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ZDF log in: Manfred Spitzer, Jimmy Schulz und icke

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Links: Johnny. Rechts: Jimmy. Nicht im Bild: Manni.

Das war anstrengend, aber interessant: Ich war als Gast bei der ZDF-Sendung „log in“ und kam leider nicht dazu, mit dem Bestseller-Autor Manfred Spitzer über tatsächliche Herausforderungen im Zusammenhang mit digitalen Medien zu diskutieren, habe aber immerhin im Vorfeld der Sendung während der Recherche den Begriff Gish-Galopping (auf Deutsch etwa: „sarrazinen“) kennengelernt. Und ich bleibe auch nach der Sendung bei meiner Überzeugung, dass Spitzer keinerlei Lösungen bietet, sondern als Angstmacher auftritt.

Den Mitschnitt der Sendung findet ihr in der Mediathek.

UPDATE Guido Brombach hat damit begonnen, „Gegenstudien“ zu Spitzers Thesen zu sammeln. Es sei außerdem darauf hingewiesen, dass es sich bei der von Spitzer herangezogenen südkoreanischen „Studie“ zur Vergesslichkeit durch an digitale Geräte ausgelagerte Aufgaben offenbar um diese Umfrage (!) einer Job-Website handelt, und dass „digitale Demenz“ in Südkorea eher ein Mode- und Medienwort ist und nicht als Krankheit angesehen wird.

Außerdem: Nilz Bokelberg lehnt es nach der Sichtung von „log in“ ab, bei Jauch mit Spitzer zu diskutieren.

UPDATE Ebenfalls sehr lesenswert und unterhaltsam: „Wenn Spitzer Studien zitiert“.

UPDATE Prof. Dr. Heinz Moser zu Spitzers Buch.

„Wo ist eigentlich jener Teil des Bildungs-Bürgertums abgeblieben, der mit dem Fortschritt, mit der Globalisierung, mit komplexen gesellschaftlichen Verhältnissen und Entscheidungsstrukturen, mit Technik und Internet, mit Bildungs- und Vernetzungsmöglichkeiten – also mit der heutigen Welt – etwas anzufangen weiß?“
Wolfgang Michal bei carta.

UPDATE Im Zusammenhang mit den Debatten macht sich Addliss um eben jene Gedanken: Die zwei Paradigmen der Internetdiskussion.

UPDATE Das JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis hat sich ebenfalls geäußert: „Hier wird mit den Ängsten und Sorgen von Eltern und professionell Erziehenden gespielt anstatt aufzuklären.“ (Danke, biblio!)

85 Kommentare

  1. 01
    Martin

    @#808259:
    Du musst Spitzers Sohn sein (der mit dem weggeworfenen IPhone; damit war dann wohl auch die Rechtschreibprüfung futsch).

    Zum Thema noch ein interessanter wie diskussionswürdiger Beitrag von Nilzenburger:
    http://www.qlod.org/weltfrieden/?p=1908

  2. 02

    Die Sendung belegt die Thesen Spitzers und anderer (u. a. Hertha Sturm über Kinderfernsehen schon in den 70ern): Die Kamera schwappt hin und her, ständige Karussellfahrten der Kamera, möglichst alle 15 sec. eine neue Einstellung. Multitasker kommen auf ihre Kosten, auf einer Leiste ziehen Gedankensplitter aus Twitter und E-Mail durchs Bild, ein Moderator liest den Buchtitel vom Blatt ab. Bloß nicht nachfragen, lieber schnell mal zur Zuschauerin, die der „Diskussion“ sichtlich nicht gefolgt ist, aber Medienkompetenz erklären darf: Facebook und Tumblr bedienen können, zurück zu 20 sec. Spitzer, Polemik, eine Prise Überheblichkeit, ständig ins Wort fallen, bloß keinen Gedanken zu Ende…
    „Verschwendet eure Jugend!“ ist ein köstliches Plädoyer für Social Media.

  3. 03
    JST

    Hmm. Habe mir die Sendung gestern Abend angeschaut. Was @Basedow1764 schreibt, kann ich in Bezug auf Regie und Schnitt der Sendung nachvollziehen und sehe es auch so. Letztendlich ist es eine Talkshow, wie jede andere auch. Sie spitzt einen verbalen Schaukampf zu und sorgt auf jeden Fall nicht für einen Erkenntnisgewinn.

    Was Johnny und Herrn Spitzer angeht: Johnny hat schon deshalb Sympathiepunkte gewonnen, weil er eindeutig ruhiger und (wenn er zu Wort kam) auch sachlicher mit dem Thema und der Situation umgegangen ist.

    Spitzer hat sicherlich berechtigte Kritik an Medienstudien und deren Untersuchungsdesign, auch seine Kritik an möglichen Broschüren der Regierung scheinen mir Sinn zu machen. Er wirkt aber auf mich auch wie ein Verschwörungstheoretiker, der immer Recht hat, der niemanden ausreden lässt und den Eindruck bei mir erweckt, dass er an einer Diskussion gar nicht interessiert ist. (Siehe auch Beitrag von Nilzenburger). Er bellt seine Meinung zu jedem unpassendem Moment heraus und wirkt unglaublich aggressiv. Für mich hat er sein Gesicht als Wissenschaftler in dieser Sendung verloren und die Maske des Buchvertickers aufgesetzt. Seinen Verlag wird das freuen – traurig aber wahr.

    Für mich bestätigt sich auch wieder ein entscheidender Punkt: Talkshows sorgen nicht für fairen Meinungsaustausch, sie werden von der Regie und Dramaturgie immer so inszeniert, dass die Meinungen polarisieren und einen Unterhaltungswert haben. Es findet nur ein Schaukampf statt – immer und immer wieder. Die gesamte Studiogestaltung und die einzelnen Elemente der Sendung bestätigen das. Es ist eine Arena, die Meinungen zur Belustigung der ZuschauerInnen aufeinander prallen lässt.

    Wenn ich einen Wunsch frei hätte in Bezug auf TV-Talkshows, dann würde ich sie gegen 1-zu-1-Gespräche ohne RegisseurInnen und DramaturgInnen ersetzen. Zwei Leute verabreden sich zu einer Diskussion, einem Gespräch und bekommen eine Zeitvorgabe. Beide werden sich gut vorbereiten und am Ende werden die ZuschauerInnen hoffentlich einen deutlich weiteren Horizont haben, weil sie sich auf zwei Menschen konzentrieren können und kein Mensch dazwischenfunkt und aus vermeintlich wichtiger Position heraus die Diskussion wieder polarisierender macht.

    Mein Pluspunkt für Johnny: Gewollt oder ungewollt, hat er durch seine recht relaxte Art das Format für mich ad absurdum geführt.

  4. 04

    Dies ist meine erste ZDF log in Sendung die ich gesehen habe und meine Vorurteile gegenüber Mitmachformaten im Fernsehen habe sich bestätigt. Dieses ständige „Wir lesen jetzt mal aus dem Internet vor“ ist lästig und lässt keine Diskussion im Studio aufkommen. Nicht dass dies bei traditionellen Talkshows besser wäre, aber in diesem Format ist es extrem.

    Dann ist mir noch etwas aufgefallen was mich an Sigourney Weavers Rolle in Galaxy Quest erinnerte:
    Frauen an den Herd? Das war Gestern! Heute lesen Frauen von Computerbildschirmen vor (Ist ja bei Plasberg genauso), oder wenn man eine charmante junge Dame ist kann man auch als NetZscout (Tippse) beim ZDF arbeiten.

  5. 05

    Ich sag nur:
    Panser

    [Think T(h)ank]

  6. 06

    Nach – Vortrag zu #50

    ZDF Kultur

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/1720606/Roche-&-Böhmermann-am-2-September

    Ihr könnt mich auch alle gernhaben. :)

  7. 07
    flubutjan

    Hab‘ mir die Hälfte angeguckt (guckst Du dann bitte aber wenigstens auch mal meine nächste Fernsehdisskussion mit Peter Sloterdijk, Barabara Streisand und Egon Bahr?)

    Du hattest es da mit einem Möchtegern-Kassandro (ich möchte das gern so hart sagen) mit entsprechenden Definitionsmachtambitionen zu tun. Mehr als Machtambitionen strahlt Spitzer auch nicht ab, finde ich. Mit Ausnahme der Wünsche, einen in Depression und Schuldgefühl (wegen der ganzen verwerflichen Daddelei, den Verbrechen an den Kindern) zu versetzen. „Angstmacher und Sorgenfütterer“ traf’s.

    Es wird viel mehr gelesen UND GESCHRIEBEN als „früher“. Sprache. Sprache, Herr Spitzer, Sprache ist lebendiger Geist. Und der geht seit einiger Zeit dank Internet durch die Decke. Mr. „Hirnforscher“.

  8. 08
    flubutjan

    @#808258: Seh‘ ich genauso.

  9. 09

    Irgendwie habt ihr alle für euch gesehen Recht.

    Auch ich stütze mich auf die Krücke, die meine
    Faulheit bzgl. schulischer Leistungen den tlw.
    dummen Lehrkräften zuschustert.

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/1720560/Macht-Lernen-dumm

  10. 10
    leo

    Übrigens: Lesch zu Hirn und Internet: http://www.youtube.com/watch?v=w863VoM25Dg

  11. 11

    Mich erreichte aktuell eine Nachricht,
    die, wie viele andere auch, innhaltlich
    darüber auslässt, welch schleichende
    DSL-Verbindungen es unmöglich ma-
    chen an Zitat: ‚allen‘ teilzunehmen.
    Das mit dem Funkstandard LTE, was
    ehemals von der Bundesregierung
    als Lückenbüßer fur die Provinz als
    Kommunikationsversorgung galt,
    wird, wie auch mein Textlaut nicht verfolgt.

    Scherzkekse halten sich länger in Blechdosen.

    Thanks Bender

    http://www1.swr.de/podcast/xml/swr1/bw/leute.xml

    http://daserste.ndr.de/guentherjauch/

  12. 12
    Jörg

    17 Jahre alt, gehört dennoch zur Diskussion:
    http://www.spiegel.de/spiegel/kulturspiegel/d-9260190.html

  13. 13
  14. 14
    ralf

    Lol, ihr muesst die digitalen Medien ja maechtig geil finden, um sich ueber sowas aufzuregen. Meine Kinder halte ich jedenfalls lieber davon fern, soweit es geht. Klar ist das umbequem, aber ich glaube draussen mit Freunden spielen ist wichtiger.

  15. 15

    Ich denke die Argumente von Herr Spitzer mit „Studien“ und „Wissenschaftler sein“ kommen nicht wirklich an. (auch wenn ich diese nachvollziehen kann)
    Er zeigt aber die Gefahren der digitalen Welt auf. Diese werden total unterschätzt. Mein Argument: Schauen sie sich doch nur mal in der Stadt um wie viele Leute während dem laufen Smartphones benutzen. Diese Reizüberflutung wird diese jungen Generation noch in einer ernste Phase rein bringen. Die Leute haben leider aus der Burnoutthemen die es in den Medien gab, keine Konsequenzen gezogen.
    Ich selber beschäftige mich viel mit der digitalen Welt und speziell der Eifersucht die dort ein großes Problem wird.
    Zusätzlich habe ich einen PRO SPITZER Meinung auf meinem „Blog“ auf der Homepage, die überzeugt.
    Gruß

  16. 16
    Jeff

    „Den Mitschnitt der Sendung findet ihr in der Mediathek.“

    Wenn man sich bei ZDF-Mediathek-Besuchen über den User Agent als „iPad“ ausgibt, kann man sich den Mitschnitt in bester Qualität direkt per Rechtsklick auf Platte befördern und muß sich nicht durch das gepufferte Streaming-Elend quälen.

    Manuelles anhängen von „?flash=off&ipad=true“ tut’s auch:
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1715716/Klicken-wir-uns-das-Gehirn-weg?flash=off&ipad=true

  17. 17
    biblio

    Jetzt hat sich endlich auch das JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis zu Spitzer aktuellem Werk geäußert.“Hier wird mit den Ängsten und Sorgen von Eltern und professionell Erziehenden gespielt anstatt aufzuklären.“
    http://www.jff.de/index.php?BEITRAG_ID=6554

  18. 18
    flubutjan

    „Gamification“ – DArüber sollte man mal ausführlicher reden, bitte.

  19. 19
    Mister T

    @ralf: Für den Rest ihres Lebens oder wie soll diese Fernhaltetaktik funktionieren?

  20. 20
    Sukram71

    @#808233:
    Vor allen Dingen hat der Spitzer diese „Anzahl der Freunde von Facebook-User“-Studie auch noch so falsch mit nem Größenvergleich Männer-Frauen verglichen und als Unsinn abgetan.

    Dabei ist es doch sinnvoll nur nach bis zu 6 Freunden zu fragen, wenn man sinnvolle Werte erhalten will. Weil ob jemand 5 oder 15 Freunde hat, ist schließlich irgendwo egal.

    Jemand mit „nur“ 5 Freunden ist ja nicht einsam und jemand mit 10 Freunden deshalb nicht besser sozial integriert.
    Jedenfalls könnte man nicht daraus schließen, dass Facebook-Nutzer isoliert wären oder keine Freund hätten. Drei gute Freunde reichen schließlich auch und sind sicher besser als 10 schlechte oder lose Freunde.

  21. 21
    Sukram71

    Ob jemand 20 cm größer oder kleiner ist, macht einen erheblichen Unterschied und ist wichtig, wenn man die durchschnittliche Größe von Männern und Frauen vergleichen wollte.

    Ober aber jemand 3 oder 20 Freund hat, macht praktische keinen Unterschied, für die Aussage ob jemand sozial integriert und glücklich ist. ^^

  22. 22
  23. 23

    Sukram71

    http://swrmediathek.de/suche.htm
    mein ungewollter Fehler, darauf hin-
    zuweisen, im Suchfeld den Namen
    einzugeben. Sorry

  24. 24
  25. 25

    Wirklich interessantes Thema, wobei ich deiner Meinung. Digitale Medien bringen uns voran, wenn man sie natürlich richtig nutzt! ;-)

  26. 26

    Klingt auf jeden fall interessant, nicht nur das Thema, auch die Kommentare dazu.

  27. 27

    Es ist immer schön, solche Beiträge und die Kommentare dazu zu lesen. Betrachtet man alles mit etwas Abstand und hört auf sein Bauchgefühl, sollte es mit einer gesunden Mischung passen, die ja auch in „Netzgemüse“ angedeutet wird.
    Früher hieß es „Rock’n Roll verdirbt die Jugend“ – heute ist es das Internet. Zeiten ändern sich. Vorschnelles Übers-Ziel-Hinausschießen leider nicht.

  28. 28
    Daniel Eisermann

    @#808191:
    Ach weisst du, mit deiner Verschwörungstheoretiker-Keule bist du um keinen Deut besser oder oder informierter als Spitzer. Blablakritik ohne Nährwert. tut mir Leid. Es ist nun einmal das Unwort des Jahrzehnts.

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