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How I found Jesus but lost my mind

Niemand hat so wenig Humor wie überzeugte Kirchenanhänger. Gut, außer Helmut Kohl. Dafür sind sie komisch bis zum Exzess, sobald sie sich aufregen.

Was die Titanic dieser Tage erfahren durfte. Die hatte nach den Missbrauchsskandalen eine Karrikatur aufs Titelblatt gehoben, worauf ein Priester vor einem Kruzifix kniet und augenscheinlich Jesus einen bläst. Daraufhin haben sie nicht nur ein paar (sehr lustige) Anrufe bekommen, sondern auch knapp 100 Beschwerden beim Presserat, einige Anzeigen wegen Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft (vielleicht auch wegen groben Unfugs, wer weiß) und empörte Kommentare, zum Beispiel der von Helmuth Matthies auf kath.net.

Doch zu der unvergleichlich schlimmeren Gotteslästerung des „Titanic“-Magazins gab es keinen Aufschrei, obwohl täglich Hunderttausende mit dem blasphemischen Titelblatt an Kiosken und in Buchhandlungen konfrontiert werden. Spekulieren wir mal über die Gründe: Hat das Schweigen damit zu tun, dass man sich sagt: Es ist eben Satire? Doch darf man einfach hinnehmen, dass an den wichtigsten christlichen Feiertagen der Kreuzestod Jesu derart gotteslästerlich missbraucht wird?

Auch mit dabei: der unvermeidliche Vorwurf, mit Mohammed hätte man das nicht gemacht, der Hinweis auf Missbrauch in der DDR und natürlich die Mailadresse des Presserates, damit man gleich in heller Aufregung an betreffende Stellen wenden kann. Als wäre man versehentlich auf Politically Incorrect gelandet.

Norbert Geis legt noch einen drauf und spielt die verfemte Unschuld:

Die Hetze gegen die katholische Kirche findet kein Ende. Die Schreiberlinge in den Redaktionsstuben gebärden sich wie losgelassene Kettenhunde. Der Papst ist lächerlichen und kleinkarierten Angriffen ausgesetzt. Gegen Bischof Mixa werden in der Presse bodenlose Vorwürfe erhoben. Den vorläufigen Gipfel aber hat sich die Zeitschrift „Titanic“ geleistet. Auf dem Titelblatt der Aprilausgabe wird der gekreuzigte Christus in einer Weise verhöhnt, wie man es sich primitiver kaum vorstellen kann.

Und, mein Lieblingssatz:

Das Gesicht des Gekreuzigten wird mit dem Ausdruck eines blöden Menschen dargestellt.

Kurzum: Gottes Anhänger haben nicht gelacht.

Sie haben ein großes Vorbild, denn Gott lacht nicht. Meistens ist er gneisig. Manchmal traurig. Und hin und wieder ratlos. Kurzum: Gott ist depressiv. Nicht den Menschen hat er nach seinem Vorbild gestaltet, sondern den Bären: dem fehlen die entsprechenden Muskeln im Gesicht, die die Mimik steuern. Ein Bär kann nicht nur nicht lachen, sondern noch nicht einmal ein Schnütchen ziehen.

Religion und Humor, das passt wie Schuh in Scheiße. Die Religion hat zwar Pointenpotential, aber nur für Atheisten. Ein Gottesdienst ist lustig, wie das Musikantenstadl lustig ist: Man kann es nicht fassen, dass die das alles ernst meinen.

Die Religiösen sehen das natürlich anders. In einem fürchterlich drögen Interview erzählte einst Jürgen Becker die lustigste Anekdote, die ihm zum Thema Predigt einfällt: Der Pfarrer steht auf der Kanzel und rasiert sich. Die Kirchenbesucher sitzen davor und warten. Nach einer Weile sagt der Pfarrer: „So, ihr könnt jetzt nach Hause gehen und sagen, der Pfarrer stand auf der Kanzel und hat sich rasiert. Das glaubt euch bestimmt keiner.“

Haha!

Entschuldigung. Ich habe darüber gelacht.

In der Bibel gibt es nicht eine lustige Stelle. Nicht eine. Wenn überhaupt, ist sie unfreiwillig komisch. Unfreiwillig komisch sind sie oft, aber nie geistreich oder unterhaltsam. Alles ist bedeutungsschwanger. Ich habe noch nie ein Jesusportrait gesehen, auf dem er gelacht hätte. Dominus risu abstinuit – der Herr enthielt sich des Lachens. Christen sind Humor nicht gewöhnt.

Jaja, schon gut, so pauschal kann man das natürlich nicht sagen. Lachen und Humor scheidet die fundamentalistischen von den liberaleren Gläubigen, in allen Glaubensrichtungen. Die Fundamentalen kennen nur die Hysterie, was seltsam ist, weil sie doch davon ausgehen, dass Gott sein Werk irrsinnig ernst nimmt.

Erstaunlich: Nicht nur Mario Bath braucht überhaupt keine Pointen, um sein Publikum zum Ausflippen zu bringen. Amerikanische Prediger können das auch.

„How I found Jesus but lost my mind“. Ein erstaunlich selbstironischer Satz für eine Veranstaltung, die ernsthaft den Sinn des Lebens zum Inhalt hat.

Aber am Ende war er vermutlich nicht einmal ironisch gemeint.

72 Kommentare

  1. 01

    Kann ich so natürlich komplett gutheißen.
    Aber WAS ZUM FICK ist das für ein Video mit dem Saal voller Menschen?
    Aaaah…
    Lachen lässt sich nicht so gut regieren, jedenfalls nicht komplett. Ich glaube, dass das unter anderem dazu geführt hat, dass die Komödie heutzutage zumindest bei uns Bedeutungsschwangeren spätestens nach drei Tagen abgetrieben und nicht der Tragödie auf gleicher Höhe entgegnet wird wie dereinst. Gerade von den Schwerreligiösen.

  2. 02
    Frédéric Valin

    @form: Da stimm ich zu: Dem Witz wohnt auch immer etwas angriffslustiges, aggressives inne. Das kann ein totales Erklärungsmodell natürlich nicht dulden.

  3. 03

    Karikatur kommt nicht von Karre. Davon abgesehen: Das Titanic-Titelblatt ist imo nicht beleidigend oder blasphemisch, es ist nur doof. Wer sowas lustig findet, lacht auch über Mario Barth.

  4. 04
    Martin

    Ich finde das Titelbild schon zum schmunzeln. Sehr böse.
    Aber man muss eingestehen, dass es ein bißchen mehr Aufruhr gäbe, wenn der Islam vergleichbar despektierlich in Szene gesetzt werden würde. Insofern finde ich die Reaktion der Kirche noch verhalten. Man darf natürlich niht vergessen, dass sie ja selbst den Anlass dazu gegeben haben.

  5. 05
    samuel

    „Dominus risu abstinuit – der Herr enthielt sich des Lachens. Christen sind Humor nicht gewöhnt.“

    Mooment.
    Soll das jetzt suggerieren, dass ein Werk, um wirklich „gut“ zu sein, auch lustig sein muss? Solche Sachtexte [mir fällt kein besseres Wort ein] sind doch zu keinem unterhaltenden Zweck geschrieben worden.
    Oder finden Sie, dass Physiker keinen Humor haben, weil die Tafelwerke nicht einen einzigen Witz enthalten oder Germanisten prinzipiell humorlos sind, weil auch der Duden nur nüchtern „erzählt“?

  6. 06
    Frédéric Valin

    @samuel: Nein, das meine ich nicht. Ich meine, dass man in den religiösen Texten nichts über Humor und Lachen lernt, und schon gar nicht über Satire (wenn überhaupt, dann über Schadenfreude; Gott lacht gerne über das Unglück anderer).

    Und das, obwohl in der Bibel ansonsten so viele Textsorten versammelt sind! Vom historischen Bericht bis zur fabel, vom gesetzestext bis zum erotischen Liebesgedicht, vom Brief bis zum Aphorismus: aber ansatzweise witziges findet sich da nicht. Schon erstaunlich.

  7. 07
    koz

    @form

    „Aber WAS ZUM FICK ist das für ein Video mit dem Saal voller Menschen“

    Kleiner Filmtip:

    http://video.google.com/videoplay?docid=-178629120699935619#

    Der ist von glaube ich 1972.

    In aktuell sieht das so aus:

    http://www.documentingreality.com/forum/f181/jesus-camp-2006-a-21121/

  8. 08
    Sigbert

    @Iris: Das ist eine absolute Beleidigung! Ich lass mich als Online-Titanic-Leser nicht in einen Topf mit Mario-Barth-Fans werfen!!1!

    Nein ernsthaft, das Cover war ganz witzig, nicht wegen der Abbildung, wegen der Provokation und es hat offensichtlich funktioniert! Das absurde sind für mich die Leute die sich über das Cover aufregen und überhaupt nicht sehen wollen das es absolut berechtigt ist. Nicht etwa nur wegen der Meinungs-/Kunst- und Pressefreiheit in unserer „Kultur“ sonder wegen der Kirche die jahrelang Kindervergewaltiger gedeckt und umhergeschoben hat.
    Wie schnell das Pack wieder auf dem hohen Ross sitzt ist unglaublich.

  9. 09
    joe rady

    Also religiöse Text zum Thema Humor gibts wohl…
    Soweit ich mich erinnern kann, ging der scholastische Teil von Eco´s Namen der Rose genau darum (hat Jesus Witze gerissen oder nicht…)

    aber das Titanic Titelbild ist halt doch ein bisschen Brechstangenhumor. Und ich als gläubiger Katholik (yepp, geoutet) hab auch kurz gekichert.

    Die Leute, deren Glauben derart schwach ist, daß sie diesen durch eine Karikatur beleidigt oder gefährdet sehen, sind auch nur zu bedauern. ganz egal welcher Provinienz. Und wer das Christentum als totales Erklärungsmodell abtut, hat sich halt nicht wirklich damit befasst (musses aber auch nicht, will ja keinen missionieren)

  10. 10
    yhwe

    nur, um der mär „bei mohammed hätten die das nicht gewagt!“ zu beseitigen, sei auf heft-nr. 3/2006 verwiesen, wo ebenfalls religionskritik in titanic-manier geübt wird (http://www.titanic-magazin.de/index.php?eID=tx_cms_showpic&file=fileadmin%2Fwwwold%2Fwww%2Farchiv%2F0306%2Fimages%2Fcover0306.jpg&bodyTag=%3Cbody%20bgColor%3Dwhite%20leftmargin%3D%220%22%20topmargin%3D%220%22%20marginwidth%3D%220%22%20marginheight%3D%220%22%3E&wrap=%3CA%20href%3D%22javascript%3Aclose%28%29%3B%22%3E%20|%20%3C%2FA%3E&md5=81ae25ddb62081e0b0fdfa89e5049862)
    ebenso die starke beteiligung zum thema mohammed-karikaturen.

  11. 11

    Übrigens gab es nicht eine kritische Stimme zu Gerhard Henschels Aufsatz über die Kirche im Innenteil des Blattes, der nicht weniger böse, aber argumentativ natürlich fundierter ist.
    Ich finde es aber eh bemerkenswert, dass sich die wirr-fundamentalistischen kath.net-Spinner (die bilden ja selbst innerhalb der Kirche eine erzkonservative Randgruppe, die immer mal wieder von PI empfohlen wird) erst aufregen, wenn ein fiktiver Bischof einen im doppelten Sinne fiktiven Erlöser schändet, sich bei realen Vergehen jedoch nicht erhebt.
    Wenn ihnen die Kinder schon egal sind, könnten sie sich doch wenigstens dazu aufraffen, die schuldigen Priester als gotteslästerlich und kirchenschädlich zu erkennen.

  12. 12
    Silentio

    Mensch Frédéric, schau doch mal nackt in den Spiegel und behaupte nochmal Gott hätte keinen Sinn für Humor ;)

    Ne mal im Ernst, ich bin auch Christ und kann mich daher ohne große Mühe in die Perspektive eines Christen hinein versetzen ;)
    Das was in den letzten Wochen und Monaten aufgedeckt wurde ist doch absolut traurig, bestürzend und macht mich wütend. Statt Menschen zu helfen, wurden Menschen missbraucht. Statt Demut und Nächstenliebe zu leben, wurde Gewalt angetan und Zukunft zerstört. Diese Diskrepanz zwischen Hoffnung und Realität macht doch auch Christen wütend, traurig, betroffen.
    Das Cover der TITANIC muss man nicht lustig finden. Ich finde es nicht lustig, weil es mich an etwas sehr trauriges erinnert. Bin ich jetzt humorlos?

  13. 13
    desordenpublico

    Das in der Bibel nichts lustiges steht, war mir nie klar. Ich denke aber nicht, dass Christen deshalb humorlos sind. Es ist halt nur schwer über sich selber zu lachen. Geht ja nicht nur den Christen so.

    Anmerkung: Meinen ersten Film von Monty Python habe ich übrigens in einem katholischen Gemeindezentrum gesehen.

  14. 14
    Jan(TM)

    @Iris: Nicht lustig stimmt schon, da ist ja auch nur ein Kuttenträger zu sehen der sich in Andacht zu seinem Herren beugt. Ein Bild der Ruhe, der Reinheit – das nur durch die perversen Gedanken einiger Betrachter in den Dreck gezogen wird.
    Für den Mario Barth Vergleich gibt es aber Abstriche in der B-Note.

    @Frédéric Valin: Ich kann dir, Angesichts deiner Bildungslücken nur DIE PRINCIPIA DISKORDIA ans Herz legen. Auf das du erwachest, merkest das Religion etwas ernstes, heiliges ist und doch voller Humor sein kann.

  15. 15
    Thomas Benle

    Das Cover ist natürlich nicht lustig – es ist provokant! Und die reaktionären und völlig entblödeten Reaktionen darauf machen ihn dann wieder lustig. An die Anrufe der Bild-Leser kommt allerdings absolut nichts!
    Martin Sonneborn for president: Wir diffemerieren wen wir wollen!

  16. 16

    ich fand das titanic-cover auch nicht wirklich lustig. eher sehr flach. da war das mohammed-cover um längen (hihi) besser. aber das ist ein generelles problem der titanic gerade: da kriegen die so ein wie-für-sie-gemachtes thema auf dem silbertablett serviert (die katholische kirche im moment) und schaffen es nicht so richtig, das zu verwandeln. doof irgendwie. und ich will mich jetzt nicht in tiefgreifenden analysen zum einzigen satireblatt deutschlands verstricken, das ich jetzt echt schon gute 15 jahre lese, aber mir scheint der neue chefredakteur etwas überfordert…nun ja, warten wir ab, wir haben ja alle zeit der welt. solange es noch die festen rubriken gibt, gibt es auch nmoch genügend monatlichen kaufgrund. mindestens.

    zum artikel noch kurz: lieber frederic, das programm über religion von jürgen becker ist aber sehr gut. ich habe das mal zufällig im fernsehen gesehen und fand es ähnlich erhellend wie wenn pispers den irak-konflikt erklärt. bitte becker nicht auf den volkstümelnden pro-religion-typus stempeln. der geht ziemlich kritisch mit den religiösen institutionen ins gericht und entlarvt sie als so albern, wie sie eben in vielen fällen sind. war schon sehr rund. musste ich nur mal loswerden.

  17. 17

    Dass Texte, mit denen man Welt beschreiben will, lustig sein müssen, halte ich für absolut unnötig. Lachen ist wie Husten eine körperliche Reaktion. Nur weil man beim Lesen der Bibel nicht lacht, heißt nicht, dass man humorlos ist. Das Tao Te King ist auch ziemlich spaßfrei, lustig wär’s nicht so großartig und das ist der eigentlich interessante Punkt: Was einen wirklich umhaut und weiterbringt und trifft, ist nicht humorvoll. Humor und Lachen darf man nicht verwechseln. Ich glaube sogar, dass es nur bedingt etwas miteinader zu tun hat. So wie Weinen und Melancholie.

  18. 18

    Also ich kann @Sebastian S.: nur Zustimmen, wenn er sagt „die wirr-fundamentalistischen kath.net-Spinner (die bilden ja selbst innerhalb der Kirche eine erzkonservative Randgruppe, die immer mal wieder von PI empfohlen wird)“.

    Der Vergleich im Artikel mit zwischen PI und kath.net war schon ganz passend. kath.net sind ähnliche, wenn nicht sogar die gleichen Spinner. Dass sich Spreeblick über so eine offensichtliche Dummdämlichkeit in Textform von irgendwelchen Fundamentalisten auch noch aufregt, kann ich nicht ganz nachvollziehen und hätte ich von Frédéric auch nicht gedacht.
    Davon abgesehen ist der Artikel natürlich trotzdem gut, richtig und vorallem mal wieder lustig.

  19. 19
    Alex

    Das Titelbild ist nicht provokant, es ist einfach nur schlechte Satire. Vor zwei Jahren wäre es vielleicht provokant gewesen. Aber heute schlagen alle auf die katholische Kirche ein, so dass Kritik dagegen kaum noch aufkommt und wenn, dann einfach der erzkonservativen Ecke zugeordnet ist.

    Somit ist jeder Witz über die katholische Kirche momentan einfach nur ein Einstimmen ins allgemeine Bashing. Mir fehlt in solchen Fällen einfach die Satire über die Kritiker, ließe sich hier doch viel mehr Scheinheiligkeit auftun. Aber das verkauft sich ja nicht so gut. Insofern ist Titanic gleich Mario Barth gleich BILD.

  20. 20
    tuxybuxy

    @alex: und joschka fischer ist gleich gerhard schröder ist gleich wladimir putin ist gleich kim yong il?

    es schlägt jeder auf die katholische kirche ein, weil es grund dazu gibt. wo das jetzt scheinheilig sein soll, frage ich mich. welche kritiker willst du da satirisch verwerten, weil die so scheinheilig sind? die atheisten? die politik? die medien? menschen mit menschenverstand? das gebashe auf die katholiken ist ja nicht vom himmel gefallen, weil wir auf der welt gerade nichts anderes zu tun haben, oder?

  21. 21
    bandoo

    „In einem anderen Teilversuch wurden den Teilnehmern 24 Bilder mit verschiedenen frustrierenden Alltagssituationen gezeigt, und sie sollten jedes Mal angeben, wie sie reagieren würden. Anschließend bewerteten
    die Versuchsleiter, wie viel Humor in den Antworten der Versuchspersonen steckte. Eine der Karten zeigte beispielsweise, wie jemand vor den Augen von zwei Bekannten stolpert und hinfällt.
    Der eine Freund fragt: »Hast du dir wehgetan?« Eine einfache Antwort auf diese Frage wäre »nein, ist schon gut«, aber »ich weiß nicht, ich bin noch nicht ganz unten angekommen« wäre eine viel humorvollere Reaktion. Wie er es vorausgesagt hatte, fand Saroglou einen engen Zusammenhang zwischen religiösem Fundamentalismus und Humor: Fundamentalisten geben durchweg viel ernstere Antworten als
    andere“.

    Quelle: http://www.gehirn-und-geist.de/sixcms/detail.php?id=946674&_druckversion=1

    Die Ahnung, die man hat, scheint absolut nicht unbegründet.

  22. 22
    Sven

    Ich bin Atheist und habe mit der Kirche nicht viel am Hut, aber trotzdem finde ich es unschön, wie in diesem Artikel Kirchenanhänger verhöhnt werden. Warum muss man Menschen gleich jeglichen Humor absprechen, wenn sie sich durch bestimmte witzig gemeinte Äußerungen (bzw. Karikaturen) beleidigt fühlen? Jeder kennt zwar das Bibelzitat über das Hinhalten der zweiten Wange, aber man muss nicht immer alles mit einem Lächeln quittieren, um Humor zu beweisen. Frédéric, ich habe den Eindruck, du verrennst dich ein wenig beim Versuch, das Bild vom humorlosen Kirchenschäfchen zu bestätigen.

    Im Artikel heißt es: „In der Bibel gibt es nicht eine lustige Stelle. Nicht eine.“
    Hast du die Bibel gelesen? Vielleicht ist dir auch die eine oder andere humorvolle Stelle entgangen. So heißt es etwa in 1. Könige 18,27:
    „Da es nun Mittag ward, spottete ihrer Elia und sprach: Ruft laut! denn er ist ein Gott; er dichtet oder hat zu schaffen oder ist über Feld oder schläft vielleicht, daß er aufwache.“
    Ein anderes Beispiel ist die Geschichte von Bileam und der Eselin ab Numeri 21, die auch nicht einer gewissen Komik entbehrt. (Ein Engel versperrt den Weg; die Eselin kapiert es, Bileam nicht.) Vielleicht wird es offensichtlicher, wenn man es als Monty-Python-Sketch verfilmt.

    Ich sage natürlich nicht, dass du das lustig finden musst, Humor ist ja schließlich sehr subjektiv. Aber es muss auch niemand das alberne, provokative Titanic-Titelbild lustig finden. Ich persönlich kann schon ein wenig darüber schmunzeln. Gar nicht lustig finde ich wiederum, wie die Anrufer, die sich bei der Titanic beschwert haben, demonstrativ vorgeführt werden. (Jaja, ich weiß, wir lachen mit ihnen, nicht über sie.)

    Eins noch: Die Bedeutung der Kanzel-Rasur-Anekdote im Kontext dieses Artikels verstehe ich nicht ganz. Wolltest du zeigen, was für schlechte Witze Christen machen können? Oder wolltet du nur mal en passant über Jürgen Becker herziehen?

  23. 23
    Frédéric Valin

    @joe rady: Die Pointe ist bei Eco (wenn ich mich richtigg erinnere), dass die Kirchenvorderen diesen Text über Humor vernichten wollen, weil das Lachen den Glauben zerstört ;)

    (Btw, gings da nicht um einen aristotelischen Text?)

    @bandoo: Sehr interessant, dankesehr!

    @nilz: Meinst du das Programm hier?
    http://www.youtube.com/watch?v=DbF3jyeBFUQ
    Ich weiß ja nicht, mir taugt das nicht. Wenn in dem Stil, bleib ich bei Beikircher.

    @Sven: Ich wills mal umformulieren: Es gibt Humor in der Bibel, wenn auch sehr wenig. Es gibt aber keine Pointen in der Bibel. Als Vorlage taugt die Bibel für lustige geschichten durchaus, zum Beispiel sagen wir Hiob, das kann man sicher auch sehr lustig erzählen. Aber: die Bibel erzählt das nicht lustig.

    Mein Verdacht ist, dass es einen direkten Zusammenhang gibt zwischen Leuten, die zum Fundamentalismus neigen, und Humorlosigkeit. Je mehr man wortwörtlich an Schriften glaubt, desto weniger Humor hat man. Da sind Atheisten natürlich im Vorteil.

    Jürgen Becker wollte ich nicht en passant noch eins mitgeben: es ist eher so, dass der offensichtlich zum Humorbeauftragten in Kirchendrucksachen avanciert ist. Man könnte es auch sorum formulieren: Nicht mal Jürgen Becker ist zum Thema Predigt was lustiges eingefallen!

  24. 24
    teodor

    „Ein Gottesdienst ist lustig, wie das Musikantenstadl lustig ist: Man kann es nicht fassen, dass die das alles ernst meinen.“

    Der Satz gefällt mir und trifft es imho ziemlich gut.

  25. 25
    heinz

    ich verstehe absolut nicht warum so viele Menschen, die behaupten sie hätten nichts mit der Kirche zu tun, sich immer wieder so intensiv mit ihr auseinandersetzen. Gibts keine anderen Themen? Oder fehlt denen irgendwas?

  26. 26
    Andi

    @ Frederic (23):
    Bei Eco geht es um den (tatsächlich real verschollenen) zweiten Teil von Aristoteles‘ „Poetik“. Der erste Teil behandelt ja die Tragödie, und es gibt Hinweise darauf, dass er einen zweiten Teil über die Komödie geschrieben hat. Das hat Eco als Ausgangspunkt genommen.

    Zu „die Bibel erzählt das nicht lustig“: Das ist echt mal ’ne schräge Kritik. :) Kannst du irgendwie beispielhaft erläutern, wie du dir das vorstellen würdest?

  27. 27
    Zwiebelchen

    Also ich bin demnach eine liberale Christin, passt ganz gut, uns Protestanten wird ja von den Katholiken ohnehin gern vorgeworfen, wir würden das ganze nicht ernst genug nehmen :)
    Allerdings habe ich mich nicht unbedingt über das Titelbild an sich amüsiert sondern über die Vorstellung, dass ich – wäre ich Titanic-Redakteurin – mir schon vor Erscheinen der Ausgabe wahrscheinlich vor Freude in die Hose gemacht hätte, weil ganz klar war, dass genug Leute mir den Gefallen tun und sich tierisch aufregen werden über so eine plumpe, simple Provokation.

  28. 28
    StarFire

    „Gott ist ein Komödiant, der vor einem Publikum spielt, das sich nicht zu lachen traut“!

    Meiner Meinung nach kann etwas, über das man nicht lachen kann/darf, nicht heilig sein. Als Paganist kann ich wunderbar mit und über meine Götter lachen.

    Nur gut, daß ich Monotheisten kenne, die ihre jeweiligen Religionsformen mit viel Humor nehmen können.

  29. 29

    ich finds geil, wie sehr sich die Leute über das Titelbild aufregen und am liebsten zu körperlichen Gewalt aufrufen wollen (inkl. Fackeln)…

    Aber dass es nur eine Reflektion auf die bisher ans Tageslicht gekommenen Erkenntnisse (bzw kriminelle Handlungen) geht, dass scheinen einige schnell zu verdrängen.
    „Scheiss“ auf ein titelblatt, kümmert euch lieber um die Priester/Geistlichen, die kleine Kinder missbrauchen!

    Soweit mein Kenntnisstand ist, ist sowas wohl relativ sündig, da wäre eine Läuterung angebracht, nicht bei den sarkastischen Redakteuren oder Kabarettisten.
    Vor der eigenen Tür kehren, heisst es doch immer so schön…

    Ich sehe bisher keine Konsequenzen von seiten der Kirche; ich sehe nur meine Vermutungen bestätigt, dass katholische Abstinenz auf Dauer nicht funktionieren kann. Das wurde bisher gut und wahrscheinlich oft totgeschwiegen, aber nun ist das Eis gebrochen und immer mehr Fälle werden öffentlich (und das wird wohl nur die Spitze des Eisbergs sein)

    Ich würde denken, dass ein paar Rücktritte angesagt wären, dazu ein paar Entschuldigungen und weiterführende Justiz-Verhandlungen.

    Die katholische Kirche ist am Bröckeln, wenn die Vertreter Gottes sich ohne Strafe versündigen dürfen….
    (und ihre Anhänger dies billigend in Kauf nehmen oder es verneinen)

  30. 30
    Ricky Bobby

    Ich bin Christ und fand das Titanic-Cover *sehr* gut.

  31. 31
    Frédéric Valin

    @heinz: Mir wärs auch lieber, die Kirche würde sich endlich selbst um diese Themen kümmern. Und zwar bitte nicht dadurch, dass sie die Themen unter den Teppich kehren.

    @Andi: Ah, danke!
    Es ist übrigens schwierig, Beispiele von etwas zu finden, das es nicht gibt ;)

  32. 32
    christoph

    @heinz: vor allem deshalb, weil die Kirche sich ungefragt in mein Leben drängt, wenn sie versucht, ein Satiremagazin zensieren zu lassen. Ob das Titelbild lustig ist oder nicht spielt dabei noch nicht einmal eine Rolle.

  33. 33
    christoph

    @Sven: die Beschwerde-Anrufer führen sich wohl eher selbst vor.

  34. 34

    So ein TitelBild jukt mich nicht die Bohne, das einzige was ich richtig annervt ist die Titanic, die mit einen solch plakativen Bild ihre unkreativität rauslassen. Darauf zu warten das sich Christen und Atheisten finden und sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, damit Werbung für Titanic machen.
    Dummerweise finden sich immer Leute die wie Pablowsche Hunde auf ein bisschen provokation anspringen.

    Und wenn sich niemand findet der sich empört oder die Empörung zu klein ist, dann wird eben, eine GroßeEmpörung erfunden.

  35. 35
  36. 36

    Empfehlenswert in der Hinsicht ist auch der Film „Man from Earth“:
    http://de.wikipedia.org/wiki/The_Man_From_Earth

  37. 37
    christoph

    @Wolle: „erfundene Empörung“? schau dir mal Fréderics Link zu kath net an.

  38. 38
    Mister T

    Vielleicht sollte sich über „die Kirche“ lieber jemand äußern, der die evangelische von der katholischen Kirche unterscheiden kann. „Die Christen“ als kollektive Gruppenbezeichnung zu verwenden ist in etwas genauso dämlich, wie „die Mohamedaner“ als Bezeichnung für alles vom liberalen Moslem bis zum extemistischen Islamisten. Auf Spreeblick hätte ich doch lieber Texte, die qualitativ etwas anderes darstellen, als PI-Kolumnen mit verändertem Vorzeichen.

  39. 39
    plan9

    @Frédéric Valin: aber man kann die bibel lustig erzählen!
    überzeugt euch selbst:
    http://www.youtube.com/watch?v=SnMTkwmLllc

    das ist in österreich seit den 70ern sowas wie die heilige satirekuh.

    und das mit dem musikantenstadl stimmt haargenau!
    hab mich in facebook zum zweck der selbstlosen realsatire-feldforschung in die gruppe „Wir protestieren aufs Schärfste gegen das aktuelle Titanic Cover“ eingeklinkt, wo sie im takt mitklatschen, wenn mal wieder einer einen psalm rezitiert.
    spacey… :)

  40. 40
    Frédéric Valin

    @Mister T: Erklär mir bitte: wo ist der Unterschied zwischen Katholen und Evangelen in diesem Fall? Ich seh ihn nicht.

    @plan9: Ich mag diese Sprache, versteh aber kein Wort. Beruhigend klingt das!

  41. 41
    Mister T

    @Frédéric Valin: Vergleiche die Berichterstattung auf kath.net und evangelisch.de, sowie die Kommentare darunter, insbesondere die frühesten, die zu einem Zeitpunkt entstanden sind, als sich noch nicht die üblichen 08/15-Kommentatoren unter die regulären Besucher gemischt haben (einige Zeit vor deinem Beitrag), und sieh dir auch an, wie jeweils moderiert wird.

  42. 42
    Frédéric Valin

    @Mister T: Aber das ist doch bloß der Unterschied zwischen kath.net und evangelisch.de. Im Gegensatz zu dem, was der freikirchliche Pastor der Nachbargemeinde hier im Haus heute morgen zu mir sagte, da ist die Berichterstattung auf kath.net noch eine Ausgeburt der Abgewogenheit. Klar gibts Abstufungen, aber die verlaufen nicht bei der Konfession, glaube ich. Obwohl ich insgesamt auch den Eindruck habe, dass sich bei den Katholen mehr durchschnittliche Spinner tummeln, dafür aber bei den Evangelen die absolute Irren in die Freikirchen rennen.

    (Klar gibts da auch normale Menschen, und sie sind in der Überzahl.)

  43. 43
    Fgbxl

    „Religion und Humor, das passt wie Schuh in Scheiße“, wenn ich mal 2-3 Tage Zeit hab such ich ein Video von Ajahn Brahm wo er _keinen_ Witz macht… und dann noch gleich ein Interview mit dem Dalai Lama, in dem er nicht lacht ;)

  44. 44
    Mister T

    @Frédéric Valin: Stimmt, es gibt da nämlich noch viel viel mehr Strömungen, und somit ergibt es noch mal eine ganze Ecke weniger Sinn, wenn du Kommentare von kath.net zitierst, um damit die Verbohrtheit und Humorlosigkeit aller Christen zu belegen.

    Es ist eine Sache Tendenzen festzustellen, die sich soziologisch exemplarisch an der Diskussion über das Titelbild belegen lassen. Das war aber offensichtlich nicht deine Intention, sonst hättest du genauer recherchiert. Oder vielleicht überhaupt mal recherchiert.
    Wenn du mal ehrlich bist: Würde jemand ein dir wichtiges Thema derartig abhandeln, hättest du dann den Eindruck, er würde dem Thema gerecht werden?

  45. 45
    Frédéric Valin

    „um damit die Verbohrtheit und Humorlosigkeit aller Christen zu belegen.“

    Bitte?

    „Wenn du mal ehrlich bist: Würde jemand ein dir wichtiges Thema derartig abhandeln, hättest du dann den Eindruck, er würde dem Thema gerecht werden?“

    Jedenfalls würde ich nicht sofort auf „Du bist PI“ kommen, ohne weiteres.

  46. 46
    Zwiebelchen

    Puh, ist das ne humorlose Diskussion. Müssen wohl alles Christen sein! ;D

  47. 47
    Mister T

    @Frédéric Valin: Ich hab schon genauer erläutert, wie ich auf den PI-Vergleich gekommen bin (siehe oben). Aber wenn du es nötig hast, mit derartig verkürzten Zitaten zu antworten, kann ich ja davon ausgehen, dass du bereits verstanden hast, worum es mir geht.

  48. 48
    niemand

    Immer dieses Gläubigen-Bashing. Ich glaube zwar auch nicht an einen allmächtigen Herrn und an alles, was die Kirche so erzählt, aber ich halte es dann doch mit Nietzsche und Lessing. Letzterer meinte ja – unter anderem – dass „Offenbarung“ einem nur das gäbe, was einem die Erkenntnis auch gebe, nur halt schneller. Bibel usw. diene also in erster Linie einer schnellen Verbreitung von Wissen (nur hat irgendein Idiot halt mal aufgehört, die weiterzuschreiben). Nietzsche wiederum war eher gegen Glauben, gestand ihr aber zu, dass sie zumindest denkenden Menschen immer noch über die kriegelnden oder arbeitenden Menschen setze, und damit doch irgendwie eine Sache richtig mache. Mir zum Beispiel fällt bei sowas direkt der Papstabgesandte ein, der Astronomie studiert hat und in einem Observatorium hockt, die Sterne betrachtet und dort nach Hinweisen von Gott sucht.

    Es ist halt auch so: Die meisten Gesellschaften, die es schafften, die ganzen Gottesthemen halbwegs rauszuhalten, waren in der DDR und dem dritten Reich. Beides nicht unbedingt Vorbilder, finde ich, was moralisches Handeln angeht. Vielleicht braucht man einen humorlose, moralische – imaginäre – Instanz, um sich halbwegs richtig zu fühlen.

    Schule ist übrigens auch ziemlich unfunny. Trotzdem wirst du wohl nicht abstreiten können, dass wir die irgendwie ganz gut gebrauchen können.

  49. 49
    Michael_DF

    Unabhängig davon, dass mich die Titanic-Satire nicht groß stört:
    Keine 5min googlen bringen u.a. folgendes zutage:
    http://www.katholisch.de/19462.html
    http://www.nussdorferplatz.at/pfarre/at/humor.htm
    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/722768/
    http://www.google.com/search?rls=de&q=bibel+humor
    Ich habs nur zum Teil kurz überflogen. Aber die Aussage es kämen keine humoristischen Passagen vor ist schlicht falsch.

  50. 50
    Peter

    @Martin: „Lachen ist wie Husten eine körperliche Reaktion.“ – Auf diesen Satz reagierte mein Körper jedenfalls heftig.

  51. 51
    Peter

    @Martin: „Lachen ist wie Husten eine körperliche Reaktion.“ – Auf diesen Satz reagierte mein Körper jedenfalls heftig.

  52. 52
    christoph

    @niemand: moralisches Handeln in der DDR: das Regime hat sicher „unchristlich“ gehandelt – den Menschen ist die Nächstenliebe trotzdem nicht abhanden gekommen. Eher das Gegenteil war der Fall. Interessanter Aspekt eigentlich.

  53. 53
    Zwiebelchen

    @christoph: schon klar, ganz besonders die Menschen, die Bekannte, Freunde oder gar Angehörige an die Stasi verpfiffen haben, pure Nächstenliebe. Naja, das ist wohl ne ganz andere Diskussion.

  54. 54
    christoph

    @Zwiebelchen: ich meinte eher den Rest. Solidarisierung aufgrund der schlechten Verhältnisse. Beispiel: Wenn du zu DDR-Zeiten ein Haus bauen wolltest (und du nicht zu den „Oberen 10.000“ gehört hast) ging dies nur mit Hilfe von Bekannten – ohne keine Chance. Das heißt, ohne „Nächstenliebe“ ging eigentlich nix.
    Ich will hier keine Ossi-Wessi Debatte durchstarten, aber der raue Ton im Umgang miteinander hat einige Ossis nach der Wende kalt erwischt. Und gemeint ist eben nicht der staatlich verordnete Sozialismus, der ja faktisch sowieso keiner war, sondern eher das, was man wohl Mentalität nennt. Kurz und arg pauschaliert und wahrscheinlich auch falsch: Ich hatte immer den Eindruck, wir Heiden aus der Zone leben näher am Idealbild der Christen als die Erzkatholen aus Bayern.

  55. 55

    Mein persönlicher Favorit zum Thema „Religion unbedingt auf die leichte Schulter nehmen“ ist Mr. Deity.(http://www.mrdeity.com/).
    Unschlagbar komische Kurzfilme, die Einblick ins Privatleben von Gott bieten. Und erklären, warum so vieles in der Bibel und ich Christentum so unerklärlich, irrational und widersprüchlich ist.

    Und wer sich jetzt denkt, dass so ein bisschen Comedy schön und gut aber bestimmt ohne jeglichen Hintergedanken ist, dem empfehle ich diesen Vortrag vom Macher von Mr. Deity, bei dem er vor der Humanist Society erklärt, warum er es so wichtig findet, Religion von dieser Seite zu betrachten. http://www.youtube.com/watch?v=m2L7TuhO28k

  56. 56

    UUuuund, nicht zu vergessen, der Monolog von Julia Sweeney, „Letting go of God“. Ihr persönlicher Weg vom tiefgläubigen katholischen Mädchen hin zu einer Atheistin. Mit allen Gründen, Steinen auf dem Weg und Schwierigkeiten.

    Aber trotzdem extrem unterhaltsam erzählt.

    http://www.youtube.com/view_play_list?p=B4CFC050177BE180&annotation_id=annotation_583158&feature=iv

  57. 57
    Floda Nashir

    @niemand „Bibel usw. diene also in erster Linie einer schnellen Verbreitung von Wissen“ finde ich interessant, weil ich mich zwar sehr für Wissen, aber demzufolge überhaupt nicht für Religion interessiere. Und nun das! Welches Wissen steht denn nun also drin in der Bibel? frag ich mich. Und Dich.

    Aber darum geht es hier ja eigentlich überhaupt nicht.

    Ich fand das Titelbild auch nicht besonders. Weil es so plump ist. (Die alten Spielt-Jesus-noch-eine-Rolle-Dinger sind da um Lääängen besser!) Aber es funktioniert gut, denn es ist in seiner Einfachheit erstaunlich raffiniert. Und überhaupt mag ich den Ansatz von Titanic, ab und zu so richtig billig daherzukommen, um auch die eigene bildungsbürgerliche Leserschaft zu provozieren.

  58. 58
    Daniel

    Kein Witz in der Bibel? Ich muß immer sehr schmunzeln, wenn ich die Turmbau-zu-Babel-Geschichte lese. Dort verabreden die Menschen bekanntermaßen: „Auf, wir wollen uns eine Stadt und einen Turm bauen, und seine Spitze bis an den Himmel!“, worauf Gott seine Riesenlupe aus der Tasche holt und mal nachschauen geht, ob er das Konstrukt dieser menschlichen Hybris überhaupt entdecken kann: „Und der HERR fuhr herab, um die Stadt und den Turm anzusehen, die die Menschenkinder bauten.“

    Ist jetzt nicht so der Schenkelklopfer, aber im Unterschied zur Titanic hat es Witz.

  59. 59

    @Michael_DF: dann lies dir doch mal durch, was du da verlinkt hast. die aussage, es kämen humoristische Passagen in diesen artikeln vor, ist schlicht falsch. ätsch!

  60. 60
    niemand

    @Floda Nashir: Jede Menge. Wie oben schon beschrieben ist praktisch jede Literarische Gattung – außer eben die komischen – in der Bibel vertreten. Jede Geschichte ist, insbesonders im alten Testament, perfekt so geschrieben, damit sich ein Volk wie das jüdische daran aufbauen kann. Tipps zum Ackerbau, zum Umgang mit Frauen während ihrer Periode, Tipps, wie man mit Kranken umgehen sollte… und der erste Genesisteil mit den Sieben Tagen, in denen Gott nach und nach erst das eine, dann das andere erschafft, das klingt zumindest für mich schon verdammt nach Evolutionstheorie. Fische, Vögel, Säugetiere an Land und schließlich der Mensch. Dass die Bibel natrülich auch zu großen anteilen schlicht Moppelkotze ist, vor allem, wenn man heute mit all dem Wissen aufwarten kann, ist klar. Aber für die Zeit, in der die Bibel geschrieben wurde, war das schon ziemlich brauchbar und auch Wissenswert.

  61. 61
    Jonathan

    @Frédéric Valin:

    Ich bin auch „offiziell“ Christ, musste über das plumpe Titelbild lachen und finde die Missbrauchsskandale und v.a. deren Vertuschungsversuche v.a. in der kath. Kirche furchtbar.

    Aber ich zur Diskussion hier noch anmerken: 1. gibt es in allen Gemeinschaften Fundis und Liberale, und da sind die sog. Atheisten nicht ausgenommen. 2. Geht mir das in-einen-Topf-werfen von allen Christen so was von auf den Sack – ich bin Evangelisch und ich bin weder in ner Freikirche, noch in der kath. Kirche, sicher, Missbraucht hat es wahrscheinlich auch bei der evang. Kirche Deutschland gegeben aber soweit ich weiß, wurde der auch größtenteils strafrechtlich sofort verfolgt. (siehe SPON). Und ich habe hier zumindest bei mir keinen Pfarrer/In, dem ich so eine Scheiße zutrauen würde oder bei dem/der auch nur der Verdacht entstanden ist….

    Zum fehlenden Humor kann ich nur sagen: Hier in der Kirche hat der Pfarrer an Ostern etliche, sehr geile Witze gerissen … ich bin fast zusammengebrochen… leider haben sich die meisten nicht getraut zu lachen. Schade eigentlich.

  62. 62
    christoph

    @Daniel: die bauen zu hoch, die mach ich kaputt. Guter Witz.

  63. 63
    Turtle

    Das zumindest Gott Humor hat, wissen wir doch spaetestens seit Dogma: Oder wie erklärt ihr das Schnabeltier?

    Abgesehen davon, ist das Titanictitelbild nur mäßig lustig, aber hat wieder einmal die vorhersehbare Wirkung erzielt. So what?

    Die beiden verlinkten Anrufer finde ich aber absolut toll :) Vor allem die Dame, aber wie sagte schon Pispers so schön: „Wenn man weiß, wer der Feind ist, hat der Tag Struktur.“

  64. 64
    Procul Harum

    Das Alberne ist ja, dass die berufsmäßigen Katholen- oder Christenbasher häufig selbst völlig verstockt und verkniffen sind.
    Ökos bspw. besitzen nicht einmal einen Hauch von Selbstironie und werfen selbiges dann Christen vor. Humor ist das nicht, sondern lediglich Häme.

    Mit Monty Python hat das aber nichts zu tun, das hatte Witz und Esprit, weil trotz der anarchischen Pointen immer auch ein wohlmeinendes Augenzwinkern mitschwang. Das waren eben Leute, die selbst Humor haben und sich damit auch selbst in Frage stellen können.
    Die routinemäßigen Christen- bzw. Katholenbasher zünden ihren Spott immer nur eine Richtung und mit der „Absicht zu provozieren“.

    Unabhängig davon, dass Christenbashing schon lange keine echte Provokation mehr ist, hat Humor keine Absicht.
    Der Spott ist hier lediglich die Fortsetzung der Ideologie mit anderen Mitteln. Das ist völlig witzlos. Und ziemlich teutsch, im althergebrachten Sinn.

  65. 65
    Frédéric Valin

    @Procul Harum: Und… was wolltest Du zum Thema beitragen?

    (Mögliche Antworten:
    1. Ökos sind humorlos. Monthy Python nicht.
    (Schlussfolgerung: Monthy Python sind keine Ökos.)
    2. Basher wollen nur provozieren, das ist nicht lustig.
    (Schlussfolgerung: Monthy Python war lustig und hat nicht provoziert, weil Selbstironie mit dabei war und… Moment.)
    3. Ich will lieber über blöde Linke reden.)

  66. 66
    Procul Harum

    @Frédéric Valin:
    Na zum Beispiel dass der Autor ja mal seine, sicherlich reichlich vorhandene, Fähigkeit zur Selbstironie etwas deutlicher kundtun könnte. Das würde die wenig pointenreiche Abrechnung mit den humorlosen Christen sympathischer, ehrlicher und iwie humorvoller machen.
    Wie war das noch mit dem Balken ? Nicht unbedingt lustig, zugegeben. Aber es ist was dran.

  67. 67
    Frédéric Valin

    Ich bin ganz sicher kein professioneller Christenbasher. Ich habe – wenn auch selbst nicht gläubig – einiges über für Religion und die gesellschaftliche Funktion der Kirche. Über Dawkins habe ich mich hier schon mal ausführlich aufgeregt, und es gibt Versuche, den Einfluss von Religion auf die Gesellschaft konstruktiv zu diskutieren, auch von mir lanciert.

    Ich verstehe den Vorwurf nicht.

  68. 68
    Mirot G.

    Frederic, der Vorwurf des ‚Bashers‘ (wobei Basher vermutlich unzutreffend ist, weil es irgendwie das Treffen des Gegners beinhaltet und hier bei sprblk vermutlich größtenteils eine Selbstbefruchtung stattfindet) ereilt Dich, weil dem Leser die Botschaft oft nicht klar wird.

    Empirisch ist es natürlich Unsinn mit Python und einer Negativauswahl von Protestlern dafür zu argumentieren, dass Religion oder das Christentum nicht mit Humor ausgestattet seien.

    Und inhaltlich nicht ganz klar, warum eine Religion, die sich mit den grundlegenden Fragen des Lebens auseinandersetzt mehr Anlass zum Lachen geben sollte als eine Klamaukseite, die immer mal wieder ‚witzige‘ Onlinevideos einstreut.

    Aber damit der Leser wüsste woran er sei, wenn nicht an einem so-called Basher, dem es um die Beleidigung und nicht um die Information oder Unterhaltung ginge müsste der Artikel selbst unterhaltend sein.

    Und das ist er selbst für jene nicht, die mit diesem Humor ausgestattet sind, nach dem Du selbst so sehr suchst.

  69. 69
    Procul Harum

    Dieser Artikel zumindest, kommt das tatsächlich wie reines Abreagieren von Ressentiments rüber. Oder eben wie ein ritualisiertes Bashing, eine Art Eucharistiefeier.
    Du merkst doch garnicht, wie sehr die Kirchen“verarschung“ selbst schon zur Kirche geworden ist mit immer wiederkehrenden Klischees als lange Zöpfe und Traditionen.
    Frederic, glaubst Du wirklich das ist weniger dogmatisch, ritualistisch und engstirnig als Ratze und Meisner ?

    Bescheuerter, entsetzlicher Aberglaube erschöpft sich übr. nicht im Christentum, der Einwurf mit den Mo-Karikaturen hat durchaus seine Berechtigung.
    Wenn es wirklich um „Believers who lost their minds“ ginge, und nicht um Ritual, dann hättest Du doch in den bescheuerten Exzessen mancher islamischer Extremisten einen viel reicheren Fundus an Absurdität und Brutalität gehabt.

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