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Märchenstunde 5 — Das blaue Licht

Ich hatte dieses Märchen in so guter Erinnerung. Wobei, es war eine sehr diffuse Erinnerung. Ich wusste nicht mehr, um was es geht. Ich wusste nur noch, dass ich es früher toll fand. Deshalb habe ich Max vorgeschlagen, diesmal „Das blaue Licht“ zu lesen.
Es war schockierend! Aber hört selbst:

Märchenstunde 5 — Das blaue Licht

Und als Hinweis für die ganz Hartgesottenen: Knapp, kurz und tödlich brutal ist das Märchen Frau Trude. Früher Horror und auch kurz: Von einem eigensinnigen Kind. Von wegen „und wenn sie nicht gestorben sind“ und Verrohung der Sitten.

Und noch ein Hinweis: Max verweist in der Märchenstunde ohne konkrete Nennung auf Chaos Radio Express 133 zur Geschichte der Piraten.

19 Kommentare

  1. 01

    Von einem eigensinnigen Kind“¦ eine Gebrüder Grimm Zombie-Story von 1815? WTF?!

  2. 02
    sanne

    Das mit der Zigarre in der Pfeife macht mein Nachbar auch. Hat was damit zu tun,dass die Zigarre länger hält oder einfacher „angeraucht“ werden kann. Weiss ich nicht mehr genau, bin Nichtraucher.

  3. 03

    Ach, herrlich, Frau Trude, wie sie Eigensinn und Vorwitz zackzack den Garaus macht… Das gehört auch zu meinen shocking favorites.
    Lesenswert auch der frühe Splatter „Wie die Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben“ http://tinyurl.com/r3sqho (nur in der Erstauflage erschienen, unter uns Fachleuten)

  4. 04
    Björn Grau

    @René Walter: krass, oder?

    @Sabria David: Das wurde uns zuletzt vorgeschlagen und ich hab zu Max gesagt, das machen wir nicht, das ist zu brutal. Nun ja, der Rest ist der Podcast…

  5. 05
    Felix

    Gabs da nicht diesen Defa Film, „Der Soldat mit dem Feuerzeug“ oder so?

  6. 06

    Naja, die waren nicht so zimperlich wie wir heute. Rotkäppchen ist eigentlich eine Dirne und der böse Wolf fragt: „Was trägst du unter der Schürze?“
    http://www.sagen.at/texte/maerchen/maerchen_deutschland/brueder_grimm/rotkaeppchen.html

    Und die meisten sonstigen Märchen strotzen nur so vor brutaler Gewalt. Jedenfalls in der Originalfassung.

  7. 07

    Ich hatte das Splatter- und Zombie-Potential von Spreeblick bisher ja völlig unterschätzt“¦ da geht noch einiges. Tanja muss ich ja auch noch die gesellschaftliche Relevanz des Zombie-Craze beibringen. Mach ich alles, demnächst.

  8. 08
    Gerda

    Wer glaubt, dass Märchen für Kinder geschrieben wurde, ist im Irrtum.
    Viele dieser Geschichten waren zur Unterhaltung Erwachsener gedacht und würden zum Teil von den Grimm Brüdern auf den Zustand moralisch-einwandfrei nivelliert.

    Und Erwachsenengeschichten waren und sind auch öfters mal derb oder brutal.

  9. 09
    Jan(TM)

    Dr. Ulrike Sprenger hat das eigensinnige Kind mal schön gedeutet, in einer dctp Sendung(ich war lange einer von den 10 Stammzuschauern). Hab leider vergessen was sie genau gesagt hat, finde jetzt auch nur einen Hinweis zu Alexander Kluge:

    „Die Momente des Widerstands durchbrechen den reibungs- und lückenlosen Lauf der Handlung, wie das von Kluge gerne zitierte Märchen vom eigensinnigen Kind, das noch im Sarg aufbegehrt und sich nicht in den Lauf der Dinge einordnen mag. „

    Benutzt ihr diese Ausgabe von Grimms Märchen?

  10. 10
    Björn Grau

    @form: „Dirne“ hat im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm noch keine Bedeutung von Prostituierte, sondern bedeutet einfach „Mädchen“ (sogar im Sinne von unverheiratet und damit Jungfrau). Die Anspielung mit der Schürze bleibt trotzdem.

    @Jan(TM): Klar kann ich das renitente Verhalten als Widerstand deuten, aber der ist ja nicht erfolgreich. Am Ende ist der kleine Zombie ja besiegt und die Ordnung wieder hergestellt. Was lernen wir daraus? Lieber brav sein, oder?
    Wir lesen online: http://de.wikisource.org/wiki/Kinder-_und_Hausm%C3%A4rchen

  11. 11
    Frédéric Valin

    @form: UND die Grimms haben die Märchen deutlich entschärft, als sie sie aufgeschrieben haben.

  12. 12
    Jan(TM)

    @Björn Grau: Du musst dir das Kind als glücklichen Menschen vorstellen, es hat am Ende sogar über Gott triumphiert.
    Aber eigentlich gehts da imho eher um konsequente, strenge Erziehung – hätte die Mutter das Kind früher geschlagen(oder Brenneseln pflücken geschickt) wäre es gottesfürchtig geworden und das schlagen nach dem Tode unnötig.

    btw gerade wieder was gelernt. Hans Christian Andersen(Das Feuerzeug) hat sich dem blauen Licht angenommen, nach seiner Vorlage wurde auch der DEFA Film gedreht.

  13. 13
    Lebedjew

    Die Moral der Erzählinstanz (wonach der Soldat sich eigentlich nichts hat zu schulden kommen lassen) lässt sich m.E. allenfalls durch eine „linke“ Lesart retten; wonach es in Ordnung ist, wenn ein schlecht behandelter (unterbezahlter?) Soldat mit Blüm’scher Alterversorgung den Spieß umkehrt und die Tochter seines Peinigers ausbeutet: Quasi Wiedergutmachungssklaverei.
    (Setzt allerdings eine etymologische Vorentscheidung voraus, nach der „aufwarten“ nicht mit „aufbocken“ verwechselt wird.)

  14. 14
    Björn Grau

    @Lebedjew: Soweit ich weiß, ist Sklaverei gar kein linkes Konzept.

    Nein, ich sehe in der Erstfassung der Verschriftlichung dieses Märchens (also die, die wir gelesen haben), keine menschenfreundliche Moral.
    Da wird Schlechts mit Schlechterem vergolten, Monarchie mit Tyrannei bekämpft, Mord zum probaten Mittel von Rache (die auch nicht in Frage gestellt wird) und die eigentlichen Konfliktparteien tragen ihren Streit auf Kosten der Prinzessin aus. Die Gefängniswärter und Richter lässt der Soldat niedermetzeln und unterscheidet so nicht zwischen Befehlsempfängern und Befehlendem, er übt sich damit in terroristischem Verhalten.
    Das ist zutiefst amoralisch.

    Wenn Du das „links“ lesen willst, dann doch eher über die Frage, was ein autoritäres System und eine Mordmaschinerie wie eine Armee aus einem Menschen machen. Das beinhaltet dann aber auch die Kritik an diesem was, also der Sklaverei etc.

  15. 15
    Lebedjew

    1) bezog sich auf die Zweitfassung, wo die (wohl aukotoriale) Erzählinstanz den Soldaten, eindeutig als schuldlos bezeichnet.
    2) Ja, ich sehe es ein. Wer einen verquasten Begriff wie „links“ in die Debatte schmettert, ohne ihn zu definieren, gehört angemeckert.
    Allerdings ist das linke „macht kaputt, was euch kaputt macht“ in seinen gelegentlichen Niedermetzelungsaktionen auch nicht immer unterscheidungsfreudig gewesen.
    Die linke Lesart wäre also eher eine RAF-linke als eine, sagen wir, Joan-Baez-linke.

  16. 16

    @Björn Grau: Ok, wieder was gelernt. Aber wenn Fred Recht hat, kanns ja doch eine Prostituierte gewesen sein. Wer weiß, auf jeden Fall geht da mehr als bei Disney.

  17. 17
    graup

    Schöne Folge, krasses Märchen, teils intelligente Deutung. Das mit dem autoritären Dingsbums hatten wir auch in der Schule :) Gerne weiter so.

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