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Männer die auf Ziegen starren

Der vermutlich beste Filmtitel des Jahres, Jeff Bridges, Kevin Spacey, als Story eine Armeeparodie mit übersinnlichem Einschlag, eines der besten Filmplakate seit Fritz Lang — der Film hat auf dem Papier alle Voraussetzungen, fantastisch zu sein. Und doch ist es am Ende nur ein besserer Louis de Funès für Stoiker.

Ach, was hätte man daraus alles machen können: Bob Wilton (solide: Ewan McGregor), abgehalfterter Journalist und mitten in einer Krise, die er Leben nennt, trifft im Kuwait von 2003 auf Lyn Cassady (George „žSchnauz und keine Mimik“ Clooney), dem begabtesten Rekruten der New Earth Army. Die New Earth Army ist eine Einheit innerhalb der US-Streitkräfte, die parapsychologische Kampftechniken anwendet; Lyn Cassady beispielsweise tötet durch schieren Blickkontakt eine Ziege.

Was für eine schöne Militärparodie hätte das werden können! Eingangs wird erwähnt, dass an der Story mehr dran ist, als man auf den ersten Blick glauben möchte: die New Earth Army gab es wirklich einmal, sie hieß First Earth Batallion, eines ihrer Ziele war die Rettung von Tieren und die Krieger sollten sich durch Urschreitherapie, Yoga und Meditation auf Kampfeinsätze vorbereiten. Der friedliebende und weltumfassende Geist der Esoterik trifft auf den martialischen, partikularen Zug des Krieges – da kann überhaupt nichts schiefgehen. Wenn sich in diesem Spannungsfeld keine Komik entwickeln lässt, hilft auch die Lachtherapie nichts mehr.

Der Film schafft das unglaubliche: er ist weder gut noch schlecht. Da er die Armee nur als Hintergrunddeko verwendet, wird nie die erhoffte Militärparodie draus; und weil er sich darin erschöpft, sich über schrullige Esoterik lustig zu machen, hat man bald das Gefühl, all die Witze schon einmal gehört zu haben. Es wirkt alles ein wenig dröge und bemüht; außer, Jeff Bridges tritt auf und legt die Hand in die Seite.

Alles in allem kann man getrost warten, bis der Film auf DVD rauskommt. Für einen gemütlichen Abend zu Hause reicht’s allemal; extra dafür ins Kino zu gehen allerdings, das ist übertrieben.

23 Kommentare

  1. 01
    Andi

    Hmm, mir scheint, der Autor hat ein Wahrnehmungsproblem, was das Lebenswerk von Louis de Funès angeht…

  2. 02
    Nico

    Das ziemlich kritische Filmlexikon findet den Film wohl allerdings ziemlich gut. Und so fundiert ist diese Rezension ja nun nicht. Ich werd mir wohl selbst ein Bild machen.

  3. 03

    Wenn der Film ein besserer Louis de Funès ist, ist er wohl ziemlich phantastisch. Von daher freue ich mich schon mal drauf.

  4. 04
  5. 05
    Nico Roicke

    so ein quatsch. der film is super.

  6. 06
    Bill_Door

    „Der Film schafft das unglaubliche: er ist weder gut noch schlecht.“

    Das trifft es recht gut. Ich war nach dem Film weder enttäuscht, noch begeistert. Einige gute Gags und tolle Schauspieler, aber wirklich zünden will das Ganze nicht. Hätt mir mehr Fokus auf die New Earth Army gewünscht. Durch die „Road Movie“-artige Haupthandlung mit Wilton und Cassady verkommt die Geschichte der NEA zu Beiwerk und wirkt seltsam anekdotenhaft. Zum Schluss (bei dem ich dachte, dass es jetzt nochmal richtig interessant wird) wirkte der Film dann gehetzt, als müsste man das Ganze jetzt schnell zu einem Ende bringen.
    Ich hab mich nicht geärgert, das Geld für’s Kino ausgegeben zu haben, aber werd den Film sicherlich bald weitgehend vergessen haben.

  7. 07

    Spaltet ganz schön, der Film.

    Ich behaupte (Totschlagargument, ich weiß): Wer ihn richtig schlecht findet, hat ihn null verstanden, wer mehr erwartet hätte, ist an den eigenen Erwartungen gescheitert.
    Ein „hätte doch so schön sein können, wenn nur…“ ist hinterher jedenfalls sicheres Zeichen, dass man gewissermaßen disponiert rein, und daher zwangsläufig enttäuscht wieder aus dem Kino raus gegangen ist.

    Die inakzeptable Übersetzung des Titels reiht sich da ein: Missverstanden, von vorne bis hinten. Wir haben uns da schon einmal komplett drüber echauffiert: http://www.hirngerechte-gestaltung.com/2010/03/sprachtsunami.html

  8. 08
    Bill_Door

    Die holprige Titelübersetzung ist mir auch negativ aufgefallen. Bei deutschen Übersetzungen muss man ja aber fast dankbar sein, dass kein noch größerer Blödsinn dabei rausgekommen ist. „Up“ mit „Oben“ zu übersetzen fand ich ähnlich schlecht. Die letzte wirkliche Übersetzungskatastophe fand ich aber den den deutschen Titel für „The Hurt Locker“ : „Tödliches Kommando“, klingt nach 80er Jahre Actionreißer

  9. 09
    Jan(TM)

    Ich hatte keine Lust Monate zu warten, bis auch mir Unwürdigen dieser Film im Kino angeboten wurde. Also hab ich ihn mir telepathisch besorgt und nicht mal bis zum Ende geschaut. Das war als ob ich mir die zehnte Wiederholung einer frühen Bully Show angesehen hätte. Zum Glück war die Big Lebowski DVD in Griffweite.

  10. 10
    Martin

    Den Film werde ich mir nicht anschauen, auch wenn ich die Schauspieler allesamt mag.
    Der Film der mich derzeit am meißten reizt, wäre Paranormal Activity. Scheint ja wieder neue Maßstäbe zu setzen. Aber ich traue mich einfach nicht.

  11. 11
    Black Carpet

    Klingt, als hätten dir deine Militärparodie-Erwartungen das Kinovergnügen ein wenig vermiest. Ich glaub, ich schaus mir mal an und versuche bis dahin, möglichst wenig falsche Erwartungen aufzubauen. Dieser Artikel kann dabei nur hilfreich sein. ;)

  12. 12

    „nur ein besserer Louis de Funès für Stoiker.“
    „nur“ ein besserer Louis de Funès für Stoiker?
    Louis de Funès für Stoiker?
    Ich bin verwirrt, hab den Film gesehen, befand ihn für gut, aber enttäuschend. Wegen der Erwartungshaltung.

  13. 13
    Rox

    Gut aber enttäuschend.
    Schließe mich an.

  14. 14
    michael

    Langweiliger Film, kein bisschen lustig. Und ich hatte noch nicht einmal irgendwelche Erwartungen. Muss also schon schlecht sein.

  15. 15
    mekong

    Ein sehr guter Film. Einer von der vielschichtigen Art, wie sie nur die Amis produzieren können. Ein Film, der im Gegensatz zu vielen anderen, die eigentlich nur einen bekannten Plot variieren, einen wirklich staunen macht. Einen Film, den man verblüfft und durchaus gut unterhalten bis zum Ende sieht und denkt: „Den muss ich mir noch mal anschauen“.

    Klar, wenn man den jetzt in einen Schublade zwängt und mit dem anderen Kram in der Schublade vergleicht, dann kommt man zu so Kritiken wie dieser hier. Aber man tut dem Film damit unrecht. Ein kleines, feines Meisterwerk!

    Apropos: ich habe „The Hurt Locker“ gesehen und fand den Film allenfalls durchschnittlich gut. Große Teile der Handlung waren bereits nach wenigen Tagen vergessen. Und beim besten Willen: ich habe 3 mal versucht mir zusammen mit meinem Sohn „Up“ anzusehen. Wir sind nicht über ca. 50% hnausgekommen.

  16. 16
    Jan

    Ich habe ihn am Dienstag gesehen. Ich kann mich diesem Beitrag eigentlich nur anschließen.

    Ich glaube aber, diese unterschiedliche Wahrnehmung liegt sehr stark an der Erwartungshaltung. Ich habe mich sehr auf eben eine Militärparodie gefreut. Leider gibt es nur sehr wenige Ausschnitte, bei denen diese Seite des Films aufblitzt.

    Er ist nicht schlecht, aber man hätte so viel mehr daraus machen können.

  17. 17

    Der Film beruht auf dem gleichnamigen Buch des Journalisten Jon Ronson. Dieses Buch ist – so humorig und genreunüblich es auch daherkommen mag – eine Reportagesammlung. Daraus ist hier einfach kein gutes Drehbuch geworden: Es fehlt die Hauptfigur, die einen fesseln würde, und es fehlt die Geschichte dazu. Die Motive der Reportagesammlung sind mit den großartigsten Schauspielern zum Leben erweckt worden, aber daraus entsteht eben nicht automatisch ein großartiger Film.

  18. 18
    helmut

    Es ist keine Komödie, eher eine Parabel, die viel Spass macht.
    Ich war positiv überrascht. Aus dem Ecke Kriegsfilm gibts ja nicht so viel zwischen platt und roh.

  19. 19
    mc bastard

    ich war umsonst drin… bayern3 kino premiere in bad kissingen… fand ihn ganz lustig zu beginn, hat dann den ein oder anderen hänger und wird am ende nochmal gut… aber insgesamt kein überragender film, aber hat mich unterhalten, was heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist.

  20. 20
  21. 21

    Vielleicht ist der Film in den Medien einfach falsch beworben worden? Ich habe auch gehört, dass er ziemlich schlecht ist, weil eben keine großen Brüller drin sind und man eben genau das erwartet.

    Deshalb werde ich ihn mir irgendwann auf DVD anschauen, wenn die Welle abgeklungen ist.

  22. 22
    Jens

    Also ich fand den Film gut – hatte keinerlei Erwartungshaltung.
    Kann es sein dass die deutsche Synchronisation da viel kaputt
    gemacht hat? (habe die englische OV gesehen)?

  23. 23

    Das einzig Lustige an dem Film ist die Szene in der George Clooney Ewan McGregor aka Obi Wan Kenobi erzählt, er sei ein Jedi :D

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