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Hotel Desire: Crowdfunding PorNEOgrafie

Da sich viele Musikvideos bereits an der Grenze zur Erotik oder gar Pornografie befinden (oder diese in einigen Fällen auch schon überschritten haben) und dabei manchmal gar nicht so schlecht aussehen, habe ich mich oft gefragt, ob eine Serie von relativ teuren, pornografischen Kurzfilmen mit guten Schauspielern, aufwändigen Settings und von namhaften Regisseuren nicht erfolgreich sein könnte. Michael Winterbottom hat mit 9 Songs vielleicht ähnliche Gedanken gehabt – ob der Film oder andere Beispiele dabei kommerzielle Erfolge waren, ob es also einen Markt dafür gibt, weiß ich jedoch nicht.

Mit dem Film „Hotel Desire“ lassen gerade einige deutsche Filmproduktionsfirmen diesen Markt einfach selbst entscheiden, denn das Projekt, das unter dem Begriff „PorNEOgrafie“ entstehen soll, wird über Internet-Spenden finanziert, was man dann ebenCrowdfunding nennt. Das Drehbuch wird je nach Spendenstand immer weiter freigeschaltet und je nach Spendenhöhe gehen die Vorteile für die Spender hoch bis zu Beteiligungen und Optionen zum Product-Placement. Hätten wir mehr Geld, könnten wir also vielleicht den Akteuren Spreeblick-Anker auf den Hintern tätowieren lassen. Ob das jetzt tolle Werbung wäre, weiß ich nicht, aber es wäre auf jeden Fall hübsch.

Den Weg des Crowdfundings gehen derzeit immer mehr Film-Projekte, doch ist mir bisher keines in diesem Genre bekannt. Die Titelsequenz von Hotel Desire sieht gut aus und insgesamt wirkt das Projekt sehr professionell. Bisher sind rund 38.000 von nötigen 170.000 Euro zusammen gekommen – bis zum 23. August soll die Gesamtsumme geschafft sein, ansonsten gehen die Spendeneinnahmen an den deutschen Filmnachwuchs.

[via]

17 Kommentare

  1. 01

    Übers Feigenblatt kennen wir ein paar Leute, die versuchen, bessere Pornos zu machen, und wir haben auch selber einige Erfahrungen gemacht. Mit sowas Geld zu verdienen ist leider extrem schwierig, weil das ganze Thema Porno/Sexualität so negativ besetzt ist, dass der ganze Markt auf Müll ausgerichtet ist und die Leute auch nur Müll erwarten. Das gilt zumindest, wenn du groß „Ich bin ein Porno“ draufschreibst: keine Filmförderung, keine öffentliche Werbung und irgendwie igitt.

    Wenn du dich „Ich bin ein anspruchsvoller Kunschtfilm (aber hey, meine Sexszenen sind total heiß)“ labelst, kannst du damit ein bisschen Skandalerfolg einfahren, selbst wenn der Film eher so lala ist („9 Songs“ war okay, aber z.B. „Intimacy“ … naja). Übrigens hatte die Hauptdarstellerin von „9 Songs“ nachher einen ordentlichen Karriereknick. Und lest mal auf Wikipedia über Maria Schneider – so viel zur Akzeptanz von Sexszenen.

    Ich glaube also nicht, dass das Projekt ein großer Erfolg wird, aber ich würde es mir wünschen. Und übrigens finde ich: Wenn die Filmförderung mal was Sinnvolles tun will, sollte sie solche Projekte fördern, statt frauenverachtenden, hirntötenden, stereotypen Schrottpornos das Feld zu überlassen.

  2. 02

    Ihr habt jetzt nicht zufällig meinen superlangen, extrem durchdachten Kommentar gefressen, oder?

  3. 03

    die Sorte Film gibt’s schon und der mir erste bekannte Titel heißt „Shortbus“ unter anderen mit der grandiosen Musik von Scott Matthew.

    http://www.imdb.com/title/tt0367027/
    http://www.youtube.com/watch?v=WSvrb9h2huc

    Im Falle Hotel Desire – hmmm – ich weis nicht. Ich fand die Titelsequenz eher langweilig. Viel zu lang hingezogen und das Interview von den Machern kam mir mal wieder mit einem merkwürdigen deutschen Intellekt rüber ;)

  4. 04

    Also nochmal (seufz).

    Wir haben übers Feigenblatt ein paar Leute kennen gelernt, die bessere Pornos machen, und auch selber einige Erfahrungen mit der Akzeptanz von „guter“ Erotik gesammelt. Damit Geld zu verdienen ist schwierig, weil das ganze Thema Porno/Erotik/Sexualität immer noch extrem negativ besetzt ist. Das gilt auf jeden Fall, wenn du „Porno“ vorne draufkleben hast: keine Filmförderung, keine öffentliche Werbung, und sowieso igitt.

    Wenn du dich „Ich bin ein Kunschtfilm (aber hey, die Sexszenen sind total heiß)“ labelst, kann es eher klappen – gerne mit irgendwie Grenzen überschreiten, wilder Obsession und am Ende geht alles schrecklich aus. Der Film muss nicht mal besonders gut sein („9 Songs“ war okay, aber „Intimacy“ … naja). Was die Akzeptanz von sowas angeht: Die Filmfestivals waren begeistert, die Hauptdarstellerin von „9 Songs“ hatte danach einen ordentlichen Karriereknick (oder lest mal was über Maria Schneider).

    Ich wär also skeptisch, dass die Crowdsourcing-Geschichte funktioniert – würde mich aber freuen, wenn ich mich geirrt habe. Übrigens bin ich der Meinung, das die Filmförderung nichts Sinnvolleres tun könnte, als ein paar Millionen für gute Pornos auszugeben, statt dem ganzen stereotypen, sexistischen, monotonen Schrott das Feld zu überlassen.

  5. 05

    @Herbert Braun: Nee, der war nur im Spamverdacht, weil er so lang war. Ist jetzt online.

    @Dirk: Stimmt, Shortbus. Den fand ich aber etwas zu hippiesk. Trotzdem aber nett.

  6. 06

    @Johnny Haeusler: naja auf Shortbus war ich in erster Linie wegen Scott Matthew neugierig. Bei seiner Musik sollte man nur aufpassen sie nicht unbedingt in Kombination mit Wein und Liebeskummer zu hören – bööse bööse ^^

    Bei Crowdfunding hab ich aber ab und zu trotzdem noch so meine Problem. Spannend isses klar. Aber Pop lebt auch vom Überraschungsmoment. Die Macher geben ja nun durchaus etwas vor und schüren eine Erwartungshaltung. Wenn der Film schon fertig währe – währ er so für mich nach dem Gefühl … joa kann man ma rein schauen – ma aus der Videothek mit nehmen – aber richtig rappelig macht mich gar nix.
    Nun zu überlegen Geld in das Projekt zu investieren hmm – nöö da ferflattere ich lieber Kohle für Sachen die schon fix sind und mir auch spontan gefallen. Das kommt meinem Kulturgefühl eher am nächsten. Aber schau mer mal was sich da so entwickelt. Besonders Filme sind eben doch noch komplexerer Als Musik, Bücher echt pp – wenn sich da auch mittelfristig eine Ökonomie mit flattr entwickelt könnte das noch ganz cool werden :D

  7. 07

    9 Songs fand ich gut und doch hat mir da viel gefehlt. Da wurde stellenweise versucht Kunst zu verkaufen.

    Dieses Projekt hier ist mir zu geleckt. Dieser „merkwürdige deutsche Intellekt“ stört. Schon dieser erste Teaser ist alles andere als natürlich.

  8. 08
    Max

    Shortbus würde ich in diesem Zusammenhang auch nochmal ganz stark hervorheben. Der ist zwar insgesamt etwas überladen und viele von den Ideen gehen sicher auch schief, aber er ist dennoch einer meiner absoluten Lieblingsfilme.

    Was ich eigentlich sagen wollte: Das Spreeblick product placement ist doch offensichtlich unnötig, oder habt ihr den Ohrring der Darstellerin in dem Interview Clip nicht gesehen? ;)

  9. 09
    Kommentator

    Ich würde gerne mal die Meinung eines „klassischen“ Pornoproduzenten und/oder -verlegers hören oder lesen zum Thema „170.000 Euro für einen Porno“. Der klassische Porno wird dann ja doch eher mit kleinerem Budget hergestellt, hörte ich. (Wie soll man dieses „neue“ Genre nennen? „Kunstporno“?)

  10. 10
    p

    @Kommentator: Der klassische Pornoproduzent Digital Playground würde wahrscheinlich sagen: „170 000 Euro? Lächerlich. Wir machen Pornos für 8 Millionen Dollar (Pirates II).“
    Angesichts des gigantischen Angebots an kostenlos zugänglicher Pornographie von geringerer Produktions- bzw. Bildqualität im Internet könnte ich mir gut vorstellen, dass die großen „klassischen“ Pornoproduzenten in Zukunft tendenziell stärker auf aufwändige Produktionen setzen werden.

  11. 11

    @Max: Huch, nee! Gleich noch mal gucken. :)

  12. 12
    Fufu Fi

    Der erfolgreiche Trend bei ‚echten‘ Pronos geht doch in eine ganz andere Richtung. Bewust ohne Glanz und Glamour. Normale, natürliche Frauen mit Makel, wie sie bei einem um die Ecke wohnen könnte. So in Szene gesetzt als wäre es eine Amateuraufnahme.

    Die Stars in unterschiedlichsten Fetisch-Ausprägungen entsprechen ganz und gar nicht dem gängigen Schönheitsklischees, sondern weichen davon bewust ab – weil diese typischen 80er-90er-Pornofrauen keiner mehr sehen mag. Und zurechtgebastelte Botoxkörper mit Kochsalztitten mag auch keiner mehr sehen.

  13. 13
    dbotson

    Spendet für die Rückkehr des Schamhaars in die Pornografie!

  14. 14
    Knüppel

    Versuch die Diskussion zu erweitern …

    Zeit-Online Userin ‚Rahab‘ schrieb am 15.12.2008 um 20:06 Uhr u.a.
    „(…) meine kritik: das problem, soweit es eines ist bzw. sein sollte, wird mal wieder innerhalb der grenzen der hetero-normativität verhandelt. langweilig! …“
    ———-
    Zeit-Online User ‚Knüppel‘ schrieb am 16.12.2008 um 12:26 Uhr
    „(…) Im Rahmen meiner ehrenamtlichen Arbeit recherchiere ich derzeit über Gay-Pornos und ihre Verankerung innerhalb der schwulen „Pop“-Kultur.

    Ich selbst bin mit schwuler Pornografie aufgewachsen und habe damit kein Problem. Ich lebe in einer stabilen schwulen Partnerschaft, ich verliere nicht den Blick für die (sexuelle) Realität und ich neige auch nicht dazu Porno als „Ersatzdroge“ für gelebte Sexualität zu benutzen. Selbstbestimmte sexuelle Handlungen von Erwachsenen (vor der Kamera) … so what?

    Auf die „Rand-Aspekte“ innerhalb der heterosexuellen Porno-Szene (Stichworte: Sexismus, frauenverachtende Tendenzen usw.) gehe ich nachfolgend nicht ein (das werden andere machen):
    Schwule Pornografie (früher VHS-Videos, heute DVDs und Internet) wird seit den 1970er Jahren geprägt von den großen kalifornischen Produktionsfirmen, wie Falcon, Colt, Catalina (schwule Inhaber und schwules Personal) u.v.a. Diese haben mit ihren häufig „zu perfekten Männerkörpern“ die Wunschphantasien von Generationen schwuler Männer angeregt. Ich spreche übrigens von Hardcore-Pornos (das bedeutet nicht etwa „gewalttätig“, sondern ist lediglich als Abgrenzung von sog. Sex-Filmen gemeint … die einen zeigen „alles“, auch in detaillierten Großaufnahmen, die anderen zeigen im Grunde nichts und täuschen Sexakte meist nur vor).

    Seit einiger Zeit gibt es ein gewisses „Gegengewicht“ zu diesen amerikanischen West-Coast-Produktionen. In den U.S.A. ist das vor allem der New Yorker „Prince Of Gay Porn“ MICHAEL LUCAS, mit seiner in New York ansässigen Produktionsfirma LUCAS ENTERTAINMENT. In Frankreich ist kürzlich der für seine aufwendig und oft in Spielfilmlänge, mit Rahmenhandlung, produzierten Gay-Pornos bekannte „Pionier“ JEAN-DANIEL CADINOT nach einem erfüllten Leben an einem Herzinfarkt gestorben.

    In Deutschland hat besonders die in Berlin ansässige Firma CAZZO Pionier-Arbeit auf dem Gebiet schwuler Pornos geleistet (raus aus den Studios, die Handlungen direkt in die schwule Szene verlegen, Filme mit Rahmen-Handlungen, oft mit Laien-Darstellern, aber trotzdem hochprofessionell umgesetzt, was Regie, Kameraführung, Licht, Maske usw. angeht).

    Ich selbst bin ein großer Fan von MICHAEL LUCAS. Geboren 1972 als Sproß einer jüdischen Familie in Moskau unter dem bürgerlichen Namen Andrei Treivas Bregman, studierte er zunächst in Moskau Rechtswissenschaften mit Abschluss, gründete anschließend in Moskau ein Reisebüro, wanderte 1995 über Berlin und Frankreich schließlich in die U.S.A. aus. Er arbeitete in Europa zunächst als Fotomodell, wirkte in zwei schwulen JEAN-DANIEL CADINOT-Hardcore-Pornos als Darsteller mit und erarbeitete sich schließlich in New York als Escort (hochbezahlter Begleiter und sexueller Dienstleister für Männer) den finanziellen Grundstock für seine eigene schwule Porno-Produktionsfirma LUCAS ENTERTAINMENT.

    MICHAEL LUCAS will die schwulen Pornofilme aus der „Schmuddel-Ecke“ herausholen und innerhalb der schwulen Pop-Kultur etablieren. Er investiert viel Geld in die Produktionen und … er hat Erfolg damit: Im Jahre 2000 erhielt er den Adult Erotic Gay Video Award, als „Best Newcomer – Director“ und auch in den Folgejahren erhielt er zahlreiche Branchen-Auszeichnungen sowohl als Darsteller in seinen eigenen Produktionen, als auch als Director und Producer … Häufig haben seine Produktionen Spielfilmlänge und überraschen mit durchdachten Rahmenhandlungen, Außenaufnahmen und realistischem Umfeld. Damit kein Mißverständnis entsteht, es handelt sich um Hardcore-Filme und nicht um „weichgespülte“ Sexfilmchen.

    LUCAS lebt zusammen mit seinem Lebenspartner, einem australischen Geschäftsmann, in New York, er engagiert sich leidenschaftlich für Israel und hat u.a. vor schwulen israelischen Soldaten Live-Performances abgehalten (mit Billigung der israelischen Armeefürung). Er wurde als einer der ersten schwulen Hardcore-Porno-Produzenten von der Stanford Universität für einen Vortrag vor Studenten eingeladen und … wieder ausgeladen (nicht wegen seiner Hardcore-Aktivitäten, sondern wegen seines leidenschaftlichen Engagements für Israel !!!)

    LUCAS läßt seine Vorbesprechungen mit Laien-Darstellern, die sich (meist als Paar) bei ihm für eine Hardcore-Produktion casten lassen, filmen. Ich habe einige dieser „Auditions“ gesehen. Meist liegt das schwule Paar auf dem Bett (bekleidet), Lucas sitzt auf einem Stuhl neben dem Bett und führt ein ausführliches Vorgespräch mit beiden: „Welche sexuellen Vorlieben habt ihr, was möchtet ihr gern vor der Kamera machen usw.“ Das Ergebnis sind sympathisch und begeistert agierende Darsteller, denen man(n) die Lust an der Aktion anmerkt. Und … das ist es vielleicht, was Lucas-Filme so angenehm und sehenswert macht. Ich habe keine Ahnung, ob es so etwas auch im heterosexuellen Porno-Bereich gibt.

    LUCAS betrachtet schwule Hardcore-Pornos als Teil des Showbusiness und will sie verstärkt im schwulen Mainstream etablieren. Meine Sympathie und Unterstützung hat er.
    Hi Michael, I’m your fan and … your passion is my passion too!
    Knüppel

    Quelle: http://community.zeit.de/node/144874/245111#comment-245111

  15. 15
    Malte Schröder

    ihr habt den Spreeblick-Anker ja auch jetzt schon ohne „Spende“ clever platziert: http://img4.fotos-hochladen.net/uploads/screenshot201pz7sxeriy8.png

  16. 16

    Ein Artikel der SZ auf Seite 15 mit einem doch recht peinlichen
    Foto von Sandra Schuck
    macht auf das offenbar relativ neue System in Deutschland
    aufmerksam, das „CROWFUNDING“ heißt. – Ich kann mir kaum
    denken, dass es schwierig sein soll, dieses „SYSTEM“ zu
    unterbinden. Vielmehr wird es darum gehen, gegen bestimmte
    Personen und Organisatorén dieser Branche vorzugehen, die
    der Artikel nennt, wie mehrmals ausdrücklich:
    HOTEL DESIRÈ.
    Heidi REITEL

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