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Gestatten, Günter Wallraff, leuchtendes Vorbild.


Ich weiß nicht, was mich an Günter Wallraff mehr aufregt: dass sein Hang zu allen Formen von Gerechtigkeit ihn so selbstgerecht macht. Oder die aufopferungsvollen, betroffenen Blicke seiner Zuhörerschaft. Wallraff klagt das Leid der Gegenwart:

Die Zustände haben sich so verschlimmert, dass ich zu meinen Anfängen zurückkehren und wieder ganz von vorn beginnen muss. Leider macht diese spezielle Art von Arbeit außer mir ja auch kaum ein anderer, also es gibt keine Nachfolger, wenn man mal von Markus Breitscheidel mit seinem Buch „Arm durch Arbeit“ absieht.

Da drängt sich die Frage auf: Ist Wallraff tatsächlich so wichtig, wie er glaubt?

Wallraff ist ein Schauspieler. Er sucht sich die Situation, in der seine Figur unerwünscht ist. Das mag ehrenwert und mutig sein; aber es bleibt anmaßend. Und selbstdarstellend.

Wenn Wallraff in „In fremder Haut“ einen Schwarzen spielt, steigt er nach einem Spiel Cottbus gegen Dresden in den Bus der Dynamo-Fans. Kein Schwarzer, der seines Lebens nicht müde ist, wird jemals in einen Bus voller Dynamo-Fans steigen. Es mag zynisch klingen, aber es gibt Orte, an die man als Schwarzer nicht kann, ohne seine Gesundheit zu riskieren. Wer darüber drei Minuten Google bemüht, wird sich ein umfassendes Bild machen können, wie viele Orte das sind.

Das Netz sollte die Recherchemethoden Wallraffs überflüssig machen. Unzählige Foren und Blogs handeln von nichts anderem, als der Ausbeutung in Callcentern oder Alltagsrassismus. Tausende von Zeugenaussagen, Texte, Bilder, Videos von Betroffenen, all das findet man. Das Netz ist der Wallraff-Nachfolger, den er einfordert, und es ist ein würdigerer Nachfolger, als er es für möglich hält.

Wallraff macht sich selbst zum Opfer, um eine Welt anzuprangern, die falsch ist. Falsch. Falsch! Er als Opfer ist immer makellos, viel makelloser, als es ein Opfer der tatsächlichen Welt je sein könnte. Er ist eine Blaupause edler Empfingungen, er lässt die Zeit-Leser kurz erschauern ob der Ungerechtigkeit in der Welt, ehe sie wieder ihrem Tagwerk nachgehen.

(Wallraff gehört zu dem Typ Sozialpädagoge, dem die Deutschen schon immer gerne zugehört haben: Männer, die nachdenklich dreinblicken können, eine speckige Jacke anhaben, die Haare seit drei Tagen nicht gewaschen und einen Schnauz tragend. Wallraff gehört zum Typ Biermann, Grass oder Nehberg; das personalisierte schlechte Gewissen einer neuen Bürgerlichkeit, die in ihrer Jugend mal Che Guevara an der Wand hängen, ab und zu mal Gras geraucht und von einer besseren Welt geträumt hat.)

Wallraff missachtet das oberste Gebot, das Randgruppenverbände aufgestellt haben, wenn ihre Themen in der Öffentlichkeit behandelt werden: „Nichts über uns ohne uns.“ Weil sie es nicht verdient haben, sich von weißen gesunden Männdern mit Schnauz erklären zu lassen, wie man sich fühlt, wenn man schwarz ist. Und wie schlimm das alles ist. Und wie furchtbar doch die Welt…

Es geht auch anders. Pierre Bourdieu hat in den 90ern Interviews geführt mit Vorstadtbewohnern (Das Elend der Welt), und genau das gemacht, was Wallraff in seinen Texten vermissen lässt: Er hat die Betroffenen sprechen lassen, mit ihren Ängsten, mit ihren Träumen. Viele der Interviewten waren ganz und gar nicht sympathisch, es gab rassistische Migranten, es sind Arschlöcher mit dabei und liebenswerte Personen, es gibt Heuchler, Opportunisten und mutige Menschen; es gibt bei Bourdieu eine Existenz jenseits der Opferrolle.

Wer über die Schlechtigkeit der Welt meditieren will, liest oder schaut Wallraff. Wer es wissen will, Bourdieu.

„Empörung zum mitnehmen“ – Mathias Dell im Freitag
Interview zum Thema Alltagsrassismus auf Spreeblick

85 Kommentare

  1. 01
    johan

    Full Ack – der Typ nervt einfach.

  2. 02

    Der Typ macht immerhin etwas. Über die Methode kann man streiten, aber immerhin rückt er solche Probleme unangenehm ins Licht der Öffentlichkeit. Ist das im Moment trendy, Wallraff zu kritisieren? Wie gesagt, immerhin macht er was und versteckt sich nicht hinter einem Blog und liest höchstens mal ein paar ach-schon-wieder-rassismus-rss-feeds, sowie die meisten Maulhelden in der Blogosphäre (nicht persönlich nehmen, damit meine ich alle)

  3. 03
    mackenzen

    oh jeh: ein ‚blog‘ oder gar ‚das ganze internet‘ kann NIEMALS ein (wuerdiger) nachfolger eines lebendigen menschen sein! (also seit ihr hier mal ein interview mit einem call center arbeiter gemacht habt und gnadenlos die schweinereien aufgedeckt habt ist das mit den callcentern auch gleich schon viel besser geworden wa?! ueberhaupt wwweltweit ist ja alles schon viel viel besser geworden seit gebloggt wird: vor allem fuer die die gar keinen anschluss haben geschweige denn strom…) man ertraegt dieses engstirnige (und inzwischen auch schon altmodisch gewordene) ‚das internet veraendert alles das internet wird es schon richten‘ gepaart mit dieser selbstbeweihraeucherung der im netz agierenden ja echt ueberhaupt nicht mehr! HALLO?! noch jemand in der welt die man anfassen kann?! noch jemand da der noch etwas anderes kann als dieses babylonische bla bla bla im netz? wenn alle ‚bloggen‘ ‚bloggen‘ nur alle: mehr nicht… wenn alle alles sagen koennen dann passiert folgendes: JARNUESCHT!

  4. 04
    Sigbert

    Ich verstehe gerade auch nicht wo der Wallraff-Bash her kommt? Auch wenn man in dem Fall die Methode von Wallraff kritisieren kann, er macht doch immer wieder auf Sachverhalte aufmerksam. Es ist doch auch keine Frage das das immer noch notwendig ist.
    Auch wenn ich finde das seine Methode besser geeignet ist um an Stellen zu schauen wo man so nicht ohne weiteres hin kommt. Hinter die Kulissen von Firmen. Wie bewertet eine Krankenkasse was ein Patient bezahlt bekommt? Wie entscheidet eine Unfallversicherung ob sie den Unfall bezahlt?
    Nicht zuletzt sollte man Wallraff aber vor allem zu gute halten, das er einer der letzten echten Journalisten in diesem Land ist, der tatsächlich recherchiert, der seinen eigenen Wertvorstellungen treu ist.

  5. 05
    Sanníe

    „Ach Du lieber Himmel, das weiß man doch, daß Schwarze nicht überall hingehen können!“

    Bourdieu war Soziologe und „Das Elend der Welt“ eine Studie. Diesen Anspruch hat Wallraff nicht. Er führt einfach vor, wie es ist: Und wie es ist, ist es schlimm, auch wenn man das schon wußte oder „darüber drei Minuten Google“ hätte bemühen können.

    Irgendwie ekelt mich Dein Artikel an.

  6. 06
    Thomas Honesz

    Nun, ich weiß ja nicht ob es sinnvoll ist, ihn auf der persönlichen Ebene anzugreifen. Ja, er ist ein nerviger Moralist und Besserwisser. Aber die Frage ist doch, hat er in der Sache recht? Und das hat er, es gibt offenen und latenten Rassismus in Deutschland. Und gerade für das Zeigen des offenen Rassismus war es wohl doch nötig in den Bus mit den Dynamo-Fans zu steigen. Ok, „man“ weiß, dass „die“ rassistisch sind … sorry nee, manchmal muss das offensichtliche doch bewiesen werden, um zu sehen, dass es noch stimmt. Und vor allen Dingen um die Frage wieder auf die Tagesordnung zu bringen oder muss dafür immer erst irgendwer verletzt werden oder sterben?
    Was aber ganz klar zu kritisieren ist, ist die Eindimensinalität seiner Dasrstellung, die Betroffenen in ihrer Menschlichkeit fehlen.
    Aber das hat alles nichts mit der Person Wallraff zu tun.

  7. 07
    Sanníe

    Warum muß ein ganz klarer Skandal – daß offenbar Schwarze nicht überall hingehen können in diesem freien Land – unbedingt an bestimmten Betroffenen festgemacht werden? Gibt es denn keinen Handlungsbedarf, wenn man nicht direkt vom Betroffenensofa gehört hat, wie betroffen derjenige ist?

  8. 08
    mark

    Der Satz, „Das Netz sollte die Recherchemethoden Wallraffs überflüssig machen.“ ist so ziemlich das dümmste, was ich seit langem gelesen habe. Soll der Wallraff lieber googeln und dann ein Buch mit den gefundenen Webseiten herausbringen? Das meinst Du doch wohl nicht ernst… ;)

  9. 09
    Sean W

    Da stimme ich Andi zu. In einer Welt die trotz Rassimus-RSS-Feeds diesen erfolgreich verdrängt, tut Wallraff das, was Politiker und Polemiker so sehr mögen: er vereinfacht die Situation auf Bierdeckelformat, so dass man lerngehemmte Rassismusleugner mit einem kompakten Verweis die Stirn bieten kann, ohne eine pluralistische Diskussion führen zu müssen.
    Natürlich wollen wir trotzdem diese Diskussion, weil das intellektuell ist und wir damit unsere Position auf der „guten Seite“ verifizieren können. Davon abgesehen ist sie auch relativierend (was auch intellektuell ist), weil sie zeigt, was wir am Ende bekommen würden: ganz normale Menschen mit einem anderen Skin.
    Solange wir uns eingestehen, dass es ein Problem ist, dürfen wir aber auch ruhig alle Bild-Leser und Fernsehgucker mitleiden lassen.

    Nochmal zusammengefasst: Wallraff tut halt, was er am besten kann – genauso wie Du. Schöner Artikel.

  10. 10
    FlorianT.

    Ohne auf den Inhalt von Wallraffs Arbeit einzugehen; seine Methode war am Anfang einfach spektakulär wird aber mit jeder weiteren Wiederholung Masche. Professionalisierte Sensation und investigativer Journalismus gehen für die meisten einfach nicht zusammen.
    So gesehen ist Wallraff einfach nur unzeitgemäß, durch sich selbst verursacht.
    Aber ich würde ihm nur ungern vorwerfen, das er tut, was er am besten kann und damit auch Erfolg hat. Es ist nur nicht mehr so interessant.

  11. 11

    Wallraff kann man nicht mit Bourdieu vergleichen. Und das Netz macht die Plakativität von Wallraff nicht überflüssig, sondern es kann sie höchstens sinnvoll ergänzen. Schließlich muss es auch wen geben, der nach den Ungerechtigkeiten bei Google sucht. Wallraff ist jemand, der medienwirksam darauf hinweist, dass es sie überhaupt gibt.

  12. 12
    Jan(TM)

    Ist das ein Bewerbungsschreiben für Die Welt?

  13. 13

    Hallo Frédéric,

    ich finde deinen Beitrag zynisch, dreist und anmaßend!

    1. Wie kommst du darauf, dass es die „Wallraffsche Art“ der Reportage nicht mehr braucht?

    2. Wie kommst du darauf, dass sich die Leute alle im Internet über Rassismus informieren?

    3. Wie kommst du darauf zu wissen, wie Leute Reportagen zu machen haben?

    4. Wie kommst du darauf, dass es normal sein kann, dass MigrantInnen nicht in einen Dynamo-Bus steigen sollten, weil sie wüssten, was auf sie zukommen könnte?

    5. Warum ziehst du die Arbeit von tausenden SozialarbeiterInnen in den Schmutz, nur weil sie nicht nach der Art arbeiten, wie du es richtig findest?

    Nach dem ich diese Fragen an dich formuliert habe, finde ich deinen Artikel eigentlich noch mehr lächerlich als zynisch, dreist und anmaßend.

    Aus meiner ganz persönlichen Sicht: Es sind Artikel, wie deiner, die dem Netz-Journalismus als Qualitätsmangel vorgeworfen werden können. Ich habe das Gefühl, dein Artikel schadet BloggerInnen und Online-JournalistInnen. Warum? Weil du in diesem Beitrag jegliche Fairness und Balance vermissen lässt.

    Disclaimer: Ich lese vieler deiner Postings sehr gern, aber hier liegst du für mich weit daneben. Ich bin auch kein Fan von Wallraff, mag einiger seiner Arbeiten auch überhaupt nicht.

  14. 14
    derDaniel

    Dazu fällt mir ein Text von Mathias Döpfner ein:

    „Globalisierter Journalismus, Internet-Journalismus unterscheidet sich grundlegend vom Zeitungsjournalismus. Denn er hat eine ganz andere Funktion. Im Internet erfahre ich schneller mehr über das, von dem ich schon weiß, daß es mich interessiert. Wenn ich etwas über eine Krankheit lernen will, gehe ich ins Internet. Über ein paar Links bin ich auf der Orthopäden-Spezial-Site, und ein paar Surf-Sekunden später hat mir eine Suchmaschine den geeigneten Arzt für meine Krankheit vermittelt. In der Zeitung dagegen erfahre ich etwas über Dinge, von denen ich noch gar nicht wußte, daß sie mich interessieren könnten. Ich wollte etwas über Rückenschmerzen lesen und bleibe an einem Text über Urlaub auf den Malediven hängen. Die Zeitung wirkt erweiternd, das Internet vertiefend. Die Zeitung funktioniert horizontal, das Internet vertikal.“

  15. 15

    Meiner Meinung nach geht es Wallraff (gerade im aktuellen Fall) gar nicht soo sehr um Recherche, sondern vielmehr darum, Aufmerksamkeit für ein bestimmtes Thema zu schaffen. Und damit zielt die Frage, ob es denn bessere Recherchemethoden gibt, leider ins leere.

    Allerdings bin ich selbst durchaus gespalten, was die Methode angeht: Ist das wirklich im Sinne der betroffenen, _wie_ Wallraff auf das Thema Rassismus aufmerksam macht? Ist es im Sinn der Sache, in nahezu karnevaleskem Stil den Klischee-Mohren zu spielen? Oder hätte er besser – wie es im Artikel treffenderweise steht – den Grundsatz „žNichts über uns ohne uns.“ beachten sollen?

  16. 16
    Sewor

    „Wallraff sucht sich zu einfache Orte für Rassismus aus“ Diesen Vorwurf konnte man in den letzten Tagen vielfach vernehmen. Nur, die Behauptung, mit der der ganze Ansatz Wallraffs in Frage gestellt wird stimmt meiner Meinung nach nicht:s nicht. Wallraff zeigt ein ziemlich breites Spektrum an Rassismus, indem er sich auf Wohnungssuche in Köln begibt, einen (unglaublichen) Amtsgang in Bayern erlebt oder mit Kneipenbesuchen scheitert, etc.. Des Weiteren gehört zu dem Spektrum sowohl latentes Unbehagen gegenüber allem Fremden bis hin zu nackten Hass. Um diesen in seiner vollen Abgründigkeit zu zeigen ist es legitim ein Fußballspiel in Ostdeutschland auszusuchen.

    Andere Kritik halte ich für berechtigt, auch wenn die Forderungen nun einmal nicht in einem Film einzulösen sind:
    1. Wallraff schwingt sich zu einer vermeintlich repräsentativen Person auf, der natürlich jegliche Authenzität abgeht. Schön wäre es, wenn er die Plattform die er ermöglicht, für echte Erfahrungsberichte von Schwarzen in Deutschland öffnen würde. Im Film kommen eine Familie und ein Antirassismusaktivist mit vielleicht fünf Sätzen zu Wort. Das ist leider eine vertane Chance ihnen mehr Gehör zu verschaffen.
    2. Zum oben angesprochen Spektrum an Rassismus gehört Hass, den man darstellen muss. Auch dazu, gehört der „Binnenrassismus“ unter Ausländern die in Deutschland leben. Es hätte sich gelohnt dies aufzuzeigen, da „Binnerassismus“ den allermeisten von uns verborgen bleibt und sich die meisten daran verbrennt, wenn er dies thematisiert.

    Die Behauptung „Das Netz ist der Wallraff-Nachfolger, den er einfordert, und es ist ein würdigerer Nachfolger, als er es für möglich hält.“ halte ich für anmaßend und naiv. Dem kann ich nur entgegenstellen: Da drängt sich die Frage auf: Ist „das Netz“ tatsächlich so wichtig, wie es glaubt? Immerhin hat es Wallraff wieder einmal geschafft ein Thema auf die Agenda zu bringen, das auch hier darüber geschrieben wird.

    Streitbar mag der Versuch sein. Das es ganz andere Zugänge zu dem Thema gibt, stimmt selbstverständlich auch. Allerdings, empfinde ich es als unverhätnismäßig wie ein ehrenhafter Versuch so ein Thema in die Kinos zu bringen, von Feuilletonisten und Bloggern als altbacken abgekanzelt wird.

  17. 17
    slowcar

    Viele der im Artikel kritisierten Dinge sind nicht Wallraff zuzuschreiben.
    Sicher kann man seine Methoden kritisieren, es ist schade das er nicht mit den verschiedenen Verbänden zusammengearbeitet hat, ich finde es allerdings Unsinn zu sagen das es als Weißer anmaßend wäre über die Probleme von Schwarzen zu berichten.

    Ich denke ein Großteil der latent rassistischen Deutschen schreibt das passierende Unglück den Opfern selbst zu. Denen hilft der Perspektivwechsel eben schon.

    Berufsbetroffene gibt es sowieso, warum ausgerechnet Wallraff an denen Schuld sein soll, keine Ahnung.

  18. 18
    Sabine

    „Das Netz ist der Wallraff-Nachfolger, den er einfordert, und es ist ein würdigerer Nachfolger, als er es für möglich hält.“

    Gehts noch?! Genau DAS ist die Selbstbeweihräucherung vieler Internetbewohner, bei der mir regelmäßig schlecht wird. Ihr seid nicht der Nabel der Welt.

    Und: Ja, Wallraff ist anstrengend und ein Gutmensch und sieht aus wie ein schwarz angemalter Wallraff mit billiger Perücke. Aber er erreicht mit seinen old-school Medien Film, Buch und Zeitung nun mal ganz andere (und ich tippe mal: mehr) Leute, die eben nicht mal eben „drei Minuten Google bemühen“. Und schon deswegen sollten wir froh sein, dass es ihn noch gibt.

    Herrje!

  19. 19
    Dirk

    Was hat zur Hölle Nehberg in der Aufzählung verloren? Der kann im Gegensatz zu Euch (und mir) auf jeden Fall von sich behaupten, was erreicht zu haben, nämlich tausende von Mädchen die Beschneidung erspart zu haben. Darüber vom Berliner Büro aus zu spotten ist schon ’ne harte Nummer! Und noch was zu Wallraff, ja der Typ is peinlich, aber in einem hat er ja wohl recht: Es macht ja sonst wirklich keiner!!
    1. Vom Bloggen wird die Welt leider nicht besser.
    2. Meine Ma juckt ein Blog nicht, kennt aber den Namen Wallraff.

  20. 20

    Ich will Herrn Wallraff nicht absprechen es noch immer vor allem mit den Minderheiten und nicht ausschließlich mit seinem Ego gut zu meinen. Aber ein Kinofilm? Das sagt viel.

  21. 21
    n9n9

    oh gott, klar, dass jetzt einer wieder bourdieu in die diskussion wirft. die allzweckwaffe für alle geisteswissenschaftler der letzten 10 jahre. dass gerade valin den einbringt, wundert mich am allerwenigsten…

  22. 22
    TATsache

    Ich finde den Artikel so was von peinlich! Es gibt genügend Opfer, tagtäglich und schon eine ganze Ewigkeit. Ich danke Herrn Wallraff sehr für sein Engagement. http://loom.tv/channel.php?sid=20800&c=20800

  23. 23

    Die Nummer mit der Afro-Deutschen Verkleidung fand ich ja auch etwas bizarr, aber die Arbeiten Wallraffs im Billiglohnsektor von „Ganz unten“ (1983) bis „Aus der schönen neuen Welt“ (2009) können von der Blogosphäre, wie ich sie kenne, noch lange nicht ersetzt werden, und ich verbringe bereits außergewöhnlich viel Zeit im Internet. Öffentlich Zugängliche Inhalte sind nicht automatisch im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Gerade in der momentanen Situation, in der viele konventionelle Medienmacher sich noch mit großem Einsatz gegen den Internetjournalismus „zur Wehr setzen“, erreichen die engagierten Blogger nicht die Masse, die sie vielleicht verdienen.
    Mag ja sein, dass seine Haare und seine Jacke seit 40 Jahren aus der Mode sind, und das Niggemeyers Bildblog den mießen Machenschaften der Blöd-Zeitung mittlerweile ähnlich ins Handwerk pfuscht, wie seine Undercover-Recherschen vor 30 Jahren, aber deshalb kann man ihm noch längst nicht seine große Stellung in der deutschen Gegenöffentlichkeit absprechen!

  24. 24
    Martin

    Ich habe nur Ausschnitte aus dem Film gesehen, aber mir war die Aufregung auch zu kalkuliert. Keine neuen Erkenntnisse und keine neue Debatte, die dadurch anregt wird. Ok, vielleicht ist das nicht sein Anspruch gewesen in diesem Fall, aber in der Vergangenheit schien mir das anders zu sein.
    Die Zustände sind schlimm in einigen Fußballvereinen, aber ich glaube man kann z.B. dem DFB und den Vereinen derzeit nicht vorwerfen nichts dagegen zu unternehmen.
    Es gibt m.E. Formen von Diskriminierung für die in der Gesellschaft noch keine Sensibilisierung stattgefunden hat. Und das müßte doch sein Anspruch sein, oder?

  25. 25

    deine arroganz ist zum kotzen, fred, echt mal.

  26. 26
    christoph

    @JST
    na du holst ja aus
    Ich kann den Artikel ganz gut nachvollziehen, wenn ich auch nicht 100%ig zustimme, aber Wallraffs selbstgefällige Art in Verbindung mit dem dilettantischen Vorgehen (z.B. Schreibe oder Maske (was ist das denn bitte für eine Verkleidung? einige nennen das Rassismus)) nervt mich auch gelegentlich

  27. 27
    Mister t

    Schade, ich hatte gehofft, dass du die Frage „Ist Wallraff tatsächlich so wichtig, wie er glaubt?“ ein wenig näher beleuchtest und man hinterher für pro und contra vielleicht auch mal ein paar Argumente lesen könnte. Aber irgendwie belässt du es dann bei einer diffusen irgendwo-im-Netz-steht-das-besser-Kritik und einer Begründung, warum Wallraff es für dich nicht tut. Die ist zwar gut und nachvollziehbar, trifft aber halt nur auf dich und ein doch eher elitäres Grüppchen mit ähnlicher Biografie zu.

  28. 28
    Johannes

    In einer Zeit, in der eigene Recherche immer öfter durch „drei Minuten Googlen“ ersetzt wird, wünsche ich mir mehr solcher Reportagen, nicht weniger.

  29. 29
    ole

    … er war wichtig — das aktuelle Projekt ist eindeutig Show, begleitet von sehr viel Marketing (ja, wir merken den alltäglich Rassismus nicht, sofern wir nicht betroffen sind, eschenkt), ich bin eher entsetzt, dass ihn niemand erkannt hat, oder dachte: Das ist versteckte Kamera; dies ist das eigentliche Armutszeugnis …

  30. 30
    Marie

    Es ist schade, dass ein Weißer Mann den Deutschen zeigen muss, dass es Rassismus in Deutschland gibt.

    Wenn Betroffene selbst von Ihren Erlebnissen erzählen, hört ja keiner zu!!
    es gäbe wohl leider täglich solche Geschichten zu erzählen.

    Man kann Wallraff nicht vorwerfen, dass wir sogar noch einen Mittler wie ihn nötig haben, der uns das problem bewusst macht.

  31. 31
    Jan

    Das Netz macht Wallraffs Recherchemethoden überflüssig? Sicher kann sich jeder jederzeit im Netz über No-Go-Areas und Callcenter informieren.
    Aber: Der Hauptaspekt von Wallraffs aktuellem Engagement ist doch überhaupt nicht die Recherche. Er hat doch auch (zumindest für den einigermaßen politisch interessierten Menschen) nichts wirklich Neues aufgedeckt. Sein Ziel ist vor allem Public Awareness, die Wahrnehmung des Themas im öffentlichen Bewusstsein.
    Die Art wie er versucht, ein solches öffentliches Bewusstsein zu schaffen, kann man kritisieren. Nicht jedoch das Ziel: Gerade in unserer heutigen Medien- und Internet-Gesellschaft mit ihrer unglaublichen Reiz- und Informationsüberflutung ist Wallraffs Job wichtiger denn je.

  32. 32
    Entäuscht

    @Frédéric Valin:

    Leg du dich mal im Rahmen deiner Recherchen bei -5 Grad mit einem Schlafsack unter eine Brücke. Und dann lies dir nochmal deinen Artikel durch! 6 setzen! Das ist der erste wirklich schlechte Artikel auf Spreeblick den ich gelesen habe! Mir drängt sich vielmehr die Frage auf: Ist herr Valin entäuscht darüber wie unwichtig er ist?

  33. 33
    Matthias (the one and only)

    Du magst in einigen Punkten recht haben, lässt aber einen wichtigen Aspekt ausser Acht:

    Auch mit noch so viel Recherche wirst du niemals ein Gefühl dafür kriegen, wie es Walraff vermittelt, nämlich in der Haut desjenigen zu stecken, der diskriminiert wird. Ich finde diese Arbeit durchaus ehrenwert, auch wenn ich mir etwas mehr selbstkritische Reflexion in seinen Artikeln wünschen würde.

  34. 34

    In einen reichlich verschwiemelten, ja, und an Vorurteilen gesättigten, selbstzufriedenen Ton schreibt er:

    (…)Wallraff gehört zu dem Typ Sozialpädagoge, dem die Deutschen schon immer gerne zugehört haben: Männer, die nachdenklich dreinblicken können, eine speckige Jacke anhaben, (…)

    Derartiger Text-Dreck, besonders in der Tonlage, mit seinem dumpf-dummgeistigen Feindbild des „Sozialpädagogen“ (na, Frederic: Wie viele kennst du – und wie gut kannst du deren Arbeit beurteilen?), passt auch bestens zur „Jungen Freiheit“, oder überall hin, wo immer sich neurechtes Pack pseudointellektuell schreibend versammelt, um gegen politische Korrektheit (was immer das sein mag) anzustinken, sowie alles, was sie irgendwie für links oder sonstwie lästig halten.

    Ganz recht.

    Natürlich kann man Walraff kritisieren, oder auch genervt sein von ihm. Warum auch nicht. Nur, bitte, nicht in der Art geistiger Faschisten und dumpfblöder Konservativer.

  35. 35

    Wallraff ist wichtig. Punkt. Und es gibt leider ernsthaft keinen Nachfolger. Es geht ihm um Gerechtigkeit. So what? Das er dafür Schauspielern muss ist eine Bedingung seiner Arbeitsweise! Ich finde es immer ganz schlimm, den wenigen wichtigen Figuren der Aufklärung von Missständen Eitelkeit vorzuwerfen! Michael Moore, Wallraff, Leyendecker, Niggemeier, Weinreich, das sind alles nur eitele Säcke, ich könnte ernsthaft schreien wenn ich sowas lese…

    Warum zerfleischen sich die Leute, die eigentlich auf der richtigen Seite stehen müssten, immer selber?

    @Fred: Das schlimmste Argument ist das des Schwarzen beim Fußballspiel. Es zeigt das Dilemma in dem Du steckst: Irgendwie gegen ihn polemisieren, aber vergessen worauf es ankommt. Das halt farbige Menschen in unserem Land nicht an bestimmt Orte gehen können. DAS HAT DOCH NICHTS MIT WALLRAFF ZU TUN!!! (sry) Und wie kann man Wallraff mit Bourdieu ausspielen wollen?

  36. 36
    der herr schroeder

    Selten so ein unreflektiertes Zeugs gelesen. Fragen Sie sich doch lieber, warum es immer noch der „žolle“ Wallraff machen muss.

  37. 37
    Wolfgang

    Wallraff ist deshalb wichtig, weil er den Leuten die bei Nachrichten über alltäglichen Rassimus sagen, „die Opfer werden das schon irgendwie selbst verschuldet haben“, den Wind aus den Segeln nimmt.
    Und wenn jemand darauf sagt, dass ein Schwarzer eben nicht in den Bus von Dynamo-Dresden-Fans steigen darf, ist das irgendwie merkwürdig. Sollen die sog. ‚No-Go-Areas‘ jetzt auf Dauer etabliert werden, oder wie?

  38. 38

    ich mag jetzt nicht dinge schreiben, die andere schon festgehalten haben, deshalb schliess ich mich dem tenor hier an; leute wie wallraff braucht es leider immer noch.
    eine inhaltliche kritik des films/buchs kann ich tolerieren, auch wenn ich komplett anderer meinung bin, aber:

    „Wallraff gehört zu dem Typ Sozialpädagoge, [„¦] und von einer besseren Welt geträumt hat.“

    ist ECHT einfach nur richtig, richtig peinlich….!!!

  39. 39
    fk2

    Warum glaubt der Herr Autor eigentlich was er erreicht hat sei besser als die zerfahrenen Träume eines alten Sozialpädagogen? Oder anders gefragt: was hat der Herr Blogschreiber denn erreicht? Wenn zwei gegen den Wind pinkeln ist mir der symphatischer der sich über seine Überzeugungen im klaren ist.

  40. 40

    Den Artikel hätte es nach einer Nacht drüber schlafen wohl nicht gegeben, denn mit einem kleinen bisschen Distanz wäre dem Autor sicherlich aufgefallen, dass er sich der gleichen polarisierenden Attitüde bedient, die er Wallraff vorwirft. Wobei dieser nicht mal bei echt fragwürdigen Zeitgenossen so verletzend wird.

    Auch den Fehler, Botschaft vom Boten zu trennen, hätte man am nächsten Morgen sicherlich nicht mehr gemacht. Denn dass Wallraff bei aller Überzeichnung real existierende Missstände aufzeigt, ist unbestritten. Dass er ein manchmal ein besserwisserischer, moralinsaurer Altlinker ist, ebenso.

    Aber er hat was geleistet, im Gegensatz zu manchen Web-2.0-Schnösel.

  41. 41
    PabloD

    Genau: alle Dynamofans sind Nazis, ganz Ostdeutschland ist eine No-Go-Area, als Ausländer ist man beim Fußball seines Lebens nicht sicher, alle Schwarzen haben einen riesigen Schw….. Ach nee, das letzte war ja jetzt ein blödes Voruteil.

  42. 42

    Lieber Frédéric Valin,
    wie einige Kommentatoren oben bereits dargelegt haben, zeugt Ihr Artikel ueber die Arbeit des Undercoverjournalisten Guenther Wallraff von erstaunlicher Kurzsichtigkeit und Dummheit.

    Zitat Valin: „Da drängt sich die Frage auf: Ist Wallraff tatsächlich so wichtig, wie er glaubt?“
    Was ist das fuer eine Frage?
    Es geht nicht darum, was Herr Wallraff glaubt oder was Sie glauben. Es geht auch nicht darum ob Herr Wallraff makellos oder fehlerbehaftet ist.

    Es geht darum, was Guenther Wallraff tut und getan hat und was sonst nur bitter wenige unserer Journalisten zu tun bereit sind: Sich mit eigenen Augen zu ueberzeugen. Es selbst auszuprobieren. In die Schuhe derjenigen zu steigen die immer wieder benachteiligt werden, derjenigen, die keine Stimme haben.
    Diejenigen, die auf keine maechtige Lobby zaehlen koennen.

    Guenther Wallraff erzaehlt uns, wie es auslaendischen Arbeitnehmern am Fliessband geht, wie es sich anfuehlt, wenn alle Kollegen sich im Umkleideraum umziehen koennen, nur man selber nicht, weil man ueber eine Zeitarbeitsfirma bei einem Unternehmen arbeitet, wie es ist, wenn ein Baecker ein gluehendheisses Backblech mit blossen Haenden ausleeren muss und wie es ist, wenn man krank ist und sich aus Angst um seinen Arbeitsplatz nicht traut, zu hause zu bleiben, weil man nicht weiss, ob der Chef der Grossbaeckerei sich ans Gesetz haelt und weil man kein Geld fuer ein Gerichtsverfahren hat.

    Wie dumm kann derjenige sein, der einen wichtigen Zeugen solcher Ausbeutung versucht zu demontieren und in Misskredit zu bringen? Wie dumm muss man sein, um zu hoffen dass die Leser von (ausgerechnet!) Spreeblick Ihnen bei diesem ignoranten Unsinn Beifall klatschen wuerden? Wieviel Eifersucht ist noetig um Guether Wallraff die publicity und den Ruhm nicht zu goennen, die er sich mit seinen mutigen und gefaehrlichen Recherchen selbst erarbeitet?
    Ich wage zu behaupten, G.W. arbeitet haerter fuer seinen Bekanntheitsgrad als Sie es tun, Herr Valin.

    Vielleicht versuchen Sie es mal selbst mit eigener Recherche, also nicht nur Googlen, sondern Machen.

  43. 43
    Rox

    Hallo Frédéric,

    ich habe gerade beim lesen des Artikels das gleiche gedacht, wie die meisten der Kommentatoren – deswegen kann ich mir auch sparen großartig etwas auszuformulieren und schließe mich einfach in weiten Teilen an.

    Jaaa, Wallraff ist ein „schlaues Kerlchen“, wie auch Hagen Rether sagt.
    Aber dein Beitrag ist wirklich einfach nur schlimm. Wirklich.
    Überdenk das noch mal.

  44. 44
    Frédéric Valin

    Ich will gar nicht auf alle der vielen, zum Teil sehr richtigen und diskussionswürdigen, Einwürfe eingehen, die bisher hier getätigt wurden. Tatsächlich bin ich inzwischen der Meinung, dass ich den Artikel nochmal zwei drei Stunden hätte liegen lassen sollen, und ein paar provokante Teile rausstreichen hätte sollen, alles etwas glatter hätte machen sollen. Aber naja.

    Es fällt mir inzwischen schwer, das einzugestehen, denn der Kommentarstrang löst irgendwas zwischen Trotz und Gleichgültigkeit in mir aus. Beides ist nicht sehr gesund für eine Kommunikation. Vielleicht seh ich mich deswegen nicht so recht in der Lage, sachlich (das heißt, nicht beschimpfend) auf Einwürfe einzugehen.

    Ich habe Wallraff nicht beschimpft. Ich habe seine Vorgehensweise, seine Methode, kritisiert, und das vergleichsweise heftig. Okay. Warum es dann in den Kommentarsträngen noch persönlicher zugehen muss, vor allem in Kommentaren, die genau diesen Angriff auf einen offensichtlichen Säulenheiligen, verstehe ich nicht.

    Es gibt (wie immer in Blogdiskussionen, diesmal aber vermehrt) einen Hang dazu, Polemik mit Argumenten zu verwechseln. Auf zwei werde ich nicht eingehen, die sind zu gähn:

    Das Argument ad persona: Was machst Du, der Autor? (Die Frage ist völlig irrelevant für das, was derjenige macht, worüber geschrieben wird. Ich kann meine Freizeit auf Bäumen verbringen, wenn ich mag: das hat mit meinen Argumenten nichts zu tun.)

    Das Argument ad nauseam: Hab ich schon tausendmal gehört, langweilig. (Ist inhaltlich nicht sehr zielführend.)

    Wallraff sagt übrigens selbst, dass seine Figuren anmaßend sind, auch das sei erwähnt. Er nimmt das in Kauf. Ich finde, das sollte er nicht tun, sondern Betroffene sprechen lassen, statt den Betroffenen zu spielen.

    @Thomas Honesz: Ich greife ihn nicht auf persönlicher Ebene an: Ich zeige, wie er sich bewusst in Interviews positioniert. Deswegen das Zitat aus der FAZ.

    @mark: Ich sage, dass man mit den Leuten, die tatsächlich betroffen sind, ohne großes Federlesen in Kontakt treten kann. Diesen Kontakt versucht Wallraff durch seine Reportagen herzustellen. Das braucht es jetzt nicht mehr so sehr wie früher, als „Ganz unten“ erschien. Inzwischen ist das SChwarzbuch Lidl (z.B.) ein Blog. Das meine ich.

    @Peterchen: Den Boten von der Botschaft zu trennen fällt schwer angesichts der Tatsache, dass Wallraff keine Talkshow auslässt und damit in Kauf nimmt, dass sein Gesicht mit seinen Geschichten verschmilzt. Ich erinnere an das Callcenter-Zeit-Cover. Die Vermengung zwischen Bote und Botschaft ist von Wallraff imho gewollt und keinesfalls ein Zufall.

    @Wolfgang: Nicht „darf“. Er wird es nicht tun. Weil er nicht Wallraff ist und kein Fernsehteam im Rücken hat und keine Publizität.

  45. 45
    heidrun

    nur mal kurz @ frederic: „Nicht „darf“. Er wird es nicht tun. Weil er nicht Wallraff ist und kein Fernsehteam im Rücken hat und keine Publizität.“
    genau. deswegen wissen das aber auch viele leute nicht. weil schwarze in solchen situationen dann eben „aufpassen“. und es ist eindeutig ein verdienst desjenigen, der das macht, mit publizität, dass es den leuten mal klar wird, dass solche zustände herrschen. lieber zu viel moralin, als dass es nachher keiner gewusst hat.

    wie weiter oben schon erwähnt wurde: im netz sucht man sich auch nur das raus, wofür man sich eh interessiert.
    davon mal ganz abgesehen, dass die meisten leute nach wie vor nicht so sehr im netz leben, wie gerne angenommen wird. ich bin 30, genau das typische netzbürger-alter, aber ich bin soweit ich weiss die einzige oder eine der ganz wenigen in meinem nicht kleinen freundeskreis, die blogs liest, geschweige denn kommentiert. und die sich für sowas wie zensursula oder die vorratsdatenspeicherung interessiert.

  46. 46

    Trotz und Gleichgültigkeit. Dazu eine Prise Wut.

    Ist das alles, Frederic?

  47. 47

    @Frédéric Valin: ganz ehrlich? aus deinem kommentar werde ich auch nicht schlauer?!

    wallraff kritisieren ist überhaupt nicht das problem. ich lese dass auch nicht als die kritik an deinem text aus den kommentaren. auch die persönlichen angriffe sind doch minimal.

    für mich ist aus den kommentaren ersichtlich, dass einige deiner leserInnen eben nicht mit deiner argumentation, die wirklich dünne ist, einverstanden sind.

    du hast nicht wallraff kritisiert, du hast ihn unsachlich angegriffen und gegen ältere sozialarbeiter gewettert und deren arbeitsweise, die dir nicht gefällt, als schlecht hingestellt. nicht mehr und nicht weniger.

    ps: wegen mir musst du dich hier gar nicht rechtfertigen. aber wenn du es tust, dann sollte es fundiert passieren.

  48. 48

    Polemik hin oder her, lieber Frédérick, führt Dein Beitrag aus, was ich mir dachte, als ich jenen Kommentar zu „Aber hier leben?“ hinterließ.

    Ich finde schon gut, daß Günter Wallraff auf Diskriminierung hinweist. Allein die Methode, erscheint mir unglücklich. Nicht weil er statt auf reale Zeugen zu setzen, selbst einen Betroffenen spielt. Direkte Reaktionen sind vielleicht oft näher dran als Berichte von Zeugen.

    Leider schlüpft er dabei aber in die Rolle überspitzter Klischees und begibt sich damit in die Niederungen von Figuren wie die von Christian Ulmen oder Sacha Baron Cohen. Das ist Futter für Satire, bietet aber keine Substanz für seriöse Gesellschaftskritik. Leider.

  49. 49
    Thomas

    „Ich greife nicht auf persönlicher Ebene an“

    vs.
    „Ist Wallraff tatsächlich so wichtig, wie er glaubt?“;
    „selbstdarstellend“;
    „(Wallraff gehört zu dem Typ Sozialpädagoge, dem die Deutschen schon immer gerne zugehört haben: Männer, die nachdenklich dreinblicken können, eine speckige Jacke anhaben, die Haare seit drei Tagen nicht gewaschen und einen Schnauz tragend. Wallraff gehört zum Typ Biermann, Grass oder Nehberg; das personalisierte schlechte Gewissen einer neuen Bürgerlichkeit, die in ihrer Jugend mal Che Guevara an der Wand hängen, ab und zu mal Gras geraucht und von einer besseren Welt geträumt hat.)“

    Der eigentliche „Artikel“ lösst in mir regelrechte Fremdschäm-Schübe (ich weiß, das Wort nervt langsam, etc. – trifft es aber in diesem Fall so gut). Und Wallraff ist für mich ganz, ganz gewiss kein Säulenheiliger. Und dieses dumme (sorry) Sozialpädagogen-Klischee habe ich in den letzten zehn Jahren bisher zum Glück nur noch in JU-Krisen oder von Journalisten vom Schlage eines Jan Fleischhauer gehört und gelesen.

    Und das hier meinst Du nicht wirklich ernst, oder: „Das Netz sollte die Recherchemethoden Wallraffs überflüssig machen“. Heieiei.

    Ich geh jetzt Broder lesen, der beherrscht die Kunst der Polemik wenigstens. Die Kritik, dass Wallraff die Betroffenen selbst nicht gefragt hat, teile ich übrigens. Uneingeschränkt. Aber das macht diesen Artikel leider auch nicht besser…

  50. 50
    fridge

    Wenn der so rumgelaufen ist wie auf dem Pressefoto im Rapsfeld, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Gehts denn noch klischeehafter?
    Jeder der Kommentaren, der bei Borat auch nur geschmunzelt hat, sollte mal innehalten und sich fragen, wo genau der Unterschied liegt und welcher Ansatz der „Bessere“ ist. Und dieses Ewige „Wer selbst noch nichts derartiges geleistet hat, sollte besser schweigen und Wallraff nicht kritisieren“ kann ich echt nicht mehr hören. Wenn das so wäre, könnte man Kommentarfunktionen gleich abschaffen. Wallraff hat sehr gute Sachen gemacht, keine Frage, hier aber hat er mal echt ins Klo gegriffen. Wenn auch ehrenhaft.

    Oh und ich habe übrigens beim Anblick der Überschrift und des Bilds laut gelacht. Aber da bin ich wohl in der Minderheit.

  51. 51
    Klaus

    Geht es Spreeblick schon so schlecht, dass die Schreiberlinge hier öffentliche Bewerbungsschreiben an Politically Incorrect veröffentlichen dürfen?

    Was für ein Dreck. Voll auf einer Linie mit den Rechtsaußen der Republik und den Springer-Postillen.

  52. 52

    In gewisser Weise kann ich wohl nachvollziehen, was Frederic in seinem Artikel ausdrücken will. Sicherlich hat jemand, der derart tief in sein Thema eintaucht wie Wallraff auch gewisse narzisstische Persönlichkeitszüge (und das ist nicht negativ gemeint) – ohne irgendeinen Antrieb macht aber eigentlich auch sonst keiner irgendwas.
    Das für den einen die Öffentlichkeit und für den anderen vielleicht das warme Gefühl ums Herz ausschlaggebend ist, sich zu engagieren ist doch OK. Ich bin auch sicher nicht der einzige, dem z.B. eine Demo neben dem eigentlichen Anliegen auch noch Spaß macht…

    Warum dies gerade im Fall Wallraff so schlecht sein soll erklärst du nicht.

    Mich hat sein Zeit-Artikel bewegt und ich habe anderen davon erzählt. Natürlich bin ich danach auch wieder meinem Tagwerk nachgegangen, aber das wäre genauso gewesen als hätte ich es von einem tatsächlich Betroffenen gelesen…

    Es mag zynisch klingen, aber es gibt Orte, an die man als Schwarzer nicht kann…

    Beim Lesen der Schilderung der Busfahrt dachte ich an meinen Afrika-Aufenthalt. Und dass es in Ghana so einen Ort für Weiße nicht gibt. (Überfallen kann man werden, aber nicht wegen der Hautfarbe)
    Dafür dass mir dass so deutlich bewusst geworden ist, bin ich Wallraff sehr dankbar.

    In deinem Absatz kann allerdings der Eindruck entstehen, dass die Existenz von No-Go-Bereichen halt so hinzunehmen ist.
    Und das finde ich allerdings ziemlich zynisch und Zynismus ist (im Gegensatz zum Sarkasmus) nicht besonders weit weg von Rassismus.

    Ansonsten ist es tatsächlich schade derartige Meta-Diskussionen aufzubauschen, gerade wenn es um so ein wichtiges Thema geht.

    Eine nicht kleine Anzahl der Kommentatoren sollte sich allerdings mal das schöne Sprichwort „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“ groß ausdrucken und mit Buntstiften ausmalen…

  53. 53
    Sim

    ich mag den Wallraff nicht besonders…
    aber dass es einen Unterschied gibt, zwischen einer Reportage über jene Menschen, die das rassistische Elend am eigenen Leib täglich erfahren und einem Selbstversuch einer Person, die rassistische Angriffe nicht gewohnt ist, sich diesen aber aussetzt, sollte schon hervorgehoben werden.
    Klar kann man die Methoden, jeweils für sich, kritisieren… vergleichen jedoch auf gar keinen Fall. Zwischen Reportage und Selbstversuch liegt eine Schlucht; das Ergebnis, das mit der jeweiligen Methode erzielt wird, ist einfach ein völlig unterschiedliches. Daher ist der Kommentar, meiner Meinung nach, ein wenig überflüssig.

  54. 54

    Günther Wallraff und Sacha Baron Cohen sind in gewisser Weise Antipoden: Der eine kommt vom Aufklärenwollen und endet im Extremfall als Selbstdarstellungsclown. Beim anderen ist es umgekehrt. Weil Selbstdarstellungsclownerei nur in geringen Mengen erträglich ist, sehen beide in der Aufklärerposition besser aus (und deswegen hatte „Brüno“ nur wenige gute Momente, in denen er eben erstaunliche Wahrheiten zum Vorschein brachte, der Rest war schwer erträglich). Bei Wallraff ist es ähnlich.

    Daß man sich in letzter Zeit gern über „Wallraff-Methoden“ mokiert, irritiert mich auch ein wenig – was genau soll denn eigentlich daran so schlimm sein? Seine Methode besteht genaugenommen aus zwei Teilen – er maskiert sich als Randgruppenmitglied, und er recherchiert verdeckt in Milieus, an die man sonst halt nicht herankommen würde. An letzterem kann ich beim besten Willen nichts verwerfliches finden. Bei ersterem greifen Frederics Vorwürfe in der Tat – aber man muß auch mal feststellen, daß Wallraff von Anbeginn an durch seine Maskeraden sein bürgerliches Publikum mit einer gewissen Penetranz zur Identifikation zwingt. Ich behaupte mal, daß er damit über die Jahrzehnte tatsächlich etwas verändert hat. Und zwar auch in den Köpfen, die hier diskutieren. Die nämlich damit aufgewachsen sind.

    Günther Wallraff ist in seine hektischen, unorthodoxen, stets etwas aufgeregten Voreingenommenheit so etwas wie der Urgroßvater ziemlich vieler Netzaktivisten und Blogger. Wäre er etwas selbstreflektierter, dann hätte er die Hauptrolle in seinem neuen Film einfach mal nicht selber gespielt, sondern mit einem echten Schwarzen zusammengearbeitet und sich selber im Hintergrund gehalten, sozusagen Wallraff 2.0, die Publicity wäre tendenziell sogar noch größer, Wallraff würde seine Medienpräsenz in die Waagschale werfen und seinen Kritkern ein Schnippchen schlagen. Trotzdem ist es nicht komplett Scheiße, was er macht, Thema ist Thema, die gesamtgesellschaftliche Reichweiten der Blogger-etc-Szene ist vermutlich wirklich kleiner als Wallraff in den Mainstream-Medien, aber dazu wurde weiter oben schon genug gesagt.

  55. 55
    TATsache

    Ich denke, Herr Wallraff weiß ganz genau warum er die „Rollen“ selber spielt. Es gibt genügend Afrikaner die tagtäglich diskriminiert werden. Nur wer schenkt Ihnen Aufmerksamkeit b.z.w. wer beschützt sie wenn sie sich wehren wollen? Keiner! Und wer zu laut wird lügt, wird bedroht oder muss mit seinem Leben zahlen.
    http://loom.tv/channel.php?c=20793

  56. 56
  57. 57

    @n9n9: eher der letzten 20 Jahre

  58. 58
    interessierter

    Wallraff beschreibt selbst, dass er seinen Namen benützt – würde ein tatsächlicher Schwarzer aus dem Niedriglohnsektor z.B. einen solchen Bericht schreiben, gäbe es keine Medienöffentlichkeit. Soweit ich mitbekommen habe, wurden die Situationen und Örtlichkeiten eben ja gerade in Zusammenarbeit und auf Anregung von tatsächlich Betroffenen gewählt. Die Mitarbeiter und Berater für dieses Projekt waren/sind schwarz.
    Seine Interviews in Radio/Zeitung/Talkshows etc. sind Teil der Launchkampagne des Films und dienen der Aufmerksamkeitsgenerierung. Daran ist nichts verwerfliches, sondern es ist Teil des Spiels.
    Immerhin kann man ihm zugute halten, sich nicht wie viele andere für Kolumnen und Meinungsblabla herzugeben, sondern einfach sein Anliegen zu verfolgen und sich ansonsten rauszuhalten. Das hebt ihn wohltuend ab von so manchem Gast bei Wetten Dass oder Illner/Plasberg/Christiansen u.Co.

  59. 59
  60. 60
    Rox

    @christoph:

    Danke dafür.
    Das geschriebene Interview ist interessant – insbesondere aber das Video-Interview mit Wallraff … das wäre das Schauen wert, lieber Herr Valin ;)

  61. 61

    ihr habt doch großteils einfach den koffer kaputt.

  62. 62

    @Thomas: Die Kritik, dass Wallraff die Betroffenen selbst nicht gefragt hat, teile ich übrigens. Uneingeschränkt.

    Ich verstehe das irgendwie nicht: schließt das eine nicht das andere irgendwie aus (würde das Befragen nicht die Tarnung auffliegen lassen?). Nachträgliches Befragen stelle ich mir auch irgendwie komisch vor: Da ist er der Verräter,…

    Abgesehen davon: Wallraffs Ansatz ist halt eher ein hermeneutischer (beobachten – beschreiben), denn ein empirischer (verstehen – erklären).

    Ich frage mich bei ihm bloss immer, was treibt ihn, was ist seine Motivation, dass er sogar nicht selten soweit geht sich (bis zur Lebensbedrohung) und seine Familie aufs Spiel zu setzen.

  63. 63
    behindthebeat

    das einzig tolle an ihrem beitrag ist das foto, herr valin!

  64. 64

    Vielleicht sollte man die Formulierungen von Frederic als eine Art Universal-Typus auf den Ursprungstext anwenden. Das sähe dann so aus:

    Ich weiß nicht, was mich an Frédéric Valin mehr aufregt: dass sein Hang zu allen Formen von moralintriefenden Blogbeiträgen ihn so selbstgerecht macht. Oder seine willige und Applaus spendende Leserschaft. Frédéric Valin klagt seinen Lesern sein Leid der Gegenwart:
    Altlinke wie Walraff sind eigentlich alle Deppen. Außer ich selbst. Und darum haben sich die politischen Umstände so verschlimmert, dass ich zu meinen publizistischen Anfängen zurückkehren und wieder ganz von vorn beginnen muss. Leider macht diese spezielle Art von medienkritischer Blog-Arbeit außer mir ja auch kaum ein anderer, also es gibt keine Nachfolger, wenn man mal von Pi-News und dem Blog „žFakten und Friktionen“ absieht.

    Da drängt sich die Frage auf: Ist Frédéric Valin tatsächlich so wichtig, wie er glaubt?

    Frédéric Valin ist ein Urteilskraft und politisches Bewusstsein posender Blogger. Er sucht sich die Themen, in der er zu Widerspruch reizen kann, damit er Debatten auslöst. Das mag mutig und auch herzlich politisch inkorrekt sein; aber es bleibt in seiner selbstgerecht-pseudoaufklärerischen Art anmaßend. Und selbstdarstellend.

    Wenn Frédéric Valin in „žSpreeblick“ einen moderat linken Blogger mit politischen Durchblick spielt, nimmt er einfach irgendeinen Fernsehbeitrag, den er als lässlichen Gutmenschenkram herunter machen kann. Kein politisch aufmerksamer Leser, der seines Verstandes sicher ist, benötigt allerdings die Häme von Valin, um simple Sendeformate und ein Bewusstsein darüber zu erlangen, dass es auch einige zu simple Auseinandersetzungen mit Rassismus in der Gesellschaft gibt. Es mag zynisch klingen, aber es gibt nun einmal Sendungen, an die man als politisch kluger Kopf nicht allzu lange gucken kann, ohne sich nicht unangenehm berührt zu fühlen. Man ist halt nicht die Zielgruppe. Wer darüber mehr als drei Minuten Gedankenarbeit bemüht, und dann deshalb noch einen ätzenden Spreeblick-Artikel gegen einen Journalisten verfasst, der mit seiner Arbeitsweise einiges Risiko auf sich nimmt, der macht seinen Lesern damit längst noch kein umfassendes Bild über die Hintergründe, mit denen diese eine Grundlage für eine vernünftiges Urteil erhalten.

    Das Netz sollte die Diffamierungsmethoden Frédéric Valins überflüssig machen. In unzählige Foren und Blogs kann man nach-recherchieren, dass die Arbeit von Walraff, ob man ihn nun mag oder nicht, trotz oder gerade wegen ihrer simplen Machart wirkungsvoll ist und wesentliche Fragen unserer Gesellschaft berührt, zum Beispiel die Ausbeutung in Callcentern oder den Alltagsrassismus. Tausende von klugen Kommentaren und Einschätzungen, Texte, Youtube-Videos, Antirassismus-Initiativen, all das findet man – und kann sich dort versichern, dass die Arbeit von Walraff nicht sinnlos ist. Das Netz ist der Frédéric Valin-Kritiker, den Frederic als Bordieu-Bewunderer längst schon auch in eigener Sache freudig einfordert, und es macht diese Arbeit besser, als er es Herr Valin für möglich hält.

    Wenn er sich nach ein paar Dutzend kritischer Kommentare einfach nur genervt gibt, oder als beleidigte Leberwurst, macht sich Frédéric Valin selbst zum Opfer, gibt sich uneinsichtig und stur, statt etwas hinzu zu lernen, was als Verweigerung ja falsch ist. Falsch. Falsch! Er als Autor will sich immer als makellos sehen, viel makelloser, als es ein aufrechter und wahrhaftiger politischer Beobachter der tatsächlichen Verhältnisse je sein könnte, einfach, weil irren menschlich ist, und eine auf persönliche Ablehnung beruhende Polemik schon einmal völlig schief gehen kann.

    Frédéric versteht Valins Teste jedoch als Blaupause edler Empfingungen, als Kennzeichnung überlegenen Urteilens, und er lässt die Spreeblick-Leser mit angedeuteter Arroganz kurz erschauern ob der lässlichen Oberflächlichkeiten seiner Urteilsweise, ehe seine Leser wieder ihrem Internet-Surfen an anderer Stelle weiter nachgehen.

    (Frédéric Valin gehört zu dem Typ bemühter Bordieu- und Focault-Nachäffer, von dem sich die Deutschen schon immer gerne beeindrucken ließen: Männer, die beim Blogbeiträge verfassen philosophisch nachdenklich dreinblicken können, speckige Klamotten anhaben, übernächtigt, die Haare seit drei Tagen nicht gewaschen und einen Dreitagebart tragend. Frédéric Valin gehört damit zu einem mitunter leicht blasierten, jedenfalls in eigener Sache mimosenhaften Typus der digitalen Bohéme; ihm gilt die Distanz zu Leuten wie Walraff als Ausdruck einer neuen und überlegenen Bürgerlichkeit, welche seit ihrer frühesten Jugend Distinktionsgewinne zu riesigen Bergen zusammenhäuft, ab und zu mal im Internet surft und vor allem überhaupt nicht mehr von einer besseren Welt träumt, stattdessen umso mehr aber vom Gefühl, die politischen Dinge deutlich besser als alle anderen zu verstehen.)

    Es geht auch anders. Pierre Bourdieu hat in den 90ern Interviews geführt mit Betroffenen, und damit genau das gemacht, was Frédéric Valin in seinen Texten vermissen lässt: Er durchdenkt seine Positionen tief und gründlich, sorgfältig wie direkt aus der Betroffenenperspektive heraus, und er spricht vor dem Verfassen von Beiträgen mit anderen klugen Köpfen. Er nimmt auch einen Politaktivisten wie Walraff ernst, als Person, mit seinen Ängsten, mit seinen Träumen, mit seinen unbestreitbaren Leistungen, und das auch dann, wenn es zunehmend wie eine Masche wirkt. Er beobachtet zunächst genau und stellt dann fest: Linke Polit-Aktivisten sind im Durchschnitt nicht so cool wie Herr Valin, und sie waren mitunter auch ganz und gar nicht sympathisch. Es gab übermoralische Hysteriker, berechnende Betroffenheitsheuchler, es sind Arschlöcher mit dabei und liebenswerte Personen, es gibt Heuchler, Opportunisten und mutige Menschen. Wer Bourdieu ernst nimmt, der verhöhnt Leute wie Walraff nicht als Armleuchter und und ekelhaft speckig gekleidete, verachtenswerte Sozialarbeiter.

    Es gibt also verschiedene, jeweils akzeptable politische Vorgehensweisen, es gibt verschiedene Vorgehensweisen als Journalist und politischer Autor, und dem gegenüber bildet sich ein weites Feld fernab höhnend abweisender Rhetorik gegenüber ach-so-schlimmen „Gutmenschen“. Wer über die Schlechtigkeit vermeintlich naiver Polit-Aktivisten meditieren will, liest Frédéric Valin. Wer es wissen will, Bourdieu.

    (Hey, das hier ist nicht ganz ernst gemeint – aber für Frederic vielleicht doch eine Möglichkeit zu überlegen, ob der von ihm gewählte – und auf Herabsetzung von Walraff gerichtete Stil seines Artikels vielleicht doch irgendwie arrogant, ätzend und unsachlich ist.)

    Im Ernst: Es ist alles halb so schlimm – und es werden sicher auch wieder bessere und sorgfältiger argumentierende Texte von Frederic kommen.

  65. 65
    suapoc

    Danke Frédéric, jetzt weiß ich auch wieder warum Spreeblick nicht mehr in meinem RSS- Reader zu finden war… Ich glaub das letzte mal war es ein ähnlich „herausragender“ Artikel von dir …

    >>Das Netz sollte die Recherchemethoden Wallraffs überflüssig machen. <<

    selten etwas dümmeres gelesen…^^

  66. 66
    vib

    Kann suapoc da nur zustimmen. Manchmal kann „das Netz“ eben auch ein ziemliches Brett vorm Kopf sein.

  67. 67

    @John Dean: Selten einen scharfsinnigeren Kommentar gelesen. Chapeau!

  68. 68
    TATsache

    Hier ist ein Channel wo einige Projekte von Wallraff vorgestellt werden u. der Film „Schwarz auf Weiß.“ Übrigens,ich finde es schade, dass eine Person wie Frau Sow, (Interview Tagesschau),sich so über die Arbeit von Herrn Wallraff äußert. Man könnte denken, sie wäre neidisch!!! http://loom.tv/channel.php?c=20923

  69. 69
    christoph

    @TATsachen,
    worauf, auf die Hautfarbe?
    Ist immer etwas problematisch, von „einer Person wie..“ zu sprechen, bestätigt jedenfalls ganz gut, was Sow dazu zu sagen hatte.

  70. 70
    Afro

    @Christoph
    „Eine Person wie“ soll heißen, dass Sie sich als Betroffene dazu positiv äußern sollte. Herr Wallraff hat eine Menge dafür riskiert und den Erfolg hat er sicherlich verdient. Frau Sows Argumente beziehen sich auf die Person Wallraff und seine Hülle als „weißer.“ Das finde ich persönlich schade. Ich bin Afrodeutsche und teile diese Meinung nicht. Ich freue mich über jede Person die sich bemüht Empathie zu empfinden. Ich denke, die Arbeit ist sehr realistisch und unter Mitwirkung von Betroffenen realisiert worden.Die Beiträge bestätigen dies.

  71. 71
    christoph

    @Afro
    weil sie betroffen ist, *soll* sie dieselbe Meinung vertreten, wie jemand, der versucht, Betroffenheit nachzuempfinden- sehe ich anders. Auch finde ich den Schluss, wer Wallraff (oder vielmehr diese konkrete Arbeit von ihm) nicht schätzt, ist nicht in der Lage, Empathie zu empfinden, ziemlich vermessen.

    ich muss zugeben, ich habe den ganzen Film nicht gesehen, aber in Bezug auf die „realistische Umsetzung“ bekomme ich das Rapsfeld-Bild von einem mit Schuhkreme eingeschmierten Weißen nicht aus meinem Kopf. Das Thema ist ja schließlich Ablehnung gegenüber Schwarzen in Dtl., nicht Ablehnung gegenüber grotesk Aussehenden. Wer weiß, eine riesige angeklebte Nase hätte vielleicht die selben negativen Reaktionen hervorgerufen.

  72. 72
    Afro

    @Christoph
    Sie sollten sich die Ausschnitte anschauen, bevor Sie urteilen.
    http://loom.tv/channel.php?c=20923

    Zu DEN BRAUNEN MOB:“Durch umfassende Informationen und Diskurse möchten wir zeigen, wie ein fairer und politisch korrekter Umgang mit allen Menschen und Themen in der Öffentlichkeit erfolgen kann.“
    Diesen Satz sollte Frau Sow mal genauer unter die Lupe nehmen, wenn sie schon für diesen Verein arbeitet.

  73. 73
    christoph

    @Afro
    schau dir meine Kommentare noch mal an wenn du magst, ein Urteil wirst du nicht finden

  74. 74
    Muss sein

    Selten hab ich sowas dummes gelesen. Nichtmal in einem Blog! Na klar, Googeln verdeutlicht die situation Farbiger in Deutschland mindestens so gut wie Wallraff. Manchmal glaube ich den besserwisserischen Blog-Klugscheißern hat man einfach nur noch ins Hirn geschissen und sie sind nicht mehr in der Lage zu unterscheiden zwischen Blödsinn den sie daherlabern, des daherlaberns wegen, und dem Unrat den sie zu kritisieren glauben.

    Dieser Beitrag ist dummes Gequassel – wie es nur ein Blogger oder der Spiegel-online produzieren kann. Jeder andere würde sich niemals die Blöße geben so einen Schwachsinn ernsthaft zu publizieren.

    Manchmal ist es einfach besser seine Gedanken für sich selbst durchzuspielen statt sie in die Welt hinaus zu blöcken. Ich weiß – Bloggern ist dies nicht bekannt.

  75. 75

    Frederic?

    Es wäre schön, wenn du auf deine Leser/Kommentatoren/innen antworten würdest.

  76. 76
    Afro

    @Christoph
    „Auch finde ich den Schluss, wer Wallraff (oder vielmehr diese konkrete Arbeit von ihm) nicht schätzt, ist nicht in der Lage, Empathie zu empfinden, ziemlich vermessen.“

    Wenn sie sich den Beitrag mal anschauen würden, dann würden sie Wissen worum es hier geht. Herr Wallraff hat nicht nur eine Rolle gespielt. Er war als schwarzer so authentisch, dass er als solcher Ablehnung und Diskriminierung erfahren hat.
    Und nicht wie sie behaupten: „Rapsfeld-Bild von einem mit Schuhkreme eingeschmierten Weißen“

  77. 77
    Mitch

    Herzlichen Glückwunsch zu unfassbar schwachsinnigsten Beitrag den ich zu diesem Thema gelesen habe. Wie alt wird der Autor dieses Blogbeitrags wohl sein? 16, 18, 20?
    Dem Inhalt und der Meinungsmache nach zu urteilen, kann „es“ noch nichts von der Welt da draussen mitbekommen haben.

    Es ist mittlerweile traurig zu sehen wie weit sich manche „Blogger“ von der Realität abgekoppelt haben. Get a life, geh mal auf die Strasse und lern das Leben kennen. Frag mal einen „Otto Normal“ was ein Blog ist bzw. ob sie schonmal von „Spreeblick“ und seinen unfassbar geerdeten Autoren gehört haben.
    Spätestens dann wirst Du merken das Du keinen Plan davon hast wie es in Realität ist und wirklich funktioniert.
    Das NETZ mit seinen Betroffenheitsforen, Blogs und RassimusRSS interessiert wirklich außer Blog-Praktikanten beim Spreeblick keine Sau da draussen. Da wird munter diskriminiert und auf die Schnauze gehauen.
    Schon Scheisse wenn es dann mal wieder von jemandem wie Wallraff aufgezeigt und gezeigt werden muss.

    Sesselfurzer, Blogpraktis und digitale Boheme laben sich derweil an der Latte im Café Spreeblick…

  78. 78
    Yavuz

    Wallraff gehört genau wie Ströbele & Co in Rente! Die leben einfach in ihrer paralell welt und sind in den 60/70er Jahren hängengeblieben. blablabla

  79. 79
    christoph

    @afro
    die Ausschnitte, die ich gesehen haben (u.A. dein Link-Danke dafür) haben mich nicht überzeugt. Mal von der schon genannten Groteskenhaftigkeit seiner Maske abgesehen, fand ich sein Auftreten alles andere als authentisch.

    Wenn man sich dumme Schnapsies sucht und diese provoziert gibt´s Stress. War schon immer so, geht nicht nur Schwarzen so. ( ja, auch Blicke provozieren – bzw. entsprechendes Klientel fühlt sich hierdurch provoziert, und nein, fair ist das nicht).

    übrigens sieht man das bei der Sueddeutschen ähnlich wie Frederic

    http://www.sueddeutsche.de/kultur/355/492709/text/

  80. 80

    Man hätte darüber schreiben können, dass Wallraff (ab jetzt mit Doppel-L!) kein guter Vertreter der eigenen Sache ist – jedenfals nicht in diesen Talkshow-Formaten. Man hätte schreiben können, dass seine Art des Auftretens oftmals ungeschickt ist, so löblich seine Bücher und seine Anliegen auch sind, und dass er damit oft genug seinen Gegnern, bis hin zu den ekelhaftesten neo“liberalen“ Widerlingen, das Leben leicht macht. Man hätte darüber schreiben können, dass sich Wallraff auf seine öffentlichen Auftritte nur ungenügend vorbereitet, so, als ob es in der heutigen Zeit und im Umgang mit mediengewandten Vertretern des Arbeitgeberlagers ausreichend sei, ein Buch geschrieben zu haben.

    Insgesamt, finde ich, kann man Linken (und Altlinken wie Wallraff besonders) mangelnde Befähigung im Umgang mit Medien vorwerfen. Das alles (und noch deutlich mehr) kann man an Wallraff kritisieren. Zudem bleibt bei mir persönlich, Wallraff gegenüber, ein deutliches Unbehagen – auch Unbehagen über bis zur Manipulation reichende Einseitigkeit, mit der Wallraff die Verhältnisse betrachtet, ja, ich finde sogar (trotz aller Bewunderung für diesen Mann), dass er etwas Schmieriges an sich hat – ich würde es aber nicht an seiner Kleidung festmachen – und ich bin mir ziemlich unsicher, so sicher ich diese Empfindung auch habe, woher diese rührt.

    Und ich muss sagen, in fast jeder Sendung in der letzten Zeit, wo Wallraff teil nahm, da wünsche ich ihn einen Sascha Lobo zur Seite, also jemanden, der geistig frisch und schlagfertig ist, und – vielleicht – in der Lage ist jemanden wie Henkel ein gutes Stück weit zu demontieren, wenn dieser gerade versucht einen a-sozialen und zu Gesetzbruch anstiftenden Menschenfeind wie Naujoks zur Seite zu stehen.

    Wie gesagt: An Wallraff gäbe es viel zu kritisieren. Aber nur weniges davon käme in Attitüde und Argument auch nur in die Nähe dessen, was Frederic vom Stapel gelassen hat. Frederic hat kaum mehr geschrieben, als dass er Wallraff widerlich findet und dass „dank Internet“ die Recherchemethoden von Wallraff überflüssig geworden seien.

    Sorry Frederic: Das war einfach doof. Und dann zum Schluss noch den Knaller mit Bordieu. Als ob deine Spreeblick-Leser nicht merken könnten, was du hier abziehst.

    Nächster Artikel: Bitte besser machen!

  81. 81
    Stefan Schmidt

    Günther Wallraff ist wohl der einzigste mutige Journalist der sich nicht vor dem System versteckt und die Missverstände vertuscht oder kleinredet. Ja der deckt auf und bringt Skandale zum Vorschein. Wahrheiten die für manche Firmen, Behörden oder Einrichtungen ein Schlag in die Magengrube bedeutet aber genau das ist das was Günter Wallraff erst zu der wertvollen Person macht.

    Die menschenunwürdigen Lebensbediengungen müssen aufgedeckt und verfolgt werden.

    Für seine Zivilcourage, seinen Mut und manchmal auch harten Arbeitsbedinungen verdient er meine höchte Anerkennung.

  82. 82

    Günter Wallraff verehreich sehr. Wallfraff ist ein mutiger Mann der die Werte unserer Gesellschaft hinterfragt und Missstände aufdeckt. Genau solche Menschen braucht unser Land !!! Nicht wegsehen sondern genau hinsehen. Günter verkörpert das Wort Zivilcourage.

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