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Exodos – Get your own readymade-creative-commons-independent-feature-film-Kinoabend

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Die Band Elfterklang hat es mit ‚An Island‘ vorgemacht: in nur zwei Monaten wurden über 1200 private Screenings des Films gebucht. Mit Schmackes haut jetzt Retsina-Film in die cc-Movie-Kerbe: ‚Exodos‘ wird dabei allein schon deshalb ein Erfolg, weil er sich unanbiedernd selbstgefällig in fast jedes Genre-Schublädchen schmiegt. Zeigt ihn als Road-, Porn-, Action-, Agitationsmovie oder Fairy Tale, aber zeigt ihn!

Die Regeln sind simpel: ihr bucht ein Screening, rückt mindestens fünf Stühle zusammen und bekommt dafür den Film in HD für Umme.
Echt? Echt.
Trailer und Info undund nach dem Klick.


Dem erfolgreichen Fotografen und Strumpfhosen-Fetischisten Boris Eichenbaum passt das alles nicht mehr: die westlich-verwöhnte Welt kotzt ihn an und löst erektile Disfunktionen aus. Die allgegenwärtigen Wirtschafts-Klima-Krisen-Nachrichten machen nichts besser, aber alles schlimmer. Ermuntert durch die junge Aktivistin Jackie stöbert Boris hoffnungsvoll sein aggressiv-widerständiges Potential auf – und muss begreifen, dass der Kapitalismus sich auch Verweigerung aneignet. Also weg von hier, ausgerechnet nach Griechenland …

Eine Handvoll Gestalten um Boris Eichenbaum erleben dasselbe anders und genauso: Menschen, die sich den beschissenen Nachrichten aus Politik und Wirtschaft nicht mehr entziehen können und wollen. Die ganz gewöhnlich schockierenden Krisen-Nachrichten der kränkelnd-leidenden Nachrichtensprecherin Deborah Meier durchrauschen permanent das Geschehen und werden aktiver Mitspieler, wenn sich für Jackie aus einem engagierten Vortrag über Plastikmüllstrudel im Ozean eine echte Liebesgeschichte entwickelt, wenn Öko und Tantra-Masseur Wolfgang gegen fliegende Bio-Tomaten und Hunde-Furz-Emissionen streitet, wenn Boris’ junge Freundin Stefanie das Wohl der Menschheit in unorganisiertem Kopulieren konzipiert.

Boris Eichenbaum: nur einer, der ausrastet, weil alles nicht mehr passt, der sucht, ohne zu wissen, was er eigentlich finden will, der begreift, dass man sowieso eigentlich nichts richtig machen kann, und dass trotzdem nicht alles nichts bedeutet

Die Sprache des Films ist übrigens das weit verbreitete “International Broken English”. Die Darsteller mussten hierfür ihre Textpassagen des in Deutsch verfassten Drehbuchs selbst ins Englische übersetzen. Und spielen.
Das spart nicht nur Untertitel und Synchronisation, sondern erweist sich als überaus charmanter Identifikations-Kniff.

17 Kommentare

  1. 01

    ExodOs, mit O! (;

  2. 02
  3. 03

    Hab mich angemeldet. @Spreeblick und Filmemacher: Danke!

  4. 04

    @Martin: Super! Erzählst du, wie’s war?

  5. 05
    Kleener

    – The screening has to be private
    – The screening needs to be public

    Vielleicht ist mein Englisch nicht gut genug, aber klingt für mich nach unvereinbarem Gegensatz ^^

    (PS: weiter unten steht’s ja auch auf Deutsch … aber mein Deutsch ist scheinbar auch nicht gut genug, klingt immer noch nach Gegensatz ;)

  6. 06

    @Kleener: Nee, das bedeutet, dass du kein kommerzieller Veranstalter sein darfst und das Screening öffentlich auf der Film-Website angekündigt sein muss.

    Schau mal bei ‚Screening besuchen‘. Da sind schon so 20 gemeldet. Über die halbe Welt verteilt übrigens…

  7. 07

    @Tanja Haeusler: Ja, mache ich. Ich muss nur noch meine lieben Offline-Freunde für den Termin einsammeln.

  8. 08
    Uschi

    Exodos läuft auch am 21.5. in der official section beim Barcelona Creative Commons Film Festival: http://www.bccn.cc.

  9. 09

    Ich frage mich jetzt nur, ob das International Broken English oder nicht doch eher Berlin Broken English ist. ;)

  10. 10

    @Zitatezitator: Das ist doch dasselbe! Oder kennst du etwa einen Berliner?

  11. 11
    Jan(TM)

    Kann ich mich auch unanbiedernd selbstgefällig in mein Sofa schmiegen und den Film irgendwo ohne den ganzen Foo anschauen? Sprich gibs einen offiziellen Torrent?

  12. 12

    @Jan(TM): Nee, genau darum geht’s ja bei der Idee: das Ganze eben nicht im Kämmerlein stattfinden zu lassen und über die öffentlichen Screenings dann vielleicht auch ein paar Kröten einzusammeln.

  13. 13
    Jan(TM)

    @Tanja Haeusler: Ist aber schon seltsam das der Film unter CC BY-NC-SA 3.0 steht und gleichzeitig die Weiterverbreitung im Mai und Juni verboten sein soll. Schau ich ihn eben im Juli.

  14. 14

    @Jan(TM): Im Mai und Juni DARF er gezeigt werden. Die Öffentlich-Machung bei Retsina ist Teil der Screening-Vereinbahrung, damit die Screenings eben zentral veröffentlicht werden und die Produktion nachverfolgen kann, wie oft der wo lief. Sonst nix.
    Sehe ich eher als Feature denn als Bug.
    Was nach dem Juni passiert wird man sehen.
    Vielleicht war’s so erfolgreich, dass sie einen Verleiher finden. Wäre doch gut?

  15. 15

    Bin nicht der Hellste, erst nachdem ich fünf Berliner verdrückt hatte, wurde mir bewusst, was Tanja eigentlich meinte.
    Schonmal Krapfen mit Zuckerguss gegessen? Äusserst grenzwertig.
    Fordere hiermit auf, nur noch Puderzucker zu verwenden.

  16. 16

    So, wir haben den Film letzten Freitag gesehen und ich habe etwas darüber geschrieben.

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