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Web 3.0 von Kate Ray

Die wirklich überwältigende und beeindruckende und fantastische Dokumentation „Web 3.0“, die sich mit dem semantischen Web beschäftigt, ist ein wunderschöner Einstieg in die Überlegungen darüber, wie das Internet in der Zukunft aufgestellt sein wird. Strukturen, Datenwirrwarr, Beziehungen, Technik, Marketing. Alles ist verlinkt.

Auf der Website von Kate Ray finden sich alle Informationen zum Film.

29 Kommentare

  1. 01
    Ste

    Alles? „Nein, ein kleines Dorf leistet nach wie vor den Römern heftigen Widerstand“… und so weiter, kennt man ja.
    Sobald das Internet eine Macht (negativ oder positiv) ist, gibt es immer schon und auch Gegenmächte.

  2. 02
    der herr schroeder

    Sagen Sie bitte rechtzeitig Bescheid, wenn alles vollbracht ist. Nicht dass nachher doppelt und dreifach verlinkt wird.

  3. 03

    Ich muss mir das Ding erst noch ansehen, aber eine erste Anmerkung begrifflicher Art:
    Müsste es nicht heißen, dass die Doku sich mit dem syntaktischen Web beschäftigt, wenn sie sich mit Strukturen, „Datenwirrwarr“ und Beziehungen beschäftigt?

    Wie gesagt, ich muss es mir noch anschauen.

  4. 04
    Nikolai

    @Addliss: Du solltest dir das Video in der Tat erst mal anschauen. :)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Semantisches_Web

  5. 05

    „Semantisch“ ist hier schon richtig gewählt, weil die Beziehungen, die gelabelt oder einfach nur gezogen werden, das Bedeutungspotenzial darstellen. Zwar ergibt sich dadurch auch eine Struktur, was eher Syntaktisches, aber darum geht es nicht. Syntax sagt nur aus, dass es verbunden ist, warum, durch welche Bedeutung aber nicht. – Das mal sprachwissenschaftlich heruntergebrochen.

    Tolle Doku!

    Allerdings glaube ich, dass dieses „semantic web“ lange nicht so innovativ ist, wie es hier dargestellt wird. Web 3.0? Machen wir das nicht von Anfang an? Und machen wir das nicht auch überall sonst? Das Web ist nichts anderes als ein neuer Diskurs (oder Text – in einem ziemlich großen Sinne…), aus dem wir Relationen herausfiltern, Label nutzen, etc. – nichts anderes als wir im Alltag (ohne Internet) und auch schon vor 20 Jahren gemacht haben, mit Büchern, mit Texten, mit Unterhaltungen.
    Vielleicht haben wir jetzt ein bisschen mehr Technik zur Hand, geht das Labeln und Analysieren, um es zu verstehen, schneller. Aber innovativ ist es meiner Meinung nach überhaupt nicht….

  6. 06
    Sara Chahrrour

    @#759543: Danke für deine Erklärung, ich war mir im ersten Augenblick auch nicht ganz bei der Wortwahl sicher (wobei ja in gewisser Weise beides zutrifft).

    Was die Innovation angeht- naja, klar, das machen wir auf eine „analoge“ Art und Weise schon seit Jahren. Ich habe die Doku eher so verstanden dass die Herausforderung darin besteht, auch den Computer das machen zu lassen, und zwar nach einem bisschen Anschiebkraft ganz autodidaktisch (ich denke da etwa an genau das, was Facebook gerade aufzieht: Datamining in so großem Stil, dass die schon genau zuordnen können, über welche Verbindungen ich mit anderen Menschen im Netz tatsächlich auch Beziehungen führe, selbst wenn ich meine eigenen Details gar nicht angebe. )

  7. 07

    Ja, stimmt. Dass der Computer das machen soll, ist natürlich innovativ. Selbst für weniger digitale Dinge hat man da ja noch nicht einmal funktionierende Prozesse gefunden. Es wäre dann wiederum interessant zu sehen, ob das, was der Computer irgendwann kann, auch für so diskursanalytische Untersuchungen außerhalb des Internets nutzbar ist.

    (Bitte löscht doch den doppelten Kommentar wieder. Es kam da erst eine Fehlermeldung und ich hab nicht gesehen, dass es dann doch geklappt hat.)

  8. 08
    Sara Chahrrour

    @neous: Ich sehe gar keinen doppelten Kommentar :)

    .. übrigens, ob das alles so Web 3.0 ist kann man anzweifeln. So wie ich das sehe, sind wir schon im Web 5.0 angelangt, und es kommen noch viele Zwischenschritte bevor wir den nächsten Knall bewusst mitbekommen.. interessant und hochspannend bleibt es dennoch.

  9. 09
    RC

    Wow, seit 12 Jahren [1] nichts mehr vom semantischen Web gelesen. Schade das dieses Video keine für mich verwertbare Info enthält. Es erklärt nur ein paar allgemeine Beschreibungen dazu, um Leuten eine Idee zu geben, die mit dem Begriff einfach gar nichts anfangen können. Mich hätte ja wenn interessiert, was sich seit den 90ern an der Front getan hat – ob sich überhaupt was getan h at, ob immer noch die gleichen Probleme ungelöst sind, ob man schon erste Sachen am Start hat mit denen „gespielt“ werden kann, ob es konkretere Fahrpläne gibt…

    Die Art wie hier Begriffe wie Web und Internet benutzt werden, erzeugt fast den Eindruck, als sei es das Gleiche. Schlimm genug, dass es so viele Leute zu geben scheint, die noch nie im IRC waren und nicht wissen was Newsgroups sind oder noch nie was per FTP „bewegt“ haben. Ob wenigstens eMail als eigener Dienst neben dem Web wahrgenommen wird?

    Ich sehe gar keinen doppelten Kommentar :)

    09 / Sara Chahrrour

    5 und 6?

    [1]

    […] bewog Berners-Lee 1998, das semantische Web auszurufen.

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21498/1.html

  10. 10
    Nikolai

    @Sara Chahrrour: Kommentar 06 ist ein Duplikat von Kommentar 05. Die Kommentarfunktion hat schon seit Längerem gelegentlich Aussetzer.

  11. 11

    So, endlich die Zeit gehabt – und leider enttäuscht worden. Für sich ist die Doku inhaltlich gut und auch gut produziert (soweit ich das beurteilen kann), doch auf der „visionären“ Seite, die du ansprichst, fehlt leider etwas. Es gibt keine Ansätze, keine Vorstellung davon, wie Semantic Web realisierbar sein soll.
    Bisher scheint mir die Idee auch noch recht unausgereift. Es wirkt auf mich so, als wenn zumindest einige der Interviewten sagen wollten, dass Semantik durch Verbindungen erzeugt werden könne. Damit würde nur in einem bestimmten Sinn Semantik entstehen – wenn man Semantik nämlich als die Summe der Beziehungen eines Begriffs zu anderen Begriffen (einer Entität zu anderen Entitäten) sieht. Dazu braucht man aber genau diese Auffassung (auf der ontologischen Ebene). Versteht man Semantik als die Propositionen, die vom Menschen den Begriffen zugeordnet werden, ist man mit den bisherigen Ideen zum Semantic Web noch keinen Schritt weiter. Dann bewegt man sich in nichts weiter als der Syntax.

    Ich denke auch, dass das semantische Web mit der Frage zusammenhängt, ob wir künstliche Intelligenz erschaffen können oder nicht. Erst mit dieser Technologie ist ein wirkliches „Verständnis“ der Inhalte durch den Computer möglich.

    (Sorry für diesen vor Fachbegriffen strotzenden Kommentar, aber ich konnte jetzt nicht anders. Ich danke aber im Übrigen trotzdem für den Post, da mich die Doku auf interessante Ideen bringt/gebracht hat.)

  12. 12
    Frogster

    @Sara Chahrrour: Web 5.0?? Nee, es ist eher ziemlicher Unsinn, das Web durchnummerieren zu wollen, da es sich in einem ständigen Wandel befindet. Der Typ, der den Begriff „Web 2.0“ in die Welt gesetzt hat, gehört schon geohrfeigt. Und wenn doch versionieren, dann möchte ich behaupten, dass die Zahl noch lange keine Eins vor dem Komma erreicht haben dürfte.

  13. 13

    Ich muss dem zustimmen: auf Propositionsebene bleibt alles in der Syntax. Aber es schien mir doch so, als wollte man einen Schritt weitergehen – nur wie, das stimmt, ist nicht wirklich beschrieben. Und ehrlich gesagt: wer solch einen Begriff so populär machen will (oder ihn auch einfach nur wiederaufnimmt), sollte sich seiner Bedeutung doch sehr sicher sein, oder nicht?

  14. 14
    Sara Chahrrour

    @RC: Anscheinend habe ich mich schon so sehr auf das doppelte Sehen gewöhnt.. naja, dürfte jetzt alles seine Richtigkeit haben ;)

    @Addliss: Vielleicht ist „visionär“ dahingehend auch der falsche Begriff- vielmehr eben ein Denkanstoß (wie du ihn auch selbst erlebt hast) und ja, auch eine recht simple/zusammenfassende Erklärung von Semantik im status-quo.

    @Frogster: Wir können uns da die Hand geben, genau das meinte ich– das Durchnummerieren kann man jetzt von 0,1 bis 1000 durchführen, macht aber erst in Retroperspektive wirklich Sinn.

  15. 15

    @neous: Das ist wirklich die Frage. Vielleicht sind die Leute, die sich darum Gedanken machen, selbst noch nicht klar, wie Semantik verstanden werden kann. Ob es nur die Gesamtzahl der syntaktischen Beziehungen ist (was allerdings die Frage aufwirft, wann man aufhört, Beziehungen zu zählen: mit fortlaufender Zeit können ja neue entstehen) oder mit Propositionen zusammenhängt.
    Oder sie versuchen einen Diskurs darüber zu führen und diese Frage „nebenbei“ aufzuwerfen, aber das Web trotzdem schon weiter zu entwickeln. Ich denke, dass man so vielleicht auch weiterkäme – jeder werkelt mit seiner eigenen Vorstellung davon, wie es funktionieren sollte und es bildet sich ein heterogenes Netzwerk, das nach verschiedenen Methoden funktioniert. Das könnte dann vielleicht Intelligenz entwickeln, da auch diese ja vielgestaltig ist. Sehr sehr spannend. (Aber meine Gedanken dazu sind noch unausgereift.)

  16. 16

    Beim semantischen Web geht es meiner Meinung nach schon in erster Linie darum, den Inhalt auch für den Computer verständlich zu machen. Wenn ich jetzt z.B. wissen will, wie alt Christoph Kolumbus bei der Entdeckung Amerikas war, kann ich die Daten recherchieren und das Alter ausrechnen oder eine Seite suchen, auf der das bereits jemand gemacht hat. In einem idealen, semantischen Web könnte ich die Frage direkt so eingeben: „Wie alt war Chistoph Kolumbus als er Amerika entdeckte?“ Um mir eine Antwort auf diese Frage liefern zu können, muss der Computer die Informationen nicht nur kennen, sondern eben auch verstehen.
    Oder wenn ich frage: „Welche Farbe hat die Golden Gate Bridge?“, und auf einer Website steht vielleicht „Die Golden Gate Bridge ist rot“ und auf einer anderen „Die Golden Gate Bridge ist in marsrot angestrichen“ so muss der Programm zum einen verstehen, dass es sich bei rot und marsrot um Farben handelt, zum anderen aber auch, dass Rot und Marsrot zur selben Farbfamilie gehören.
    Wolframalpha geht ein bisschen in diese Richtung.

  17. 17
    Ste

    Na ein Glück gibt es Kurt Gödel!

  18. 18
    Nikolai

    @Addliss: RC hat bereits auf zwei wichtige Punkte hingewisen und ich möchte diese hier noch mal betonen:
    1. Die Idee des semantischen Web ist bereits recht alt.
    2. Die Dokumentation bietet nur einen oberflächlichen Einstieg in das Thema. Sie geht nicht in die Tiefe und wird im Hinblick auf mögliche und existierende technische Ansätze nicht konkret (was ich ihr übrigens ausdrücklich nicht zum Vorwurf machen will). Aus dieser Dokumentation zu folgern, dass man in einer bestimmten Richtung „keinen Schritt weitergekommen“ sei, ist deshalb ein Trugschluss.

    Ich bin kein Sprachwissenschaftler, aber ich glaube ich kann getrost behaupten: Natürlich geht es beim semantischen Web um Propositionen. Der Sinn des semantischen Webs besteht darin, dass Maschinen Informationen gemäß ihrer Bedeutung für den Menschen verknüpfen und auswerten können, und wie sonst sollte „Bedeutung“ definiert werden?
    Ich weiß nicht so recht, was du meinst, wenn du von Semantik im Sinne von „Gesamtzahl der syntaktischen Beziehungen“ sprichst. Vielleicht hat es etwas hiermit zu tun: Computer sind Maschinen, die Symbole (letztendlich in der Regel Bits) nach bestimmten Regeln manipulieren, sie arbeiten also immer auf syntaktischer Ebene. Diese Regeln kann man aber so gestalten, dass sie semantischen Gesetzmäßigkeiten entsprechen (siehe etwa http://de.wikipedia.org/wiki/Kalk%C3%BCl#Kalk.C3.BCle_in_der_Logik ), so wie zum Beispiel die syntaktischen Regeln für die schriftliche Addition (mit Übertrag und so) mit den mathematischen „Gesetzen“ der Ganzzahladdition in Einklang stehen. Ontologien können die Basis für solche Regeln bilden.

  19. 19

    @Nikolai: Ich verstehe deine beiden Punkte und stimme dir zu. Ich wollte meine Kritik auch nicht auf die Doku beziehen, denn die hat ja überhaupt nicht den Anspruch, einen Lösungsansatz zu bieten.

    Mir ging es eher um eine (von mir vermutete) Lösung des semantischen Webs. Es sind auch bei mir noch keine ausgearbeiteten Gedanken, doch man kann es sich etwa so vorstellen:
    Es gibt – so verstehe ich es – die Auffassung, die Proposition (Bedeutung) eines Begriffs setze sich daraus zusammen, wie er mit anderen Begriffen verbunden ist („Gesamtzahl der syntaktischen Beziehungen“). Sollte diese Idee so vorhanden sein und man darauf ein „semantic web“ aufbauen, sehe ich noch nicht, dass man eine wirkliche „Semantik“, ein Verständnis des Computers, geschaffen hätte. Es gäbe quasi nur Syntax. Auch die logischen Kalküle, so wie ich sie verstanden habe (leider nicht ausführlich studiert), _versuchen_ nur Wahrheit zu beanspruchen aufgrund der Struktur. Es gibt hier keine Kontrolle ob Tatsachen, die behauptet werden „der Fall“ sind. Es ist insofern diskussionswürdig, ob Kalküle tatsächliche Wahrheit/Inhalte beweisen oder strukturelle Korrektheiten, die auf Wahrheit der Inhalte schließen lassen.

    Ich sehe allerdings selbst einen Einwand gegen meine Theorie. Vielleicht „gibt“ es keine Propositionen, sondern die Idee Wittgensteins wird aufgegriffen. Er definiert die Bedeutung eines Wortes als seinen Gebrauch in der Sprache. Dies ließe sich leicht so darstellen, dass der Begriff seine Bedeutung durch die Beziehung zu anderen Begriffen erhält (denn diese entstehen ja durch den Gebrauch). Und Wittgenstein hatte schon ziemlich Recht mit seiner Sprachphilosophie…Wie gesagt – alles sehr spannend, aber abschließend ist das noch nicht.

    (Ich bin übrigens auch kein Sprachwissenschaftler, habe jedoch einschlägige Erfahrung durch B.A.- und aktuelles M.A.-Studium.)

  20. 20

    Um das sprachwissenschaftlich mal richtig zu stellen (ich darf mir hier vielleicht sogar anmaßen zu behaupten, ich sei Sprachwissenschaftlerin):

    Bedeutung wird erst durch Relationen zwischen Propositionen erzeugt, nicht durch die Existenz von Propositionen allein. Und leider sind Propositionen nicht gleichzusetzen mit „Bedeutung“, sondern höchstens mit „Aussagen“.
    Will man also von einem „semantic web“ sprechen, reichen die Propositionen oder Labels allein nicht aus. Um den Begriff sinnvoll und logisch verwenden zu können, muss man nicht nur die Gesamtzahl ihrer syntaktischen Beziehungen dazunehmen, sondern auch das „Wie“ dieser Beziehungen. Dadurch ergibt sich übrigens ganz automatisch eine Struktur…
    Warum also, um das Beispiel von oben zu nehmen, weiß der Computer irgendwann vielleicht, dass die unterschiedlichen Farbtöne zur selben Farbfamilie zählen, aber doch einen Unterschied aufweisen? – Weil man ihm beigebracht hat, Beziehungen zwischen den Farbtönen zu lesen bzw. zu interpretieren (wie auch immer das funktionieren mag). Die Proposition alleine wäre nur die Aussage, dass das eine rot, das andere marsrot ist. Mehr nicht.

    Und das ist genau, was Wittgenstein sagt: Ein Begriff erhält seine Bedeutung durch die Beziehung zu anderen Begriffen, durch Kontext zum Beispiel.
    Natürlich wissen wir, welche Bedeutung das Wort „rot“ trägt, aber das wissen wir nicht durch das Wort allein, seine Bezeichnung ist vollkommen arbiträr. Wir können „rot“ von „marsrot“ aber unterscheiden und weisen den beiden Bezeichnungen dann Bedeutung zu, weil wir die Aussagen, Propositionen dahinter im Kontext der anderen Farben sehen. Man kann hier auch einfach von Weltwissen sprechen.
    Ein Kind lernt Farbnamen mühsam durch Gegeneinandersetzen der einzelnen Farben, ihre Begriffe aber lernt es wie Vokabeln.
    Nur durch das sinnvolle „in-Beziehung-Setzen“ entsteht das, was hier mit Semantik bezeichnet werden soll. Syntax dagegen ist allein die Anordnung der Elemente und die Tatsache, dass sie überhaupt miteinander verbunden.

  21. 21

    @neous: Du hast wohl Recht, dass ich die Begriffe Proposition und Bedeutung nicht klar getrennt habe. Dadurch kam für mich selbst vielleicht auch die Verwirrung hinein. So wie du es beschreibst, scheint es Sinn zu machen.

    Allerdings sehe ich noch nicht, wie wir einem Computer beibringen können – um bei dem Beispiel zu bleiben – wie er Farbtöne interpretieren kann. Das werden wir aber noch sehen müssen…

  22. 22
    Nikolai

    @Addliss: Eine Möglichkeit besteht darin, dem Computer die Beziehung von „rot“ und „marsrot“ mittels einer Ontologie explizit mitzuteilen. Dazu könnte beispielsweise „rot“ eine Instanz einer Klasse (eines Konzepts) „Farbbereich“ sein, während „marsrot“ eine Instanz einer Unterklasse von „Farbbereich“, sagen wir „Spezifischer Farbbereich“, ist. So impliziert „Marsrot“-Sein immer auch „Rot“-Sein.

    Es könnte auch dem Computer überlassen werden, aus vorhandenen Informationen die Beziehung zwischen „rot“ und „marsrot“ abzuleiten, zum Beispiel indem er feststellt, dass alle ihm bekannten marsroten Dinge auch rot sind. Geht man von der Open World Assumption aus, ist das in diesem Fall allerdings problematisch.

    Noch ein paar Worte zu logischen Kalkülen: Ein Kalkül ist natürlich nur dann sinnvoll, wenn er korrekt ist, das heißt wenn man mit seinen syntaktischen Regeln nur gültige (salopp gesagt: wahre) Formeln ableiten kann. Korrektheitsbeweise sind deshalb essentiell. Das Problem lässt sich nicht vermeiden: Wer von syntaktischen Symbolmanipulationsmaschinen (Computern) semantisch sinnvolle Ergebnisse erwartet, der muss sicherstellen, dass die Rechenregeln korrekt sind.

  23. 23
    RC

    Uh… Wenn in solchen Bereichen Begriffe wie Syntax und Semantik auftauchen, sollte man es nicht damit verwechseln, wie es typischerweise im Deutschunterricht verwendet würde, sondern es geht komplett um den Bereich der formalen Sprachen – Programmiersprachen oder (mathematische) Logik. Das hier ist Informatik.
    Deswegen kann hier auch nicht von Syntax die Rede sein, denn wäre es nicht längst das syntaktische Web (kein Informatiker würde etwas entwerfen, was nicht einmal diesem Anspruch gerecht würde), würde es ja gar nicht funktionieren. Eine syntaktisch inkorrekte Seite könnte kein Browser ohne Fehler parsen bzw. überhaupt nicht.
    Eine Syntax ist erfüllt, wenn die Regeln eines Systems korrekt umgesetzt wurden. Hierbei geht es nicht um Sinn. Konstruktionen können syntaktisch korrekt sein, aber sinnlos/unverständliches Gestammel. Genau das ist es was Semantik in einer Schicht darüber aufbauen soll. Damit etwas als wohlgeformter Ausdruck wahrgenommen werden kann, muss es syntaktisch und semantisch korrekt sein. Es geht hierbei eben auch um Verifikation.
    Oder hab ich es nur nicht geschnallt, dass es hier jeder geschnallt hat (meine Skills das zu erkennen sind ungefähr so gut wie die von Sheldon Cooper)? Wie dem auch sei, es ging mir nur darum auszusagen, dass lediglich/natürlich die logische/mathematische Definition der Begriffe gemeint ist.
    Manchmal erscheint es mir so, dass die triviale Bedienung des Web User vergessen lässt, dass man den ganzen Tag lang nur dem Funktionieren mathematischer Prinzipien/deren Beweis zuschaut und das nicht mal, weil man es sich sowieso von einem Computer aus anschaut.

  24. 24
    RC

    Uh… Wenn in solchen Bereichen Begriffe wie Syntax und Semantik auftauchen, sollte man es nicht damit verwechseln, wie es typischerweise im Deutschunterricht verwendet würde, sondern es geht komplett um den Bereich der formalen Sprachen – Programmiersprachen oder (mathematische) Logik. Das hier ist Informatik.
    Deswegen kann hier auch nicht von Syntax die Rede sein, denn wäre es nicht längst das syntaktische Web (kein Informatiker würde etwas entwerfen, was nicht einmal diesem Anspruch gerecht würde), würde es ja gar nicht funktionieren. Eine syntaktisch inkorrekte Seite könnte kein Browser ohne Fehler parsen bzw. überhaupt nicht.
    Eine Syntax ist erfüllt, wenn die Regeln eines Systems korrekt umgesetzt wurden. Hierbei geht es nicht um Sinn. Konstruktionen können syntaktisch korrekt sein, aber sinnlos/unverständliches Gestammel. Genau das ist es was Semantik in einer Schicht darüber aufbauen soll. Damit etwas als wohlgeformter Ausdruck wahrgenommen werden kann, muss es syntaktisch und semantisch korrekt sein. Es geht hierbei eben auch um Verifikation.
    Oder hab ich es nur nicht geschnallt, dass es hier jeder geschnallt hat (meine Skills das zu erkennen sind ungefähr so gut wie die von Sheldon Cooper)? Wie dem auch sei, es ging mir nur darum auszusagen, dass lediglich/natürlich die logische/mathematische Definition der Begriffe gemeint ist.
    Manchmal erscheint es mir so, dass die triviale Bedienung des Web User vergessen lässt, dass man den ganzen Tag lang nur dem Funktionieren mathematischer Prinzipien/deren Beweis zuschaut und das nicht mal, weil man es sich sowieso von einem Computer aus anschaut.

  25. 25

    Die logisch/mathematische Definition der Begriffe ist aber auch nur abgeleitet von den Begriffen der Sprachwissenschaft – und somit im Prinzip auch von dem, was wir im Deutschunterricht alle mal gelernt haben (je nachdem, wie gut dieser Unterricht tatsächlich war).
    Denn ganz einfach: das Sprachwissenschaftliche oder im größeren Rahmen auch Logische oder Philosophische existiert einfach schon länger als die Regeln, die im Web gelten sollen oder noch banaler: als die Informatik. Sie sind nur, was wir im Alltag viel früher schon angewandt haben.
    Also ist es nicht nur aus trivialer, sondern auch ziemlich wissenschaftlicher Sicht richtig, was wir festgestellt haben und im letzten Kommentar nur in anderen Worten noch einmal wiederholt wird:
    Es geht um die Wohlgeformtheit eines Ausdrucks, um Korrektheit, Verifikation. Und das ist nichts anderes als die logische Verknüpfung zu anderen Dingen; das ist auch nichts anderes als Bedeutung.
    Auch in unserer Sprache kann ich semantisch gesehen „sinnlos“ Wörter aneinanderreihen, die grammatikalisch und auf Ebene der Syntax aber sinnvoll miteinander verbunden sind. Berühmtestes Beispiel der Satz von Chomsky: „Colorless green ideas sleep furiously.“
    Eine Bedeutung des Satzes gibt es nicht, zumindest keine korrekte, wohlgeformte, wenn wir das so definieren wollen. Die Wörter dagegen tragen eine Bedeutung, die wir von anderen Wörtern ableiten und übertragen, siehe mein Kommentar oben.
    Was nützt und also die korrekte Syntax hier? Gar nichts.
    Also sind wir uns schon alle einig in dieser Argumentation: wir brauchen eine höhere Schicht der Semantik – sowohl auf Ebene der Linguistik als auch auf Ebene der Informatik. Und das ist doch in beiden Fälle so ziemlich das selbe…

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