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I wouldn’t start from here: The 21st Century and Where It All Went Wrong

Es ist viel zu früh für eine tatsächliche Buchkritik, aber wenn ich mir dieses Buch auf Verdacht gekauft habe und es schon nach 27 Seiten empfehlen möchte, dann sagt das ja auch was.

Andrew Mueller, Autor von „I wouldn’t start from here: the 21st Century and Where It All Went Wrong“, ist Jahrgang 1968, Australier und hat für beinahe alle ernstzunehmenden englischsprachigen Publikationen geschrieben. Dass er nebenbei auch noch sleeve notes für diverse Kapellen verfasst hat und selbst in einer Band spielt (The Blazing Zoos, „widely regarded as one of the three or four dozen very best country & western groups in east London“) deutet die popkulturelle Verbundenheit an, die in seinen Reiseberichten zur Geltung kommt.

Selbige hat er in „I wouldn’t start from here“ zusammengetragen und es muss angemerkt werden, dass Mueller natürlich nicht über seinen Mallorca-Aufenthalt schreibt. Kosovo, Libanon, Palästina, Kamerun, Irak, Lybien … nicht wirklich Orte für den nächsten Familienurlaub, aber bevorzugte Reiseziele für Andrew Mueller, der mit einer gehörigen Prise schwärzestem Humor die eigentliche Frage zum Zustand der Welt stellt:

„What is it with these people?“

Wer nun vor vermeindlicher Flachheit erschrickt, der sei beruhigt: Mueller ist trotz seiner scheinbaren politischen Unkorrektheit alles andere als ein Zyniker, es scheint vielmehr der sehnliche Wunsch nach einer tatsächlich besseren Welt zu sein, der ihn dazu treibt, die Menschen hinter den Nachrichten kennenzulernen und diese dabei nicht mit romantischen Samthandschuhen anzufassen. Mueller verzweifelt am seiner Meinung nach fehlenden „common sense“ vieler Gesellschaften bzw. ihrer Anführer und erträgt dies nur mit einer gehörigen Portion geradezu britischen Humors ohne dabei (bisher) in Überheblichkeit abzurutschen. Historische Fakten lässt Mueller derart nebenbei in seine unglaublich spannenden und unterhaltsamen Texte einfließen, dass man sich nie in einem Sachbuch wähnt — obwohl es genau so ist.

„Der Mann muss bloggen“, dachte ich beim Lesen, aber das tut er natürlich längst. Die Großartigkeit seines Buches lässt sein Blog jedoch nur erahnen.

(Und jetzt habe ich für diesen kurzen Text drei Stunden gebraucht, weil ich nämlich mittlerweile schon auf Seite 40 bin.)

Falls sich also jemand für das Geschehen und die Menschen in Krisengebieten interessiert, aber bei herkömmlichen Berichten immer einschläft: Kauft dieses Buch, es hält wach in vielerlei Hinsicht.

Andrew Mueller — I wouldn’t start from here: The 21st Century and Where It All Went Wrong
(Amazon-Partnerlink)

4 Kommentare

  1. 01
    Georg

    Danke für den Buchtip! Habe ich gerade über Euren Partnerlink bestellt.

  2. 02

    @Georg: Na dann: Danke dir! (Klingt ja fast wie ein gekaufter Kommentar „¦ ;))

  3. 03
    ZeroG

    Klingt gut, wird bestellt.

    Ansonsten, wer auf tiefschwarzen Humor und exotische Reiseberichte in English steht, sollte mal PJ O’Rourke „Holidays in Hell“ und Patrick Bibblecombs „Travels with my suitcase“ lesen …

  4. 04

    @ZeroG: Das wird an einigen Stellen/ in einigen Besprechungen erwähnt: Dass Muellers Buch in der Tradition von „Holidays in Hell“ steht.

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