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Analoge Jugend

Ich bin zwar mit dem Internet aufgewachsen- das musste man damals aber teilweise noch mit ganzer Macht ankurbeln, damit es überhaupt startete. Es ist schwer zu glauben, dass es einmal eine Welt ohne blinkende Lichter und unbeschränkte Kommunikation gab. Der Tumblr von Analoge Jugend weckt ganz kleine Erinnerungsfunken an diese Zeit, winzig, kurz aufblitzend, in wunderschön seltsame und doch völlig gewöhnliche Fotos verpackt – Fotos einer analogen Jugend.

Einmal kurz versinken.

25 Kommentare

  1. 01

    Beschreiben die wirklich eine so furchtbar andere Welt? Finde ich irgendwie gar nicht.

    Die schwimmen im Baggersee (nehme an das tun Jugendliche heute auch noch?), gehen auf Parties und besaufen sich (wird auch genauso getan, siehe Presse), gehen auf Klassen-/Kurs-/Konfirmanden- Fahrten (nehme an sowas gibt’s heute auch noch?), haben Traeume (hoffe mal stark das haben sie heute auch!), haben Sorgen (werden sie heute leider auch haben) und leben halt.

    Nur die Technologie ist ein bisschen anders.

  2. 02
    Sara Chahrrour

    @Armin: Ich würde gerne behaupten, dass sich dahingehend tatsächlich nichts geändert hat, und dass nur der Einblick in die jeweiligen Welten anders geworden ist (was bleibt uns übrig, außer die paar Fotos und Videos, die Mama und Papa gemacht haben – neben unseren Erinnerungen?), und dass wir heute einfach alles einfacher dokumentieren können.

    Allerdings bin ich da ein bisschen desillusioniert. Zu oft war ich mittlerweile auf Veranstaltungen, wo Jugendliche wie Erwachsene eigentlich nur noch dokumentierten, wie andere dokumentierten. Nicht, dass das eine allgemeingültige Aussage wäre… aber geändert hat sich trotzdem viel.

  3. 03

    Ich bin sogar noch ohne Kabelfernsehen aufgewachsen… was jetzt nicht das Schlimmste ist… und? hat es geschadet? definitiv ja! denn heute mit 31 Jahren sitze ich schon beim Frühstück vor’m Laptop und schreibe Kommentare in Blogs… gnihihihi

  4. 04
    fredge

    Mein Handy ist gerade kaputt. Da es meine einzige Uhr war, bin ich auch uhrlos. Das war die ersten drei Tage ziemlich komisch. Mittlerweile ist es super. Ich mache Zeugs und denke mal wieder so richtig alleine über alles nach. Auch: Will ich jetzt WIRKLICH Person X treffen? Falls es nämlich so ist, muss ich hinfahren. Oder will ich mich gerade nur von etwas anderem – z.B. mir selbst – ablenken?

    Mein Vater war schon immer PC-Freund, deswegen hatten wir früher BTX bzw. Datex J von der Telekom, schon vor der Einführung des richtigen WWW. Da gab es schon Chatrooms und man hat pro Beitrag zwanzig Pfennig gezahlt. Da hat man sich Gedanken gemacht, was man schreibt. ;-)

    Analoge Jugend: Ich selbst bin älter geworden, aber mein Leben hat sich so sehr nicht verändert. Ich fahre noch immer mit dem Fahrrad nach Brandenburg und springe in den See. Noch immer mache ich im Sommer Feuer im Feld und grille Kartoffeln. Noch immer gehe ich gerne durch die Straßen und rede über Quatsch oder sitze am Bordstein und guck‘ Menschen. Seitdem ich meine Digicam verkauft habe, sehen die Bilder auch wieder aus, wie aus den Neunzigern. Vielleicht ist der Touch des „Unperfekten“, wie er auf diesen oftmals „schlechten“ Bildern zu erkennen ist, ein Auslöser für sentimentale Gefühle über das Vergangene?

  5. 05
    fewweffwe

    Jetzt kommt der Hammer:

    Bis ich in die Schule kam hatten wir Anfang der 70er nichtmal ein Festnetztelefon! Man ging einfach so zu Leuten und klingelte an der Tür udn man wusste vorher nicht ob diese zu Hause sind! Man konnte mangels Apparat nicht vorher anrufen udn was ausmachen.

  6. 06

    Ach ja, waren doch auch coole Zeiten!

  7. 07

    @bodicker:

    Pah, das kann ich noch besser. Ich bin ohne Fernsehen aufgewachsen (ausser mal bei Oma oder bei den Nachbarn mit deren Kindern). Den ersten Fernseher haben meine Eltern gekauft als ich so 14 oder 15 war, glaube ich.

    Hat es geschadet? Ja, zumindest der Fernsehindustrie, denn heute habe ich auch keinen Fernseher. Habe in meinem ganzen Leben keinen Fernseher besessen, nur mal fuer ein paar Jahre eine Leihgabe.

  8. 08
    Tim

    @Sara Chahrrour
    Würde ich zustimmen. Und noch ein Aspekt: Die Kommunikation (Handy, facebook usw.) verhindert den Zufall, das „sich-auf-etwas-einlassen“. Statt einfach mal hinzugehen, wird vorher per Telefon, social media und Internet abgecheckt, ob man auch wirklich den besten Event, zu dieser Zeit, in dieser Stadt, erwischt. Da stehen dann alle rum, sich selber gegenseitig vergewissernd, die geilste Location gefunden zu haben, und dokumentieren das ausgiebig per twitter und digicam. Im Gegensatz zu früher kann sich dadurch nichts mehr entwickeln, eine Eigendynamik bekommen. Die Intensität bleibt (zu oft) auf der Strecke.

  9. 09

    @fewweffwe: Jetzt kommt der Hammer:
    bis ich mit der Grundschule fertig war hatten wir kein Telefon und dat war mitte/ende der 80er. Aber wen wollte man auch anrufen, die andern hatten ja och keens. :-)

  10. 10
    Sara Chahrrour

    @Tim: das finde ich noch nicht mal am schlimmsten. noch nerviger finde ich es, dass leute diese einfachen kommunikationsmöglichkeiten als rechtfertigung nutzen können um termine zu ändern, abzusagen, zu spät zu kommen. ich stehe am treffpunkt und krieg einen anruf, dass es leider wieder später wird. früher wäre man halt einfach pünktlich gekommen, weil es nichts anderes gab.

    oder halt die sache mit dem anklingeln: früher kannten meine eltern meine freunde, weil die vor der tür standen und nach mir gefragt haben. heute warten die irgendwo auf der straße und lassen anklingeln. aber hey.. man kann sich ja über alles aufregen ;)

  11. 11
    cervo

    Na ja, zeigt auch nur, dass man älter wird. Unsere Eltern damals haben auch mit verklärtem Blick auf die s/w-Fotos ihrer Jugend geschaut und die Unterschiede aufgezählt. Ja klar, die „Digitale Revolution“ hat schon was verändert – Rezeption von historischen Medien die emotionale Erinnerungsschübe auslösen muss man aber nicht unbedingt dieser (digitalen vs. analogen) Revolution zuschreiben.
    Das schöne ist, mache ich heute von den Klamotten einer 9.Klasse ein Foto, lege in Fotoshop einen Filter (Original Wolfen) sowie ein paar Kratzer drüber und entwickle die Fotos dann wirkt das auch „voll 80er“. Wetten?

  12. 12
    Sara Chahrrour

    @cervo: Solange man bei einer 9. Klasse niemals wieder „voll 90er“ sagen kann, hab ich kein Problem damit :D

  13. 13

    „[When I was young,] I had to get up in the morning at ten o’clock at night, half an hour before I went to bed, eat a lump of cold poison, work twenty-nine hours a day down mill, and pay mill owner for permission to come to work, and when we got home, our Dad would kill us, and dance about on our graves singing „Hallelujah.“

    „But you try and tell the young people today that… and they won’t believe ya‘.“

    http://cmoore.com/funstuff/humor/mp.script.weweresopoor.php

  14. 14

    Was mir als erstes aufgefallen ist: Die analoge Jugend war viel schlanker…

  15. 15
    alter hase

    Stefan hat gewonnen.

  16. 16

    Hach ja, alle Bilder so vertraut…

    Die Bilder der „digitalen Jugend“ werden doch in 20-30 Jahren garnicht mehr lesbar sein. Fotopapier hält bei sachgerechter Lagerung durchaus 50 Jahre und mehr, CDs/DVDs/USB-Sticks wird man in 50 Jahren garnicht mal mehr auslesen können, da es keine passenden Geräte mehr gibt – das ist aber garnicht so schlimm, weil die Medien bis dahin eh von selbst verstorben sind…

    gruß

  17. 17

    @Frank Schenk:

    Ueber die naechsten Jahre wandert doch sowieso alles in die „Cloud“, da stellt sich das Problem der passenden Lesegeraete fuer altmodische Offline-Speichermedien dann nicht mehr.

  18. 18
    jokin

    Die Haare! Die Jacken! Die Kindergeburtstag- und Schaukel-Photos! Dieser „Eingescannte Abzüge“-Look! Ahhhh! Nostalgieflash!

  19. 19
    Tommy

    Wahnsinn, diese „analoge Jugend“! Und so visionär: Hatten die doch damals schon Poster mit playboy.de Schriftzug an der Wand hängen.

  20. 20
    Wolfgang

    Finde die Bilder wirklich schön und auch schön analog,
    jedoch sind mir die Tomte/Tocotronic Überschriften zum Teil
    zu gewollt und auch unpassend. Könnte man vielleicht ändern.

  21. 21

    @Tommy:

    Na ja, normalerweise ist diese Industrie immer unter den ersten was neue Vertriebswege bzw -methoden angeht. Von daher wuerde es mich nicht wundern wenn die Domain bereits in den 90er Jahren registriert und auch auf Poster gedruckt wurde.

    Und zu der Zeit war noch nicht viel mit digitalen Kameras (zumindest fuer Jugendliche) und ebenso wenig mit Social Networks (zumindest hiessen die damals noch nicht so).

    Passt also.

  22. 22
    Manuel

    Sorry, aber schlechte analog-Fotos mit Liedtexten unter/übertiteln, und das ganze dann als Kunst verkaufen, geht nicht.

    Denn – das sind keine tollen Fotos, ein paar nette Schnappschüsse, ok. Aber eigentlich nur interessant für die, die auf den Bildern drauf sind.

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