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Spreeblick mit flattr

Wir nun also auch mit flattr. Ich hatte gezögert, bevor wir den Micropayment-Dienst, den Peter Sunde auf der letzten re:publica vorgestellt hat, nun doch integriert haben. Was flattr ist, warum ich gezögert habe und weshalb wir nun doch dabei sind: Nach dem Klick.

flattr ist eine tolle Idee, die schon andere hatten: Nutzer, in erster Linie wahrscheinlich Leserinnen und Leser von Blogs, Foren und anderen Online-Medien abseits der klassischen, registrieren sich bei flattr.com und legen einen monatlichen Betrag fest, den sie für andere flattr-Teilnehmer ausgeben wollen. Jedes Mal, wenn ein so registrierter Nutzer einen Beitrag bei einem anderen flattr-Nutzer findet, der ihm gefällt, kann er seiner Begeisterung mit einem Klick auf den flattr-Button Ausdruck verleihen. Sein vorher festgelegter Gesamt-Etat wird am Ende des Monats nach Abzug einer Bearbeitungsgebühr durch alle Klicks geteilt.

Beispiel: Ich lege fest, dass ich monatlich 5 Euro verteilen möchte (die Gebühr lassen wir der Einfachheit mal kurz raus) und habe auf zwei flattr-Beiträge geklickt. Die beiden Autoren der betreffenden Artikel erhalten jeweils 2,50 Euro gutgeschrieben. Hätte ich auf 10 Artikel-Buttons geklickt, bekäme jeder Autor 50 Cent.

Einfach, simpel, fair.

Ich muss zugeben, dass ich dennoch zweifle. Als wir vor vier Jahren schon einmal über ein anderes Micropayment-System für Blogs geredet hatten, wurde der Ruf nach einem Spenden-Button auf Spreeblick laut, den wir wenig später eingebaut hatten. Nach sechs Monaten hatten wir darüber 80 Euro eingenommen und ein einziger Leser hatte ein „Abo“ abgeschlossen, er zahlt (übrigens bis heute) jeden Monat 5 Euro an uns, wofür wir uns sehr bedanken – unter anderem mit persönlichen Urlaubskarten. Wenn wir mal im Urlaub sind.

Der Gesamtkracher war der Spenden-Button damals aber augenscheinlich nicht, das Modell, Werbung zu schalten, zahlte sich bisher besser für uns aus, denn ich glaube, dass wenige Menschen bereit sind, für etwas zu bezahlen, das sie auch kostenfrei haben können. Und ich kann das sehr gut nachvollziehen. Letztendlich werden sich daher via flattr wahrscheinlich Blogger gegenseitig bezahlen, was wiederum gar nicht schlecht sein muss. Doch für relevante Umsätze wird flattr eine Masse erreichen müssen, die über ein paar hundert Blogger hinaus geht, ein bisschen rechnen macht in diesem Fall ernüchternden Spaß.

Womit wir dann jedoch bei der Antwort auf die Frage sind, warum wir flattr trotz meiner Zweifel doch eingebaut haben:

Erstens nützt das ganze Glauben recht wenig, wenn man Dinge nicht ausprobiert und so zu einem – wenigstens individuellen – Wissen kommt. Und zweitens haben inzwischen einige Blogs die flattr-Buttons eingebaut und ich denke, dass wir mit Spreeblick fast eine gewisse Verpflichtung haben, unseren Teil zum möglichen Erfolg der Idee beizutragen. Deshalb, und da es wenig zu verlieren gibt, sondern wir am Ende an einem Erfolg partizipieren würden, gibt es nun flattr bei Spreeblick.

Anmerkung: flattr ist noch nicht ganz offen für alle Nutzer, Beta-Einladungen gehen jedoch mittlerweile recht flott raus.

141 Kommentare

  1. 01
    cmi

    @#760939: Naja ich sehe das relativ entspannt. Durch diesen „Beta-Hype“ (ähnlich diverser Google-Produkte) wird das ganze viel bekannter als z.B. Kachingle, welche (leider) eher ein Schattendasein führen, aber früher da waren. Positiv: der Hype wirkt sich auch insgesamt positiv auf die Diskussion zu „Micropayment“ aus.

    Ich hoffe ja, dass Johnny nach einer gewissen Zeit mal seine Erfahrungen (ähnlich CARTA zu Kachingle) postet bzw. ggf. was dabei rumgekommen ist.

    Die „Flattr-Zahlen“ unter den Beiträgen selbst sind ja nebensächlich bzw. wenig aussagekräftig (sofern > 0 ;)) . Wenn da 100 Leute den Minimal-Betrag von 2eur eingestellt haben und jeweils 100 Dinge geflattrt haben, sind das absolute Pfennigbeträge. Wenn die jedoch sparsam mit ihren Klicks umgehen und/oder höhere Beträge eingestellt haben, kann da durchaus was bei rumkommen.

    Ich hab für mich die Entscheidung getroffen, eher sparsam zu „flattrn“ (flattern?) und somit dem einzelnen „Ding“ mehr zu geben.

  2. 02
    Jan

    Kinder, was macht flattr eigentlich mit dem Geld, das am Anfang des Monats von allen draufgeladen werden soll?
    Es wird ja erst am Ende des Monats verteilt, man kann also einen Monat lang super gut zocken damit, ja – die Gebühr wird wohl ein Witz gegen die Rendite sein, die man da in kürzester Zeit machen kann!
    Mensch – warum ist mir nicht so ein Modell zur Finanzierung meiner Finanzmarktspäße eingefallen?

  3. 03
    cmi

    @Jan: Yo alles scheiße und Abzocksystem cleverer Leute. Am besten gar nicht erst mitmachen. Btw: Flattr ist ein Witz – überleg mal was sämtliche Prepaid-Anbieter mit dem bezahlten Geld machen. Oder deine Bank. Ohne lästige 30 Tage-Bindung. Oder früher die Telekom mit ihren Telefonkarten! Boah, ich wünschte mir wäre sowas eingefallen.

    Wie gesagt es gibt einige Dinge die man an Flattr kritisieren kann (wie weiter oben schon mal geschrieben, das potentiell mögliche Tracking über Seiten hinweg finde ich wiederum bedenklich(er), interessiert aber irgendwie gar keinen), aber dieses Mimimi weil da ein Unternehmen Geld verdienen möchte (im Internet!!!! LOLZ!) finde ich irgendwie.. naja. ;)

  4. 04

    nachdem jetzt schon seit tagen die flut von antwortmails zum flattr-thema nicht abreisst, muss ich auch noch mal was zum thema sagen…

    @cmi: danke für die antwort an Jan, du sprichst mir aus dem herzen – sagt man wohl so.
    zugegeben – ich hab mich mit dem thema ‚wie vergüte ich internet-dienstleistungen am besten monetär‘ noch nicht wirklich auseinandergesetzt.
    bisher lief das bei mir immer so:

    – wenn jemand mit der behauptung dahergelaufen kam (bevorzugt im heise-forum), dass sich grössere konzerne, die es wagen, für ihre dienstleistungen (software, journalistischer output, whatever), doch am besten von der bildfläche verziehen mögen, da es ja jetzt open source=umsonst gibt und das sowieso besser weil umsonst=kostenlos ist: dezenter hinweis, dass erstens open source ! unbedingt = kostenlos bedeutet und zweitens ja jeder irgendwie geld verdienen möchte. auch die angestellten ebendieser konzerne/unternehmen.

    – wenn mir beispielsweise software gefällt, die ausserdem noch zu aussergewöhnlich anwenderfreundlichen konditionen kostenlos nicht nur getestet, sondern auch benutzt werden kann: meistens klebt irgendwo auf der website ein hinweis, wie man die weiterentwicklung bzw. die finanzierung des lebensunterhalts des autors unterstützen kann. dafür war mir bisher auch paypal ein willkommener weg, eine symbolische (oder darüber hinausgehende) aufmerksamkeit auf den weg zu schicken. übrigens fast immer mit nettem feedback.

    es gab ja schon viele versuche, sowas wie micropayment im internet zu etablieren. so ziemlich jeder versuch ist genauso schnell gescheitert, wie er auf der bildfläche erschienen ist.
    in der zwischenzeit gehen anbieter von ‚content‘ entweder über die wupper, streichen ihr mediales angebot stark zusammen oder werden von hr. murdoch übernommen.
    auf der anderen seite scheint es aber auch zumindest einer weitersehenden gruppe von nutzern des mediums ‚internet‘ zu dämmern, dass man sich alleine von aufmerksamkeit keine stulle zum frühstück kaufen kann.
    da kommt sowas wie flattr doch genau zum richtigen zeitpunkt – es wär doch auch schade, wenn das internet, nachdem es seine kinderstube nun wirklich schon seit _langer_ zeit verlassen hat, nicht endlich auch zum geldverdienen taugen würde. damit meine ich jetzt nicht den bereich, in dem reale güter verschachert werden und damit den gepflegten einzelhandel unter extremen zugzwang setzt – da wird schon länger, wenn auch nicht in jedem fall, das grosse geld verdient.

    langer rede kurzer sinn:
    wenn sowas wie flattr funktioniert – super, ich freu mich. noch mehr natürlich die leute, deren output dann auch mal kohle in die tasche spült.
    dass das angebot eines unternehmens nicht ausschliesslich aus nächstenliebe existiert: na und? bei fairen bedingungen ist das doch ok. und wenn es um zinsgewinne geht: kostet mich nix, also erst recht ok.

    so, genug der worte.

    allen eine gute nacht,
    tim²

  5. 05
    yenz

    Also ich glabe das Modell von Euch persönliche Urlaubspostkarten für 5 €/Monat zu bekommen könnte sehr gut funktionieren. Ihr müsst es nur etwas besser evrmarkten :)

  6. 06
    jakob

    Hey,
    Ihr habt doch sicher heute auch Eure erste flattr-Abrechnung bekommen, oder? Ich fände es interessant, hier mal eine erste Zwischenbilanz zu lesen: Hat sich’s denn gelohnt? Was wurde geklickt? …

    Danke und Gruß

  7. 07

    Eines freudigen Tages, wird auch der Behördenapparat auf Flattr aufmerksan und dann wird die Steuerabrechnung der „Flatternden Blogger“ doppelt geprüft. :-)

    Ich warte erstmal den First-Day-Hype ab und entscheide dann, ob ich die Buttons in meinen Blog einbaue. Dafür habe ich ein „Solidaritäts Konto“ für Fefe eingerichtet. Sprich alle einnahmen aus diesem Flattr gehen 1:1 an Fefe, da sich dieser wohl kaum durchringen wird, sein Design durch ein Buntibutton zu zerstören.

  8. 08
    Hans Incredible

    Hat jemand auf die auf-der-Hand-liegende ständige Verwechslungsgefahr mit dem „f“ von facebook hier bereits hingewiesen?
    Ich finde es schon sehr fraglich, die nach Meinung von Fachjuristen rechtswidrig arbeitende facebook-Datenkrake zu unterstützen, aber wenn man das schon macht, …. dann sollte doch der Link für Flattr nicht dermaßen verwechslungsfähig sein?
    Schließlich steht neben dem „f“ von facebook „gefällt mir“ … also … wie kann man das übersehen?

  9. 09

    Wen eine Übersicht über Flattr interessiert. Gib einige Blogs, die damit ein wenig Geld verdienen. http://www.blickschau.de/09-2010/flattr-einnahmen-deutscher-blogs/

  10. 10

    Hallo,

    auch wenn schon etwas Zeit vergangen ist, möchte ich mich dennoch bei ihnen bedanken.
    Ihr Artikel hat mich ermutigt, sich mit dem Thema auch etwas mehr zu beschäftigen.

    Nach dem ich den Flattr-Button nach keinem einzigen Klick vom Blog nahm entschied ich mich nun vor kurzem, den Button wieder einzusetzen, auch wenn ich mir davon nur wenig verspreche.
    Mal sehen, was die Zukunft bringt.

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