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Evolutionstheorie revisited

Beim Durchblättern von „Das große fabrige Buch der Tiere“ (ich kann nichts dafür, er nennt es so und noch hat er selbst kein Blog, ich sitze also vorerst am längeren Hebel) landen der jüngere Sohn und ich bei den Greifvögeln, von denen einer ausnahmsweise zwei Zehen vorn und zwei hinten am Fuß hat — so kann er besser Fische aus dem Wasser greifen. Ich umschreibe die Wunder der Evolution und sinniere darüber, wie faszinierend es doch sei, dass die Natur dem Vieh genau die Werkzeuge gegeben hat, die es für die Nahrungsgewinnung braucht.

Die sich verdrehenden Augen des Sohnes, sein gekünsteltes Gähnen lassen mich schließen: Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich vor ihm so sehr über etwas so langweiliges freue. Doch er hat Erbarmen: „Klar“, sagt er, „ist ja beim Menschen auch so.“

Gespannt warte ich gütig lächelnd auf seine Erkenntnisse.

„Wir haben zum Beispiel zwei Beine!“

Toll. Mein Sohn.

„Damit wir leichter zum Kühlschrank kommen.“

Es ist soweit.
Der jüngere Sohn ist in dem Alter, in dem er mich gezielt verarscht.
Morgen lesen wir zur Strafe „Krieg und Frieden“.
Wer zuerst schläft, hat verloren.

25 Kommentare

  1. 01
    malefue

    „die natur“ gibt uns nichts mit, derjenige der die besseren greiforgane hat, überlebt.

    würde die evolutionstheorie nicht immer so falsch erklärt werden, gäbs diese ganzen evangelien-spinner nicht.

  2. 02

    Und gäbe es nicht immer so viele besserwissende Kommentatoren-Spinner würden Blogs vielleicht auch mal wieder Spaß machen.

  3. 03

    @malefue: Naja, für irgendwas schickt man die Jungs ja in die Schule. Damit sie später mal dumme Blog-Autoren korrigieren können. ;)

    Im Ernst: Schonklar, schonklar „¦

    @robert: Da ist aber auch was dran. :)

  4. 04
    Jeriko

    @robert: Made my day :-)

  5. 05
    Hanoi

    pssst, farbig. Nicht fabrig. Oder nennt er es wirklich so? Oder ist es fahrig?

  6. 06

    @Hanoi: Er nennt es so. Manches klappt halt noch nicht ganz. :)

  7. 07

    …aber irgendwas habt ihr ganz schön richtig gemacht :)

  8. 08
    malefue

    @Johnny Haeusler: so böse sollte das gar nicht klingen, sorry.
    und ja, meine eltern sind auch sehr stolz, dass ich a-blogger korrigiere…
    : D

  9. 09

    Es ist das erste Mal wo du mitbekommst dass er dich gezielt verarscht.

  10. 10
    peter h aus b

    @jens: Made my day!

  11. 11

    @malefue: Kein Problem. Du hast ja auch recht. :)

    @jens: Und du leider auch „¦ ;)

  12. 12
    Nico Roicke

    peter und tim haben da auch noch so einen bisher unbekannten brief vom darwin gefunden

  13. 13
    fredge

    Ich muss auch nochmal malefue aus 1) recht geben und ihn bestätigen. Du, lieber Johnny, schreibst:

    „wie faszinierend es doch sei, dass die Natur dem Vieh genau die Werkzeuge gegeben hat, die es für die Nahrungsgewinnung braucht.“

    Die Kausalstruktur, die Du aufweist, funktioniert leider genau andersherum.

    Wäre Dein Sohn dümmer, hätte er gefragt, wieso die Natur AUSGERECHNET DIESEM Vogel die Klauen gegeben hat. Tatsache (zumindest nach Darwin) ist, dass niemand, weder Natur noch Gott, DEM Vogel etwas gegeben hat, sondern dass, um es ganz vereinfacht ohne zeitliche Spanne darzustellen, wahrscheinlich 50 Milliarden anderer Vögel verreckt sind, weil sie keinen Fisch aus dem Wasser ziehen konnten (ich weiß, dass in dem Sinne natürlich keine 50 Milliarden Vögel verreckt sind).
    Warum ich die ganze Schose mit 50 Milliarden so drastisch mache? – Weil, was malefue schon ansprach, die Besinnung des Menschen auf das Göttliche nichts ist als die Hoffnung auf das einfache Leben, auf das Vergessen der eigenen Denkfähigkeit; weil es nichts ist als die Besinnung auf die einfachsten Strukturen, die alles „schön“ erscheinen lassen und zwar im profansten Sinne überhaupt: als verdrängt. Es gibt keinen Kampf. Es gibt kein „Survival of the fittest.“ Wenn man nur gut ist (was das auch immer heißen soll), dann hilft einem schon der liebe Gott oder Allah.

    Im Ernst: Wer von Euch denkt über die Evolutionstheorie WIRKLICH so, dass er oder sie sie mit allen Konsequenzen akzeptiert? Es gibt keinen Gott! Es gibt keinen Sinn! Es gibt kein Ziel! Es gibt keine Freude! Es gibt gar nichts in dieser Welt, außer dem Sinn, den man ihr selbst einräumt.

    Ich klinge unglaublich besserwisserisch, das ist mir schon klar. Aber mich kotzt dieser Kreationismusscheißdreck dermaßen von an, dass ich so reden muss. Wenn ich hier in Berlin auf irgendwelchen Partys irgendwelche Leute kennenlerne und wir irgendwann über sowas wie Religion sprechen (schlimm genug, für eine Party, ich weiß) und mir innerhalb kürzester Zeit ein „Ja, aber“ entgegenschlägt (wohlgemerkt von jungen, „aufgeklärten“ (MY ASS!!!) Menschen), weil die Leute es offensichtlich einfach nicht aushalten, dass sie, dass wir, dass alle allein sind und das es NICHTS gibt, dann will ich am liebsten kotzen, das Darwin, der größte lebensbejahende Naturwissenschaftler ever anscheinend so schnell aus purer Angst verdrängt wird.

    Und Kommentator Nr. 2, robert: GENAU das ist es. Heute mal nicht denken. Heute einfach mal nur konsumieren. Heute einfach mal Spaß haben. Heute einfach mal fünfe gerade sein lassen. Heute einfach mal dem Juden die Schuld geben.

  14. 14
    gverilla

    @fredge:Wow, der letzte Satz liest sich schon stark übertrieben!
    Du hast ja anscheinend echt Wut angestaut, aber wenn Johnny hier eine Anekdote erzählt und wir hier nicht eine falsche Formulierung in der Luft zergreifen, macht uns das dann nicht zu Antisemiten. (Godwins Law lässt grüssen…)
    Ich begreife auch nicht, wieso der Artikel nicht mit Spass genommen werden darf, er beansprucht doch keine wissenschaftliche Richtigkeit!
    Also tut mir leid, aber da bist du echt über das Ziel hinausgeschossen!

  15. 15
  16. 16
    fredge

    @Johnny Haeusler: Good point. ;-)

    gverilla: Ja, natürlich. Aber von Antisemitismus rede ich auch nicht. Angestaute Wut? – Unglaubliche.

    Ich hätte sicherlich sachter formulieren können. Sicherlich. Ich denke so, manchmal muss es einfach so raus.

  17. 17

    mehr davon, johnny. mehr von deinen stories aus dem alltag, dem leben, vor allem, dem leben mit deinen kindern. ich mag es. :D

  18. 18

    @jens: Danke, das ist nett. Ich bin aber schon länger nicht mehr sicher, ob das hier der richtige Platz ist. ;) Aber der Trend geht ja eh zum Zweitblog „¦

  19. 19

    Ich denke auch nicht, dass Spreeblick der Blog für persönliche Erlebnisse ist. Doch man könnte einiges in die „Positionen“-Kategorie einordnen, stimmt schon. Ich finde es noch passend.

  20. 20

    @fredge: Wow. In einem Kommentar den Sinn des Lebens erklärt und alle anderen Erklärungen ausgeschlossen. Cool. Jetzt noch Geld aus dem Inquisitions-Fond der Darwin-Kirche und bald haben wir alle Spinner los, die es sich zu einfach machen ;)

  21. 21
    Martin

    @fredge: Ja aber …. Evolutionstheorie heisst nicht automatisch, dass es keinen Gott gibt.

    – Was, wenn ein Gottwesen von außen die Evolution gestartet hat (durch gezielte Erstellung der ersten nötigen Aminosäuren)
    – Was, wenn dieses Gottwesen zwischendurch sogar mal eingegriffen hat („Das hier mit den Dinosauriern führt ja zu nix, ich resette mal alles was größer als n Meter ist.“)
    – Was, wenn dieses Gottwesen uns ab und zu mal zuguckt und sich freut, dass es jetzt permanent Big Brother gucken kann

    Ich finds nich wahrscheinlich, oder gar zwingend. Aber zwingend keinen Gott gibts auch durch die Evolutionstheorie nicht.

  22. 22
    Muss sein

    Vielleicht sollte sich der Autor nochmal mit dem Prinzip Evolution befassen. Es verhällt sich genau umgekehrt. Die Umwelt verändert das Lebewesen. Die Nahrung gibt vor welche Gliedmaßen sich entwickeln. Aber Leute die schreiben haben ja meistens Physik, Chemie, Biologie in der Schule abgewählt, sobald dies möglich war. Ein großes Problem dass das deutsche Schulsystem unter den Journalisten verursacht. Allgemeinbildung ist meist schlecht ausgeprägt in Deutschland, dafür beherrschen alle die Rechtschreibung.

  23. 23

    @Muss sein: Vielleicht sollte sich der Autor des Kommentars nochmal mit dem Prinzip „lesen“ beschäftigen. Es verhält sich anders als er denkt: In den Kommentaren werden schon Kritiken abgefasst und der Autor reagiert manchmal darauf. Darin gibt er auch gelegentlich Unzulänglichkeiten des Textes zu bzw. relativiert, dass die Ausdruck hier der einfachen Kommunikation mit einem Kind geschuldet ist. Aber Leute, die Journalisten in naturwissenschaftlicher Hinsicht korrigieren, gaben in der Schule meistens nicht viel auf den Deutschunterricht, wo sie hätten lernen können, dass man alles lesen sollte, bevor man etwas kritisiert. Ein großes Problem unter diesen Menschen: Sie halten sich für allgemein gebildet, soziale Interaktion und Textverständnis sind aber eher eingeschränkt.

    PS: Nicht alles zu ernst nehmen und vorher alles lesen, bevor man Journalisten als naturwissenschaftliche Noobs pauschalisiert. :)

  24. 24
    fredge

    @Martin: Das ist wohl wahr. Ich bin ja auch schon gescholten worden. Vielleicht sollte ich auf religionsrelevante Themen einfach nichts mehr schreiben – ich werde jedesmal emotional.

    Meine Meinung, dass es keinen Gott gibt, bleibt bestehen. Aber selbstverständlich kann jeder anders darüber denken. Hauptsache, man versucht exakt zu bleiben und den Anderen ausreden zu lassen. Das klappt hier ja gerade ziemlich gut.

    BTW: Johnny hat die Gabe, mit einem Satz das Richtige zu sagen. Das ist echt super!

  25. 25

    @fredge: Das ist nett, die Gabe hätte ich zwar gerne, das klappt aber keineswegs regelmäßig.

    Das völlig irre an dieser Debatte ist: Ich weiß nicht einmal, ob ich es wirklich genau so gesagt habe. Vielleicht habe ich nämlich auch gesagt, dass dieser Vogel nur durch genau die richtigen Krallen überleben konnte. Ich weiß es nicht mehr, die Geschichte ist lange her. Es ist mir aber — obwohl ich es gerade tue — eigentlich zu blöd, solche Geschichten auch noch zu erklären oder zu rechtfertigen.

    Ich bin Atheist, und was meine Kinder glauben oder nicht, werden sie selbst herausfinden, (fast) egal, was ich, Großeltern, die Lehrer, Geistliche, ihre Kumpels ihnen erzählen. Der Witz ist: Das ist in diesem Fall alles total schnuppe. Es ist eine Geschichte, kein Glaubensbekenntnis. Es geht um die Pointe, nicht um einen Nebensatz. Die Diskussion ist unfassbar albern und zeigt einmal mehr: Es ist völlig egal, was man schreibt, es wird eh nur das (heraus)gelesen, was man gerne herauslesen will. :)

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