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Rüdiger Beckmann: Beyond Vanity

Das Fotobuch „Beyond Vanity – Jenseits von Eitelkeit“ von Rüdiger Beckmann ist keine aktuelle Neuerscheinung, doch es ist mir erst jetzt in die Hände gefallen, und ich bin froh, dass ich es nicht verpasst habe.

Rüdiger Beckmann fotografiert Frauen, einzelne Frauen. Manchmal haben diese Frauen wenig an, fast immer jedoch sind sie sehr nackt, denn Beckmanns Bilder sind auch auf eine emotionale Art intim und kümmern sich um die Persönlichkeit der fotografierten Frauen mehr als um fotografische Technik, die Beckmann bewusst missachtet, um seinen sehr eigenen Stil zu kreieren.

Dies alles ist nun nicht neu und auf den ersten Blick dachte ich, man könne Beckmann ins Regal zu Teller, Richardson und Tillmans stellen, deren Arbeiten ich grundsätzlich ebenfalls sehr klasse finde, die jedoch das Genre des scheinbaren „Ich knips einfach nur drauf los und mir ist egal, ob das korrekt belichtet ist“ auch teilweise so ausgereizt haben, dass es manchmal nur noch nervt.

Aber dann fiel mir auf, was Beckmann in meinen Augen von vielen Kollegen unterscheidet: Es fehlt ihm die anstrengende Form der Eitelkeit und außerdem verzichtet er auf gewollte Abgefucktheit. Beckmanns Fotos können auch wehtun, doch das ist nicht ihr vorderstes Ziel, denn mit Heroin-Chic hat Beckmann nichts am Hut und er zieht augenscheinlich auch nicht durch die Nachtclubs, um zugedonnerten Teenagern das T-Shirt hochzuziehen. Ich nehme Beckmann ein tatsächliches Interesse an den Personen ab, die er fotografiert, und das macht mir ihn und seine Arbeiten sehr sympathisch.

Doch nicht nur wegen Rüdiger Beckmann hinter der Kamera, sondern auch wegen der Frauen davor sind einige Fotos in „Beyond Vanity“ spannender als vieles andere, was bei Amazon unter Akt und Art gelistet wird. Die Frauen, die Beckmann fotografiert, sind aufregend auf eine alltägliche Art und strahlen daher eine Echtheit aus, die in der weiten Welt der Fotografie zwischen Hightech, Hochglanz und Photoshop selten zu finden ist.

Die Attraktivität des Außergewöhnlichen, perfekt unperfekt in Szene gesetzt von Rüdiger Beckmann, oder eben auch: Jenseits von Eitelkeit.

Rüdiger Beckmann ist auch auf flickr sehr aktiv, da seine Bilder für manche vielleicht nicht Safe For Work sind, beginnt man, wenn man will, in der „sicheren“ Abteilung, lernt dort seinen Stil kennen und sieht sich zuhause (oder wenn die anderen alle Mittagspause machen) die weiteren Arbeiten an. Beckmanns Website findet man unter pixelwelten.de.

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Beyond Vanity – Jenseits von Eitelkeit

10 Kommentare

  1. 01

    Wunderbarer Artikel über einen wunderbaren Menschen

  2. 02
    Roland

    Der Hammer. Danke, Johnny!

  3. 03
    berni

    was christian sagt unterschreibe ich.

  4. 04

    da hat er recht, der andere christian! :)

  5. 05

    merci für die kritik. juergen teller möchte ich jedoch nochmal hervorheben (auch wenn er das gar nicht nötig hat). was er knipst hat seele.

  6. 06

    Sollte man unbedingt kaufen.
    Die Buchpreisbindung umgehen manch kriminelle Individuen und bieten
    gescannte Titel zu einem Bruchteil des eigentlichen VK an. Die Bildqualität,
    bzw. die Auflösung entspricht in keinster Weise dem Original. Noch…

    Schneckennudelbefürworter

  7. 07

    @PiPi:

    das mit dem nachdrucken klappt vielleicht bei einem normalen buch. dieses hat 268 seiten in 21×21. der korrekturausdruck in s/w-kopie hat schon 23 euro gekostet. aber ich gebe dir recht, man sollte das unbedingt kaufen =)
    lg ruedi