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Piraten entern Berliner Abgeordnetenhaus

Die Piratenpartei hat es nach aktuellen Hochrechnungen mit sensationellen 8,6% in das Berliner Abgeordnetenhaus geschafft. Im Ritter Butzke wird Sonntag Nacht wohl die Hölle los sein, Kamerateams dürften sich um die wenigen Plätze prügeln und garantiert sind auch schon Boulevard-Reporter vor Ort, um in den kommenden Tagen erste „Enthüllungsgeschichten“ präsentieren zu können (für politische Äußerungen gilt ja das Gleiche wie fürs Bloggen, Coden und Autofahren: Don’t do it drunk).

Es werden interessante Wochen und Monate nicht nur in Berlin, denn jetzt wird es ernst für die Piraten auf hoher See, wo ihnen der Wind heftig ins Gesicht blasen wird. Ich bin sehr gespannt auf das, was kommt, und wünsche der Piratenpartei Standfestigkeit ebenso wie Gelassenheit und Ruhe, um einen guten Job machen zu können.

Die Segel sind gesetzt. Herzlichen Glückwunsch!

30 Kommentare

  1. 01

    hoffentlich wird mal als erstes dieser seefahrerwortschatz eingemottet. ;)

  2. 02
    René

    @ovit
    Du meinst wohl „über Bord geworfen“ :D

  3. 03

    @ovit – genau – und dann zum konservativen Tagesgeschäft übergehen und sich anpassen, weil es so erwartet wird. Lass es ruhig wie es ist. Immer noch sympathischer als der heutige Slang – dann wäre man sicher „konkret im den Berliner Politikhaus eingecheckt, Aldder“ ;)

  4. 04
    Fufu

    Ob die Piraten auf Landesebene was brauchbares beitragen können wird man sehen.

    Aber endlich kommt mal Bewegung in die Parteienlandschaft! Schwarz-Gelb, Rot-Grün, Schwarz-Rot – bäääääh! Ich kann es nicht mehr sehen, dieses 2,5-Parteiensystem.

  5. 05
  6. 06
    Mirko

    Ich bin über knapp 9% ein wenig entsetzt, bei der Imkompetenz, die man an den Tag gelegt hat und jetzt damit kokettiert.

  7. 07

    Ein wahrlich grosser Erfolg für die Piraten.

    http://wahltool.zdf.de/be/_html5/indexf.shtml?#container

    Hoffentlich können diese mit der Verantwortung umgehen.

  8. 08
    christoph

    @Mirko:
    lulz.

  9. 09

    Einerseits freue ich mich über den Einzug der Piraten ins Berliner A-Haus; andererseits weiß ich kaum, was für ’ne Politik ich mit ihnen gewählt habe. Mir gefallen eben eine ganze Reihe ihrer Ideen und Ansätze, keine Ahnung, wie die sich entwickeln.

  10. 10
    Tobias Friedrich

    Bin ich eigentlich der einzige, der findet, dass die freie Verfügbarkeit von Kultur, Wissen und Information im Jahr 2011 nicht ganz der optimale Aufhänger für ein Wahlprogramm ist?

  11. 11
    michfiel

    Bin ich eigentlich der einzige, der findet, dass die freie Verfügbarkeit von Kultur, Wissen und Information im Jahr 2011 nicht ganz der optimale Aufhänger für ein Wahlprogramm ist?

  12. 12
    @Weilburg

    @Weilburg Blogger: So redet gerade heute keiner mehr. Altah (oder so). Zynismus in aller Ehren, aber informiere dich erst, worüber du dich eigentlich beschwerst.

  13. 13
    Gregor

    Vor allem verstehe ich den immer wieder vorgebrachten Vergleich mit den Grünen nicht: die historische Leistung, Umweltschutz zum Thema gemacht zu haben, ist doch wohl etwas anderes als die bisweilen recht sektiererische Klientelpolitik, die sich zumindest im Bundesparteiprogramm der Piraten findet (ich habs tatsächlich gelesen). Was auch auffällt: in kniffligen Fragen, selbst bei Kernthemen wie zB Urheberrecht, drücken sich die Piraten gerne vor konkreten Antworten. So lang das alles nicht klarer wird, empfinde ich ein gewisses Unbehagen.

  14. 14

    „Was auch auffällt: in kniffligen Fragen, selbst bei Kernthemen wie zB Urheberrecht, drücken sich die Piraten gerne vor konkreten Antworten. So lang das alles nicht klarer wird, empfinde ich ein gewisses Unbehagen.“

    In der Tat, Gregor. Es ist zurzeit kaum abzusehen, ob und wie die Piraten sich entwickeln. Gehör werden sie nun in breiterer Öffentlichkeit finden. Ich hoffe auch, sich, u. a. über ihr Meinungsbildungs- und Abstimmsystem https://lqfb.piratenpartei.de/, über das jedes Mitglied sich in einen basisdemokratischen Prozess einbringen kann, das Agieren der Partei eventuell mitbestimmt.
    Ob sie klarere Positionen bei mehr Themen beziehen werden, werden wir sehen. Sollte das politische Live-Experiment nicht klappen, werden sie dennoch den anderen Parteien manches aufgezeigt haben.
    Und Transparenz – könnte Berlin brauchen, sollten alle Filzursachen noch nicht geklärt sein. Was ist eigentlich aus dem Berliner Filz geworden, der einst Thema war? Verschwunden? Wirklich?

  15. 15
    Klaus

    Wie so ein doch recht kluger Mann wie Johnny gerade zu den Piraten strömt, wundert mich dann doch. Für mich ist da zu wenig Substanz. Jetzt können sie ja aus der Opposition mal Denkanstöße bringen, und hoffentlich keine Skandale.

  16. 16
    Firlefanz

    … und schon kommen wieder Aussagen von wegen ungewisse politische Richtung bei den Piraten usw.
    Mal ehrlich, wisst ihr wo die anderen Parteien sich hinbewegen? Die Hälfte der Wahlkampfaussagen und Themen werden doch schon heute Abend wieder unter den Tisch fallen gelassen…

    Dann ist’s doch besser, ein paar Themen zu haben, bei denen die Piratenpartei keinen genauen Standpunkt bezieht.
    Besser als einfach Themen wahlkampftaktisch zu nutzen, obwohl man keine echten Lösungsvorschläge bzw. Wissen in dem Gebiet besitzt wie’s die anderen Parteien häufig machen…

  17. 17
    MrsPsmith

    @Tobias Friedrich: nö – etwa 91% der Berliner Wähler fanden das wohl auch

  18. 18
    Gregor

    „Dann ist’s doch besser, ein paar Themen zu haben, bei denen die Piratenpartei keinen genauen Standpunkt bezieht.“

    Das ist, mit Verlaub, Unsinn. Parteien definieren sich über ihr Programm, deshalb werden sie gewählt. Wenn sie nach der Wahl nichts davon oder nicht alles umsetzen, kann ich sie an ihrem Programm messen und das nächste Mal mein Kreuz an andere Stelle machen (oder, das mal am Rande, akzeptieren, dass es in unserem parlamentarischen System nun mal um Konsens geht und nicht darum, winner takes it all, Maximalforderungen durchzusetzen).

    Angesichts der vielen Schwammigkeiten im Programm der Piraten wäre es wahrscheinlich ehrlicher, sich auf die Kernthemen zu beschränken, zu denen sie klare Positionen vertreten. Nur kommt man so natürlich nicht auf 9 Prozent.

  19. 19
    Thaniell

    @Tobias Friedrich, michfiel (10,11):
    Bin ich eigentlich der Einzige der findet, dass die freie Verfügbarkeit von Kultur, Wissen und Information im Jahr 2011ganz genau der richtige Aufhänger für ein Wahlprogramm ist?! Wenn nicht jetzt, wann denn dann?!

    @Gregor: Mit Verlaub, das ist Unsinn. Wahlprogramme werden aufgestellt zur Unterstützung der Papierindustrie und damit man was fürs Klohäuschen hat – die PR-Beratung sorgt auch dafür, dass es möglichst weich, nachgiebig und schwammig nichtssagend ist, auf dass jeder genau seine Vorstellungen hineinlesen kann.
    Ich gehe jede Wette ein, dass nicht eine Partei über (eine absolute) 5%Hürde käme, müsste jeder Wähler das Wahlprogramm der gewählten Partei kennen. Der Charakter einer Partei, das was man von ihr erwartet, ergibt sich vielmehr aus einer Vielzahl von Aspekten, ihrer traditionellen Rolle, Äußerungen von Parteispitzen zu konkreten Fragestellungen etc. pp.
    Und in der Tat, werden diese Erwartungen an eine Partei nicht erfüllt, wird sie abgestraft. Dann muss sie das Lenkrad evtl. mal wieder an den Spielkamerad abgeben und darf dann in 4 Jahren wieder ran, wenn alles vergessen ist. Das Problem ist, die „großen“ Parteien sind so beliebig geworden, dass es nur ein ständiges Hin und Her ist. Der SPD unterstellt man eine soziale Ader, die haben aber so lustige Sachen wie Harz IV verbrochen, die Grünen sind angeblich umweltfreundlich, lassen sich aber immer wieder gern kleinkriegen für Elberweiterungen oder sonstige Kompromissprojekte und beide „friedfertigen“ Parteien sind gar fröhlich in so manche Kriege gezogen und das andere Lager, das für’s „Krieg treiben“ zuständig ist, hielt sich bei Lybien gar bedeckt, als Onkel Sam mal nicht vorne weg rannte, um ja keine Wähler zu vergraulen.

    Aber die Leute sind ja nicht dumm und stellen innerhalb einer Legislaturperiode dann nach und nach fest, dass die gewählten Parteien doch nicht so ganz das machen, was man sich von ihnen erhofft hat. Und dann werden sie abgestraft, ob’s im Programm, das keiner ernsthaft liest, stand oder nicht. Gefrustet bleibt die Hälfte dann bei der nächsten Wahl daheim oder probiert mal was anderes und dann schwappt die Macht mal wieder von rot nach schwarz oder umgekehrt …

    Durch dieses dröge Hin und Her mitsamt dem begleitenden Machtgeschachere, ziehen sich nach und nach immer mehr Leute aus unserer Demokratie zurück, weil sie doch nur entnervt feststellen, dass, egal welche Partei sie wählen, diese in einigen konkreten Fragen ja doch wieder anders entscheidet als die Wähler es gerne hätten.

    Und just hier kann man – wenn man will – die Piraten als Lückenfüller, als Demokratieretter ansehen; die Partei die antritt die politische Gestaltung grundlegend zu verändern, auf dass man als Einzelner einen stärkeren Einfluss auf konkrete Fragen hat; ob’s was wird, nun das wird sich zeigen müssen, aber der Anspruch ist schonmal da und das Thema ist so allumfassend, dass man die Piraten mit Fug und Recht Ein-Themenpartei nennen kann, nur dass das eine Thema so manche Themen wie Bildung, freien Zugang zu Wissen, kulturelle Partizipation, Grundversorgung etc. pp. eben bedingt und Grundlage vieler anderer Themen bzw. zu deren Entscheidung/Diskussion ist.

    Utopien sind nunmal schwammig, große Ziele kann man schwerlich schon direkt mit einem perfekten Plan, mit konkreten Zahlen messen, wenn noch gar nichts feststeht. Die Grünen hatten mit Sicherheit auch keine konkrete Vorstellungen, wie und wo sie das Energienetz umgestalten innerhalb einer Legislaturperiode, um den Atomstrom loszuwerden…aber sie haben die Thematik, die Utopie einer Atomstromfreien, grünen Gesellschaft in die Köpfe der Bevölkerung und der Politik gebracht. Und eben auch direktere Politik gelebt in ihren jungen Jahren, etwas das ihnen ein Stück weit verloren gegangen ist.

    Anyway, gute Nacht.

  20. 20
    tim tester

    Ihr coded im nüchternen Zustand? Im Ernst? Tzzz….

  21. 21
    Gregor

    @thaniell

    Hm. Ehrlich gesagt: Dazu fällt mir nicht mehr viel ein. Ich hoffe einfach mal, dass dieser ganze Idealismus der Demokratie gut tut. Ich befürchte aber auch, dass angesichts der hoffnungsfrohen Blauäugikeit, mit der viele die Piraten betrachten, da manch schwere Enttäuschung bevorsteht. (Und das nicht, weil ich die Piraten für böse Jungs halte.)

    Nebenbei: „stärkerer Einfluss des Einzelnen“ – wie soll das denn aussehen? Du und ich haben stärkeren Einfluss auf eine konkrete Entscheidung? Gleichzeitig? Trotz womöglich unterschiedlicher Ansichten? Oder meinst Du: mehr direkte Demokratie? Das ist ja nicht schlecht, aber auch da entscheiden Mehrheiten. Und im Zweifelsfall gewinnt die derjenige mit der meisten Kohle für Werbung. (Kann man sich am Beispiel Kalifornien in extremer Form ansehen.)

  22. 22
    flubutjan

    @tim tester: :-) Sehr hübsch – wenn man nun auch noch wüsste, was „coden“ ist.

  23. 23
    Alberto Green

    Johnny, du weißt, dass ich Kinder von deinen Texten möchte, aber diese Überschrift!
    http://www.google.de/search?aq=f&hl=de&gl=de&tbm=nws&btnmeta_news_search=1&q=%22Piraten+entern%22

  24. 24
  25. 25
    Niklas

    Hab mal was gebastelt. Ist übrigens nicht als Werbung gemeint.

    http://i.imgur.com/5PxhH.png

  26. 26

    …und als erstes kloppen sich die tollen Piraten mal um Pöstchen.
    Großartiger Einstand!

  27. 27

    Resümee

    Die jungen Wilden sind sicherlich nicht zu blöd, und lassen sich fachlich beraten.

    Steuerberater und Rechtsanwalt
    Politologe und Physiotherapeut

    Alles Gute

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