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Nishant Shah: Digital Natives With A Cause?

Ich bin zum ersten Mal auf der re:publica. Key Learning nach einem ganzen und einem halben Tag:  die besten Vorträge sind die, in denen man zufällig sitzt (weil man zu faul war, die Location zu wechseln. Und weil man sein Programm zum sechsten Mal verloren hat. Und der Handyakku leer ist). So etwa bin ich auch in Nishant Shahs Vortrag „Digital Natives with a Cause?“ gelandet (der Friedrichsstadtpalast hat aber auch die bequemsten Sitzmöglichkeiten, da will man gar nicht mehr aufstehen).

In Shahs Panel geht es um die Entwicklung des gesellschaftlichen wie politischen Engagements innerhalb einer neu entstandenen, von Technologie geprägten Gesellschaft. Als es in die Q&A Runde geht, kommt die Frage auf, wie man nun die verschiedenen Begrifflichkeiten – von Digital Native, Digital Resident, Digital Asylant – kategorisieren soll und wo der Unterschied liegt. Vielleicht war mir Shah gerade deshalb sympathisch, weil er diese Haarspalterei der Definitionen einfach wegwischte.

„Meine Oma bloggt. Für mich ist jeder ein Digital Native, dessen Leben und Lebensstil in irgendeiner Form von dieser digitalen Kultur beeinflusst wurde, unabhängig vom Alter oder die von Marketingmenschen vorgefertigten Zielgruppen“

Mir gefällt diese Einschätzung sehr gut, weil sie eine Perspektive aus größerer Distanz bietet und damit das gesamte Bild, sowie die gesamte sich bewegende Masse einfängt (ein interessanter Kontrast zum Peter Kruse Vortags-Vortrag).

Doch auch ohne genaue Definitionsschranken sind die Befürchtungen groß, dass wir kommende Generationen zu Screenagern mutieren lassen, die Dummheit überwiegt und aus Produktion lediglich Reproduktion wird; die Copy/Paste Gesellschaft, das Vorspiel zu Idiocracy. Dem gegenüber stehen die hohen Erwartungen, die wir an die globale Vernetzung stellen: Freiheit, Diversität, Kollaboration & Partizipation und letztendlich auch die aktive Teilnahme an politischen und gesellschaftlichen Zuständen.

Letztendlich zählt laut Shah aber nur, wie dieses Zusammenspiel sich auf den Umgang mit wichtigen Themen auswirkt- und wie auch etwas, das anfänglich belanglos oder gar negativ wirkt, sich durch die vielfältigen Möglichkeiten der Netzkultur und die Schnelllebigkeit unserer „Kommunikationsmaschine Internet“  politisch thematisieren lässt.  Anhand von Beispielen (wie etwa Where The Hell Is Matt?) macht der quirlige Inder deutlich, dass Digital Natives einen eigenen, spielerischen Weg gefunden haben, sich zu äußern. Durch virale Videos, Flashmobs oder einem einzigen Tweet können Lawinen entstehen, Mini-Revolutionen, die alle ihren kleinen Teil beitragen. Faszinierend ist dabei, dass nicht große Parteien, NGOs oder Regierungsprogramme die Auslöser sein müssen, sondern eben das Individuum, das sich der unzähligen Werkzeuge aus dem Netz bedient um auf etwas aufmerksam zu machen.

Ein greifbareres Beispiel ist für mich die „Und alle so: Yeah!“ Aktion aus dem letzten Jahr. Wir verstecken uns nicht hinter unseren Screens, wir nutzen sie- auf unsere eigene, neue, andere Art und Weise. Und wer diese Änderungen in der gesellschaftlichen Timeline reflektiert anstatt sie zurückzuweisen, wird einen großen Gewinn erzielen können- für die Digital Natives als Gruppe sowie auch auf einer ganz kleinen, persönlichen Ebene.

12 Kommentare

  1. 01
    peter H aus B

    „Wir verstecken uns nicht hinter unseren Screens, wir nutzen sie- auf unsere eigene, neue, andere Art und Weise. “

    Ach, und für diese Erkenntnis braucht es ein Kongress? Aua..

  2. 02

    achtung, extrem off topic:
    wenn ich über spreeblick.de auf eure seite komme, ist der aktuellste beitrag seit tagen vom 9.4.

  3. 03
    fredge

    @peter H aus B: einEN Kongress ;-)

  4. 04
    vakur

    @dd01097:
    bei mir hängt es auch manchmal, lässt sich aber in der regel durch drücken von taste F5 / aktualisieren beheben. jedenfalls bei mir.

  5. 05

    Nishant Shahs Vortrag war spannend vom ersten Augenblick bis zum letzten. Allerdings war er auch unglaublich schnell im Reden. Huch, da fühlte ich mich wie weg gerissen, mitgenommen – und dann wieder die Tempowechsel, als er die Videos zeigte. Da hielt der Atem still – bei dem Bitte-Bitte-Video oder alles lockert sich bei dem Matt-tanzt-sich-durch-die-Welt-Video.

    Ich war hin und weg – und finde es schade, dass ich nicht die Zeit finden werde, über all die Highlights zu bloggen. Aber ich habe sie aufgenommen.
    Dank an Euch und Dank an Nishant Shah!

  6. 06

    @dd01097: Oha!
    Danke für den Hinweis!

  7. 07

    At last! Something clear I can undsreatnd. Thanks!

  8. 08

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