Wollten die postmodernen Linken – wie die Vorangegangen – nicht einmal fair gehandelte Waren zu fairen Preisen erstehen (von Gerechtigkeit rede ich bei einem geistigen Diebstahl gar nicht)?

    Ihr könnt euch schneidig geben, wie ihr wollt; IHR seit die neuen Menschenwölfe (ihr wisst schon: „hominus homini lupos“), die Großkapitalisten waren nur die Schafhirten!

  12. 12

    @Das Denkfabrikat: Natürlich gibt es noch Telegramme. Aber die Ökonomie des Telegrafenmawssten hat sich seit Einführung des Telefons tatsächlich verändert.

    @moses: Ich nehme an, das soll eine Beschimpfung sein. Ist das richtig?
    (Ich bin für den niedrigstschwelligen Zugang zu Kultur aller Art. Für alle. Und nicht nur fürs Bildungsbürgertum.)

    @Andreas Avantgarde: Es sind vor allem mittlere bis kleine Autoren, die von Vorträgen und dergleichen leben. Die Großen haben das nicht nötig.

    Ansonsten ist der erste Schritt tatsächlich das Urheberrecht, das finde ich auch.

  13. 13

    vor ein paar jahren wurde das ende des buches schon mal beschrien. ganz laut sogar. da steckte die musik so langsam in der krise und auch die absatzzahlen der bücher waren irgendwie nicht mehr so wie früher. ein paar jahre später florierte der buchhandel und der musikbranche ging es noch schlechter. jetzt sagen schon wieder alle, dass die digitalisierung das ende des buches einleitet.

    viel spaß mit dem „mann ohne eigenschaften“ auf euren ifons!

  14. 14
    Frédéric Valin

    @ovit: Abwarten. Voraussetzung ist, dass die Endgeräte leserkompatibel sind. Und erschwinglich. Leserevolutionen haben sich selten ad hoc vollzogen, sondern immer ein bisschen gebraucht.

  15. 15
    B.Schuss

    Ich denke auch, die Endgeräte sind ein wichtiger Schlüssel.
    Bücher haben derzeit gegenüber digitalen Endgeräten noch einige Vorteile. Es liest sich leichter ( vor allem für die Augen ) als auf Bildschirmen/Displays, sie sind handlicher und leichter, brauchen keine Akkus, sind nicht störungsanfällig. Man kann in sie reinkritzeln, Notizen am Rand machen, usw..

    Ich denke auf Dauer wird es einen Markt für beides geben, so wie ja auch Hörbücher die gedruckten Versionen nicht verdrängt haben.
    Die Buchhändler und Verlage müssten allerdings die Chance wahr nehmen, die sich ihnen jetzt bietet, und das tun, was die Musikindustrie verschlafen hat: jetzt moderne Vermarktungskonzepte entwickeln, die zukunftstauglich sind. Nur die Lobbyisten auf die Regierung, und die Anwälte auf die Filesharer zu hetzen, wird sich auf Dauer kaum als erfolgreich erweisen.

  16. 16
    Frédéric Valin

    @B.Schuss: „Ich denke auf Dauer wird es einen Markt für beides geben.“
    Ohne das jetzt bis ins Detail ausformulieren zu wollen: Das Problem ist die Mischkalkulation. Und an diesem Konzeptwerden die großen Verlagshäuser arbeiten müssen, denn Bestseller sind im Vergleich zu Spartenliteratur eher eBook-kompatibel.

  17. 17

    @Frédéric: ich meine die kleinen, ganz jungen Autoren, zu deren Vorträgen mangels Bekanntheit niemand käme, mit denen sich aber die Betreiber von Autorenforen gern schmücken – böse, böse Menschen sind das!;)
    Und der Urheberschutz… na da sind wir uns ja einig.

  18. 18
    mackenzen

    also jezze doch noch was zum thema: wozu eigentlich elektronische ‚buecher‘?! warum?! (wozu interaktive spakker-spiegel?! ;-) wozu denn eigentlich?! warum so ein riesen aufwand?! technischer fortschritt = unendlich?! 8 fach 16 fach 32 fach 64 fach wieviel giga arbeitsspeicher denn bitte noch?! gibtz denn so viele ressourcen fuer alle?! wer braucht den ganzen elektronischen mist und wozu frag ich mich?! ich find das nicht cool sondern irgendwie absultamente sinnlos verschwenderisch und auch ziemlich buergerlich gedacht! na aber klar doch: es wird immer weitergehen produktion produktion produktion: was fuer eine schoene neue welt! imma hoeha schnella un weida! das ist verdammt naiv find ich! ich liebe buecher egal was auch immer siemens- oder ibmmanager oder sonst wer verzapft… ;-) (und gucke J.H. mal alles ohne zitat)

  19. 19
    Frédéric Valin

    @mackenzen: „warum so ein riesen aufwand?!“
    Die Produktion eines Buches ist sehr viel aufwändiger als die Produktion eines eBooks. Und Bücher als antibürgerlich zu bezeichnen, das ist, mit Verlaub, eine sehr eigenwillige Interpretation.

    @Andreas Avantgarde: Die Autorenforen sind tatsächlich ne zweischneidige Sache. Vor allem, wenn sie ohne Gage Anthologien rausbringen, dabei aber am Buch verdienen.

  20. 20

    Bitte schaut euch mal den Reader von Sony an. Dieses Teil ist der Hammer: http://www.chip.de/bildergalerie/Sony-E-Book-Reader-im-Test-Galerie_33254067.html. Sicherlich werden die neuen E-Bok Reader das klassische Buch und vor allem das Haptische nie ersetzen können.

    Wer streichelt nicht ab und zu mal seinem Lieblingsbuch liebevoll den Staub von den Seiten?

  21. 21

    Öhm… nur meine Frage: Was hat der uralte Apple Newton (den Siemens auch mal im Sortiment hatte) mit einem modernen eBook-Reader zu tun?

  22. 22
    mackenzen

    @Frédéric Valin:
    es gibt natuerlich antibuergerliche buecher ich wollte aber nicht sagen buecher sind generell antibuergerlich! naja ich dachte bei buergerlich an den glauben (du glaubst das wohl auch) daran man koennte computer einfach immer weiter so dahin produzieren (in einem wahnsinnigen im wahrsten sinne wahnsinnigen tempo immer wieder neue modelle) ich bezweifle ausserdem ernsthaft dass du dich bei der ‚oekobilanz‘ von pc´s mobiles und solchen ’spakker-spiegeln‘ :-) so richtig gut auskennst! es gibt eben keine ‚virtuelle‘ welt ohne die echte: da z.b. schon grosse suchmaschinen firmen 1 000 000 000 dollar stromkosten im jahr produzieren! klar so ein e-book ist fuer dich praktisch nur ein olles technisch armseliges einfaches computerchen fuer mich ists von vorneherein energiefressender sinnloser sondermuell! …haetten die aegypter damals nicht auf papyrus geschrieben sonder auf e-books waere nix mehr uebrig geblieben von ihrer schriftkultur…

  23. 23
    Frédéric Valin

    @Riffer: Keine Ahnung.

    @mackenzen:

    naja ich dachte bei buergerlich an den glauben (du glaubst das wohl auch) daran man koennte computer einfach immer weiter so dahin produzieren (in einem wahnsinnigen im wahrsten sinne wahnsinnigen tempo immer wieder neue modelle)

    Das ist nicht bürgerlich, das ist Fortschrittsglaube. Aber ich will hier kein Begriffsgeblubber vom Zaun brechen. Wichtiger ist folgendes: Ich seh Dein Argument nicht. Du sagst im Endeffekt, das, wenn sich irgendwas mit Computern weiterentwickelt, das wahnsinnig ist. Du sagst nicht, warum, und Du sagst vor allem nicht, wovor Du da Angst hast. Das ist eine generelle Skepsis, die ich nicht nachvollziehen kann.

    Ich glaube, dass die Produktion von Büchern auch Energie braucht. Wenn man das gegeneinander aufrechnet, bin ich gar nicht mehr so sicher, was jetzt das größere Übel ist.

    Die Nachhaltigkeit von eBooks ist selbstverständlich eine ganz andere Nummer. Darüber zu reden wird wichtig sein, klar. Aber ich maße mir da nicht an, 6000 Jahre in die Zukunft zu schauen.

  24. 24
    mackenzen

    @Frédéric Valin: ‚Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie hat ausgerechnet, dass die Herstellung eines PCs etwa 3.000 Kilowattstunden Energie kostet. Soviel, wie ein Zwei-Personen-Haushalt in einem ganzen Jahr verbraucht. ‚

    ein e-book braucht sicher etwas weniger bei der herstellung aber dann ja auch noch staendig energie beim gebrauch! von den giftstoffen die da drinne sind und die bei der herstellung entstehen mal ganz abgesehen… ein richtig gedrucktes buch (kein laserprint-scheiss) druckte man einmal ganz ohne strom es gab ja keinen… und wenn du heute eins druckst sieht die energie- und schadstoff- haltbarkeitsbilanz ganz bestimmt besser aus!

    und lass uns ruhig ein wenig begriffsblubber betreiben: ich finde naemlich genau dieser naive fortschrittsglaube (auf allen ebenen) ist ganz und gar ein buergerlicher!

    alles gute
    wuenscht dir
    mackenzen

  25. 25
    Frédéric Valin

    @mackenzen: Fortschrittsglaube war früher mal ein Begriff, den sich die Linken auf die Fahnen geschrieben haben, im Gegensatz zum konservativen Bürgertum. Inzwischen hat sich die Linke die Zukunftsvision von Liberalen und Neoliberalen (die keine Bürgerlichen sind) aus der Hand nehmen lassen. Die klassisch bürgerliche Auffassung wäre Buchfetischismus, es passt doch alles, wie es ist, es muss doch gar nicht besser werden, lassen wir uns lieber nicht auf Experimente ein, das Buch hat Tradition und Autorität.

    Ich muss gleich mal ein Missverständnis klarstellen: Ich bin kein begeisterter Anhänger des eBooks. Ich bin ein Bibliophiler, aber das wird in Zukunft eine Sparte sein. Denn für den Markt wird die Energiefrage (die ich eine berechtigte finde) keine Rolle spielen: zu groß sind die Vorteile, die ein eBook mit sich bringt.

  26. 26
    mackenzen

    den begriffsblubber haetten wir vielleicht dann doch besser stecken lassen sollen: sorry! da denke ich warscheinlich einfach zu wenig in ‚lechts rinks‘ kategorien denn z.b. viele ‚linke‘ ‚liberale‘ und ’neoliberale‘ halte ich persoenlich fuer unglaublich buergerlich… um nochmals auf mein erstes posting (zitat robert kurz) zurueckzukommen: die ‚chancen‘ des kapitalen marktes und der angebliche ‚fortschritt‘ durch ihn wie wir ihn bisher kannten der koennte recht schnell geschichte sein: es wird eben nicht so weitergehen koennen! allerspaetestens wenn das erdoel alle geht spielt die energiefrage nicht nur auch fuer den markt eine entscheidende rolle! staendiges wachstum ist absolut unmoeglich und eine ziemlich dumme und naive vorstellung! und zum guten schluss: ein e-book hat nur im namen noch buch stehen: mit einem wirklichen buch hat es -meiner meinung nach- eh nichts zu tun: es ist und bleibt ein computer kein buch! ausserdem bin ich ueberzeugt: wenn nicht dauernd die dumme werbetrommel dafuer getrommelt wuerde wuerde sich auch kein schwanz dafuer interessieren! es ist ja sogar so: trotz des staendigen versuchs interessiert sich eigentlich im grossen und ganzen niemand dafuer! deshalb in leichter abaenderung: ‚digitale bücher wuerden sich nicht durchsetzen. puuunkt.‘ persoenlich denke ich auch: sie werden sich eh nicht durchsetzen! ich wuensche dir wundervolle interessante und erfahrungsreiche bibliophile stunden!

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