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Was ich noch zu sagen hätte

Wenn in einem Werbeprospekt unter einem Produkt, das es in verschiedenen gestalterischen Ausführungen gibt, steht: „Diverse Dekore“, dann freue ich mich. Darüber, dass dort eben nicht „Diverse Designs“ steht.


Selten brachte mich das Facebook-Status-Update „… ist in einer Beziehung“ derart zum Lächeln wie dieses eine gestrige.

Vielleicht steht „4S“ tatsächlich für „for Steve“. Vielleicht aber auch für „for Sculley“?

Das mit dem etwas subtileren Humor war schon mal leichter auf Twitter. Auf Facebook nicht, da ging das noch nie.

Tolles Wort: Unsicherheitsbehörden.

„Vielleicht könntet ihr demnächst sogar eine Ampel umsägen! Das wird den Schergen zeigen, wo der Hammer hängt!“ – Nur einer der unterhaltsamen Kommentare unter dem Bekenner/innenschreib/innen zu den Brandsätzen in Berlin.

Wenn ich ganz ehrlich bin: Wikipedia ist schon super, klar, jaja, aber in Wirklichkeit mag ich das Internet mindestens ebenso sehr für den ganzen irren Blödsinn. Stellt euch mal vor, jemand würde eine Website betreuen, auf der er sich ernsthaft mit der Mathematik auseinandersetzt, die bei diesen klassischen Pr0n-Bildern vor Schultafeln (fällt euch auch jetzt erst auf, dass es das recht oft gibt, hm?) auf eben diesen steht – den Tafeln, nicht den Bildern. Gibt es nämlich und ist relativ safe for work: blackboardsinporn.blogspot.com. Und es kann nicht lange dauern, bis in den Kommentaren auf rechnerische Fehler in der Analyse hingewiesen wird. Toll! [via]

Immer schon wollte ich ein paar Sätze schreiben zu den oft auch im Netz auftauchenden sexistischen, frauen- und kinder-, kurz: menschenfeindlichen Hasstiraden gegen „Mütter in Prenzlauer Berg“, diese dämlichen und nicht einmal ansatzweise lustigen Schmähkommentare, die, würde man das Wort „Mütter“ gegen „Immigranten“ oder „Arbeiter“ austauschen, auch niemand mehr irrtümlicherweise für witzig halten würde. Ich habe viel zu lange damit gewartet, und dann wiederum lange genug, denn Peter Praschl hat das viel besser gemacht als ich es gekonnt hätte. [via]

Überhaupt: Weniger Zynismus. Ich muss mir das immer wieder selbst sagen. Es mag wohl sein, dass es schwer ist, Orientierung und Richtung zu behalten, und der Weg in einen newyorkeresken Sicherheitsabstand, aus dem nichts mehr etwas wert ist, weil alles möglich ist, mag verlocken. Aber er bleibt eine Einbahnstraße.

30 Kommentare

  1. 01
    mue

    „4S“ kann aber auch „for ass“ heissen.

  2. 02
  3. 03
    renee

    Praschl so:
    „Bevor die Pbergmütter einzogen, war es besser. Es gab so viele Sorten Menschen hier. Alte, Alkis, alte Alkis. Arbeiter. Arbeitslose. Anarchisten. Assis. “

    tja, das ist der Grundton der nach-Berlin-gezogenen, a la heute ist alles besser, es gibt keine Assis mehr, Berliner seid doch froh dass wir hier her gekommen sind.

    fragt doch mal Assis, Alkoholiker, Künstler nach Menschenfeindlichkeit, hm?!

  4. 04

    Ehrlich? Über den Taz-Vorabdruck über den da Praschl schreibt, habe ich auch gelacht. Weil er dafür geschrieben wurde. Dafür, dass Menschen wie ich darüber lachen. Aber Praschl hat Recht: Das ist scheiße und so etwas lustig finden ist auch scheiße.

  5. 05

    @renee: Kann es sein, dass du den Text von Praschl missverstanden hast? Oder missverstehe ich deinen Kommentar?

  6. 06
    Stephan (Der Echte)

    @Johnny Haeusler: Nee, er hat etwas gefunden, das ihm reicht um seine Existenz im Internet nachzuweisen, sprich zu Kommentieren. Hätte er wirklich was zu sagen, schriebe er ja ein Blog. Gegenkritik kommt doch eh immer gut, bei manchen, und bei vermeintlicher political incorectness ist das schon nahezu reflexhaft. Den Inhalt des kritisierten Textes zu erfassen geht dann erstmal mit den Bach runter. Man muss den Kommentar ja auch schnell!! hinplauzen!!1! Nur dann existiert man im Internetz!!1! Und es war doch p-ic!

    Ach, was reg ich mich auf. Die ersten Kommentare sind meist die blödesten – als ob Du das nicht schon beobachtet hättest, Johnny. Gleich danach kommentieren die sich anbiederende Klug- und Schleimscheißer ;)

  7. 07
    renee

    @johnny nein, nein ich habe den Text von Praschl schon verstanden, auch Deinen Kommentar oben dazu.

    dass der Text, der in der Taz veröffentlicht wurde, in welchem Mütter als u.a. Rinder bezeichnet werden und diese Kommentare gegen Menschen im Prenzlauer Berg scheisse und ganz und gar nicht lustig sind, klar.

    aber woher kommt das? wie kurz angedeutet oben müssen sich Berliner vor allem die schwächsten wie Arbeitslose, Alkoholoker und von Euch dauernd genannten Assis alles gefallen lassen. Menschen in dieser Stadt verlieren ihre Wohnungen und um Kranke, Obdach- und Arbeitslose kümmert sich keiner mehr. ich habe das Geheule von Euch Neu-Mitte-Menschen einfach satt. Hört doch einfach auf dauernd von Assis zu reden. denn die Assis sind doch schon lange nicht mehr unter euch, müssen nach Spandau, in den Wedding oder sonstwohin ziehen. glaubt ihr im ernst, dass sie weiterhin ruhig bleiben? ich kann den Hass schon teilweise verstehen…

  8. 08
    renee

    @Stephan danke, besser kannst Du gar nicht unterstützen was ich von Euch halte und warum. wehe man sagt was gegen Euch, ich weiss..

  9. 09
    praschl

    @renee: Meistens ist es mir nicht so wichtig, aber in diesem Fall würde ich mich lieber nicht missverstanden wissen. Ich habe in meinem Text nichts gegen Alkis, Assi usw. gesagt, ich habe bloß die Mütterbepöbler zitiert, die ihnen so häufig die Lebens-Diversität vorhalten, die es mal gegeben haben soll und von den Müttern plattgetrampelt worden wäre. Falls ich es richtig mitbekommen habe, sind es wohl eher die Immobilienbesitzer gewesen. Und nicht die Mamis. Dachte ich. Und ich dachte bei den Beschwörungen der alten Zeiten (die vermutlich nicht so gut gewesen sein können, wenn Armut ein Grund dafür ist, an bestimmten Orten leben zu müssen, weil man sie sich eben leisten kann, statt sich aussuchen zu können, wo man leben will) immer wieder: Wie kommen eigentlich die Armen, Künstler, Alkoholiker usw. dazu, das Biodiversity-Wohlfühl-Schwenkfutter anderer abzugeben? So kam’s mir zumindest gelegentlich vor. Was mich selbst betrifft: Ich habe außerordentlich viel gegen Verhältnisse, die Menschen vertreiben. Und in meiner Wahrnehmung gibt es keine Assis. Es tut mir von Herzen leid, wenn Du mich so verstandest.

  10. 10
    Stephan (Der Echte)

    @renee: Wer bin ich denn von „Euch“? Im übrigen les ich die Aufzählung in dem Kontext nicht so, wie Du das offenbar tust. Und ich les da auch ein paar mehr, die Du in Deinem Kommentar einfach rausgekürzt hast: Ich weiß nicht, ob das Dein pc-Reflex ist, oder Absicht. Aber jeder, der nicht selber nochmal genau nachliest, wird auch nicht drüber stolpern, woran Deine „Kritik“ krankt. Oweia, er hat Assi gesagt…

  11. 11
    Elblette

    Der Text in der taz war extrem giftig, kein bisschen ironisch oder lustig und dazu noch inhaltlich abgegriffen. Und wenn er in diesem geifernden „die die die!“-Tonfall über eine gesellschaftliche Randgruppe formuliert gewesen wäre, hätte ich die taz sofort abbestellt. So hab ich mir nur einen neuen Soja-Latte bestellt und mich still geärgert.

  12. 12

    @praschl: Danke. Ich habe den Text auch so wie von dir beschrieben verstanden, dies nur für die Statistik.

    @renee: @renee: Hm. Von „ihr“ und „wir“ halte ich ja selten etwas, denn meist existiert diese Unterteilung nur in unserer Vorstellung. Ich habe keine Ahnung, in welche Kategorie du mich oder andere Leser packst, spüre aber, dass mir diese etwas sehr vereinfachte Herangehensweise nicht gefällt.

    Das Thema Gentrifizierung und alles was damit zusammenhängt, ist weit und beschäftigt nicht nur dich. Wenn man es sich aber so leicht macht, dass man sich dabei gegen andere Mitbürger aufhetzen lässt, dann tappt man in eine Falle.

  13. 13
    hans

    @Jonny:
    Kein Scherz: Ich habe gestern geträumt, dass Du meine Gitarre kaputt gemacht hast. Dabei kennen wir uns gar nicht. Assi. ;-)
    P.S. Hast Du eigentlich in RL auch etwas wenig Haare und bist groß und dünn?

  14. 14
    (fast)Schwabe

    Danke für die beiden schönen Texte, als Provinzbewohner (kein Schwabe, aber geographisch doch recht nah dran) bin ich jetzt nämlich richtig froh, dass es hier weder „Schwaben“ (im berlinerisch-metaphorischen Sinn) noch Berliner in größerer Menge hat. Ehrlich gesagt sind nämlich weder arrogante, besserverdienende Biomüsli-„LOHA“-Spinner noch rüpelnde Altberliner wirklich lebensqualitätsteigernd, und das zusammengepferchte Wohnen im verdichteten Altbauviertel ohne Platz und eigenen Garten schon zehnmal nicht.

    Schreibe das übrigens nur, weil ich vor zig Jahren in dieser Stadt geboren wurde, auch lange dort gelebt habe, heutzutage aber beim besten Willen nicht mehr verstehen kann, wieso irgendjemand da wohnen will. Neid ist da jedenfalls ganz bestimmt kein Faktor, ebensowenig persönliche Betroffenheit…

  15. 15
    Frank 72

    Von wem war noch mal die Überschrift – ich komm‘ grad nicht drauf :-)

    Frank

  16. 16
    flubutjan

    @Stephan (Der Echte):

    „Die ersten Kommentare sind meist die blödesten (…). Gleich danach kommentieren die sich anbiederende Klug- und Schleimscheißer“

    Musst ja ’n Supertyp sein.

  17. 17
    Fufu

    Na toll. Nun mus sich meine Visitenkarten erneut ändern…

    Dipl. Designer zu Dipl. Dekorator

    Schließlich steht auf diesen auch: Fernsprecher, statt Telefon.

  18. 18
    Stephan (Der Echte)

    @flubutjan: Was hast Du an der ironischen Selbstkritik nicht verstanden?

    Aber hast Recht, bin ein Supertyp. http://www.youtube.com/watch?v=iva7hJYCSoE

  19. 19
    Stephan (Der Echte)

    Ich möcht aber mal noch was zum Thema beitragen: Anders als Praschl kann man nämlich auch vom Unverständnis dieser Seite lesen http://modeste.twoday.net/stories/schoenen-tag/ (man beachte die Kommentare)

    Was dann wieder andere ankotzt http://avi.antville.org/stories/2079485/

  20. 20
    flubutjan

    @Stephan (Der Echte): Uhuh … „ironische Selbstkritik“ … sieht meiner Erfahrung nach anders aus. ‚Voll aggro‘ kommt, glaube ich, eher hin. Und so’n bissel – „Bin ein Supertyp“ – narzisstisch gestört vielleicht? (Oder war das auch wieder wahnsinnig ironisch?)

  21. 21
    Chris

    @renee: Ja! Ich kann den Hass auch „teilweise“ (!) verstehen. Am besten, wir zünden gemeinsam ein paar Autos, Kinderwagen, Bahnhöfe an, verprügeln ein paar von diesen Rindern! Das ist eine ganz coole und berechtigte Reaktion auf dieses unverschämte, egoistische Verhalten, Kinder in die Welt zu setzen! Wo kommen wir denn da hin? Die sind doch an allem Schuld, diese Mütter und Neureichen, die keinen Respekt vor unserer Armut haben und ganz einfach so Geld verdienen. Und dann werden sogar die Häuser – haltet euch fest – renoviert! Die haben mit einfach meinen Kohleofen weggenommen! Früher ging das nicht. Da gab es ja noch nicht mal Autos, die man anzünden konnte. Ein echt absurder Gedanke, irgendetwas anderes als diese „Menschen“ (darf man die überhaupt noch so nennen?) könnte verantwortlich für die Missstände in dieser Stadt sein.
    Ach.
    „Je grauer die Maus bevor die Mauer fiel,
    desto mehr denkt sie jetzt an Nationalgefühl.
    ich würd mich schämen.“ (Stoppok)

  22. 22
    Stephan (Der Echte)

    @flubutjan: Manchen muss man eben immer alles dranschreiben.

  23. 23
    stynxarorrer

    bei dem blackboardlink gibt avast eine warnmeldung von wegen bösartiger website.

  24. 24

    @hans: Auweia, das tut mir aber leid. Mit der Gitarre. Würde ich nie machen! Aber ja, ich habe ganz kurze Haare und bin eher dürr. 1,82m ist Durchschnitt, denke ich.

  25. 25
    flubutjan

    @Stephan (Der Echte): Schon mal was von gleichschwebender Aufmerksamkeit gehört?

    D. i. eine Wahrnehmungsweise, für die alle äußerlichen Kommunikationsmanöver (wie z. B. (Pseudo-)Ironie) abfallen und die möglicherweise unbewussten, aber gleichwohl manifesten psychischen Impulse im Geäußerten klar zu Tage treten.

  26. 26
  27. 27

    Vermisse übrigens in dieser ganzen Zugezogenen-Mutti-Prenzelberg-Schwaben-Diskussion gelegentlich (nein, Lüge, ich vermisse die ständig!) die Selbstreflektion derer, die diese Kritik am eigenen Leib so trifft, dass sie laut getroffen aufheulen (wo auch immer). Einmal würde ich in all der ganzen Betroffenheit lesen, „Ja, es stimmt. Im Grunde gibt es tatsächlich da ein paar Dinge von oder durch uns initiiert, die nicht so super laufen und für die andere die Konsequenzen zu tragen haben.” Die übrigens für den einen oder die andere Berliner – auch für die Berliner mit Migrationshintergrund übrigens – von existentieller Natur sind.

    Ich glaube, dann könnte ich das Thema gleich viel neutraler auf dem Programm haben.

  28. 28

    Neutral, Unvoreingenommen, Freiheitlich, Überparteilich…

    Berlin ist und bleibt ein Moloch der Kulturen u. Individuen.
    Die ‚Besser verdienenden‘ wollen sich von der Bourgeoisie
    abgrenzen, indem neue Hürden (Mauern) gebaut werden.

    http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/

  29. 29

    Da sich bisher niemand äussern hat wollen (Geschwollen) oder gar getraut.

    Wotfetzenverbringer

    http://www.myvideo.de/watch/5094851/Inga_Wolf_Gute_Nacht_Freunde

    Alles Gute

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