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Transit Teheran – Pop, Kunst, Politik, Religion. Junges Leben im Iran.

Blicke von außen, Beurteilungen, Bewertungen, Abschätzungen, Verdächtigungen, von all dem gibt es viel zum Thema Iran. Seit Bush den Iran zum Mitglied der Achse des Bösen ernannte, fühlt sich schlechterdings jeder dazu berufen, seinen ganz persönlichen Iran-Eindruck kundzutun. Was auf der Strecke bleibt, sind authentische Stimmen.

Transit Teheran ist deswegen ein seltenes und wertvolles Zeitzeugnis. In dem Band kommen Iraner und Iranerinnen zu Wort, die häufig in Opposition zum Regime und zur offiziellen Doktrin stehen, aber meistens nach wie vor dort leben und arbeiten. Journalisten, Schriftsteller, Karrikaturisten, Maler und Fotografen geben einen vielschichtigen, schillernden Eindruck der iranischen Lebenswirklichkeit, der gerade wegen seiner Komplexität nachvollziehbarer ist als die übliche Dämonisierung.

Da wäre zum Beispiel die Reportage von Roya Karimi, die eine der dortigen 199 Koranschulen für Frauen besucht hat: Natürlich spricht sie über die Diskriminierung innerhlab der iranischen Gesellschaft und der für westliche Ohren absurde Fixierung auf Religion. Gleichzeitig aber trifft sie Kommilitoninnen, die den Koran studieren, um Argumente gegen die Unterdrückuung durch Vater, Brüder und Ehemann zu finden. Und fündig werden. Sie erzählt von Zoreh Sefati, einer der wenigen weiblichen Ayatollahs, die in ihren Artikeln die Voreingenommenheit der männlichen Juristen angreift, die behaupten, eine Frau könne nicht in höchste religiöse Weihen kommen. Gleichzeitig ruft sie ihre Mitgläubigen auf, die religiöse Hierarchie zu unterwandern, eine Art muslimischer Marsch durch die Institutionen, eine feministische Revolution von unten.

Die Sache der Frau nimmt viel Platz ein in diesem Band. Es gibt Beiträge zur weiblichen Polizeieinheit in Teheran, zu Prostituierten unter dem Schah-Regime, über das Leben einer Frau nach der Geschlechtsumwandlung und über die Aktionsgruppe „Weiße Kopftücher“, die versucht, sich bei Nationalmannschaftsspielen Zutritt zum Fussballstadion zu verschaffen.

Insgesamt sind in dem Band 31 Beiträge versammelt, Porträts, Farbfotografien, Geschichten, Artikel. Viel zu viel, um in dem Artikel auf jeden Aspekt einzugehen. Drum bleibts an dieser Stelle bei der Empfehlung. Der Band kostet zwar stolze 39 Euro, die ist er aber auch wert.

Weitere Stimmen: Der digitale Flaneur und Angela Schader (NZZ) sehens ähnlich wie ich.

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6 Kommentare

  1. 01
    kegel

    Im Koran wird man wohl keine Argumente gegen die Unterdrückuung durch Vater, Brüder und Ehemann finden.
    Schließlich heißt es in Sure 4 Vers 34:
    Die Männer stehen in Verantwortung für die Frauen wegen dessen, womit Allah die einen von ihnen vor den anderen ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Besitz (für sie) ausgeben. Darum sind die rechtschaffenen Frauen (Allah) demütig ergeben und hüten das zu Verbergende, weil Allah (es) hütet. Und diejenigen, deren Widersetzlichkeit ihr befürchtet, — ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie.
    Und ehe ihr jetzt sagt, das sei nicht richtig übersetzt: Es ist die Übersetzung vom Portal islam.de, verantwortet vom Mustermuslim und FDP-Mitglied Aiman A. Mazyek

  2. 02
    Frédéric Valin

    War ja klar, dass das Thema wieder selbsternannte Koranexperten anzieht.

  3. 03
    no religion

    @kegel: ist ja ein komischer Zufall, sowas ähnliches steht auch bei
    Paulus, Epheser 5, 22-24
    Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat. Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen.

  4. 04
    kegel

    Bin ja auch kein Bibelfan, wobei sich die Bibel vom Koran darin unterscheidet, daß das neue Testament das alte- zumindest in der heutigen Interpretation- hinsichtlich der Gewaltlastigkeit aufhebt. Der Koran dagegen wird zum Ende hin immer intoleranter. Und bezeichnenderweise fordert selbst das alte Testament nicht das Schlagen der Frauen. Die Gutmenschemanzen der heutigen Zeit werden im alter ihr blaues Wunder-wörtlich zu nehmen bei blaugeschlagenen Fressen- erleben, wenn der Koran kommt, den sie hoffähig gemacht haben. Ich als Mann werde wenig Probleme haben. Werde konvertieren und dann eben ganz legal Frauen schlagen. Mir ist heute schon manchmal danach, später mal werd ichs legal ausleben können.

  5. 05
    julian_2.0

    @kegel … „Gutmenschemanzen“ … , … „wenn der Koran kommt, den sie hoffähig gemacht haben“ …
    Geht doch bitte zurück zu PI. Es nervt und ist langsam langweilig.

  6. 06

    Feeett ey, jetzt kenn ich die Steigerung von Gutmensch. Ich bleib vorerst aber mal bei der Gutmenschlichkeit, man will ja nicht noch überfordern. Oben rum ist bei manch einem ja auch nicht immer alles im Lot.

    Zum Thema: Super Sache. Nur unterstützenswert und weil es ja Kommentare sind, hier noch ein schönes Video vom letzten Montag:
    http://www.youtube.com/watch?v=vP59nEgKoDE

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