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#rp14: Nachlese

Die achte re:publica liegt hinter uns, die Hallen sind leer, nach zehn langen Tagen und Nächten ohne viel Schlaf hat das Team die Station Berlin verlassen.

Ein Resümee der re:publica, die 2007 mit rund 700 Gästen von Andreas Gebhard, Markus Beckedahl, Tanja Haeusler und mir gestartet wurde und in diesem Jahr über 6.000 Menschen nach Berlin locken konnte, darf nicht ohne weiteres Abfeiern dieses Teams beginnen.

Selfie: Beinahe das gesamte Kernteam der #rp14

Denn das, was die „alten Hasen“, die schon länger bei der rp dabei sind, gemeinsam mit „den Neuen“, die in diesem Jahr zum ersten Mal dabei waren, auf die Beine gestellt haben, verdient größten Respekt und ein dickes öffentliches Dankeschön von mir als Teil des Gründungs- und Leitungsteams. Ich weiß aus Erfahrung mit anderen Veranstaltungen und Teams, dass es keineswegs selbstverständlich ist, wie uneitel und kollegial, wie professionell und trotzdem gelassen das Kernteam von über 20 Menschen die re:publica 2014 gemeinsam mit 525 Helferinnen und Helfern vor Ort auf die Beine gestellt hat.

Ich weiß, man sollte das eigentlich nicht erwähnen müssen. Schließlich ist die re:publica schon lange kein kleines Event mehr, und dass ein Happening mit tausenden von Gästen professionell und halbwegs reibungslos über die Bühne geht, davon sollte man ausgehen.

Aber die re:publica ist und bleibt etwas Besonderes. Sie ist 2007 nicht entstanden, weil eine Zielgruppe an irgendein anderes Produkt gebunden werden sollte, sie ist nicht entstanden, weil eine Marktlücke entdeckt wurde, sie ist nicht entstanden, weil jemand mit der Politik kuscheln, sich wichtig oder die Taschen voll machen wollte. Anders als viele andere Events ist die re:publica entstanden, weil sie nötig war. Die Tatsache, dass sie es heute mehr denn je ist und dass sie ein enormes Wachstum erlebt, erfordert Wirtschaftlichkeit und Professionalität, dennoch bleibt der Motor der re:publica die Leidenschaft und der Spaß, mit denen sie von allen Beteiligten gemacht wird.

Anzahl der Helferinnen & Helfer #rp14 fast = Anzahl Gäste #rp07

Und zu diesen beteiligten Macherinnen und Machern gehören neben dem Team, den Helferinnen und Helfern und neben den Partnern und Sponsoren eben auch und ganz besonders die Gäste. Erst dieser heterogene Besuchermix aus immer mehr Ländern und mit unterschiedlichsten Hintergründen, Fähigkeiten und Zielen macht die re:publica zu dem, was sie ist: Einem Festival der digitalen Kultur, Politik und Technik.

Der Begriff „Netzgemeinde“ wird herangezogen, um diese Gäste zu beschreiben (zu „clustern“), und das ist in Ordnung, solange man dabei nicht den falschen Eindruck erweckt, es gäbe eine Einigkeit auf der re:publica, die es erlaubt, von ihren Gästen als homogene Menschenmenge zu sprechen. Denn das ist weder fair noch korrekt.

Klar, der Natur der Veranstaltung entsprechend interessiert sich der Großteil der re:publica-Gäste für die digitale Gesellschaft im weitesten Sinne, viele von ihnen jedoch für sehr spezielle und sehr unterschiedliche Bereiche. Netzpolitik spielt eine Rolle, keineswegs aber die einzige. Technische Aspekte und Wissenschaft bilden Teilbereiche, unzählige Meta-Ebenen werden diskutiert, jede Menge Spaß und Unterhaltung hat ihren Platz, Workshops erweitern Horizonte und Fähigkeiten, und eine Subkonferenz wie die re:learn, in der allein sich hunderte Menschen mit dem Bereich Bildung auseinandersetzen, zieht ein Publikum an, für das „Netzgemeinde“ ein viel zu kurz gedachter Begriff ist. Denn er impliziert – an manchen Stellen durchaus beabsichtigt – Lebenseinseitigkeit bei den so Bezeichneten und wirkt daher in manchem Kontext sogar abwertend. Die re:publica ist aber weder Religion noch Sekte, weder Partei noch Verein, weder Elite noch Club. Sie ist eine Plattform.

Ich bin stolz auf diese Plattform, weil sie sich bemüht, jeden zu integrieren, der dabei sein möchte. Ich bin stolz auf die re:publica, weil sie auch über die eigene Filterblase hinaus Beiträge zu vielen Debatten leistet, da viele Talks als Video-, alle (!) Sessions als Audio-Mitschnitt und alle drei Tage als E-Book und natürlich fotografisch dokumentiert zur Verfügung gestellt werden. Und ich bin stolz auf diese Veranstaltung, weil mir keine andere bekannt ist, auf der Programmiererinnen, Lehrerinnen, Soziologen, Philosophinnen, Hacker, Nerds, Eltern, Söhne, Töchter, Geeks, Kulturschaffende, Pädagogen, Technikerinnen, Aktivisten, Firmenleiterinnen, Journalisten, Fernseh- und Radioleute, Gründerinnen, Unternehmensleiter, Designerinnen, Musiker, Bastler, Forscherinnen, Künstler, Autorinnen, Videomacherinnen, Werberinnen und sogar Blogger aus aller Herren Länder zusammenkommen, um zu- und miteinander zu reden und danach zu feiern.

Das füttert den Kopf und das macht Spaß.
Das machen wir nächstes Jahr einfach wieder.

10 Kommentare

  1. 01
    Andi Meyer

    Ein herzliches Dankeschön, und bis 2015!

  2. 02

    Auch von meiner Seite als Gast ein riesengroßes Dankeschön ans Team. Ihr habt das so gut gemacht, dass man gar nicht gemerkt hat, dass ihr da seid. Und das dürfte mit eines der größten Komplimente sein, die man einem Orgateam geben kann. Alles klappte so gut, wurde so top organisiert. Als du Johnny den Termin für die #rp15 verkündet hast, war ich binnen zweier Minuten (dank dieses internetzes) mit einem Hotel fürs nächste Jahr versorgt.

    Selten war die re:publica so wichtig wie heute, und noch nie so groß, und auf jeden Fall hat sie gerockt. Nicht nur am Schluss (aber da ganz besonders)
    DANKE!
    Uwe aka @bicyclist

  3. 03
    Richard

    Wann findet die #rp15 statt?

  4. 04

    @Richard: In der Woche ab dem 4. Mai 2015.

  5. 05
    ber

    Dank an alle rp14 Macher/innen! Ein paar Eindrücke und Bemerkungen:

    Dufte:
    – schöner Trailer und gesamtes Erscheinungsbild
    – Kisten als Sitzmöbel und Sprechertische
    – Vorträge von Lobo und Friebe (hab noch nicht alle Vorträge durch)
    – angemessene Frauenquote

    To do:
    Audioclips der Vorträge sind auf der rp14 Seite nicht zu finden, die Videos sind jedoch bei den Sessiondetails eingebettet

    Things that made me go „hmm“:
    – Gesche Joost (Vertreterin Dtl. im EU Gremium „Digital Champions“) ist begeistert von Neelie Kroes (ab 4:00):
    http://re-publica.de/en/session/designforschung-fuer-vernetzte-gesellschaft

    – die Net Neutrality NGOs sehen Frau Kroes komplett anders:
    http://re-publica.de/en/session/how-we-won-battle-net-neutrality-europe

    – bei einigen Vorträgen wurde um Spenden für NGOs gebeten. Könnte man das evl. in die rp Seite integrieren (Spendenbutton oder sowas)? Ich fühl mich etwas unwohl alle Vorträge umsonst zu bekommen (ernsthaft).

  6. 06

    @ber: Danke für den Input, nehme ich mit in die große Runde heute.

  7. 07

    Schöne Nachlese und auch das Titelbild gefällt mir! :)

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