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Afrika-Außenstelle: Kleine Geschichten, große Herausforderungen


Neues von der Spreeblick-Außenstelle in Lesotho, Südafrika:

In den letzten zwei Tagen waren wir in drei Krankenhäusern, haben mit sechs HIV-positiven Frauen gesprochen, zwei weitere in ihre Häuser begleitet und gesehen, wie sie leben, sowie Waisenkinder in einer neu für sie gebauten Hütte besucht. Jemand hat mich per Twitter gefragt, wie man mit solchen Eindrücken klarkommt. Nun ja. Klar ist es krass, mit gefülltem Magen vom Luxushotel aus einen Ausflug zu den ärmsten Menschen dieser Welt zu machen, die Spiegelreflexkamera immer schußbereit. Aber sich zu fragen, wie man selbst damit klarkommt, ist definitiv nicht die richtige Sichtweise.


Waisenkinder, denen der Global Fund eine neue Hütte finanziert hat

Erstens geht es nicht um uns, und zweitens sind wir von zahlreichen Fernsehbildern so geschädigt, dass wir immer nur die katastrophalen Verhältnisse vor Augen haben, die es zwar gibt, aber eben nicht an jeder Straßenecke. Wir schauen wir mit unserer westlichen Vorstellung von Wohlstand auf ärmliche Verhältnisse, doch auch die armen Menschen hier sind nicht nur unglücklich, und zum Glück ist nicht alles hoffnungslos.

Ich will nichts verharmlosen. Es war nur viel schlimmer für mich, in Indien zahlreiche Straßenkinder am Rockzipfel zu haben, um die sich keiner gekümmert hat, als diese Krankenhäuser hier zu besuchen. Denn dass es diese gibt, heißt: Hier wird den Menschen geholfen. Natürlich muss es sehr viel mehr Hilfe geben, natürlich haben die G-8-Staaten die Verpflichtung, den Entwicklungsländern die finanzielle Unterstützung zuzusichern … aber was unseren Aufenthalt angeht, wurden wir von den hoffnungslosen Fällen (bewusst?) verschont. Denn was man uns von hier als Message mitgeben will, ist: Die Lage ist nicht aussichtslos.

Die Projekte, die wir hier besichtigen, laufen tatsächlich sehr gut. Wir haben zwei Kliniken besucht, in denen HIV-infizierten Frauen geholfen wird, ihre Kinder gesund zur Welt zu bringen – worüber ich nochmal separat schreiben werde. Am Dienstag waren wir im Butha Buthe Hospital, und zwar in der Abteilung, in der die Patienten ihre antiretrovirale Therapie (ART) in Empfang nehmen – also Medikamente, die den Virus unterdrücken und die Zahl an Helferzellen im Körper hoch halten. Dank der antiretroviralen Therapie muss man Leute, die tatsächlich an Aids erkrankt sind, in den Krankenhäusern fast schon suchen, das Team vom Butha Buthe erzählte, dass es nur noch in sehr wenigen Fällen zum Ausbruch der Krankheit kommt. Viele kommen schon früh, um sich testen zu lassen, und die kostenlose Behandlung wird gut angenommen. Wie der Pharmazeut sagte: „Many have seen sick people they already had wrote off to death actually return to life, so they trust the treatments.“

Die Medikamente werden vom Global Fund finanziert, der als Abnehmer riesiger Mengen auch die Verhandlungen für die Regierungen mit den Pharmazieunternehmen führt. Das nette Personal im Krankenhaus ist glücklich darüber: „We are very happy, it’s a good team and the drugs are always there.“

Natürlich gibt es immer noch genug Menschen, die das Krankenhaus nie von innen sehen. Die World Health Organisation schätzt, dass mindestens 9,7 Millionen Menschen weltweit ART brauchen, aber Ende 2008 nur 4 Millionen Zugang dazu hatten. Der Global Fund finanzierte Ende 2009 ART für 2,5 Millionen Menschen weltweit. In Lesotho bekommen ca. 45 300 von 85 000 Patienten, die es brauchen würden, antiretrovirale Medikamente. Durch die Finger schauen beispielweise Lesothen, die in den Minen in Südafrika arbeiten, oder die zahlreichen Waisenkinder, wenn niemand Zeit hat, um mit ihnen in die Krankenhäuser zu gehen. Hier wird versucht, Leute damit zu beauftragen, aber bei 110 000 Waisen in Lesotho ist das kein leichtes Unterfangen.

Zu vieles noch ist katastrophal und traurig. Aber es ist nicht hoffnungslos. Und das ist der Punkt.

Alle Artikel aus Lesotho findet ihr hier.

2 Kommentare

  1. 01

    Sehr schoen die Berichterstattung der Aussenstelle Afrika.
    Mir gefaellt der Blickwinkel.

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