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Rauchen in der Wikipedia – A photoshopped dream

Kürzlich träumte ich, ich sei in der Wikipedia. Nicht im Sinne von „ich hatte einen Wikipedia-Eintrag“ oder „ich hab mich durch die Enzyklopädie geklickt“, sondern ich war an dem Ort Wikipedia, der im Grunde einer riesigen Bibliothek glich, aber eher nach Lager roch. Während ich durch die Regalreihen schlenderte, folgte mir im Hintergrund eine ältere Frau in Kittel und Latschen.

Die Wikipedia-Aufsicht vermutlich.
Weil sie mir ein wenig unangenehm hinterherschlich, drehte ich mich schließlich zu ihr um. Sie hielt einen übervollen Aschenbecher in den Händen. Erst jetzt registrierte ich die brennende Zigarette zwischen meinen Fingern. „Oh!“, sagte ich „entschuldigen Sie bitte die Zigarette, hier darf man sicher gar nicht rauchen?“ „Nein, eigentlich nicht“, antwortete sie „aber das ist schon in Ordnung, ich find’s ja schön, dass mal jemand vorbei kommt.“ Vorsichtig ging ich mit meiner Zigarette zu ihr um abzuaschen, stieß dabei aber so unglücklich gegen den Aschenbecher, dass er ihr aus den Händen fiel. In Sekunden stank die Wikipedia bestialisch nach den Kippen, die zusammen mit der Asche überall verteilt lagen. Ich träumte ein intensives Peinlichkeitsgefühl, sowie ein echtes Bangen darum, jemand könne genau jetzt hereinkommen und sehen: Voilá, Saustall, dachte ich mir schon!
Zusammen mit der Wikipedia-Hausmeisterin suchte ich für den Rest des Traumes so panisch vergebens nach Handfeger und Kehrschaufel, dass ich völlig verschwitzt aufwachte.

Für deutlich psychodelischeres Traumzeugs besucht ihr bitte photoshop your dreams , wo Margaux auch deinen Träumen ein Zuhause photoshopped. Danke, Margaux, jetzt geht’s schon gleich viel besser!

P.S.: Get a broom, Jimbo!

10 Kommentare

  1. 01

    Rauchst Du eigentlich außerhalb Deiner Träume?

  2. 02

    Selten. Kaum. Eigentlich nie. Also, fast nie.

  3. 03
    Lars

    Erinnert mich an die Gestalten, die nach der Wende in der Ost-Berliner Staatsbibliothek Dienst schoben: In geblümten Kittelschürzen, faul, maulig und völlig unfähig, schlurften sie durch die Gänge, gekleidet und sich gebärdend wie Klofrauen auf’m Bahnhof Zoo. Ob da geraucht wurde, vermag ich nicht zu sagen.

  4. 04
    Uwe

    Wenn Johnny das geschrieben hätte, würde ich mir jetzt Sorgen machen :)

  5. 05

    Wir waren ja alle mal Raucherinnen oder Raucher, selbst wenn es nur passives oder Shit Rauchen war. Dennoch hat was groteskes, wenn du es wirklich geträumt hast. Geht schon ein wenig in die Richtung Alptraum, besonders wenn man die Verbindung zum Internet in diesem Traum etwas näher betrachtet. Aber ich würde sagen, Tanja, du freust dich einfach auf die re:publica 15. Hier wird gutes Dope höchstwahrscheinlich auch nur heimlich geraucht und die Schweinerei mit den ganzen Kippen, will man ja eigentlich auch nicht haben, selbst wenn Handfeger und Kehrschaufel auf dieser Veranstaltung bestimmt in Reichweite liegen. In diesem Sinne, Träume wollen gelebt werden. :-)

  6. 06
    Udo

    Interessant und lustig. Sehr interessant. Sehr symbolhaft. Und bedeutungsvoll. Noch interessanter wäre es, herauszufinden ob der Tod von Nimoy Dir zumindest teilweise diesen Traum beschert hat.

  7. 07

    Nee, der Traum ist schon ein kleines bisschen älter und stammt aus der Zeit, in der ich am Netzgemüse geschrieben habe. Damals hab ich irre viele Gespräche mit Eltern geführt und mich dabei z.B. beim Thema wikipedia in Faustkampfnähe diskutiert, weil manch einer fordert, die wikipedia müsse verboten, mindestens aber einmal jährlich komplett gelöscht werden usw. Raucher haben ein ähnlich schlechtes Image, daher vielleicht der volle Aschenbecher?
    Dass nun in dem Traum ausgerechnet ich mich so schlecht benehme und der Wikipedia damit schade machte tatsächlich einen Alptraum daraus.

  8. 08
    Udo

    Meiner Erfahrung nach bringt es nicht immer etwas, Träume zu hinterfragen. Inzwischen aber immer öfter, weil ich mich auch drauf konzentriere. Inzwischen hatte ich auch mal nen halbbewußten Klartraum.

    Mittlerweile ertappe ich mich dabei, im Traum Alternativen auszuprobieren oder von Traumgestalten vorgeschlagen zu bekommen. Vielleicht hängt das auch mit dem Älterwerden zusammen, weil ich von mir aus weniger unternehme aus Lust- und Zeitgründen. Oder daran, dass ich nach Alternativen suche. Oft drängt mich der Alltag auch dazu, bestimmte Handlungen schematisch auszuführen. Vielleicht rebelliert dann der Kopf gegen diesen Trott.

    Ich habe einen Tick. Neulich fragte mich jemand im Traum: „Wieso machst du das immer?“ Ich konnte darauf keine Antwort geben – es hat mich aber motiviert, mich mit diesem Tick mal bewusst auseinander zu setzen.
    Oder wenn ich mich in bestimmte Dinge (Diskussionen z.B.) reinsteigere und vielleicht übers Ziel hinausschieße, kann es sein, dass das im Traum wieder hochkommt und ich dann den Rückzug einleite bzw. eingeleitet bekomme.

    Aus Erzählungen von Freunden weiß ich, dass relativ viele Menschen symbolhafte Träume erleben, dass die wenigsten sich aber die Mühe machen, sich damit auseinander zu setzen. Was auch daran liegt, dass man es gleich machen muss, sonst ist der Inhalt weg. Außerdem hat es auch viel mit Ernährung, rauchen, Alkohol etc. zu tun…

    Es gibt Indiander, für die sind Träume das Höchste. Die pflegen ihre Traumkultur und erzählen sich davon gegenseitig.

  9. 09

    Ich hatte das Buch schon als Weihnachtsgeschenk zuhause liegen, bin aber erst durch diese Artikel dazu übergegangen, es auch zu lesen und hatte ein sehr kurzweiliges Wochendvergnügen mit vielen Lachern, gelegentlichem Fremschämen, Mitleid, viel innerem Verständnis und massenhaft guter Unterhaltung.
    Danke Fil!

  10. 10
    Fischers Fritze

    Nicht immer zuviele Gedanken machen, als Raucher schon gar nicht :-).

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